Zyklon „Amphan“ trifft Menschen am Golf von Bengalen hart

Es vergeht nicht ein Tag ohne negative Nachrichten. In Indien und Bangladesch wurde im Zuge der Ausbreitung des COVID-19-Virus Ende März eine Ausgangsperre verhängt. Nicht nur die Angst vor dem Virus, sondern Hunger und Durst begleiten den Alltag vieler Menschen, die ihre Arbeit infolge des Lockdowns verloren haben. Sie alle hofften endlich auf positive Nachrichten und möchten wieder ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Doch dann kam der Zyklon „Amphan“. Die Menschen kämpfen nun um ihr Überleben.

In der Nacht vom 20. auf dem 21. Mai entwickelte sich im Golf von Bengalen ein schwerer Sturm zu einem gefährlichen Zyklon. Mit einer Windgeschwindigkeit von bis 160 Kilometer pro Stunde fegte der tropische Wirbelsturm über die indische Provinz Westbengalen und später dann über Bangladesch hinweg. Der starke Wind löste Überschwemmungen aus, die zusätzlich Schäden anrichteten. Schon am Tag danach wurde der Zyklon schwächer. Er verlor an Gefährlichkeit. Die Menschen können wieder aufatmen, das schlimmste ist vorbei. Die Schäden hingegen sind groß.

Mehr als 70 Personen kamen insgesamt ums Leben. Rund drei Millionen Menschen in Indien und Bangladesch mussten evakuiert werden. Sie wurden in Schutzräumen untergebracht. Ihr Heim ist nur noch Trümmerfeld oder steht unter Wasser. In den betroffenen Gebieten sind wichtige Infrastrukturen wie Transportwege, Strom- oder Wasserversorgung komplett ausgefallen. Es wird dauern, bis mit dem Wiederaufbau begonnen werden kann.

Schutzräume wegen Corona-Pandemie knapp

Erstmal arbeitet ADRA gemeinsam mit den lokalen Regierungen daran, genügend Notunterkünfte für die betroffene Bevölkerungen bereitzustellen. Die Regierungen beider Länder hatten zuletzt viele Schutzräume als Quarantänezentren für COVID-Patienten umgewandelt, sodass die Anzahl der freien Plätze gering ist. In manchen Unterkünften sind die Menschen so eng beisammen, dass keine Hygiene-Sicherheitsabstände eingehalten werden können. Dadurch sind die Menschen mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert.

ADRA arbeitet mit allen ihren Ressourcen, um diese Herausforderungen so klein wie möglich zu halten. Die Menschen werden nicht alleine gelassen. Auch in schweren Situationen ist ADRA da. Als erste Hilfsmaßnahme werden die Menschen mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser versorgt. Weiterhin möchte ADRA an einem Wiederaufbauplan arbeiten und hat bereits Verhandlungen mit den lokalen Regierungen und anderen NGOs in dieser Hinsicht begonnen.

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Unser Kollege Prakash Thakur berichtet direkt aus Indien: Wie ist die Lage vor Ort?

Ein Ausweg aus der Krise

Im Sommer 2019 wurde Indien von heftigen Monsunregen heimgesucht. Weite Teile des Landes standen unter Wasser. Der heftige Dauerregen hat insbesondere die indischen Bundesstaaten Assam und Bihar im Juli 2019 hart betroffen. In beiden Regionen führte das Unwetter zu schweren Überschwemmungen und richtete große Schäden an.

Überschwemmungen sind zur Zeit des Monsuns in Indien nicht ungewöhnlich. Doch das Ausmaß der Katastrophe in den nordöstlichen Bundestaaten Assam und Bihar ist außergewöhnlich. Der Bundestaat Assam hatte in diesem Jahr mit schlimmen Überschwemmungen zu kämpfen. Durch die schweren Regenfälle und Wasserfluten kamen 69 Menschen ums Leben. Während mehr als 3.705 Dörfer und zirka 178.938 Hektar Ackerland[1] (entspricht in etwa die Größe von London) unter Wasser standen, versuchten 4,9 Millionen Menschen den Fluten zu entkommen. Hunderttausende Menschen verloren dabei ihre Häuser und mussten in die nahegelegenen Flüchtlingslager fliehen, wo sie unter schweren Lebensbedingungen auf ein Ende der Katastrophe hofften.

Der Monsun hat auch im indischen Bundesstat Bihar und im naheliegenden Himalaya-Staat Nepal immense Schäden angerichtet. Allein in der letzten Juli-Woche sind 92 Menschen ums Leben gekommen. In der Region sind 6,7 Millionen Menschen mittelbar oder unmittelbar von den Folgen des heftigen Dauerregens betroffen. Es konnten 125.000 Menschen evakuiert und in Flüchtlingslagern untergebracht werden. Insgesamt waren die Folgen der Überschwemmungen verheerend. Ernten, Häuser, und Wasserquellen sind zerstört oder schwer beschädigt worden.

Assam und Bihar sind zwei arme, noch unterentwickelte Regionen. Staatliche Infrastrukturen sind quasi nicht existent. Die Überschwemmungen haben umso mehr die Armen, die religiösen Minderheiten und die im Alltag marginalisierten gesellschaftlichen Gruppierungen getroffen. Ohne Hilfe von außen sehen sich diese Menschen immensen Härten ausgesetzt. Deshalb haben ADRA, CAID[2] und Caritas ein humanitäres Hilfsprojekt auf die Beine gestellt, das darauf abzielt, den von der Gesellschaft am stärksten ausgegrenzten und ausgeschlossenen Gemeinschaften zu helfen.

Diese Zusammenarbeit findet unter der Leitung von ADRA statt und konnte dank der Finanzierung durch das Amt der Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Union (ECHO) stattfinden. Durch das humanitäre Hilfsprojekt können die unmittelbaren Bedürfnisse von 75.000 Menschen in den drei Distrikten Barpeta, Lakhimpur  und Chirang im Bundesstaat Assam sowie im Distrikt Madhubani im Bundesstaat Bihar gedeckt werden.

Die humanitäre Hilfe vor Ort umfasst unter anderem zahlreiche WASH-Maßnahmen und die bedingungslose Verteilung von Geld an notbedürftige Familien. WASH-Maßnahmen zielen darauf ab, den Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene zu ermöglichen. Dafür wurden Hygienematerialen und tragbare Wasserversorgungspumpen verteilt bzw. bereitgestellt. Hygienekampagnen wurden in Dörfern durchgeführt, um den Ausbruch von Krankheiten zu mindern. Die Wasserversorgungspumpen sollen dafür sorgen, dass die Zielgruppen mit Trinkwasser versorgt werden.

Im Rahmen des Nothilfeprojekts haben die Haushalte finanzielle Mittel in Höhe von INR 10.500 (EUR 138) erhalten. Das Geld wurde auf die Bankkonten der Begünstigten überwiesen. Wenn die Begünstigten kein Bankkonto haben, haben sie Bargeld erhalten. Die Verteilung von Bargeld an die untersten sozialen Bevölkerungsgruppen hatte positive Auswirkungen. Die Empfänger konnten sich von ihren Verlusten leichter erholen und vor weiterer Diskriminierung bewahrt bleiben.

Um die positive Wirkung der humanitären Hilfe vor Ort zu steigern, wird das Nothilfeprojekt gemeinsam in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden, mit lokalen NGOs, mit der Inter Agency Group of Bihar and Assam und den Gemeindeleitern und Interessenvertretern der marginalisierten und gefährdeten Gruppen durchgeführt. Insgesamt war das Projekt auf sechs Monate angelegt.

Tätigkeitsfelder:

                                 
Katastrophenhilfe                    Einkommen

Indien: 3.287.000 km² (ca. neun Mal die Fläche Deutschlands)
Einwohner: 1,3 Mrd. (Stand 2018)
In den letzten Jahren hat u. a. mit dem Klimawandel die Anzahl und Stärke der Überschwemmungen zugenommen.

[1] Quelle: Assam Disaster Management Authority

[2] Children and Community Initiative for Development (NGO)