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Offener Brief an die EU-Kommission

ADRA Deutschland e.V. teilt die Sorge um die künftige Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit der EU

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ADRA Deutschland e.V. teilt die Sorge um die künftige Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit der EU

Die Abteilung für Internationale Partnerschaften (DG INTPA) der Europäischen-Kommission plant, die internationale Entwicklungszusammenarbeit in eine Handels- und Investitionsstrategie umzuschreiben. Nach dem Entwurf des „Briefing Books“ sollen zudem die Schwerpunkte des auswärtigen Handelns der EU nach der Europawahl neu definiert werden. Diese Pläne stoßen bei ADRA Deutschland e.V. und 13 weiteren Nichtregierungsorganisationen auf große Besorgnis. In einem offenen Brief warnen die 14 NRO vor den fatalen Folgen.

Weiterstadt, den 31.05.2024

Außenwirtschaftsförderung kann keine Entwicklungszusammenarbeit ersetzen! ADRA Deutschland e.V. hat gemeinsam mit 13 weiteren internationalen Hilfsorganisationen einen offenen Brief an die Europäische Kommission unterzeichnet. Darin werden erhebliche Bedenken gegen den kürzlich bekannt gewordenen Entwurf eines „Briefing Books“ der Generaldirektion Internationale Partnerschaften (DG-INTPA) geäußert. Dieses Konzept der DG INTPA soll die zukünftige Entwicklungsstrategie der EU bestimmen.

ADRA Deutschland ist davon überzeugt, dass Global Gateway nicht die einzige Methode sein kann, um die Zukunft des außenpolitischen Handelns der EU und ihr Engagement bei der Bewältigung der vielfältigen Herausforderungen, zu gestalten. Eine wachsende Zahl von Konflikten und Klimakatastrophen verschärft die ohnehin schon katastrophale humanitäre Lage weltweit. Die Krisen werden komplexer, häufiger und langfristiger. Im Entwurf des Briefing Books fehlt jeglicher Ansatz, diese Entwicklung und die Bedürfnisse der betroffenen Menschen einzubeziehen und zu berücksichtigen. Wir fordern DG INTPA auf, ihren Fokus und damit das Konzept auf genau diese Problematik und Entwicklung neu auszurichten.

Der offene Brief warnt davor, dass der vorgeschlagene Wechsel zu einem transaktionalen Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit Jahrzehnte des Fortschritts gefährden könnte. Insbesondere in fragilen oder krisengeschüttelten Regionen könnte dieser Ansatz die schwächsten und verwundbarsten Gemeinschaften im Stich lassen und verheerende Folgen für die am stärksten gefährdeten Menschen haben. Dies würde die globale Relevanz der EU in einer zunehmend fragilen Welt untergraben. Hinter dem transaktionalen Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit verbirgt sich nichts anderes als die Ausrichtung der Zusammenarbeit und Hilfe an den wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen der Geberländer.

 

Global Gateway verschiebt den Fokus auf Eigennutz

Das durchgesickerte Dokument konzentriert sich fast ausschließlich auf die Global Gateway-Strategie der EU. Dies bestätigt die Befürchtung, dass die überarbeitete EU-Strategie der globalen Zusammenarbeit ihre eigenen geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen ins Zentrum stellt. Dabei setzt dieser Wandel stark auf den privaten Sektor und entfernt sich von der Verpflichtung zu lokal geführter Entwicklung, der Unterstützung von Zivilgesellschaft sowie von transformativen und menschenzentrierten Modellen.

Bislang war die EU ein Verfechter guter Geberprinzipien, wie sie im Europäischen Entwicklungs-Konsens von 2017 und in den EU-Verträgen festgelegt sind. Diese verpflichten die EU-Mitgliedstaaten dazu, Hilfe dort zu leisten, wo die "Bedarfe am größten sind und wo sie die größte Wirkung erzielen kann, insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern und in Situationen von Fragilität und Konflikt".

João Martins, Regionaldirektor von ADRA Europa erklärt: „Eine kürzlich von Focus 2030 durchgeführte Umfrage zeigt, dass „73 % der Befragten in Frankreich, Deutschland und Italien glauben, dass die EU-Unterstützung für Gesundheit, Bildung und Entwicklung in den ärmsten Ländern beibehalten oder erhöht werden sollte“. Christian Molke, Vorstandsvorsitzender von ADRA Deutschland e.V., fügt hinzu: „Mit der Fokussierung auf die Global-Gateway-Strategie handelt die EU gegen den Willen der großen Mehrheit der Europäerinnen und Europäer“.

Flexible, anpassungsfähige und innovative Ansätze in der Entwicklungszusammenarbeit sind entscheidend, um der zunehmenden Komplexität und Dauer globaler Krisen wirksam zu begegnen. Dazu gehört die Bereitstellung von Finanzierungen in Regionen, die unter extremer Armut leiden. Dazu gehört auch die Unterstützung von Basisdienstleistungen wie Wasserversorgung, Gesundheit, Energieversorgung oder Bildung. Dazu gehört die Stärkung der Widerstandsfähigkeit von Menschen und Gemeinschaften und die Bekämpfung der Ursachen von Armut und Not.

 

Fatale Rückkehr zum Top-Down-Ansatz

Der durchgesickerte Entwurf des Briefing Books zeigt jedoch einen zynischen Ansatz, der im krassen Widerspruch zu den eigenen Überzeugungen der EU steht und zu Top-Down-Ansätzen zurückkehrt. Zu Ansätzen, die die Bedürfnisse der Menschen in instabilen und von Konflikten betroffenen Regionen ignorieren. Diese Pläne drohen, Jahrzehnte guter und bewährter Praxis zunichte zu machen, indem sie die Unterstützung der EU für humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensbemühungen (Triple Nexus) untergraben, ihre Verpflichtungen zum Grand Bargain gefährden und den nationalen Strategien vieler Mitgliedstaaten widersprechen.

ADRA Deutschland e.V. fordert gemeinsam mit 13 weiteren Nichtregierungsorganisationen in einem offenen Brief die Europäische Kommission dringend auf, diesen fehlerhaften Entwurf zu überdenken und ihre Verpflichtungen zur Bekämpfung der weltweit wachsenden humanitären Bedürfnisse aufrechtzuerhalten. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Maßnahmen der EU im Einklang mit den grundlegenden Werten und Zielen der Armutsbekämpfung und der nachhaltigen Entwicklung stehen und dass ein auf Rechten basierender Ansatz und das Prinzip "Leave No One Behind" (Niemanden zurücklassen) zum Leitprinzip werden.

 

Im September 2023 richtete ein Erdbeben der Stärke 6,8 in Marokko schwere Schäden an. Im Atlas-Gebirge, nahe des Epizentrums, baut ADRA gemeinsam mit lokalen Partnern winterfeste Notunterkünfte für Betroffene. (Foto: ADRA Marokko)

 

In zwei Provinzen der Mongolei werden 500 Bauernfamilien in der Bio-Landwirtschaft geschult, um ihr Einkommen zu steigern und die Umwelt zu schonen. Unterstützt von ADRA lernen sie neue Anbaumethoden und erhalten moderne Werkzeuge, Gewächshäuser und Bio-Saatgut. (Foto: ADRA Mongolei)

 

Seit Jahrzehnten herrscht in Myanmar ein Bürgerkrieg. In den Konfliktgebieten haben die Kinder kaum Möglichkeiten, eine Schule zu besuchen. Mehrere ADRA Büros unterstützen Schulen in 10 Bundesstaaten. Neue Lehrkräfte werden ausgebildet und die Kinder erhalten Schulmaterial. Das Projekt kommt 400.000 Menschen in 5.000 Schulen zugute. (Foto: ADRA Myanmar)

 

Wenn auch Sie die humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit von ADRA unterstützen möchten, freuen wir uns über Ihre Spende unter dem Stichwort „Katastrophenhilfe“ Bitte nutzen Sie dafür das Spendenkonto IBAN DE36 3702 0500 0007 7040 00 oder spenden Sie online unter adra.de/spenden.

 

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Über ADRA Deutschland e.V.

ADRA Deutschland e.V. ist eine weltweit tätige Hilfsorganisation, die Projekte in der Entwicklungs-zusammenarbeit und Katastrophenhilfe durchführt. Die unabhängige Nichtregierungsorganisation wurde 1987 gegründet und steht der protestantischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten nahe. Nach dem Prinzip Hilfe zur Selbsthilfe verbessert ADRA in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Chancen auf ein würdiges und selbstbestimmtes Leben. ADRA steht für Adventist Development and Relief Agency.

 

Hintergrund zum transaktionalen Ansatz

Ein transaktionaler Ansatz in der Entwicklungszusammenarbeit bedeutet, dass die Zusammenarbeit und Hilfeleistungen primär auf ökonomische und geopolitische Interessen der Geberländer ausgerichtet sind. Hier sind die wesentlichen Merkmale eines solchen Ansatzes:

  1. Priorisierung wirtschaftlicher Interessen: Der Fokus liegt auf Handels- und Investitionsmöglichkeiten, wobei die Entwicklungsprojekte so gestaltet werden, dass sie wirtschaftliche Vorteile für die Geberländer oder beteiligte private Unternehmen bringen.
  2. Einbindung des privaten Sektors: Es wird stark auf die Beteiligung und Finanzierung durch den privaten Sektor gesetzt. Projekte werden oft in Form von Public-Private Partnerships (PPP) realisiert.
  3. Geopolitische Ziele: Entwicklungshilfe wird genutzt, um geopolitische Ziele zu verfolgen, etwa durch die Stärkung von Allianzen oder den Zugang zu strategischen Ressourcen.
  4. Weniger Fokus auf bedarfsorientierte Hilfe: Der Ansatz rückt von traditionellen Prinzipien der Entwicklungszusammenarbeit ab, die die Bedürfnisse der am stärksten gefährdeten und benachteiligten Bevölkerungsgruppen in den Vordergrund stellen.
  5. Top-down-Ansatz: Entscheidungen und Strategien werden häufig von den Geberländern vorgegeben, ohne ausreichende Einbindung und Berücksichtigung der lokalen Bedürfnisse und Prioritäten der Empfängerländer.

ADRA Deutschland e.V. teilt die Sorge um die künftige Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit der EU

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Pressekontakt ADRA Deutschland e.V.

Pressesprecher & Referent Öffentlichkeitsarbeit Andreas Lerg

Andreas Lerg

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