Flutzerstörte Häuser und Straßen in Deutschland werden von Helfern freigeräumt

Hilfe für Flutbetroffene

Hochwasserkatastrophe in Deutschland

Flutzerstörte Häuser und Straßen in Deutschland werden von Helfern freigeräumt

Hilfe für Flutbetroffene

Hochwasserkatastrophe in Deutschland

In der Nacht zum 15. Juli 2021 haben schwere Unwetter in Deutschland große Zerstörung und Leid hinterlassen, über 180 Menschen verloren ihr Leben. Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland hat besonders die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen getroffen. In dieser schweren Zeit stehen wir den Menschen zur Seite und das, solange Hilfe gebraucht wird. Wir begleiten sie bei den Aufräumarbeiten und beim Wiederaufbau finanziell und logistisch.

Projektinfos

Katastrophenhilfe

Deutschland

Jul 2021 - Jun 2024

PROJEKTZIELE

Deutschland steht unter Wasser

Hochwasser ist in Deutschland kein neues Phänomen. Seit der Jahrtausendwende hat das Ausmaß und die Häufigkeit der Überschwemmungen jedoch zugenommen. Innerhalb weniger Jahren ereigneten sich mehrere Extremereignisse, die unsere Gegenwart und Zukunft belasten. Jeder kann sich an die Flut 2002 erinnern, als die Elbe über ihre Ufer trat. Das Ereignis galt als das schwerste bis dahin registrierte Hochwasser. Damals dachte keiner daran, dass weitere Rekordhochwasser uns plagen würden. Im Jahr 2013 wurden an der Elbe und an der Donau weitere historische Pegelhochstände gemeldet. Beide Fluten galten zu ihren Zeiten bereits als Jahrhundertkatastrophen. Das Hochwasser von Mitte Juli 2021 erreichte in Westdeutschland Verluste und Schäden in bisher unbekannter Höhe.

Besonders betroffen waren die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Zahlreiche kleine Flüsse traten aus ihrem Bett und hinterließen eine Landschaft der Verwüstung. Die Behörden sprechen von einem Pegelstand zwischen 700 und 800 cm (mittlerer Wasserstand im Jahr liegt bei 58 cm). Rund 65.000 Menschen waren im gesamten Schadensgebiet betroffen, 42.000 allein im Kreis Ahrweiler. Die materiellen Schäden sind enorm. Aktuellen Schätzungen zufolge werden mehr als 30 Milliarden Euro benötigt, um Häuser, Verkehrsinfrastrukturen, Strom,- Wasser-, und Gasversorgung wiederherzustellen. Die geografische Lage und die engen Täler erschwerten den Zugang für Hilfskräfte. Mit über 180 Toten ist es das tödlichste Hochwasserereignis der letzten 60 Jahren.

Nach der Flutkatastrophe möchten wir für die Menschen da sein

ADRA unterstützt über 80 soziale Einrichtungen und lokale Helfergruppen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen finanziell und logistisch. Soziale Einrichtungen umfassen u.a. Kindergärten, Schulen, Alten- und Pflegeheime, Tafeln sowie Sportstätten und Tierheime. ADRA reiste in den ersten Monaten nach der Flut wöchentlich in das Hochwassergebiet, um sicherzustellen, dass die Spenden dort ankamen, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. ADRA ist in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit im Ausland seit vielen Jahren tätig. Für die Hilfe in Deutschland wurde die ADRA Soteria gegründet. Diese neue gGbmH leistet schnell und effektiv Katastrophenhilfe in Deutschland.

Starke Regenfälle in Deutschland spülen Bäume und Baumstämme auf Zugschienen, die von zwei Kränen wieder freigeräumt werden
Helfer von ADRA in gelben und schwarzen Westen stehen unter einem Pavillon und kommunizieren

Dank der großartigen Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender können wir den Menschen jetzt und in Zukunft zur Seite stehen. Die Hilfsmaßnahmen umfassen drei Phasen:

  • Nothilfe: In den ersten Tagen und Wochen nach der Flut unterstützte ADRA finanziell freiwillige Initiativen, die Sachspenden, Lebensmittel und Trinkwasser beschafften, sortierten und an die Menschen verteilten. Freiwillige Helferinnen und Helfer erhielten bei den Aufräumarbeiten eine logistische und finanzielle Hilfe. Zur ersten Phase der Nothilfe zählte auch die Bereitstellung von Soforthilfen für betroffene Haushalte, soziale Einrichtungen und landwirtschaftliche Betriebe.
  • Mittelfristige Hilfe: In dieser Phase helfen wir den betroffenen Menschen, über den Winter zu kommen und die Zeit bis zum vollständigen Wiederaufbau angemessen zu überbrücken. Dabei unterstützen wir mit Übergangskindergärten, psychologischer Betreuung, Flutküchen, Notheizungen und finanzieren Übergangswohnungen.
  • Langfristige Hilfe:  Wir helfen beim Wiederaufbau sozialer Einrichtungen finanziell und logistisch. Wir unterstützen bedürftige Familien, deren Zuhause zerstört wurden mit effektiven Mikroorganismen (EM). Es handelt sich dabei um eine konzentrierte Mischung aus Mikroorganismen, Bakterien und Pilzen, die biologisch abbaubar sind. Durch das Hochwasser Mitte Juli wurden giftige Substanzen und Schadstoffe angeschwemmt, die sich in den Häusern und Gärten abgesetzt haben. Zur Beseitigung von Geruch und Schimmel werden EM eingesetzt. Zwei Experten von ADRA bieten Schulungen an und begleiten die Menschen vor Ort. Seit September 2021 wurden über 30.000 Liter an 20 Ausgabestellen kostenlos verteilt

Jetzt für Katastrophenhilfe spenden

25 Euro

für Hygieneartikel für eine Familie

85 Euro

für eine Schulung zum Thema Katastrophenschutz

30 Euro

für eine Notunterkunft

Die AHRche - ein Verein für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau

Eine lächelnde Mitarbeiterin des Cafés Ahrche befüllt Kaffee aus einer Kaffeekanne in eine Tasse unter einem Pavillon nach den Ereignissen der Flutkatastrophe

Am 25.08.2021 besuchten wir die AHRche – einen Verein für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau. Dieser wurde im Zuge der Flut Mitte Juli in Ahrweiler von der lokalen Bevölkerung zusammen mit freiwilligen Helfern und Helferinnen gegründet. Das Ziel der AHRche ist es, auf die akute Not der lokalen Bevölkerung zu reagieren und den langwierigen Wiederaufbauprozess materiell und logistisch zu begleiten. Der Verein wird von ADRA Deutschland e.V. finanziell unterstützt und fungiert als sozialer Treffpunkt für betroffene Anwohnerinnen und Anwohner.

Bei unserer Ankunft wurden wir mit einer Tasse Kaffee und einem breiten Lächeln von Claire H. empfangen. Claire wohnt seit vielen Jahren in Ahrweiler. Ihre Wohnung liegt gegenüber der Altstadt, auf der anderen Seite des Ahrufers.

In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 wurden ihr Keller und Teile ihrer Wohnung überschwemmt. Sie wohnt in einem 6-Familienhaus. Alle Bewohner des Hauses waren von der Flut getroffen. Wie alle Menschen aus der Region war sie überwältigt von dem Ausmaß der Zerstörung, das die Flut hinterließ. „Viele Erinnerungen gingen mit der Flut verloren“, erklärt sie uns. Sie möchte aber die Bilder dieser schrecklichen Nacht aus ihrem Kopf verjagen und sich auf das Wichtigste konzentrieren: „Ich bin unglaublich dankbar, dass wir keine Toten hatten“, fügte sie hinzu. „Im ersten Stock wohnt eine ältere Dame, die ihre Wohnung nicht rechtzeitig verlassen konnte. Sie wurde von einer jüngeren Bewohnerin gerettet. Es ist wirklich ein Segen, dass wir noch alle am Leben sind. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen uns geholfen haben. Ein paar Häuser weiter wohnt ein Paar, das ein Kind erwartet. Freunde von ihnen waren im Urlaub in Frankreich, als die Ahr über ihre Ufer trat. Als sie von der Katastrophe erfuhren, haben sie alles im Auto zusammengepackt, viele Lebensmittel eingekauft und sind direkt nach Ahrweiler gefahren. Als sie hier ankamen, haben sie ihren Freunden geholfen, das überschwemmte Haus leerzuräumen und haben noch Lebensmittel, Kleider und Arbeitswerkzeuge für uns organisiert. Ihr Einsatz steht als Symbol für all die Hilfe, die wir erhalten haben und immer noch erhalten,“ erklärt sie uns, während sie einem Helfer einen warmen Kaffee einschenkt.

Ich habe gemerkt, dass niemand Kaffee für die Menschen kochte. Also habe ich meine Kaffeemaschine unter den Arm genommen und habe unter einem Zelt eine kleine Kaffee- und Teeausgabe errichtet. In den letzten Wochen habe ich schon drei Generationen an Kaffeemaschinen verbraucht“, sagt sie uns lächelnd. Sie hat ihr kleines Café „cafe costa de ahr“ genannt.
Vor der Flut habe ich mit den Hausbewohnern kaum gesprochen. Jetzt geben wir gegenseitig auf uns Acht. In der Straße, in der ich wohne, bin ich jetzt mit allen per DuWir bilden eine starke Gemeinschaft“, fährt sie fort. „Ein Helfer hat mir sogar eine Kaffeetasse mit dem Namen des Zeltkaffees als Dankeschön geschenkt! Der Schlamm wurde aus den Häusern geräumt. Uns steht aber noch viel bevor. Der Winter kommt und nicht alle haben eine feste Unterkunft für den Winter. Gas- und Stromanschlüsse hat niemand in der Straße. Die Häuser kann man deshalb im Moment nicht heizen“, erklärt sie.

Ich freue mich über eure Hilfe. Ich danke ADRA und den Spendern und Spenderinnen. Es wird lange dauern, bis wir wieder ein normales Leben haben werden. In den Nachrichten wird kaum noch über uns gesprochen. Die Probleme sind aber nicht verschwunden! Es ist schön, nicht alleine zu sein“, sagt sie und winkt uns zum Abschied zu.

In ihrer Straße gibt es kein Haus, das nicht von der Flut getroffen wurde. Zusammen mit Nachbarn und freiwilligen Helferinnen und Helfern hat sie den Schlamm aus ihrer Wohnung geräumt. Die Menschen haben sich schnell in einem Verein zusammengeschlossen, um sich gegenseitig zu helfen und zu trösten. Die AHRche e.V. koordiniert auch unter anderem die Arbeit der freiwilligen Helfer und Helferinnen und die Sachspenden. Mit einem kostenlosen warmen Kaffee und ein paar netten Worten gibt sie den Menschen hier Hoffnung. Claire kannte ADRA bisher nicht. Sie freut sich über unsere Hilfe und hofft auf weitere Unterstützung für die Menschen im Ort.

Über Deutschland

In der Nacht zum 15. Juli 2021 haben schwere Unwetter in Deutschland große Zerstörung und Leid hinterlassen, über 180 Menschen verloren ihr Leben. Die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat es besonders getroffen. In dieser schweren Zeit stehen wir den Menschen zur Seite und das, solange Hilfe gebraucht wird.

Partner und Förderung

Dieses Projekt wird unterstützt von der Aktion Deutschland Hilft.

Aktion Deutschland hilft Bündnis deutscher Hilfsorganisationen Logo
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Eine lächelnde Frau steht zwischen zwei Männern, vor einem ADRA-Plakat und hält eine Pumpe für effektive Mikroorganismen in den Händen
Eine kleine Küche in schwarz, daneben ein Tisch, auf dessen zwei Gläser abgelegt sind und hintendran Kisten und Kartons aufeinander gestaut sind

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