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Wie wir arbeiten
Humanitäre Hilfe findet meist in einem schwierigen Umfeld mit schlechter Sicherheitslage und hohem Zeitdruck statt. Daher ist es uns wichtig, dass sich unsere Arbeit an bestimmten Grundsätzen und Prinzipien orientiert.
Humanitäre Prinzipien als Grundlage unserer Arbeit
Menschen, die aufgrund von Katastrophen in eine humanitäre Krise geraten sind und diese nicht eigenständig bewältigen können, haben ein Recht auf Hilfe und Schutz. ADRA arbeitet auf Basis des humanitären Völkerrechts, dessen Prinzipien nach den Grundsätzen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung entwickelt wurden. Im Jahr 1991 wurden die drei Prinzipien Menschlichkeit, Unparteilichkeit und Neutralität als Basis der weltweiten humanitären Hilfe eingeführt, im Jahr 2003 wurden sie um das Prinzip der Unabhängigkeit erweitert. Wir arbeiten unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Zielen. Der einzige Zweck der humanitären Hilfe ist es, Leid zu lindern.
Die vier humanitäre Prinzipien
Das Prinzip der
Menschlichkeit
Das Prinzip der Menschlichkeit…
Das Prinzip der
Neutralität
Das Prinzip der Neutralität…
Das Prinzip der
Unparteilichkeit
Das Prinzip der Unparteilichkeit…
Das Prinzip der
Unabhängigkeit
Das Prinzip der Unabhängigkeit…
Kräfte bündeln mit starken Partnern
Unser Netzwerk gründet auf Partnerschaften zwischen international und national agierenden föderalen ADRA-Länderbüros sowie mit anderen lokalen Nichtregierungsorganisationen. Wir beziehen die Menschen vor Ort aktiv in unsere Hilfsprogramme ein, unterstützen ihre Fähigkeiten zur Selbsthilfe und stärken ihre Resilienz gegenüber künftigen Krisen. Nothilfe, die die Bedürfnisse der betroffenen Menschen erkennt und erfüllt, ist die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung. Mit dieser Arbeitsweise stärken wir die lokale Zivilgesellschaft darin, sich für ihre Rechte und Interessen einzusetzen. Dem liegt stets der menschenrechtsbasierte Ansatz zugrunde. ADRA Deutschland e.V. ist unter anderem Gründungsmitglied des Katastrophenbündnisses Aktion Deutschland Hilft (ADH), von Gemeinsam mit Afrika und des Verbands Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO). Die Arbeit mit starken Partnern bündelt Kräfte und Kompetenzen und macht Hilfe schneller und effektiver.
Einbindung lokaler Partner in unsere Arbeit
Lokalisierung bedeutet, lokale und nationale Akteure in alle Phasen der humanitären Hilfe besser einzubinden.
Indem Maßnahmen unter lokaler Führung stärker unterstützt werden, werden die regionalen Strukturen in unseren Projektregionen gestärkt und somit die nationale Reaktionsfähigkeit erhöht.1 Lokale Akteure sind nichtstaatliche Organisationen, die in der Nothilfe tätig sind und ihren Sitz vor Ort haben, sowie staatliche Institutionen, die national oder subnational in der humanitären Hilfe arbeiten. Lokal geführte humanitäre Hilfe gibt lokalen und nationalen Akteuren den Vorzug bei allen Entscheidungen. Ihre Unabhängigkeit, ihr Wissen und ihr kulturelles Verständnis sind zentrale Bestandteile der Planung und Durchführung unserer Projekte.2 Durch lokale Akteure können humanitäre Maßnahmen wirksam, den Bedürfnissen vor Ort angepasst und vor allem zeit- und ressourceneffizient durchgeführt werden. Der überwiegende Teil humanitärer Hilfe wird bereits von lokalen Akteuren geleistet. 3
Lokalisierung ist nachhaltig
Indem lokale Strukturen gefördert werden, werden sowohl kurzfristig Ressourcen und Kosten gespart, zum Beispiel aufgrund verkürzter Transportwege, als auch langfristig der Erhalt und das Wachstum regionaler Strukturen unterstützt. Lokalisierung dient dem Klimaschutz sowie der nachhaltigen Entwicklung inländischer Strukturen. ADRA hat sich verpflichtet, den Kreis der durch uns direkt und indirekt unterstützten lokalen Akteure zu erweitern. Hierfür wollen wir vor der eigenen Haustür beginnen und den Lokalisierungsansatz in Deutschland voranbringen. Als einer der weltweit wichtigsten Geldgeber für humanitäre Hilfe sind Deutschlands Position und Engagement ausschlaggebend. ADRA ist daher aktiv an Diskussionen und politischen Entwicklungen auf nationaler Ebene beteiligt.
Investition in lokale Strukturen für eine bessere Wirksamkeit
In unseren ADRA-Projekten im Ausland sind offene Kommunikation und Partnerschaft auf Augenhöhe Grundsteine unserer Zusammenarbeit. Während eines Projektes fußt unsere Arbeitsweise auf Unabhängigkeit und Partnerschaftlichkeit zwischen den Akteuren. Die implementierenden ADRA-Büros sind rechtlich eigenständig und fester Bestandteil der lokalen Zivilgesellschaft. Oft sind die Büros gerade aus diesen lokalen Strukturen entstanden und ADRA-Mitarbeitende sind Teil der Gemeinschaft. Das sichert einen vertrauensbasierten Zugang, der sich über Jahre als nachhaltig und gefestigt erweist. Sie werden durch andere Büros des Netzwerks technisch, administrativ und/oder finanziell unterstützt. Die Entscheidungsbefugnisse verbleiben dabei in den Büros vor Ort, die ihre Projekte selbst konzipieren und durchführen. Außerdem nehmen sie an lokalen und nationalen Koordinierungsgremien teil. Unsere Projekte sind so lokal wie möglich und so international wie nötig aufgestellt, um in komplexen und fragilen Situationen Nachhaltigkeit, Qualität und Effizienz zu gewährleisten. Für eine nachhaltige, gerechte und gemeinschaftliche Zukunft fordert Lokalisierung, dass die humanitäre Arbeit grundlegend umstrukturiert wird. Durch Investitionen in nationale Strukturen und lokale Akteure kommen Nothilfemaßnahmen schneller und passgenauer bei den betroffenen Menschen an. Gleichzeitig werden die nationale Reaktionsfähigkeit und ihre Kapazitäten gestärkt sowie die lokale Souveränität respektiert. Der humanitäre Sektor befindet sich in einer Phase des Umbruchs hin zu lokalisierten Strukturen, und ADRA ist aktiver Teil dieser Weiterentwicklung.
Risikoarmes Arbeiten
Humanitäre Hilfe soll bedarfsorientiert, zielgerichtet und kultursensibel geleistet werden und die Situation für die Bevölkerung in Katastrophengebieten nicht verschlimmern. Wir arbeiten nach dem Do No Harm-Prinzip („richte keinen Schaden an“), damit wir negative Entwicklungen und Nebenwirkungen für die betroffenen Menschen, für Konfliktparteien und für die Umwelt frühzeitig erkennen und vermeiden.
Nachhaltiges Arbeiten
Alle unsere Projekttätigkeiten sind in die global gültigen 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen eingebunden. ADRA Deutschland e.V. nimmt in einem Fünfjahresrhythmus eine Fokussierung der Tätigkeitsbereiche vor. Bis zum Jahr 2026 liegen die Schwerpunkte auf den Bereichen Nahrung, Bildung, Klimaschutz und Katastrophenvorsorge.
Klimaschutz ist Bestandteil unserer Projekte
Klimaschutz ist fester Bestandteil jeder Projektgestaltung und unserer Satzung. Wichtige Instrumente sind die Förderung der Resilienz betroffener Bevölkerungsgruppen und die Katastrophenvorsorge. Dieses Wissen und das Bewusstsein für Klimafolgen und Verantwortlichkeit möchten wir administrativ bei uns verankern.
Als Organisation verfügen wir über ein umfangreiches Fachwissen im Bereich der Kohlenstoffbilanzierung und sind Mitverfasser eines umfassenden Netzwerk-Leitfadens zur Kohlenstoffreduzierung (Carbon Reduction Guide, 2021). Wir haben 2022 die Klima-Charta für humanitäre Organisationen (Climate and Environment Charter for Humanitarian Organisations) unterzeichnet, engagieren uns auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene für den Klimaschutz und nahmen am Pilotprojekt zur Erstellung des Humanitarian Carbon Calculators teil.
Verantwortung übernehmen und Rechenschaft ablegen
Sowohl gegenüber den Menschen, die wir unterstützen, als auch gegenüber denjenigen, die uns unterstützen, legen wir Rechenschaft über die uns anvertrauten Gelder ab. Wir evaluieren regelmäßig unsere Arbeit. Dazu hat ADRA weltweite, allgemein anerkannte Standards wie u. a. die Sphere Standards und den Core Humanitarian Standard mitentwickelt. Unter dem Stichwort „MEAL“ (Monitoring, Evaluation, Accountability and Learning – Überwachung, Bewertung, Rechenschaft und Lernen) wird jedes Projekt ausgewertet, und Schlüsse für die Verbesserung der weiteren Arbeit werden gezogen. So können wir im Sinne der Menschen in Not handeln und als Organisation lernen und wachsen.
Ethisches Fundraising
Die Spendensiegelleitlinien des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) sowie die VENRO-Kodizes verpflichten uns, Spenderinnen und Spender wahrhaftig und transparent über unsere Projekte zu informieren. Unangemessene emotionalisierende oder bedrängende Darstellungen in Wort, Bild und Ton lehnen wir ab. Die Würde der dargestellten Menschen wird gewahrt und niemand wird zum Zweck höherer Spendeneinnahmen durch unsere Öffentlichkeitsarbeit instrumentalisiert. Wir nehmen ausschließlich Spenden von Unternehmen an, die mit unseren Werten vereinbar sind.
Wir wollen nachhaltiger werden
Als Akteur in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit hat ADRA einen direkten Einblick in die schrecklichen Folgen der Klimakrise, die uns schon heute global betrifft. Gerade in vulnerablen Ländern sind die Schäden besonders groß, obwohl die Emissionen vor allem im globalen Norden ausgestoßen werden. Deshalb befassen wir uns mit dem Prinzip der Klimagerechtigkeit.
Wir wollen dieses Bewusstsein auf unsere Arbeit erweitern und nicht nur auf Krisen reagieren, sondern Verantwortung für eine bessere und saubere Zukunft übernehmen: Unsere Administration und unsere Projekte werden jetzt umwelt- und klimaverträglicher.
Wo wollen wir hin?
Um unsere Aktivitäten nachhaltiger zu gestalten müssen wir wissen, welche Praktiken wir ändern müssen. Nachhaltiger zu werden kann ein komplexer und anspruchsvoller Prozess sein, und obwohl wir noch einen langen Weg vor uns haben, können wir bereits sehr positive Ergebnisse vorweisen. Wir haben hausintern ein Projekt ins Leben gerufen, das abteilungsübergreifend ein Klimaneutralitätsprojekt durchführt, aber auch andere Aspekte wie Abfallverwertung, Beschaffung und Kommunikation beachtet
Die Arbeitsgruppe Organisationsnachhaltigkeit und Klimaneutralität setzt in Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung Veränderungen auf organisatorischer und operativer Ebene um. Wir planen, in unserem Büro und auf Projektebene Klimaneutralität zu erreichen, indem wir Emissionen reduzieren und nicht vermeidbare Emissionen kompensieren. Zum Beispiel wurde Energieberatungsunternehmen beauftragt, die Energieeffizienz am Dienstsitz Darmstadt/Weiterstadt zu prüfen. Die genutzte Solaranlage auf dem Dach der Dienststelle Weiterstadt produziert doppelt so viel Energie, wie wir benötigen. Überschüssige Energie wird in das örtliche Stromnetz eingespeist. In den Projekten haben wir mehrere Pilotprojekte, in denen wir Emissionsausstoß und Umweltverträglichkeit prüfen und mit Partnern nachhaltige Strategien umsetzen.
Es befinden sich mehrere Prozesse in der Bearbeitung, hier einige Beispiele:
- Keine Kurzstreckenflüge mehr und Priorisierung von Zugfahrten
- Fleischloses Catering bei allen ADRA-Veranstaltungen
- Berechnung unserer Emissionen seit 2019
- Beschaffungsmaßnahmen nachhaltig und regionaler gestalten
- Erstellung eines Fahrplan zu Emissionsminderung und Kompensationsmöglichkeiten
Unsere politische Arbeit
Politische Kommunikation – oder auch Advocacy ist für ADRA zentraler Bestandteil des eigenen Mandats. Wir sprechen als Nichtregierungsorganisation mit Entscheidungsträgern, Politikerinnen und Politikern oder gesetzgebenden Institutionen, um soziale, ökologische oder gesellschaftliche Probleme zu diskutieren. Wir möchten die Interessen von marginalisierten Gruppen und Betroffenen vertreten und dabei möglichst oft unsere Partner und Menschen in unseren Projekten an einen Tisch bringen. Advocacy bedeutet Anwaltschaft.
Unsere Themen sind vor allem klimaresiliente Ernährungssysteme und Zugang zu Klimafinanzierung. Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam mit unseren Partnern zwei Podiumsgespräche zu den Themen Ernährungssysteme und Carbon Accounting, also Emissionsberechnung, organisiert und unsere Expertise geteilt. Während der COP 28 konnten wir mit vielen Organisationen und Entscheidungsträgern in Kontakt treten und den Anliegen von ADRA sowie unserer lokalen Partner Gehör verschaffen. Um dabei möglichst hör- und sichtbar zu sein, arbeiteten wir im Jahr 2023 verstärkt mit anderen Nichtregierungsorganisationen zusammen. Unser Beitritt zum europäischen Climate Action Network hat uns in der Vorbereitung und während der COP 28 enorm geholfen und ermöglichte uns, Synergien zu schaffen und Ressourcen zu bündeln.
Frauen stärken
Neben Klimagerechtigkeit ist Geschlechtergerechtigkeit unser Fokusthema; auch hier wollen wir unser Profil gegenüber Entscheidungsträgern schärfen und Fachwissen vermitteln. Um zivilgesellschaftliche Stimmen zu bündeln, haben wir uns 2023 einem weiteren Bündnis angeschlossen, dem Netzwerk 1325. Dieses Netzwerk begleitet die Umsetzung der UN-Resolution 1325 „Frauen, Frieden und Sicherheit“. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern konnten wir u.a. eine Einschätzung der feministischen Außenpolitik mit der Bundesregierung und dem Bundestag teilen und dazu ins Gespräch kommen.
Wir arbeiten eng mit VENRO (Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen) zusammen und sind in verschiedenen Gruppen engagiert. Über die Verbandsarbeit konnten wir einen Beitrag zur Diskussion um den Bundeshaushalt leisten. Die Etats der Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe sollen um mindestens 25 % gekürzt werden. Vor dem Hintergrund weltweiter Krisen ist diese Politik aus unserer Sicht unverantwortlich. Wir beobachten in unseren Projekten, dass die Bedarfe in den betroffenen Ländern stetig steigen. Unser Engagement erzielt greifbare Veränderungen für Menschen vor Ort und ist ein wichtiger Beitrag für das gerechte, nachhaltige und solidarische Zusammenleben auf diesem Planeten. Wir setzen uns aus diesem Grund dafür ein, dass die Bundesregierung, als einer unserer wichtigsten Geldgeber, ihrer Rolle als glaubwürdiger Unterstützer internationaler Entwicklungsanstrengungen gerecht wird.
Wir unterstützen unsere Projekte mit Positionspapieren, z. B. zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder zur Lokalisierung in der humanitären Hilfe, und begleiten dies mit Kommunikation. Das wollen wir auch 2024 fortsetzen. Ein Vorschlag an die EU für einen Humanitarian Talk zum Thema Lokalisierung auf dem kommenden Europäischen Humanitären Forum war erfolgreich.
Schwerpunkte unserer Arbeit
Zu den Schwerpunkten der humanitären Hilfe zählen die Bereiche Ernährung, Gesundheit, Wasser- und Sanitärversorgung und humanitärer Schutz, die Förderung humanitärer Bargeldhilfe sowie die Hilfe für Geflüchtete und Vertriebene.
Hier finden Sie unsere Projekte im Überblick.
Unser Jahresbericht 2024
Unser Jahresbericht 2024 gibt Ihnen einen transparenten Einblick in unsere Arbeit: Erfahren Sie mehr über unsere humanitären Einsätze, den verantwortungsvollen Umgang mit Spendenmitteln und die Geschichten von Menschen, deren Leben wir gemeinsam verändern konnten.
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- Autorin: Anja Kromrei
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