(Über)Leben im Krieg

Zerstörung und Bedrohung beschreiben nur einen Bruchteil der Umstände, in denen Frauen, Männer und Kinder ihren Alltag in Konflikt- oder Kriegsregionen bewältigen müssen. Sie führen ein Leben in Gefahr für Seele und Körper, ohne selbstbestimmte Normalität und mit ungewissem Ausgang. Mitarbeiter von ADRA im Jemen sowie Nothilfekoordinator Nikolaus Kirchler berichten aus zwei Konfliktregionen.

Das Leben in Konflikt- oder Kriegsregionen ist für die Menschen vor Ort eine Herausforderung. Die Versorgung mit Lebensnotwendigem ist eingeschränkt oder eingestellt. Ebenso die medizinische Versorgung.

So auch im Jemen: In dem vorderasiatischen Land auf der arabischen Halbinsel herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. ADRA setzt sich dort mit einem Krankenhaus und medizinischen Einsatzteams vor allem für eine medizinische Grundversorgung ein, die der breiten Bevölkerung sonst kaum zur Verfügung steht.

Die ADRA-Mitarbeiter Maysa Mansour Al-Aqil und Mohammed Hussein Ba Hashman arbeiten nicht nur vor Ort, sondern sind auch selbst Betroffene des Bürgerkriegs: „Die größten Hindernisse bei unserer täglichen Arbeit sind vor allem, nicht zu wissen, ob die Familie vielleicht von einem Luftangriff getroffen wurde. Nicht zu wissen, ob man nach Hause kommt und ob es noch Wasser und Strom gibt. Die lebensnotwendige Infrastruktur ist jeden Tag gefährdet“, beschreibt Maysa Mansour Al-Aqil die Situation. „Benzin beispielsweise: Wir wissen nie, ob Tankstellen geschlossen wurden. Wenn wir kein Benzin mehr bekommen, können wir unsere Arbeit nicht machen. Es ist nicht leicht, seinen Job zu machen, wenn man immer diese Bedrohung im Hinterkopf hat.“

Nothilfekoordinator Nikolaus Kirchler war für drei Monate im Nordirak, um dort in einem Flüchtlingscamp ein Krankenhaus aufzubauen. In dem Camp wurden Flüchtlinge aufgenommen, die damals vor den Kampfhandlungen in Mossil geflohen waren. „In solchen Camps haben die Menschen erstmal ein Versorgungssystem für Grundbedürfnisse, das heißt, man kann sich sicher sein, dass jemand Wasser und Nahrung zur Verfügung stellt.“, erläutert Nikolaus Kirchler. In Camps aber, in denen die Geflüchteten für absehbar längere Zeit untergebracht waren, bildeten sich sogar eigene Strukturen heraus: „Das waren zum Teil kleine Dörfer und Städte mit Einkaufsstraßen, Bäckereien und Gemüseläden. Teilweise wird das auch von Hilfsorganisationen unterstützt, so dass sich semi-permanente Strukturen bilden können – damit die Menschen zum Beispiel nicht mehr in Zelten leben müssen, sondern Unterstützung beim Bau von kleinen Steinhäuschen bekommen.“ Nach so einer Ausnahmesituation zu einem neuen Alltag nach Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen zu kommen, sei dennoch nicht so einfach: „Üblicherweise verlässt ja die ganze Familie die Sicherheit des Camps und muss zurück in der Heimat erst einmal wieder fast alles aufbauen. Es gibt die Möglichkeit, dass die Familienväter und die Söhne in die Städte gehen, um die Rückkehr vorzubereiten – damit die ganze Familie, wenn sie wieder auf eigenen Beinen steht, als Ganzes wieder zurückkehren kann“, berichtet er.

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