„Wir müssen unsere Kinder von diesem Albtraum fernhalten“

Das ist die Geschichte von Roza (82) aus Askeran, einer Stadt in der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach mit 2.300 Einwohner*innen (Stand 2015). Sie floh mit ihrer Familie von den Kämpfen. Hier berichtet sie über die Flucht:

„Es war der frühe Morgen des 27. September, als wir plötzlich von Schüssen und Bombenangriffen geweckt wurden. Wir konnten uns nicht erklären, was da vor sich ging. Aber der bedrohliche Lärm ging weiter. Alle Menschen rannten in ihre Häuser und suchten Schutz in ihren Kellern.

Roza (82) floh aus Bergkarabach nach Armenien

Als der Beschuss aufhörte, gingen wir hinaus, hatten aber keine Ruhe und der Angriff begann von Neuem. Wir verbrachten die Nacht in schrecklicher Angst. Früh am Morgen packten die Familien mit kleinen Kindern das Nötigste zusammen und flohen in kleinen Gruppen. Unsere Männer blieben zurück. Da wir auf dem Weg allen Schüsse ausweichen mussten, dauerte der Weg fünf Stunden länger als sonst. Ich habe Diabetes, es war schwer für mich, den Weg zu gehen, aber meine Enkelin weigerte sich, ohne mich zu gehen. Sie brachte mich an einen Ort, an dem wir jetzt mit 12 anderen Menschen, acht Kindern und vier Erwachsenen leben. Gott sei Dank gibt es mitfühlende Menschen, die freiwillig ihre Häuser teilen, damit wir an einem sicheren Ort bleiben können. Es ist uns zwar gelungen, die ersten benötigten Dinge zu beschaffen, aber bald werden uns die Mittel ausgehen. Vieles konnten wir nicht mitnehmen. Ich muss zum Beispiel meine Medikamente holen. Das Wetter ändert sich, und die paar Kleidungsstücke, die wir mitnehmen konnten, werden bald nicht mehr reichen. Unsere Kleinen haben Schulen und Kindergärten verlassen. Die Kinder sind der Bildung beraubt. Alles, was wir brauchen, ist Frieden, aber während der Krieg weitergeht, müssen wir unsere Kinder von diesem Albtraum fernhalten.

Roza (rechts) im Kreise ihrer Enkelkinder mit ADRA-Mitarbeiterinnen
Roza (rechts) mit ihren Enkelkinder und zwei ADRA Kolleginnen

Aufgezeichnet durch ADRA Armenien