Madagaskar: Viele Kinder sind nur noch Haut und Knochen – schlimmste Dürre seit 40 Jahren

Update 14.05.2021

Der Süden Madagaskars zählt schon lange zu den ärmsten Regionen der Erde. Doch durch Klimawandel und Dürre ist eine lebensgefährliche Situation für 1 Millionen Menschen entstanden. Die Lage ist verheerend.

Durch die anhaltende Dürre ist keine Besserung in Sicht. Die jetzige Ernte fällt deutlich geringer aus als in den Vorjahren, denn die Felder haben sich in Staubwüsten verwandelt. Aus eigener Kraft können die Menschen die Krise nicht abwenden.

Rund 1,14 Millionen Menschen im Süden Madagaskars sind vom Hunger bedroht. Fast 14.000 von ihnen befinden sich in einem katastrophalen Zustand (IPC V[1]).

Wenn jetzt keine dringenden Maßnahmen ergriffen werden, wird sich der Hunger ausbreiten. Dann sind noch mehr Frauen, Männer und vor allem Kinder bedroht. Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt, dass die Situation sich schnell verschlechtert und die derzeitige Unterstützung nicht ausreicht, um eine Hungersnot zu verhindern. Nur durch eine gemeinsame Anstrengung von UN-Organisationen, Partnerregierungen und Nichtregierungsorganisationen können Leben gerettet werden.

Das WFP hat die Höhe der nötigen humanitären Hilfe auf 75 Millionen US-Dollar beziffert. Mit diesem Geld können die Menschen für die nächsten sechs Monate sicher überleben. Doch was ist dann? Der Ausweg aus dieser Krisensituation ist noch lang. Ohne unsere gemeinsame Unterstützung schaffen es die Menschen nicht.

[1] Eine Hungersnot wird von den Vereinten Nationen ausgerufen, wenn
·        mindestens 30 Prozent der Bevölkerung akut unterernährt sind
·        pro Person weniger als vier Liter Wasser am Tag zur Verfügung stehen
·        die Menschen am Tag weniger als 2.100 Kilokalorien Nahrung zu sich nehmen,
·        kein eigenes Einkommen mehr erwirtschaftet werden kann und
·        mindestens zwei von 10.000 Menschen täglich aus Nahrungsmittelmangel sterben

Kinder verhungern in Madagaskar

07. Mai 2021 | Pierre Schweitzer

Im Süden Madagaskars gibt es kaum Essen mehr für die Bevölkerung. Aufgrund einer jahrelangen Dürre ging die Ernte verloren. Mehr als eine Million Menschen leiden unter Hunger. Immer mehr Kinder unter fünf Jahren sind unterernährt. Laut Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen hat sich ihre Zahl in den letzten vier Monaten verdoppelt und liegt nun bei 16,5 Prozent.

Madagaskar zählt zu den ärmsten Ländern dieser Welt. Nun droht in dem Inselstaat eine Hungersnot. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Aufgrund hoher Ernteausfälle in den letzten Jahren, haben sie kein ausreichendes Saatgut mehr für die nächste Aussaat. In ihrer Verzweiflung greifen die Menschen zu allem, was ihr Überleben kurzfristig sicher kann. Sie essen Heuschrecken und Blätter. ADRA Madagaskar berichtet von hungernden Familien und Kinder, die nur noch der Schatten ihres Selbst sind.

Mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit ist ADRA im Rahmen eines mehrjährigen Projektes vor Ort und hilft den Menschen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. Mit dem Bau von Brunnen erhalten 68.000 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Zudem lernen 7.500 Kleinbauern neue Anbaumethoden kennen, um ihre Ernteerträge zu steigern. Die Hilfe reicht dennoch nicht aus.

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat die Höhe der nötigen humanitären Hilfe auf 75 Millionen US-Dollar beziffert. Mit diesem Geld können die Menschen für die nächsten sechs Monate sicher überleben. Doch was ist dann? Der Ausweg aus dieser Krisensituation ist noch lang. Ohne unsere gemeinsame Unterstützung schaffen es die Menschen nicht.

Madagaskar ist eine Insel im indischen Ozean und gehört zum afrikanischen Kontinent. Auf einer Fläche von 587.295 km² wohnen 27 Mio. Menschen. Gemeinsam mit der Unterstützung des BMZ führt ADRA in dem Land ein mehrjähriges Projekt im Bereich Ernhährung durch.

Bitte unterstützen Sie die Menschen in Madagaskar mit Ihrer Spende!

Weniger ist mehr! CO²-Reduzierung bei ADRA

Die Auswirkungen des Klimawandels halten ADRA in der Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit auf Trab. Wir sind da, um Menschen nach ei­ner Katastrophe zu helfen und sie gegen künftige Naturkatastrophen zu wappnen. Auch in Deutschland ist ADRA nicht untätig. Wir unternehmen alle Anstrengun­gen, um möglichst klimaneutral zu wirtschaften. So haben wir auf unserem Gebäu­de in Weiterstadt eine Solaranlage installiert, mit der wir einen Großteil des Strombedarfs decken und über 23 Tonnen CO² jährlich einsparen. Dies entspricht in etwa dem Ausstoß an CO² eines Fluges von Frankfurt nach New York und zu­rück. Dennoch sind Flugreisen unser größter CO²-Treiber. Für den CO²-Ausstoß, den wir selbst nicht einsparen können, unterstützen wir ein Wiederauf­forstungsprojekt auf Madagaskar. ADRA ist deshalb einem internationalen Koh­lenstoffregister beigetreten. Nur so kann der ausgestoßene Kohlenstoff über CO²-Zertifikate kompensiert werden. Überzählige Zertifikate können am Markt gehan­delt werden. Fast getreu dem ADRA-Motto: Gutes Kaufen. Gutes Tun.

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ADRA erhöht die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln in Madagaskar

Die Grundversorgung der kleinbäuerlichen Familien in Madagaskar ist vom Ernteerfolg abhängig. Die Dürre der letzten Jahre, die durch El Nino verstärkt wurde, beeinträchtigen den Ernährungszustand vor allem der Kinder sehr. ADRA setzt sich für die Verbesserung der Ernährungssituation unter besonderer Berücksichtigung von Frauen und Kindern ein.

In Farmfeldschulen werden 1.600 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern aus 80 Dörfern im Bereich Landwirtschaft und Kleintierhaltung ausgebildet. Zekinasy, Mutter von acht Kindern, ist eine von ihnen. Vor einigen Jahren konnte die 40-jährige mit ihrem arbeitslosen Mann kaum die Familie versorgen. Seit einem Jahr besucht Zekinasy die Farmfeldschule und startete mit zwei Karottenbeeten. Sie konnte mit den erlernten Techniken eine gute Ernte erzielen und bewirtschaftet inzwischen fünf Karottenbeete und sechs gemischte Gemüsebeete. „Ich bin dankbar, dass ich meine Familie gesund ernähren kann. Mit dem Gewinn konnte ich in eine Hühnerzucht investieren. Das Leben meiner Familie hat sich durch ADRA verbessert!“ Das gemeinsame Planen und Arbeiten fördert den sozialen Zusammenhalt und die Vernetzung zwischen den Dörfern und zwischen den Geschlechtern. Der Transport der Ernte zu den Märkten ist im Ampanihy Distrikt im Südwesten des Landes aufgrund schlechter Straßen weit und teuer. Um die Ernte lagern zu können, bis der Markt einen besseren Preis bietet, werden fünf Getreidespeicher gebaut. Dieses Projekt stärkt die Selbsthilfekräfte der Bevölkerung vor klimabedingten Katastrophen und fördert ein vielfältigeres Nahrungsmittelangebot auf den Märkten.

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Dieses Projekt wird gefördert von 

 

Ernährungssicherheit für die Bewohner Madagaskars

Frauen verkaufen ihre Produkte auf dem Markt

Wirbelstürme, Dürre, Heuschreckenplagen – Damit haben die Bewohner Madagaskars regelmäßig zu kämpfen. All diese Faktoren sorgen im Land verstärkt für Nahrungsmittelknappheit. Vor allem die Region des Ampanihy Distrikts in Süd-Madagaskar ist betroffen. ADRA hilft in 80 Dörfern, die Ernährungssituation zu verbessern und die Auswirkungen von Naturkatastrophen und Hungerkrisen zu reduzieren.

Jedes Jahr wird Madagaskar von tropischen Wirbelstürmen heimgesucht. Im Südwesten des Landes kommt erschwerend hinzu, dass die Zyklone keinen zusätzlichen Niederschlag in diesen trockenen Landesteil bringen. Selbst in der Regenzeit bleibt der Regen aus. Diese Elemente des Klimawandels wirken sich negativ auf die Ernährungssituation der Bevölkerung aus, denn die Menschen verfügen über zu wenige Strategien, diesem Phänomen entgegenzuwirken. Große Dürren und die Zerstörung von Ernten durch Heuschreckenplagen der letzten Jahre hat diese Problematik weiter verschlimmert. Die damit einhergehenden Ernteausfälle mancher Kleinbauern machen es ihnen teils unmöglich, sich und ihre Familien zu versorgen. Sie können weder Einkommen generieren noch andere Nahrungsmittel zur eigenen Versorgung dazu kaufen.

GESTEIGERTE LEBENSMITTELRATE

In einem vierjährigen Projekt unterstützt ADRA Kleinbauern und Haushalte in der Atsimo-Andrefana Region, widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu werden und ihre Ernährungssituation zu verbessern. Den Menschen wird vermittelt, wie sie ihre lokalen Ressourcen besser nutzen und vor dem Klimawandel schützen. Hierfür erhalten rund 1600 Kleinbauern Schulungen und Fortbildungen, die zu verbesserten Anbautechniken, höherer Produktion sowie gesteigerte Vermarktung von Grundnahrungsmitteln beitragen sollen. Auf sogenannten „bäuerlichen Feldschulen“ und Demonstrationsparzellen werden theoretische und praktische Elemente der Fortbildung verknüpft. Die damit einhergehende gesteigerte Versorgungsrate kommt den Menschen im Projektgebiet auch insofern zugute, dass sie die im Land weit verbreitete chronische Unterernährung bei Kindern bekämpft. ADRA hilft den Bauern dabei, sich untereinander besser zu vernetzen und kleine Produktionsgemeinschaften einzurichten. Hierzu zählt auch, die Bevölkerung für gesunde Ernährung und deren Einfluss auf die Entwicklung von Kleinkindern zu sensibilisieren.

FÜR KATASTROPHEN GEWAPPNET

Zusätzlich werden die lokalen Regierungen und Dorfgemeinschaften durch Ausbildungsmaßnahmen im Bereich der Katastrophenvorsorge und Frühwarnsysteme sowie der Erarbeitung von Plänen zur Reduzierung von Risiken gestärkt. ADRA unterstützt die Bewohner des Projektgebiets darin, Dorf-Komitees für die Katastrophen- und Risikovorsorge und das Ressourcenmanagement zu gründen, um die Widerstandsfähigkeit der Dörfer und Gemeinden zu stärken. Die Mitglieder der Komitees und der Verbände erhalten Fortbildungen, um bestehende Infrastrukturen zu schützen, potentielle Risiken zu erkennen und die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen. Hierfür werden Vorsorgemaßnahmen in den Privathaushalten sowie im landwirtschaftlichen Bereich vorgenommen. Insgesamt kommt das Projekt rund 25.000 Menschen zugute.

 

Projektlaufzeit: 10.11.15 – 30.06.19

Dieses Projekt wird gefördert durch