Zwischen den Fronten: ADRA ist im Jemen weiterhin aktiv

Der Krieg im Jemen wird weiterhin unerbittlich auf dem Rücken der Zivilbevölkerung ausgetragen. Die Bedingungen für Hilfsorganisationen werden immer komplizierter. Im UN-Sicherheitsrat bezeichnete UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcook den Krieg im Jemen als „die schlimmste menschengemachte humanitäre Katastrophe der Welt“. Dem Vernehmen nach werden Hilfslieferungen umgeleitet, daher warnt das Welternährungsprogramm davor, dass sie unter diesen Voraussetzungen keine weiteren Hilfslieferungen durchführen können.

ADRA ist im Jemen eine der größten Hilfsorganisationen. Wir sind in den Bereichen Gesundheit, Nahrung, Wasserversorgung und Hygiene aktiv und versorgen Menschen im ganzen Land. Die Hilfsgüter beziehen wir Teilweise aus dem Jemen selbst und importieren medizinische Hilfsgüter über den Seeweg. Die Versorgung mit Hilfsgütern ist in einer schwierigen Situation zurzeit noch gewährleistet.

Die Mehrheit der Menschen im Jemen kämpft jeden Tag ums Überleben. Mit Ihrer Spende geben Sie Hoffnung, gerade den Kindern.
Unter dem Stichwort „JEMEN“ können Sie helfen: https://adra.de/spendenformular/

BEKÄMPFUNG DER DÜRRE IM SÜDWESTEN SOMALIAS

Dürre in SomaliaSomalia gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Neben bewaffneten Konflikten herrscht in Teilen des Landes zusätzlich eine Nahrungsmittelknappheit, ausgelöst durch extreme Dürre.
Im Somalia Resilience Program verpflichteten sich sieben internationale NGOs gemeinsam mit der somalischen Regierung ein Resilienzmodell zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit aufzubauen. ADRA und seine Partner wollen dadurch die Folgen der Dürre mildern und die Widerstandsfähigkeit gegen künftige Dürren stärken.

Die Maßnahmen, die ADRA in Somalia durchführt, werden partizipativ mit der Bevölkerung geplant und umgesetzt. Zu den Aktivitäten gehören unter anderem die Verteilung von landwirtschaftlichen Gütern, gemeinschaftliche Initiativen zur Nutztiergesundheit und der Bau bzw. Modernisierung wichtiger Wasserentnahmestellen. Wir wollen die Menschen in Somalia dabei unterstützen, sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen und sich langfristig selbst zu versorgen.

Unterstützen Sie die Arbeit von ADRA in Somalia: Spendenstichwort „Bildung“ oder online direkt über das Spendenformular.

Projektlaufzeit: 06/2019 – 11/2019

Dieses Projekt wird gefördert durch 

Das Evangelium mit Taten verkündigen

Frank Brenda von ADRA Deutschland

Ende April verließ Frank Brenda (65,5) ADRA Deutschland e.V. in Richtung (Un)Ruhestand. Zum Abschied führte die Redaktion von ADRAheute ein Interview mit Frank.

Lieber Frank, du bist seit 1992 für ADRA tätig, erst als Ehrenamtler, dann ab 1993 in Festanstellung. Wie bist du zu ADRA gekommen?

Ich war 15 Jahre Gemeindepastor. Durch meine Scheidung konnte ich den Beruf nicht mehr ausüben und bin dann zu ADRA gewechselt. Wie sich herausstellte, hat sich eine der schwersten Einschnitte meines Lebens positiv entwickelt. Die Tür, die mit ADRA aufgegangen ist, war größer und weiter, als die Tür, die geschlossen wurde.

Was hat dich an ADRA gereizt?

Humanitäre Hilfe ist ein Auftrag aus dem Evangelium und so habe ich es immer als Teil meiner Bestimmung gesehen. Als Pastor habe ich das Evangelium mit Worten verkündigt, mit ADRA habe ich das Evangelium durch Taten verkündigt, wie es Jesus letztendlich auch getan hat.

Mein Wirkungsbereich hat sich bei ADRA wesentlich vergrößert. Ich war weltweit unterwegs und habe Menschen erreicht, die ich als Pastor nie erreicht hätte. Ich konnte für viele tausende Menschen Projekte durchführen und ihnen Hilfe in unterschiedlichen Lebenssituationen zukommen lassen.

Wofür steht ADRA in deinen Augen?

Wir hatten früher das Motto, dass wir durch die humanitäre Hilfe die Liebe Jesu zum Ausdruck bringen. Ich habe das immer so verstanden, dass die Liebe Gottes durch die Arbeit von ADRA Hände und Füße bekommen hat.

Ich bin oft in Gebiete gereist bin, wo man ADRA noch nicht kannte, und wurde fragt: Was ist ADRA? Klingt ja zunächst wie eine Zauberformel: ADRA Kadabra. Unseren Auftrag sehe ich bereits im Namen ADRA beschrieben. Das erste A steht für Adventistisch. Hier steckt die Hoffnung drin, die wir in Jesus Christus haben; und in einer Katastrophensituation wollen wir den Menschen Hoffnung bringen.

Die Buchstaben D und R stehen für „Development and Relief“, Entwicklungs- und Katastrophenhilfe. Wir machen beides zusammen. Wir sind nicht nur eine Organisation, die in einer Katastrophe kurz da und nach ein paar Monaten wieder weg ist, sondern, wenn wir irgendwo Hilfe leisten, verfolgen wir einen langfristigen Ansatz. An die Katastrophenhilfe schließen sich Rehabilitations- und Entwicklungsmaßnahmen an.

Das letzte A steht für „Agency“. Eine Agentur zeichnet aus, dass sie etwas vermittelt. Heiratsagentur, Finanzagentur, Versicherungsagenturen, es wird immer etwas vermittelt. Und was vermittelt ADRA? Wir vermitteln Ressourcen, damit diese von dort, wo sie im Überfluss sind, dort hinkommen, wo ein Mangel herrscht. Damit wollen wir zu einem gewissen Ausgleich beitragen. Wir sind also ein Kanal, der Ressourcen dorthin bringt, wo sie gebraucht werden. Das betrifft nicht nur Geld, sondern auch menschliche Kapazitäten, Wissen, ‚Know-how‘, natürlich auch Hilfsgüter und andere Dienste, die wir durch unsere Projekte vermitteln.

Weißt du noch, was dein erster Einsatz für ADRA war?

Vor 27 Jahren war ich in Somalia. Ein Land gezeichnet von Hungersnot, Dürre und Bürgerkrieg. Wir waren damals vor Ort, um Essen zu verteilen. Ich hatte keine große Erfahrung als ADRA-Mitarbeiter und bin mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen worden. Ohne große Vorkenntnisse gleich den ersten Einsatz in einem Bürgerkriegsland mit Hungersnot, Chaos und ohne Regierung. Ich musste mich da irgendwie zurechtfinden. Gleich zu Beginn bestand meine Aufgabe, täglich eine LKW-Ladung mit zehn Tonnen Lebensmittel zu verteilen. Die Frage war, wie macht man das am besten.

Ich habe mich mit meinen lokalen Mitarbeitern beraten. Der Aspekt Sicherheit spielte natürlich eine große Rolle. Zu dem Zeitpunkt begann gerade der UN-Einsatz in Somalia. Wir waren damals in Mogadischu und für unseren Stadtteil war das italienische Militär für die Sicherheit verantwortlich. Ich bin also zum italienischen Kommandanten gegangen und habe gesagt: „Wir haben morgen eine Lebensmittelverteilung und ich brauche von euch Sicherheit und Unterstützung.“ „Kein Problem, machen wir, dafür sind wir ja da“, hat er gesagt.

Am nächsten Morgen um acht Uhr ging es los. Soldaten, Panzer und der Lebensmittellaster fuhren vor, stellten sich vor unserem Bürogelände auf und bauten mit Stacheldraht eine Absperrung um den LKW herum. Wir haben eine Verteilstelle eingerichtet und die Lebensmittel ausgegeben. Man muss sich das so vorstellen, dass wir keine gepackten Rationen ausgegeben haben, sondern die Frauen und Männer haben ein Stück ihres Gewands/T-Shirts aufgehalten und dort hinein gaben wir eine Portion Mais. Dann zogen sie wieder ab.

Die erste halbe Stunde lief dieses Verteilsystem auch ganz gut. Doch als die Menschen mit Lebensmitteln durch die Stadt liefen, zog das weitere Menschen an. Es sprach sich schnell herum, dass bei ADRA Lebensmittel verteilt wurden. Innerhalb kurzer Zeit war eine riesige Traube von Menschen zusammengekommen. Die Menschenmenge wuchs an, aber die Menge an Lebensmitteln wurde immer kleiner. Irgendwann wurde allen klar, dass die Lebensmittel nicht mehr für alle reichen würden. Daraufhin brach das Chaos aus. Die ersten haben den Stacheldraht überwunden, um sich selbst zu bedienen. Um den LKW und die Verteilung zu schützen haben die italienischen Soldaten Warnschüsse in die Luft abgegeben. Aber in einem Bürgerkriegsland, in dem nahezu jeden Tag geschossen wird, halten ein paar Luftschüsse niemanden ab. Die Soldaten haben sich machtlos gefühlt und zogen sich in ihren Panzer zurück. Wir hatten ebenfalls keine andere Wahl und zogen uns in unser Bürogebäude zurück. Der LKW blieb vor der Tür stehen, frei für jedermann. Das war das abrupte Ende der ersten Verteilung.

In meinem Zimmer habe ich mir dann gesagt, dass wir so etwas nicht jeden Tag wiederholen können. Es war niemand da, den ich um Rat fragen konnte. Also bin ich in Zwiesprache mit Gott gegangen: ‚Lieber Gott, jetzt bist du dran und musst mir weiterhelfen. Wie soll ich das organisieren?‘ Dann sagte eine innere Stimme zu mir: ‚Lies doch mal nach, wie Jesus damals 5000 Leute gespeist hat‘. Die Geschichte mit den fünf Broten und zwei Fischen hatte ich schon unzählige Mal erzählt. Ich las die Geschichte also in der Bibel noch einmal nach. Im Markusevangelium fiel mir dann ein interessanter Hinweis auf: Bevor Jesus das Brot gebrochen und verteilt hat, trug er seinen Jüngern auf: Teilt die Leute in Gruppen zu fünfzig und hundert auf, lasst sie sich aufs Gras setzen und dann gebt ihnen zu essen. (Markus 6:39-40)

Plötzlich wurde mir klar: Die Menge, die wir hier in Somalia jeden Tag versorgen mussten, waren auch 5000 Menschen. Auf unserem LKW waren zehn Tonnen Lebensmittel und wir sollten zwei Kilo pro Person herausgeben. Das waren 5000 Portionen. Jesus hatte die Menschen in Gruppen eingeteilt und sich setzen lassen, bevor sie gespeist wurden. Wäre das nicht für uns eine mögliche Methode? Ich habe mich mit meinen somalischen Kollegen beraten und ihnen meine Idee vorgestellt: Auf der Straße vor unserem Bürogelände lassen wir die Menschen sich setzen und teilen sie in kleine Gruppen zu je 50 Leute auf. Die dürfen dann aufstehen und sich ihre Lebensmittelration abholen. „Ja, Frank, können wir gerne versuchen.“
Gesagt, getan. Es hat funktioniert, es war eine super Verteilung ohne Ärger oder Gedränge.

Am darauffolgenden Tag fand das regelmäßige UN Sicherheitstreffen statt. Viele andere Hilfsorganisationen hatten ähnliche Erfahrungen gemacht wie wir am ersten Tag: Verteilungen, die außer Kontrolle liefen und im Chaos endeten. Ich war zunächst erleichtert, dass es nicht nur mir so ging und dass es in diesem Land unter diesen Bedingungen wohl so üblich war. Dann hat sich unser italienischer Kommandant zu Wort gemeldet und von unserem zweiten Tag berichtet. Zu guter Letzt hat er alle anderen Organisationen eingeladensich anzusehen, wie eine Verteilung bei ADRA abläuft.
Am nächsten Morgen kamen nicht nur tausende Somalis zu unserer Verteilaktion, sondern auch hunderte Neugierige von den anderen Hilfsorganisationen, bis hin zum Nachrichtensender CNN, die ein Video darüber machten und berichtet haben. Alle hatten eine sehr geordnete, disziplinierte Verteilung von Essen gesehen. Seitdem wird diese Art von Verteilung in Somalia durchgeführt. Auch bei ADRA ist diese Verteilmethode in das Nothilfe Protokoll aufgenommen worden für zukünftige Projekte in der Nothilfe.
Letztlich war es nicht meine Idee, sondern ein Rat, den ich in der Bibel gefunden habe, weil Jesus es uns vorgemacht hat.

Lieber Frank, vielen Dank für das Interview.

Gemeinsam Spiele, kreativ sein, Kochen

Gemeinsam Spiele, kreativ sein, Kochen - Gemeinsam für FlüchtlingeDas Adventistische Wohlfahrtswerk in Berlin Pankow lädt Geflüchtete unabhängig von Alter, Herkunft oder Religion ein, gemeinsam mit Einheimischen zusammenzukommen. Für die Kleinen wird kreatives Spielen und Basteln angeboten, Erwachsene tauschen sich aus, während sie zusammen kochen und essen. Ziel ist es gemeinsame Aktivitäten zu gestalten und Möglichkeiten zu schaffen Sprachkenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. Es kommen bis zu 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu den Treffen, die einmal im Monat stattfinden. Die Teilnehmer des jeweiligen Treffens entscheiden gemeinsam über das Thema des nächsten Treffens.

Die Initiative „Gemeinsam für Flüchtlinge“ besteht aus der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA), dem Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW), der Theologische Hochschule Friedensau (ThHF) und ADRA Deutschland e.V. (ADRA).

Projektlaufzeit 01.08.2018 – 30.09.2019

Herzlichen Glückwunsch, Grundgesetz

ADRA bekennt sich zum GrundgesetzVor 70 Jahren, am 23. Mai 1949, verabschiedete der Parlamentarische Rat das Grundgesetz. Nach nur acht Monaten Beratung einigten sich 61 Männer und vier Frauen auf eine Verfassung für Deutschland. Was zunächst als Provisorium gedacht war, hat sich bewährt und wurde zu einer dauerhaften Institution.

Natürlich steht ADRA Deutschland e.V. fest auf dem Boden des Grundgesetzes und bekennt sich zur freiheilich-demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes. Sonst könnten wir auch nicht mit der Exekutive, namentlich Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und Auswärtiges Amt, zusammenarbeiten.

Neben den christlichen Werten begreifen wir das Grundgesetz auch als Auftrag an uns. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige und gerechte Entwicklung aller Menschen zu bewirken. Das erfordert entwicklungspolitische Bildung, Solidarität und zivilgesellschaftliches Handeln in Deutschland und im Ausland.

Als Teil eines global agierenden Netzwerkes von ADRA Organisationen in über 130 Ländern trägt ADRA Deutschland e.V. mit seinen Programmen mit dazu bei, dass jährlich hunderttausenden Menschen geholfen werden. Das tun wir unabhängig ihrer ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität. Denn die Würde des Menschen ist unantastbar (Artikel 1 Absatz 1), gleich (Artikel 3 Absatz 1) und niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden (Artikel 3 Absatz 3).

GREEN ENERGY IN ÄTHIOPIEN: ADRA ist federführend im staatlichen Solar-Ausbildungssektor

ADRA bildet Solartechniker ausÄthiopisches Energieministerium, Bildungsministerium und ADRA arbeiten bei der Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit durch Ausbildung im Bereich Erneuerbaren Energien Hand in Hand. 

Die Hälfte der Bevölkerung Äthiopiens ist jünger als 18 Jahre, jedes Jahr strömen fast 3 Millionen Heranwachsende auf den Arbeitsmarkt. ADRA Deutschland hat gemeinsam mit unserem Partnerbüro in Äthiopien ein Ausbildungsprojekt entwickelt, dass die Umwelt schützt und jungen Menschen eine Zukunft bietet.

Viele junge Äthiopier sind in städtischen Gebieten ohne Arbeit gestrandet oder müssen auf schlecht bezahlte Jobs zurückgreifen. Erneuerbare Energien hingegen bieten eine saubere, dezentrale Energieversorgung und Zukunftschancen für junge Erwachsene, auch auf dem Land. Das Projekt steht auf drei Säulen:

1) Förderung der Jugendbeschäftigung

2) Stärkung der staatlichen Berufsbildungseinrichtungen im Bereich der erneuerbaren Energien.

3) Schaffung von qualifizierten Arbeitskräften im Bereich Erneuerbare Energien.

ADRA zusammen mit Ministerium von ÄthiopienMitte Mai 2019 hat ADRA gemeinsam mit dem äthiopischen Energieministerium und dem Bildungsministerium staatlich anerkannte Berufsstandards für Erneuerbare Energien entwickelt, die in das nationale Ausbildungsprogramm aufgenommen wurden. Ziel des Projektes ist es außerdem die technische Infrastruktur an Berufsschulen zu schaffen und Lehrer im Sektor Erneuerbare Energien fortzubilden.

Das Projekt richtet sich an 2.200 Jugendliche, davon sind 30 Prozent Frauen, aus den Regionen Oromia und Tigray. Neben einer soliden Ausbildung werden die Teilnehmer bei der Arbeitssuche oder Start-Up-Gründung unterstützt.

Das Projekt Green Energy TVET wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und von ADRA Deutschland finanziert und von ADRA Äthiopien durchgeführt. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

Mosambik nach dem Zyklon: Nur langsame Rückkehr zur Normalität

Zyklon mosambik - ADRA hilftIn Mosambik traf am 14. März der Zyklon Idai ein Gebiet von der Größe des Saarlandes und nur einen Monat später, am 25. April traf der Zyklon Kenneth ebenfalls Mosambik. Zu diesem Zeitpunkt war unser Mitarbeiter René Fechner in Mosambik, um nach dem ersten Zyklon Katastrophenhilfe zu leisten. Nach seiner Rückkehr haben wir ein Interview mit ihm geführt.

Hallo René, du kommst gerade zurück aus Mosambik. Was hast du da gemacht?

Ich war als Teil des Emergency Response Teams (Notfallteam, Anm. der Redaktion) des ADRA Netzwerks als technischer Berater vor Ort. Meine Aufgabe war es, das Team in der Projektumsetzung technisch zu unterstützten.

Was hast du für einen Eindruck gewonnen, wie geht es den Menschen nach der Katastrophe?

Ich kam in Mosambik vier Wochen nach der Katastrophe an. In einigen Teilen des Landes hat sich die Lage bereits normalisiert. Das heißt, die Märkte sind wieder geöffnet, die Menschen haben wieder Zugang zu Lebensmitteln und eine gewisse Grundversorgung. Schulen öffnen nach und nach wieder. Aber es ist noch nicht so wie vor dem Zyklon. Über 70 Prozent der Ernten wurden durch den Zyklon vernichtet und vielen Menschen ist die Lebensgrundlage zerstört worden. Auch wenn sich die Situation teilweise normalisiert hat, sind viele Familien in den nächsten Wochen und Monaten von Lebensmittelunsicherheit bedroht. Bis sich das Leben wieder hundertprozentig normalisiert wird es dauern, ich schätze bis zur nächsten Ernte im Oktober oder sogar bis März des kommenden Jahres.

Du bist also als Teil des ADRA Netzwerks nach Mosambik gereist. Was können wir uns unter dem Netzwerk vorstellen?

ADRA besteht aus über 130 Büros weltweit. In den jeweiligen Büros sitzen Fachleute für verschiedene Themen. Als Netzwerk ist es wichtig, gebündelt aufzutreten und die Stärken der einzelnen Mitarbeiter einzubinden. ADRA Mosambik hat die Erfahrung vor Ort, kennt sich mit den Märkten aus und hat viele Projekte in der Landwirtschaftsentwicklung durchgeführt. Deshalb leitet ADRA Mosambik den Einsatz und aus dem Netzwerk kommt Unterstützung. Ich war einer der Experten, die aus dem Netzwerk nach Mosambik geschickt wurden, um die Leitung vor Ort zu unterstützen. Ich war hauptsächlich für die weitere Projektentwicklung zuständig. Gemeinsam mit ADRA Mosambik konnten wir ein Projekt mit dem Netzwerk entwickelt, das sich mit der Landwirtschaft beschäftigt. Wir haben Lebensmittelverteillungen in unterschiedlichen Regionen durchgeführt. Und langfristig natürlich auch Saatgutverteilung.

Und wo bekommt ihr die Lebensmittel her, die verteilt werden?

Diese Lebensmittel kommen zum Großteil aus den Nachbarregionen. Nach und nach wird die Hilfe von Lebensmittel auf Gutscheine umgestellt. Wir wollen damit die lokalen Märkte stärken.

Ich habe gelesen, ganze Regionen waren von der Außenwelt abgeschnitten?

Schauen wir uns beispielsweise die Bursi-Region an. Dieser Distrikt war von der Außenwelt quasi abgeschnitten und nur über Hubschrauber zu erreichen. Jetzt sind wenigstens die Straßen für LKWs wieder befahrbar.

Nicht nur die Ernten und Vorräte wurden vernichtet, auch die Häuser der Menschen hat es schwer getroffen. Über 40.000 Häuser wurden zerstört?

Ja, das stimmt leider. Viele Menschen haben ihre Unterkunft verloren. Die Häuser standen unter Wasser oder wurden durch den Sturm zerstört. In einer Erstversorgung verteilen wir Zeltplanen, um zum Beispiel das Dach abzudecken und die Menschen vor dem Regen zu schützen

Verteilung von Saatgut durch ADRAWarum verteilt ADRA nicht direkt Saatgut, dann könnten die Menschen sich doch selbst versorgen?

Es stimmt schon, in der Region, die vom Zyklon verwüstet wurde, ist die Landwirtschaft stark. Es gibt dort – im Gegensatz zu Deutschland – zwei Ernten im Jahr. Die nächste Aussaat ist bis Mitte Juni möglich. Die Menschen brauchen Saatgut und Dünger. Bevor wir dazu kommen muss aber die Lebensmittelunsicherheit, die größte Not, behoben werden. Stell dir vor, du bist hungrig und bekommst Maiskörner. Du wirst den direkten Hunger stillen, weil du bis zur nächsten Ernte verhungert bist. Das heißt, wir müssen zuerst Lebensmittel verteilen bevor wir Saatgut verteilen, da die Menschen sonst das Saatgut nutzen, um ihren Hunger zu stillen.

Kaum hat Zyklon Idai Mosambik verwüstet, traf auch schon Zyklon Kenneth auf Mosambik.

Ja, stimmt. Aber Mosambik ist ein großes Land, um es von Nord nach Süd zu durchqueren, sind es 2400 Kilometer. Dadurch sind die Menschen, die vom Zyklon Idai betroffen sind, nicht die gleichen, die der Zyklon Kenneth getroffen hat. Zyklon Kenneth hat eine eher dünn besiedelte Region getroffen. Schwierig ist dort der Zugang zur humanitären Hilfe, denn dort gibt es regionale Konflikte mit Terrorismus und Anschlägen. Der Zyklon hat die bestehende Unsicherheit noch verstärkt.

Wir haben hier besonders mit der Adventistischen Universität in Beira mitgefiebert.

Die Universität in Beira wurde durch den Zyklon Idai stark zerstört. Der Sturm hat Dächer abgerissen und es gab Überschwemmungen. Der Aufbau wird dauern, Unterstützung ist weiterhin notwendig.

Nach dem Zyklon drohen Krankheiten. Wer ist besonders gefährdet?

Krankheiten sind natürlich ein Thema. Wasserbezogene Krankheiten entstehen dadurch, dass zum Beispiel Tierkadaver oder Fäkalien das Grundwasser verseuchen. Dann ist es wichtig, die besonders vulnerablen Menschen zu schützen. Das sind Kinder unter fünf Jahren, schwangere Frauen und ältere Menschen. In diesem Bereich ist neben der Cholera-Impfung wichtig, mit Hygieneschulungen die Menschen darauf hinzuweisen, wie wichtig Hygiene ist. Jeder Mensch auf der Welt weiß, wie wichtig Händewaschen ist. Nur, wenn wir uns in einer Krise befinden, sind andere Dinge wichtiger als die persönliche Hygiene. Aber auch in solchen Fällen darf man die persönliche Hygiene nicht vergessen. ADRA unterstützt vor Ort nicht nur die lokalen Wasserkomitees, sondern führt Hygieneschulungen mit jungen Familien und in den Schulen durch, um gemeinsam mit der lokalen Zivilgesellschaft für Sensibilität zu sorgen.

Wir in Deutschland können uns kaum vorstellen, was eine Katastrophe mit den Menschen macht. Du hast angesprochen, wie ADRA hilft. Mit Hygieneartikeln und -Schulungen. Mit Lebensmitteln und Saatgut. Mit Zelten und Planen. Habe ich etwas vergessen?

Wir als ADRA haben eine starke Verpflichtung die Begünstigten zu schützen. Begünstigte sind in einer Extremsituation hohem Stress ausgesetzt. Es gibt immer Menschen, die so etwas auch ausnutzen. Zu meinem Aufgabenbereich gehört es auch, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, wie man die Begünstigten davor schützt, ausgenutzt zu werden.

Bitte unterstützen Sie mit einer Spende die Hilfsbedürftigen in Mosambik unter dem Stichwort „Zyklon Mosambik“ auf https://adra.de/spendenformular/.