Philippinen: EMPOWER-Projekt nimmt erste Hürden

Die Klimakatastrophe wird Länder wie die Philippinen hart treffen. Unwetter, Überschwemmungen und Stürme nehmen zu und werden heftiger. Durch Katastrophenvorsorge will ADRA das Schlimmste verhindern und Menschen retten. Das Projekt hat nun die erste Hürde genommen.

Vom 14. bis 18. September fand in Tagaytay City ein Workshop zur Maßnahmenplanung statt. Wie bei ADRA üblich werden zuerst die Bedürfnisse der Betroffenen abgefragt und in die Planung einbezogen. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die virtuelle Teilnahme von Expert*innen aus den Bereichen Katastrophenvorsorge, Klimaanpassung, ländlicher Raum, Good Governance.

Gemeinsames Ziel des Projektes ist es, die zivilgesellschaftlichen Organisationen zu stärken und sie mit der lokalen Regierung in einen Austausch zu bringen. Dazu gehören Themen wie Gesetze und Richtlinien der Katastrophenvorsorge, gute Regierungsführung und soziale Verantwortung. Besonders im Fokus sind Menschen mit Behinderungen mit ihren besonderen Bedürfnissen.

In einem nächsten Schritt werden nun Multiplikator*innen ausgebildet, die dann wiederum die Bevölkerung schulen werden. So verbreitet sich das Wissen, während gleichzeitig Schutzteams aufgebaut werden, die im Ernstfall ganz praktische Hilfe leisten. Die Stärkung der Zivilgesellschaft ist ein wichtiger Schritt, der über Katastrophenvorsorge hinausgeht. Hierbei handelt es sich um nachhaltiges EMPOWERment!

Das Projekt wird unterstützt durch die Europäische Union

Bergkarabach: Krieg im schwarzen Garten

Um die Region Bergkarabach (übersetzt: schwarzer Garten) zwischen Armenien und Aserbaidschan wird seit Jahrzehnten gestritten, teilweise blutig gekämpft. Leidtragende der neu entfachten gewaltsamen Auseinandersetzung sind die Zivilisten, die entweder die Bombardierungen ertragen oder fliehen. In der Region könnte ein größerer Konflikt, auf dem Rücken der Zivilisten ausgetragen werden.

Mitarbeiter von ADRA und freiwillige Helfer*innen packen Lebensmittelrationen

ADRA hilft den Menschen auf beiden Seiten

Die Lage mag zwar unübersichtlich sein, das Leid ist unübersehbar. Deshalb zögerten die ADRA-Mitarbeiter und -Freiwillige nicht und setzten alle Hebel in Bewegung, um die Geflohenen zu versorgen. Für 170 Kinder, deren Zuhause zerstört wurde, besorgte ADRA Aserbaidschan warme Kleidung. Der Winter steht vor der Tür, die Menschen brauchen Schutz vor der Witterung, Kleidung und Hilfe beim Wiederaufbau.
Nach Armenien sind ebenfalls viele Menschen geflohen. Um die erste Not zu lindern verteilte ADRA Armenien Lebensmittellieferungen an die Geflüchteten in den Städte Stepanakert, Khndzorestan und Goris.

ADRA setzt Zeichen der Verständigung

Während sich die Länder streiten arbeiten die Büros von ADRA gemeinsam an humanitärer Hilfe für die Menschen, die unter dem Krieg leiden. Das Zeichen der Versöhnung gibt den Menschen auf beiden Seiten der Konfliktlinie Hoffnung. Es ist diese Hoffnung, die die Herzen der Menschen erreicht.

Hilfe, wie es die Sicherheitslage zulässt

Der Zugang für Hilfsorganisationen in die umkämpfte Region ist teilweise nur unter hohem persönlichem Risiko, teilweise überhaupt nicht möglich. Im Rahmen der Möglichkeiten wird ADRA helfen. ADRA kümmert sich darüber hinaus um die geflohenen Menschen, die meist ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben. Sie sind mit dem Schrecken davon gekommen und hoffen nun auf unsere Hilfe. In diesem Konflikt steht ADRA an der Seite der Menschen, die unsere Unterstützung benötigen. Wir schlagen uns nicht auf die Seite einer Konfliktpartei, wir haben die Menschen im Blick und in unseren Herzen. Die Menschen haben dieselben Wünsche und Hoffnungen, wie wir sie haben: sie wünschen sich Glück und ein friedliches Leben.

Bleiben oder fliehen – die Menschen in der Region Bergkarabach wissen nicht weiter

„Wir müssen unsere Kinder von diesem Albtraum fernhalten“

Das ist die Geschichte von Roza (82) aus Askeran, einer Stadt in der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach mit 2.300 Einwohner*innen (Stand 2015). Sie floh mit ihrer Familie von den Kämpfen. Hier berichtet sie über die Flucht:

„Es war der frühe Morgen des 27. September, als wir plötzlich von Schüssen und Bombenangriffen geweckt wurden. Wir konnten uns nicht erklären, was da vor sich ging. Aber der bedrohliche Lärm ging weiter. Alle Menschen rannten in ihre Häuser und suchten Schutz in ihren Kellern.

Roza (82) floh aus Bergkarabach nach Armenien

Als der Beschuss aufhörte, gingen wir hinaus, hatten aber keine Ruhe und der Angriff begann von Neuem. Wir verbrachten die Nacht in schrecklicher Angst. Früh am Morgen packten die Familien mit kleinen Kindern das Nötigste zusammen und flohen in kleinen Gruppen. Unsere Männer blieben zurück. Da wir auf dem Weg allen Schüsse ausweichen mussten, dauerte der Weg fünf Stunden länger als sonst. Ich habe Diabetes, es war schwer für mich, den Weg zu gehen, aber meine Enkelin weigerte sich, ohne mich zu gehen. Sie brachte mich an einen Ort, an dem wir jetzt mit 12 anderen Menschen, acht Kindern und vier Erwachsenen leben. Gott sei Dank gibt es mitfühlende Menschen, die freiwillig ihre Häuser teilen, damit wir an einem sicheren Ort bleiben können. Es ist uns zwar gelungen, die ersten benötigten Dinge zu beschaffen, aber bald werden uns die Mittel ausgehen. Vieles konnten wir nicht mitnehmen. Ich muss zum Beispiel meine Medikamente holen. Das Wetter ändert sich, und die paar Kleidungsstücke, die wir mitnehmen konnten, werden bald nicht mehr reichen. Unsere Kleinen haben Schulen und Kindergärten verlassen. Die Kinder sind der Bildung beraubt. Alles, was wir brauchen, ist Frieden, aber während der Krieg weitergeht, müssen wir unsere Kinder von diesem Albtraum fernhalten.

Roza (rechts) im Kreise ihrer Enkelkinder mit ADRA-Mitarbeiterinnen
Roza (rechts) mit ihren Enkelkinder und zwei ADRA Kolleginnen

Aufgezeichnet durch ADRA Armenien

Beirut: Adventistische Schule verwüstet

ADRA betreibt in Beirut das Adventist Learning Center, eine Schule für Flüchtlingskinder mit Schulmittagessen. Diese Schule ist nur einen Kilometer von der Explosionsstelle entfernt und wurde leicht beschädigt.

Glücklicherweise wurde niemand verletzt, da die Schule wegen Corona zurzeit geschlossen ist und die Kinder zu Hause unterrichtet werden.

„…zusehen, wie der Jemen von der Klippe stürzt“

Dass die Lage im Jemen ernst ist, das ist seit Ausbruch des Kriegs klar. Die Corona-Krise hat die ohnehin unmenschlichen Zustände weiter verschärft. Dazu kommt, dass zugesagte Hilfsgelder nicht gezahlt werden.

Mitten in der Pandemie, die eine geschwächte, unterversorgte Bevölkerung im Jemen trifft, steht die Zahlung vieler, von Geberregierungen bereits zugesagten, Hilfsgelder leider noch aus. Die Vereinten Nationen schlagen Alarm, bis zu drei Viertel der ohnehin knappen Gesundheitseinrichtungen stehen vor dem Aus. Es fehlt an Schutzkleidung, Medikamenten und medizinischen Geräten. Fast 20 Millionen Jemenitinnen und Jemeniten haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung.

Die Corona-Pandemie trifft ein schlecht ausgestattetes Land im Ausnahmezustand. Bei den gemeldeten Fällen von Covid-19 liegt die Sterblichkeit bei jedem vierten Patienten. Im weltweiten Durchschnitt liegt die Sterblichkeit bei unter fünf Prozent. Das Corona-Virus trifft auf eine geschwächte Bevölkerung, die unter fehlenden sanitären Einrichtungen und massiver Unterernährung leidet.

Im Jemen haben 18 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folge davon sind Infektionskrankheiten, wie die Cholera, an der im vergangenen Jahr über 1.000 Menschen gestorben sind. Fehlende sanitäre Einrichtungen und mangelnde Frischwasserversorgung machen auch den Schutz vor dem Corona-Virus fast unmöglich. Wer es sich leisten kann, bleibt zu Hause. Doch die meisten Menschen sind Tagelöhner, sie können sich „soziale Distanz“ nicht leisten. Gehen sie nicht arbeiten, verdienen sie kein Geld.

Mark Lowcock, UN-Hilfschef, warnte davor, dass die Weltgemeinschaft die Wahl habe, „die humanitäre Hilfe im Jemen zu unterstützen und dabei zu helfen, den Raum für eine nachhaltige politische Situation zu schaffen oder zuzusehen, wie der Jemen von der Klippe fällt„.

Ein breites Lächeln auf den Gesichtern

Zum ersten Mal fand im Distrikt Phoukoud in Laos ein lnklusionsfest statt. Mit Spielen, Unterhaltung und viel Liebe gestaltete ADRA einen ganzen Tag im Zeichen der Gemeinsamkeit. Un­ser Ziel ist es, Menschen mit Behinderung das Leben zu erleichtern und das Mitgefühl der Menschen ohne Behinderung zu wecken.

Tai Soudalat und Porm Keosamone arbeiten für ADRA Laos. Ihr Ziel ist es, den Respekt gegenüber Menschen mit Behinderung zu steigern. In Laos ist das noch nicht selbstverständlich. Deshalb veranstaltete ADRA in drei Dörfern ein Inklusionsfest, zu dem die Dorfbewohner eingeladen wurden. Menschen mit und ohne Behinderung feierten, aßen und spiel­ten zum ersten Mal gemeinsam. Bei spielerischen Aktionen, wie z.B. ei­nem „Wettrennen“ mit Gehhilfen, erlebten die Dorfbewohner ein Stück weit den Alltag der Menschen mit Behinderung. ,,Es gab sofort eine Hal­tungsänderung gegenüber den Menschen mit Behinderung“, sagt Porm. Das Fest war ein toller Erfolg. Es nahmen mehr Menschen als erwartet teil. Einige fanden es lustig und gesellig, andere fanden es informativ und wie­der andere waren emotional berührt. Alle Beteiligten kamen sich näher und fühlten, dass sie glücklich waren.

,,Auf den Gesichtern der eingeladenen Menschen mit Behinderungen war ein breites Lächeln zu sehen. Einige konnten ihre Freudentränen nicht zurückhalten“, freut sich Tai. Inklusion von Menschen mit Behinderung ist ein wichtiges Ziel des Projektes. Je nach Grad der Behinderung kann jede Person einen wertvollen Beitrag leisten, um die Lebensgrundlage zu verbessern. Menschen mit Behinderung sind ein Teil des Teams in dieser ADRA-Projektarbeit für klimaresiliente Landwinschaft. Dank der Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender, sowie der Finanzierung des Bundesministeriums für wirtschafrliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), werden die Projektaktivitäten gemeinsam umgesetzt.

 

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Kampf gegen Genitalverstümmelung in Westkenia

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist leider immer noch ein Problem in Kenia, auch wenn die Praxis längst verboten ist. Die traditionelle Zeremonie symbolisiert den Übergang eines Mädchens zur Frau, Teil dieser Zeremonie ist die Beschneidung der Genitalien. Unter den Folgen von FGM leiden junge Mädchen ein Leben lang .  Inkontinenz, Schmerzen beim Urinlassen und beim Geschlechtsverkehr gehören dann zum Alltag. Die Frauen sind einem hohen Risiko für Entzündungen der Harnwege oder Nieren ausgesetzt und demensprechend auch im Alltag eingeschränkt. Besonders gravierende Schmerzen erleiden Frauen während der Entbindung, die oft mit schweren Blutungen einhergehen, wiederkehrenden Infektionen und drohenden Geburtsfisteln.

Um die Situation der Frauen und Mädchen zu verbessern, arbeitet ADRA mit einem ganzheitlichen gesellschaftlichen Ansatz gemeinsam mit gefährdeten Mädchen im beschneidungsreifen Alter, ihre Eltern und Verwandten – vor allem auch männliche Familienmitglieder – und andere relevante Interessengruppen aus den politischen und religiösen Bereichen in Westkenia.

Durch gezielte Sensibilisierung und den Einbezug von Familien in den Kommunen, lokalen Repräsentanten und Amtsträger*innen und der Einführung von alternativen Ritualen, die den Übergang vom Mädchensein zum Frausein schmerzfrei und ohne Verstümmelungen erlauben, wird eine gesundheitsschädigende Tradition langsam verändert. Durch die Arbeit mit allen Personengruppen einer Gemeinschaft wird ein gemeinsamer Konsens geschaffen, auf die Verstümmelung von Mädchen und jungen Frauen zu verzichten. Zudem werden vor Verstümmelung geflüchtete Mädchen durch eine Schulgeldpatenschaft unterstützt, um sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

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