Kinder stehen hintereinander in einer Reihe und halten leere Schalen in den Händen

„Es wird nicht an den Menschen vor Ort scheitern“

Interview mit ADRA-Ernährungsexpertin über den Hunger in der Welt

Hunger – wir alle ken­nen das. Doch im Gegensatz zu uns hier in Deutschland kann Hunger und Unterernährung für Menschen in armen Ländern lebens­be­droh­lich wer­den. Dann näm­lich, wenn der Hunger über einen län­ge­ren Zeitraum nicht oder kaum noch gestillt wird. Juliane Chiroiu arbei­tet bei ADRA als Expertin für Gesundheit und Ernährung. Mit ihr haben wir dar­über gespro­chen, war­um immer noch so vie­le Menschen auf der Welt Hunger lei­den müs­sen und mit wel­chen Ansätzen ADRA dar­an arbei­tet, die­ses Problem in den Griff zu bekom­men.

Juliane Chiroiu arbeitet bei ADRA als Expertin für Gesundheit und Ernährung

    • ADRA Deutschland: Was sind aus dei­ner Sicht die größ­ten Hürden, um den Hunger in den Projektregionen nach­hal­tig zu bekämp­fen?
    • Juliane Chiroiu: Leider wer­den die Hürden und Probleme in Bezug auf Hunger und Ernährung immer kom­ple­xer. Quantität und Qualität von Nahrungsmitteln gehen nicht nur durch die Folgen des Klimawandels ver­lo­ren. Durch Kriege wer­den Menschen ver­trie­ben oder müs­sen flüch­ten und haben dann oft nur einen sehr ein­ge­schränk­ten Zugang zu Lebensmitteln. Gerade stei­gen die Preise für Nahrungsmittel über­all auf der Welt und das spü­ren vor allem die Menschen im glo­ba­len Süden, die oft­mals von Importen aus dem Ausland abhän­gig sind. Im Moment schau­en wir mit gro­ßer Sorge auf die Ernährungssituation in den Projektregionen, in denen wir tätig sind.
    • ADRA Deutschland: An wel­chen Punkten setzt ADRA ganz kon­kret in der Projektarbeit an, um das Hungerproblem in den Griff zu bekom­men?
    • Juliane Chiroiu: Einer der Schwerpunkte von ADRAs Arbeit ist die Unterstützung von Kleinbäuerinnen und ‑bau­ern in der nach­hal­ti­gen Landwirtschaft. In ver­schie­de­nen Regionen von Laos haben wir z. B. mit Unterstützung des BMZ (Bundesministerium für wirt­schaft­li­che Zusammenarbeit und Entwicklung) moder­ne Anbau- und Viehhaltungsmethoden gemein­sam mit den Menschen vor Ort eta­bliert. Diese tra­gen zum einen dazu bei, dass die Menschen bes­ser mit den neu­en Klimaherausforderungen zurecht­kom­men. Zum ande­ren wird dar­auf geach­tet, dass der Natur nicht gescha­det wird, dass also rege­ne­ra­ti­ve Methoden genutzt wer­den. In Kooperativen ver­net­zen sich die Bäuerinnen und Bauern nun und tau­schen sich über Erfolge und Herausforderungen aus.

      Neben der nach­hal­ti­gen Landwirtschaft ver­su­chen wir immer auch Aspekte für gesun­de Ernährung mit ein­flie­ßen zu las­sen, indem zum Beispiel Informationen über Mutter-Kind Ernährung bzw. gesun­de Ernährung im Allgemeinen prak­tisch ver­mit­telt wer­den.

    • ADRA Deutschland: Wie kön­nen die Familien in den Projektregionen selbst dazu bei­tra­gen, ihre Lage bzgl. Ernährung zu ver­bes­sern?
    • Juliane Chiroiu: Trotz der schwie­ri­gen Lage in vie­len Ländern ver­su­chen wir zusam­men mit den Menschen vor Ort nach­hal­ti­ge Lösungen zu fin­den, die zu ihnen pas­sen. Dabei brin­gen wir nicht „unse­re Lösungen“ von außen mit, son­dern bau­en auf dem Wissen auf, das die Menschen bereits haben. Wir arbei­ten für und mit Menschen, die bereits viel wis­sen. Dieses Wissen wur­de von Generation zu Genration wei­ter­ge­ge­ben. Oft mer­ken wir, dass es schon einen Unterscheid macht, wenn die Menschen vor Ort bes­ser mit­ein­an­der ver­netzt sind, sich aus­tau­schen und so eige­ne Lösungen wei­ter­ge­ben, die es teil­wei­se bereits in ihrem Umfeld gab, aber ein­fach noch nicht ver­brei­tet wur­den. Die Offenheit der Menschen vor Ort, Dinge anzu­ge­hen und sich dann über neu­es Wissen und Erfolge aus­zu­tau­schen, bewirkt viel.
    • ADRA Deutschland: Wie sieht dein per­sön­li­cher Ausblick aus? Kann der Hunger in der Welt nach­hal­tig been­det wer­den, und wenn ja, wie kann das funk­tio­nie­ren?

  • Juliane Chiroiu: Mit der aktu­el­len Entwicklung ist es schwie­rig hier einen opti­mis­ti­schen Ausblick zu geben. So lan­ge sich die indus­tria­li­sier­ten Länder im glo­ba­len Norden nicht kom­plett den Klimazielen ver­schrei­ben und Kriege sich wei­ter zuspit­zen bzw. neue Konflikte ent­ste­hen, feh­len ein­fach die wich­tigs­ten Grundlagen, die wir brau­chen, um das Hungerproblem nach­hal­tig in den Griff zu bekom­men: eine gesun­de Umwelt und Stabilität.

    Woran es nicht schei­tern wird, sind die Menschen vor Ort. Sie sind die­je­ni­gen, die am meis­ten unter den Konsequenzen der heu­ti­gen Weltlage lei­den und sie sind gleich­zei­tig die­je­ni­gen, die uner­müd­lich nach Lösungen suchen, um ihre Lage zu ver­än­dern. Ohne Frieden und Stabilität und mit dem fort­schrei­ten­den Klimawandel, ste­hen sie aller­dings vor einer fast unlös­ba­ren Herausforderung.

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Mehr über das Thema Hunger und wie ADRA hilft, lesen Sie hier.

Zu den Nahrungsprojekten von ADRA Deutschland e.V.

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