Anlässlich der internationalen Konferenz zum Schutz von Entwicklungs- und Ersthelfern am 15. und 16. Oktober 2026, die von der Europäischen Kommission und der irischen EU-Ratspräsidentschaft ausgerichtet wird, appelliert ein breites Bündnis von Hilfsorganisationen eindringlich an die EU und ihre Mitgliedstaaten. Wir als ADRA Deutschland e.V. haben mit dem Netzwerk VOICE und 67 weiteren Nichtregierungsorganisationen die Erklärung „Protecting Those Who Protect“ unterzeichnet, um den Schutz von humanitären Kräften ganz oben auf die politische Agenda zu setzen.
Dramatischer Anstieg der Gewalt gegen Hilfskräfte
Der gemeinsame Appell erfolgt vor dem Hintergrund absolut alarmierender Zahlen: Laut dem Aid Worker Security Report 2026 wurden allein im Jahr 2025 weltweit mindestens 1.187 humanitäre Helferinnen und Helfer Opfer schwerer Sicherheitsvorfälle – 350 von ihnen wurden getötet. Dies entspricht der zweithöchsten jemals verzeichneten Zahl an Opfern. Besonders gefährdet sind lokale und nationale Kräfte vor Ort, die 96 % aller Betroffenen ausmachen. Zwei Jahre nach der UN-Sicherheitsratsresolution 2730 fordert das Bündnis, die damals gegebenen Versprechen endlich in konkrete Taten umzusetzen.
Die Kernforderungen an die EU und ihre Mitgliedstaaten
Da der Schutz von Helferinnen und Helfern die Voraussetzung für lebensrettende Hilfe und die Arbeit vor Ort ist, stellen die 68 Organisationen in ihrer gemeinsamen Erklärung mehrere sehr konkrete Forderungen:
- Die konsequente Durchsetzung des humanitären Völkerrechts: Verstöße gegen das Völkerrecht sowie Angriffe auf Hilfskräfte müssen öffentlich verurteilt und die Verantwortlichen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden.
- Den Schutz der humanitären Prinzipien: Das Handeln von Hilfsorganisationen muss strikt an den Prinzipien der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit ausgerichtet bleiben und vor politischer Instrumentalisierung geschützt werden.
- Den Einsatz gegen Falschinformationen: Gezielte Desinformationskampagnen beispielsweise auch in den sozialen Medien, die die Legitimität von Hilfskräften untergraben und sie physischen sowie rechtlichen Gefahren aussetzen, müssen entschlossen bekämpft werden.
- Die gerechte Finanzierung und umfassende Fürsorgepflicht „Duty of Care“: Sicherheitskosten und psychosoziale Unterstützung müssen angemessen finanziert werden. Diese Fürsorgepflicht muss gleichermaßen für internationale, nationale sowie lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelten.
„Der Preis des Nichtstuns wird in Menschenleben gemessen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen jetzt handeln, um diejenigen zu schützen, die täglich Millionen Menschen schützen“, betont Christian Molke, Vorsitzender des Vorstandes von ADRA Deutschland e.V.