Kinder sitzen am Tisch und essen, eine Frau kocht

Zuflucht und Chance auf ein besseres Leben

Menschenhandel in Thailand noch immer ein großes Problem

Kinder sitzen am Tisch und essen, eine Frau kocht

Zuflucht und Chance auf ein besseres Leben

Menschenhandel in Thailand noch immer ein großes Problem

Es ist kaum vorstellbar, aber traurige Realität: Menschenhandel, sexuelle Ausbeutung und Zwangsarbeit sind in vielen Ländern der Welt nach wie vor ein großes Problem. Zehntausende junge Frauen und Mädchen werden jährlich mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft in ein Leben gezwungen, das sie nie wollten! So auch in Thailand. Kriminelle nutzen die Not und Verzweiflung armer Familien aus, um daraus Kapital zu schlagen. In der ländlichen Provinz Chiang Rai setzt sich ADRA dafür ein, Menschenhandel zu verhindern und vorzubeugen.

Projektinfos

Bildung

Thailand

Sep 2021 - Aug 2023

PROJEKTZIELE

Leben in dörflichen Regionen Thailands: Geprägt von Armut und Hunger

Weltweit werden jährlich rund 50.000 Fälle von Menschenhandel in 148 Staaten erfasst. Besonders in Süd- und Südostasien sind Menschenrechtsverletzungen dieser Art noch immer weit verbreitet.

Nicht überall in Thailand ist das Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden, gleich hoch. Gefährdet sind vor allem junge Frauen und Mädchen, die in abgelegenen Bergdörfern leben und ethnischen Minderheiten angehören. Die ländlichen Regionen liegen in Bezug auf die Entwicklung oft weit hinter den städtischen Gebieten zurück. Viele Menschen leben dort unterhalb der Armutsgrenze. Der durchschnittliche Lohn in Thailand beträgt umgerechnet etwa 381 US Dollar im Monat. Nach Angaben des Amtes für Agrarökonomie liegt das Monatseinkommen von Bäuerinnen und Bauern gerade einmal bei 50 US Dollar.

Die Lebenssituation der Dorfbevölkerung ist also nicht einfach. Daher helfen die Kinder schon früh im landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern mit und verzichten auf den Schulbesuch, um die Familie zu unterstützen. Viele der gefährdeten Mädchen besitzen außerdem nicht die thailändische Staatsangehörigkeit, was neben mangelnder Bildung die Aussicht auf eine Arbeitsstelle erschwert. Da viele der Familien ausschließlich von der Landwirtschaft leben und Mädchen weniger schwere körperliche Arbeit verrichten können, herrscht die Meinung, dass Mädchen weniger wert seien.

All diese Umstände machen es Menschenhändlern leicht, neue Opfer zu gewinnen. Mit der angeblichen Aussicht auf eine Erwerbstätigkeit wenden sich sogenannte Mittelsmänner gezielt an Menschen aus ärmlichen Verhältnissen. Ihnen werden Jobs in der nächstgelegenen größeren Stadt versprochen, mit denen sie sich und ihre Familien versorgen können. In ihrer Verzweiflung unterzeichnen Eltern gefälschte Verträge und begeben sich und ihre Kinder in ein Abhängigkeitsverhältnis. Auch der Verkauf der eigenen Kinder an ältere, wohlhabende Männer gehört leider noch immer zur kulturell verankerten Praxis unter der Dorfbevölkerung, um die Familie aus ihrer misslichen finanziellen Lage zu befreien. Kinder, überwiegend Mädchen, landen so in Zwangsarbeit und anderen Formen der Leibeigenschaft – meist in der Sexindustrie. Auch Drohungen, Erpressung und körperliche Gewalt (bride kidnapping) sind immer wieder Teil dieser Praktiken. Eines ist immer gleich: Die Betroffenen – oft sehr junge Mädchen – werden in ihrer misslichen Lage ausgenutzt und ausgebeutet. Das Leben dieser Kinder ist geprägt durch Leid und Verzweiflung.

Zusammengefasst zählen folgende Punkte zu den Faktoren, die die Dorfbevölkerung in die Spirale der Abhängigkeit treiben:

  • Staatenlosigkeit
  • Armut
  • schlechte Gesundheit
  • mangelnde Bildung

Ein sicheres Zuhause bieten

Das Keep Girls Safe-Projekt von ADRA möchte verhindern, dass stark gefährdete junge Mädchen ausgebeutet und schlichtweg zur Ware werden. Um sie schnell und unbürokratisch zu schützen, hat ADRA eine Unterkunft geschaffen, die schutzbedürftigen Mädchen und jungen Frauen eine Zuflucht bietet. Das Mädchenheim befindet sich im Mae Lao Distrikt, in der Provinz Chiang Rai. In dieser Provinz leben rund 63.000 Kinder unter 18 Jahren, die einer ethnischen Minderheit angehören.

Die Mitarbeiter des Keep Girls Safe-Projekts arbeiten eng mit den Erziehungsberechtigten der Kinder zusammen. Im Keep Girls Safe-Haus können die Heranwachsenden eine Schule besuchen, erhalten psychologische Betreuung und haben mit einem Schulabschluss Chancen auf eine Ausbildung und Arbeitsstelle.

Aufklärungsarbeit fördert ein Umdenken in der Gesellschaft

Um gefährdende Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen, ist Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung besonders wichtig. Im Bezirk Chiang Saen führen wir in acht Dorfgemeinschaften Kampagnen durch, damit die Bewohner des Projektgebiets in Zukunft weniger anfällig für die Versprechungen und Absichten von Menschenhändlern sind. ADRA informiert Familien und Kinder über die Bedeutung des Besuchs einer Schule, die Wichtigkeit der Kinderrechte und die Risiken von Menschenhandel und Kinderausbeutung. Sie erhalten Mittel und Wege an die Hand, wie sie sich zukünftig besser vor missbräuchlichen Situationen schützen können.

Bildung stärkt Selbstvertrauen

Leider kommt es nach wie vor in den dörflichen Regionen Thailands allzu oft vor, dass Kinder nur kurz oder gar nicht die Schule besuchen. Da die Eltern oft arm sind, müssen sie bei der landwirtschaftlichen Arbeit mithelfen. Auch Drogenmissbrauch oder frühe Schwangerschaften zwingen viele junge Mädchen dazu, den Schulbesuch vorzeitig zu beenden. Durch Schulkampagnen stärkt ADRA das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen und schärft deren Bewusstsein für gefährliche Situationen. ADRA bietet außerdem an neun Schulen ein Stipendium an, um den Schülerinnen und Schülern den Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen. Ohne das Stipendium hätten sie die Schule verlassen müssen und ihr Risiko, in ein missbräuchliches Abhängigkeitsverhältnis zu geraten, wäre stark gestiegen.

Staatenlosigkeit

Viele Mädchen, die besonders gefährdet für menschenrechtsverletzende Handlungen sind, haben keinerlei Papiere. ADRA unterstützt sie dabei, den rechtlichen Status zu sichern und endlich eine thailändische Staatsangehörigkeit zu erhalten.

Jetzt für Thailand spenden

28 Euro

für 1 Jahr Hilfe und Krankenversicherung für ein Mädchen

500 Euro

für einen einjährigen Schulbesuch für ein Mädchen 

950 Euro

versorgen 30 Mädchen mit Unterkunft, Nahrung und Wasser für einen Monat 

Auf lange Sicht profitiert der ganze Distrikt

ADRA leistet Aufklärungsarbeit an neun Schulen für insgesamt 2.079 Schülerinnen und Schüler, verdeutlicht ihnen die Gefahren des Menschenhandels und informiert sie über Kinder- und Menschenrechte. 31 Mädchen erhalten aktiven Schutz im Keep Girls Safe-Center.

Pin nimmt am Keep Girls Safe-Projekt teil

Ein fröhlich strahlendes Mädchen in einem bunten traditionellen Kleid hält die Hände vor einer Tanne zusammen

Mein Name ist Pin. Ich bin selbst die Fünfte von insgesamt sieben Geschwistern. Leider starb mein Vater sehr früh und meine Mutter musste alleine für uns sieben Kinder sorgen. Sie arbeitete sehr hart auf ihrer kleinen Farm, damit wir Kinder die Chance haben, eine Schule zu besuchen.

Es war eine sehr harte Zeit für meine Familie. Zwei meiner größeren Schwestern mussten heiraten, als sie gerade 18 und 19 Jahre alt waren, da meine Mutter nicht mehr in der Lage war, uns alle sieben zu versorgen.

Kurz vor dem Abschluss der 12. Klasse sollte dann auch meine dritte größere Schwester verheiratet werden. Sie wollte unbedingt zunächst ihre Schule abschließen, doch leider kam es nicht dazu. Sie wurde entführt, um auch gegen ihren Willen – und den Willen meiner Mutter – die Braut eines deutlich älteren Mannes zu werden.

Was die Kultur meines Stammes betrifft, so wird dieses „bride kidnapping“ (Brautentführung) seit langer Zeit praktiziert. Mittlerweile kommt es glücklicherweise nur noch selten und vor allem in abgelegenen Gegenden vor, aber verschwunden ist es leider noch nicht. Die meisten dieser jungen Mädchen werden nie eine Ausbildung abschließen können und wissen nicht einmal, was ihre Rechte sind.

Die Entführung meiner Schwester hat meine Mutter aufgerüttelt und sie erkannte, dass unser Zuhause kein sicherer Ort mehr für uns Töchter ist. Sie bat um Hilfe und suchte Schutz für uns. Meine Schwester und ich kamen in ein Mädchenheim in der Provinz Phayao. Nach einem Jahr musste die Unterkunft leider geschlossen werden und meine Mutter suchte eine andere Bleibe für uns, bis ich die 6. Klasse abschließen konnte.

Im Laufe der Zeit heiratete meine Mutter wieder und wir zogen alle in das Haus ihres neuen Mannes. Dort konnte ich endlich wieder die Schule besuchen, aber leider nicht regelmäßig. Ich musste mich um meinen kleinen Bruder kümmern, während Mama auf einem Bauernhof arbeitete, um die Familie zu ernähren. Ihr neuer Mann wurde zwischenzeitlich verhaftet. Mit der Zeit konnte ich immer seltener zur Schule gehen. Ich erzählte einem Pastor von unserer Situation und er wandte sich an ADRA. Die Mitarbeiter halfen mir und konnten mich im Keep Girls Safe-Projekt unterbringen.

Ich bekomme hier nicht nur einen Ort zum Schlafen und etwas zu essen. Ich lerne jeden Tag so viel über das Leben, meine Rechte und Möglichkeiten und die Perspektiven, die ich mit einer fertigen Ausbildung haben kann. Das Leben im Keep Girls Safe-Haus lässt mich mein Potenzial erkennen. Da ich mittlerweile meine High School abgeschlossen habe, möchte ich nun meine Hochschulbildung in der Fakultät für Krankenpflege an der Asia Pacific International University fortsetzen. Krankenschwester zu sein ist mein Traumberuf. Ich kann anderen Menschen helfen und mich um meine Familienmitglieder kümmern, wenn sie krank werden. Außerdem kann ich Menschen, die es brauchen, Gesundheitsberatung anbieten. Ich kenne das Glücksgefühl, das helfende Hände auslösen, wenn man leidet und Hilfe braucht. Genau wie ich, als ich jünger war und Hilfe von ADRA bekam.

Über Thailand

Das südostasiatische Thailand ist bekannt für seine vielen Inseln mit feinen Sandstränden, Tagesmärkten bis tief in die Nacht, alten Ruinen und reich verzierten Tempeln mit Buddhafiguren. Die Hauptstadt Bangkok vereint mit ihren Wolkenkratzerhotels und vielstöckigen Einkaufsläden, dem regen Verkehr mit zahlreichen Taxis und dreirädrigen Kraftfahrzeugen (Tuk Tuk genannt) einen starken Gegensatz zu den gleich nebenan gelegenen, eher ruhigen Siedlungen am Kanal und den bekannten Tempeln Wat Arun, Wat Pho und Wat Phra Kaeo.

Partner und Förderung

Dieses Projekt wird unterstützt von dem ADRA-Netzwerk. 

ADRA Deutschland e.V. primär Logo
ADRA Deutschland e.V. primär Logo

Teilen auf:

Helfen Sie Menschen in Not durch eine Spende. Gezielt können Sie Projekte und Kampagnen unterstützen.

Sie suchen ein Geschenk für jemanden? Wie wäre es mit einem Geschenk aus unserem ADRA-Spendenshop?

Weitere Projekte | ADRA Deutschland e.V.

Sieben Schüler:innen stehen vor der Tafel und halten jeweils ein farbiges Papier, auf denen ein Buchstabe abgebildet ist, hoch.
Projekte

Das Überleben in Syrien sichern

Seit 11 Jahren stehen wir den Menschen in Syrien mit verschiedenen Projekten zur Seite. Zwei Drittel der Bevölkerung – ca. 13 Millionen Menschen – sind vor dem Bürgerkrieg aus dem Land geflohen oder innerhalb des Landes auf der Flucht. Der Konflikt hat die stärkste Flüchtlingskrise der letzten Jahrzehnte ausgelöst. › mehr dazu

Einwohner der Insel Fidschi räumen die Küste nach einer Unwetterkatastrophe auf
Projekte

Fidschi: Nach der Katastrophe ist vor der Katastrophe

Der Inselstaat Fidschi leidet besonders unter den Folgen des Klimawandels. Extreme Wetterereignisse wie Wirbelstürme und Starkregen nehmen zu. Bei jeder Katastrophe gehen Menschenleben, Ernten und Häuser verloren. Jedes Mal ist die Bevölkerung auf Hilfe angewiesen, um zu überleben. › mehr dazu

Ein junges Kind hält eine Schüssel mit Pflanzenwurzeln in beiden Händen und lächelt in die Kamera.
Projekte

Höhere Lebensqualität auf der Fidschi-Insel Koro

Als eine der ersten Hilfsorganisationen hat ADRA im Jahr 2020 ein Hilfsprojekt auf der kleinen Insel Koro gestartet. Die Vulkaninsel liegt mitten im Urlaubsparadies der Fidschi-Inseln. Doch sie ist kein Touristenmagnet und wirtschaftlich abgehängt. Der Klimawandel erschwert zusätzlich das Leben auf der Insel: › mehr dazu

Skip to content