NACHHALTIGKEITSGUIDE

01. Vorwort

Dieser Nachhaltigkeitsguide richtet sich an alle Menschen, die sich für das Thema Nachhaltigkeit interessieren und ihren Alltag gerne nachhaltiger gestalten möchten. Basierend auf der Nachhaltigkeitskonferenz 2020 soll dieser Guide nochmal als kompakte Handreichung zum Thema Nachhaltigkeit im Alltag verstanden werden und bietet Hintergrundinformationen sowie praxisnahe Tipps. Zum einen soll er alternative Handlungsoptionen aufzeigen, zum anderen Klarheit bezüglich Konsum und Verbrauch schaffen.

02. Einführung: Nachhaltigkeit und SDGs

Der Ursprung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ wird in der Forstwirtschaft verortet: Im Sinne einer „klugen Art der Waldbewirtschaftung“ sollte nicht mehr Holz gefällt werden, als innerhalb einer gewissen Zeit jeweils nachwachsen kann. Das Prinzip Nachhaltigkeit wurde darauffolgend auch in anderen Bereichen aufgegriffen. Es ging darum, sicherzustellen, dass ein regeneratives, natürliches System in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt, indem nicht mehr verbraucht wird als nachwachsen bzw. sich regenerieren kann.
Sprechen wir dagegen heute im Allgemeinen von Nachhaltigkeit, meinen wir häufig einfach so viel wie „langfristig“, „dauerhaft“, „längere Zeit anhaltend“, oder auch „zukunftsfähig“. Die Herausforderung dabei ist, dass die genaue Bedeutung des Begriffs nicht klar eingegrenzt ist, sodass seine Verwendung auch irreführend sein kann. So wird er z.B. in Werbestrategien von Unternehmen genutzt, um ein grünes Image zu erzeugen, ohne dass es dafür eine ausreichende Grundlage gibt (Greenwashing).

Insbesondere seit den 1980er Jahren haben Nachhaltigkeitsaspekte national sowie international immer mehr an Bedeutung gewonnen. Schließlich wurde 2015 von den Vereinten Nationen mit der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ ein globaler Handlungsrahmen geschaffen. Den Kern der Agenda stellt ein Zielsystem dar, das unter dem Schlagwort „SDGs“ (Sustainable Development Goals; dt.: Ziele für nachhaltige Entwicklung) bekannt ist.
Die Agenda 2030 gilt für alle Staaten der Welt gleichermaßen und basiert auf der Überzeugung, dass sich die heutigen globalen Herausforderungen nur gemeinsam lösen lassen. Die 17 SDGs mit ihren 169 Zielvorgaben beinhalten führen Entwicklungs- als auch Nachhaltigkeitsaspekte zusammen und beziehen sich auf die drei Dimensionen >Soziales<, >Umwelt< und >Wirtschaft< gleichermaßen. So reichen die Zielvorgaben von der Beseitigung des weltweiten Hungers über die Schaffung menschenwürdiger Arbeit bis zu Maßnahmen des Klimaschutzes.

Quelle: 17ziele.de

Um die Ziele bis zum Jahr 2030 zu erreichen werden weltweit Maßnahmen durchgeführt, die in individuellen Strategien der jeweiligen Staaten festgehalten sind. In Deutschland stellt die „deutsche Nachhaltigkeitsstrategie“ den wesentlichen Rahmen für die Umsetzung der SDGs bzw. der Agenda 2030 dar. Sie wird nicht nur durch die Bundesländer und Kommunen umgesetzt, sondern Bevölkerung, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft spielen eine ebenso wichtige Rolle.

3a. Fact Sheet

17 Gründe, warum wir unser (Konsum) Verhalten dringend ändern sollten:

3b. Nachhaltigkeit im alltag

Nachhaltigkeit und ihre globale, soziale, ökonomische und ökologische Komponente hängt ganz eng mit unserem eigenen täglichen Konsumverhalten und Verbrauch zusammen. “Dein Kassenbon ist dein Stimmzettel- jedes mal!”  Bei jedem Kauf stimmen wir ab, ob wir beispielsweise einen milliardenschweren Großkonzern unterstützen, der Menschenrechte mit Füßen tritt, oder ob wir, für ein paar Cent mehr, lieber Fairtrade-Produkte kaufen und damit zum Beispiel die Existenz von Bauern in Bolivien unterstützen. Wir stimmen über Tierwohl und artgerechte Haltung oder Massentierhaltung ab. Wir entscheiden uns zwischen umweltfreundlich oder umweltschädlich.

Daher sollten wir unser eigenes Konsumverhalten reflektieren und uns folgende Fragen stellen:

  1. Brauche ich es wirklich?
  2. Wen oder was unterstütze ich mit dem Kauf?
  3. Kann ich es reparieren?
  4. Kann ich es eventuell auch leihen, mieten oder gebraucht kaufen?
  5. Wie kann ich es am Ende entsorgen?
  6. Konsumiere ich bewusst?
  7. Kann ich kompensieren?

Wenn jede*r mitmacht, können kleine Veränderungen im Alltag viel für den Klimaschutz und mehr Nachhaltigkeit bewirken. 

Hier findest du weitere Anregungen, wie du deinen ökologischen Fußabdruck im Alltag ganz einfach reduzieren kannst: 

baum mit grünen tipps



3c. Plastik - Ein Exkurs

Eine Welt ohne Plastik? Heute nur noch sehr schwer vorstellbar. Verwendet wird es für Verpackungsmaterialien, für Formteile bei Fahrzeugen, für Bauteile in Häusern, Wohnungen und technischen Geräten, für Implantate und Prothesen im medizinischen Bereich und für verschiedenste Alltagsgegenstände wie Textilien, Schnuller, Kosmetikprodukte und Reinigungsmittel. Plastik ist steril, leicht, wärmedämmend, hitzebeständig, flexibel, elastisch und bruchfest, wasserabweisend und preislich günstig. 

Das macht es zu einem vielseitig einsetzbaren und beliebten Material, das jedoch auch unerwünschte Effekte mit sich bringt: 

Plastik bleibt in der Umwelt, indem es sich nicht vollständig abbaut, sondern zu immer kleineren Partikeln wird und für das menschliche Auge schließlich nicht mehr sichtbar ist. Sind die Partikel kleiner als 5mm, spricht man von “Mikroplastik”. Dieses wird sogar ganz gezielt eingesetzt: in Zahnpasten, Peelings und Kaugummis, in Teflon-Pfannen-Beschichtung, in Waschmitteln, in Autoreifen und vielem mehr.
Müllentsorgung: Beim Verbrennen von Plastikmüll entstehen giftige Dämpfe.
Winzige Kunststoff-Partikel und Zusatzstoffe wie Stabilisatoren und Weichmacher gelangen in die Raumluft, den Hausstaub, die Meere und sogar in Lebensmittel und von dort in unseren Körper.

Quelle: NABU.de & VDST.de

Bisher bekannte, mögliche schädliche Folgen sind:

Für Menschen (insbesondere für Kinder): 
➤ Schädigung von Immun- und Hormonsystem (z.B. Verringerung der Fortpflanzungsfähigkeit) 
➤ Schädigung von Organen und Nerven 
➤ Entwicklungsstörungen 
➤ Auslösen von Krebs

Für Tiere (insbesondere für Meerestiere):
➤ unter anderem: Todesgefahr durch Verschlucken, Vergiftung, Erwürgen

Für Ökosysteme 
➤ unter anderem: Beeinflussung des Erbguts und des Hormonhaushalts 
   Von Meeres-Lebewesen, z.B. Korallen

Wie erkennst du, ob Plastik drin ist?
Für eine schnelle Übersicht der Inhaltsstoffe und deren Eigenschaften nutze z.B. die Codecheck-App.

plastikblase

3d. Tipps zum Aktiv-Werden

Im Alltag gibt es zahlreiche Möglichkeiten für ein nachhaltigeres Handeln. Oft sind es die kleinen Dinge, an die viele Leute aufgrund von Gewohnheiten gar nicht denken, die aber am Ende des Tages einen Unterschied machen. Jede*r kann in ihrem*seinem Alltag viele unterschiedliche Dinge dafür tun, dass beispielsweise Arten gerettet werden oder weniger Müll in der Natur landet. Um aber nachhaltig zu leben, muss erst einmal ein Bewusstsein geschaffen werden und der Wille da sein, eine Veränderung vorzunehmen. 

Das Bewusstsein darüber, dass wir über unsere Verhältnisse leben und der Umwelt durch unser Konsumverhalten jeden Tag schaden.  Das Bewusstsein darüber, dass Wachstum nicht unendlich ist und wir nur einen Planeten haben, der endliche Ressourcen und Widerstandskräfte besitzt. Und der Wille, dem entgegen zu wirken und das eigene Leben entsprechend nachhaltiger zu gestalten. 

Es ist also äußerst wichtig für sich selbst herauszufinden, WARUM man ein nachhaltigeres Leben führen möchte und welche Komponente der Nachhaltigkeit – die soziale, die ökologische oder die ökonomische Komponente, einen persönlich am meisten interessiert und motiviert.

headline

Aber wie bringen wir mehr Nachhaltigkeit in unser Leben?
Zu Beginn ist es empfehlenswert, sich nicht allzu viel aufzuladen und sein Leben Schritt für Schritt umzugestalten. Ansonsten kann dies schnell zu Demotivation, Überwältigung und letztendlich zu Resignation führen. Eine nachhaltige Gestaltung des eigenen Lebens und Alltags muss als Prozess verstanden werden und kann nicht von jetzt auf gleich passieren. Daher ist es wichtig, mit kleinen Dingen zu beginnen, um direkt erste Erfolge feiern zu können und motiviert zu bleiben.

Zunächst einmal sollte eine individuelle Bestandaufnahme der eigenen Lebensbereiche erfolgen:
Wie lebe ich derzeit und was kann und möchte ich kurz- und langfristig in diesen Bereichen ändern und verbessern? Der eigene Konsum muss hinterfragt werden! Mach dir einen Plan!
Hilfreich ist es auch, einen Bereich nochmals in einzelne Kategorien zu gliedern und diese genau unter die Lupe zu nehmen. Beispielsweise kann das eigene Zuhause in Küche, Bad, Wohnzimmer, Garten aufgeteilt werden und zunächst mit einem Raum begonnen werden. So könntest Du dich zunächst auf die Küche konzentrieren:

Sag als Erstes “Nein!” zu Alu- und Klarsichtfolie. Du wirst schnell merken, dass es viele großartige Alternativen gibt.
Verabschiede dich dann vom überteuerten, umweltschädlichen Kapselkaffee und ersetze ihn z.B. durch Fairtrade-Bio-Filterkaffee (das spart Geld, Verpackungsmüll und unterstützt den Fairen Handel).
Als nächstes folgt die Umstellung auf verpackungsarme, ökologische Spül- und Reinigungsmittel oder du stellst diese sogar selbst her.                                                                                                                                                                                 Achte beim Einkaufen auf unnötigen Verpackungsmüll und kaufe möglichst unverpackte Lebensmittel ein. Nimm deine eigene Einkaufstasche und Obstbeutel mit und schreibe dir vorher eine Einkaufsliste.                                                      Beim Kochen sparst du Energie und Zeit, wenn du einen Deckel verwendest.                                                                            Darüber hinaus solltest du den eigenen Fleischkonsum überdenken sowie auf regionale statt auf importierte Lebensmittel zurückgreifen.

Um den Prozess der nachhaltigen Lebens(um)gestaltung noch zu erleichtern, hilft es, sich gleichgesinnte Kompliz*innen zu suchen, um eigene Erfahrungen und neues Wissen miteinander zu teilen. Das regt nicht nur den Austausch an, sondern auch die eigene Motivation!

Es gibt beispielsweise zahlreiche Facebook-Gruppen zum Thema Nachhaltigkeit.
Teile dein Wissen und Engagement über Social Media und rege andere Menschen zum Umdenken an – sei ein Vorbild!
Veranstalte eigene (Kleider-)Tausch- oder Do-It-Yourself-Partys (für Kosmetik, Lebensmittel etc.)!
Sprich mit deinen Freund*innen und deiner Familie darüber!

Ganz wichtig: Lass dich nicht entmutigen und verliere nicht das große Ganze, dein WARUM, aus den Augen! Du bist auf dem richtigen Weg. Leider wird es immer Menschen geben, die du mit deinem Eifer nicht mitreißen kannst. Vielleicht stößt du sogar auf Unverständnis, wirst kritisiert oder musst dich für deinen neuen Lebensstil rechtfertigen (“Whataboutism”). Daher hilft es ungemein, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu verbünden, um motiviert und bestärkt zu bleiben. Jede*r einzelne kann und sollte etwas für mehr Nachhaltigkeit tun. Wichtig ist es, den Anfang zu wagen und nach der eigenen Überzeugung zu handeln.

Es sind viele kleine Schritte mit einem großen Effekt und am Ende profitiert wirklich jede*r von einem achtsam-bewusst-nachhaltigen Lebensstil.

3e. GüteSIEGEL

Gütesiegel oder auch Qualitätssiegel sind grafische Produktkennzeichnungen. Diese sollen den Verbraucher*innen insbesondere positive Hinweise zu Qualität, Herkunft und Beschaffenheit eines Produktes liefern und als Orientierung beim Einkauf dienen.  
Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Regulierung gelangen immer mehr Gütesiegel auf den Markt, sodass selbst Produkthersteller teilweise eigene Siegel kreieren. Viele Siegel sind daher nicht besonders aussagekräftig und gelten nur als Maßnahme des Greenwashing. Alleine auf dem deutschen Markt gibt es beispielweise über 1.000 verschiedene Labels und Kennzeichen, sodass es Verbraucher*innen schwer gemacht wird, zertifizierte Gütesiegel von den eigenen Labels der Produktherstellen zu unterscheiden. 

Aus diesem Grund möchten wir hier eine Übersicht der sichersten Gütesiegel geben, um Dir mehr Klarheit bei deinem nächsten Einkauf zu verschaffen:

Bei dem Fairtrade-Siegel handelt es sich um ein Sozialsiegel. Es garantiert nicht nur höchste Sozialstandards, sondern auch die Unterstützung von Familienbetrieben, Kleinbauern und Kleinbäuerinnen im Globalen Süden durch kostendeckende Mindestpreise für ihre Waren. Zudem garantiert es nachhaltigen Anbau, das Verbot von bestimmten Pestiziden und Kernarbeitsnormen. Jedoch stammt Fairtrade-Baumwolle nicht immer aus kontrolliert biologischem Anbau.
Kriterien sind u.a.:
Garantie zur Einhaltung sozialer Standards                                                         Zahlung einer Fairtrade-Prämie zusätzlich zum Verkaufspreis (die Bauernfamilien bzw. Beschäftigten auf Plantagen entscheiden gemeinsam in einem demokratischen Prozess, in welche sozialen, ökologischen oder ökonomischen Projekte die Prämie investiert wird und welche Ziele erreicht werden sollen!)   Umweltschonender Anbau und Schutz der natürlichen Ressourcen       Förderung des Bio-Anbaus und Verbot gewisser Pestizide.

 

El Puente ist eine der ältesten Importorganisationen des Fairen Handels, die mit Kleinbäuerinnen und –Bauern sowie Kleinbetrieben zusammenarbeitet. Die Kriterien gehen über die der World Fair Trade Organization (WFTO) hinaus. Kriterien sind u.a.: 
➤ Zahlung gerechter, von den Produzent*innen kalkulierte Preise (Fairhandels-Mindestpreise = absolutes Minimum)
➤ Preisaufschläge für biologischen Anbau, für besonders hohe Produktqualität und für soziale Projekte vor Ort
➤ Umfassende Arbeits- und Sozialstandards
Ca. 80% des Lebensmittelsortiments ist bio-zertifiziert
Hohe Transparenz
Entwicklungspolitische Informations- und Bildungsarbeit
Prinzip des nicht gewinnorientierten Wirtschaftens

10 Grundsätze des Fairen Handels der World Fair Trade Organization (WFTO)

10 grundsätze fairer handel

Die WFTO ist das globale Netzwerk des Fairen Handels. In dem Netzwerk sind rund 370 Fair-Handels-Organisationen aus 70 Ländern organisiert. Die Mitglieder sind Fair-Handels-Importeure wie El Puente, Produzentengruppen in den Ländern des globalen Südens und Verkäuferorganisationen wie der Weltladen Dachverband.
Die WFTO vergibt ein Fair-Handels- Label. Das Besondere an diesem Label: Die WFTO überprüft ein gesamtes Unternehmen, nicht einzelne Produkte.

Der Blaue Engel ist eine umweltschutzbezogene Kennzeichnung für Produkte und Dienstleistungen aus den Kategorien Haushalt, Elektrogeräte, Bauen, Büro, Energie & Heizen, Garten & Freizeit und Gewerbe. Die Kriterien sind abhängig von der Produktgruppe und werden ca. alle 3-4 Jahre erneuert.
Der Blaue Engel bescheinigt nicht die völlige Unbedenklichkeit eines Produkts, sondern sagt aus, dass die gelabelten Produkte umweltfreundlicher sind als vergleichbare Produkte dieser Produktgruppe. Da das Siegel nur auf Antrag ausgestellt wird, gibt es jedoch auch Produkte auf dem Markt, die das Siegel nicht tragen, obwohl sie den Kriterien entsprechen.

Textilien:

Die Fair Wear Foundation ist eine unabhängige Stiftung mit Sitz in Amsterdam. Die FWF arbeitet weltweit in elf Ländern mit Bekleidungsmarken, Textilarbeitern und Branchengrößen zusammen um die Arbeitsbedingungen in Textilfabriken zu verbessern.
Kriterien sind u.a.:
 Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
 Keine Zwangsarbeit und Kinderarbeit
 Mindestlohn
 sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
 Rechtsverbindlicher Arbeitsvertrag
 Versammlungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen

Global Organic Textile Standard (GOTS) ist eine weltweit verbreitete Zertifizierungen.
Das Siegel garantiert den ökologischen Anbau, eine regelmäßige Überprüfung der Mindeststandard, eine Textilproduktion aus mindestens 90 Prozent Naturfasern und 10 Prozent aus synthetischen Fasern oder Viskose sowie eine minimale Schadstoffbelastung durch Beschränkung auf wenige Verarbeitungssubstanzen und Färbemittel. Das Siegel legt jedoch keine Kriterien für Leder- und Fellprodukte fest.
Kriterien sind u.a.:
➤ Faire Arbeitsbedingungen
 Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit
 Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
 kein PVC im Verpackungsmaterial
 Betriebe müssen über ein eigenes Umweltschutzprogramm verfügen

grüner knopf

Der Grüne Knopf ist ein staatliches Siegel, das 2019 vom Bundesentwicklungsministerium (BMZ) eingeführt wurde. Es garantiert, dass Textilien wie Bekleidung, Bettwäsche oder auch Rucksäcke, nach besonderen Sozial- und Umweltstandards hergestellt wurden.
Hiernach muss das Unternehmen „als Ganzes“ anhand von 20 Kriterien seine menschenrechtliche, soziale und ökologische Verantwortung nachweisen.
Kriterien sind u.a.:
 transparenter Beschwerdemechanismus für Arbeiter*innen
 Berücksichtigung der Menschenrechte
 Verantwortungsvolle Lieferkette und Einkaufspraktiken
 Vergabe von Aufträge nach umwelt- und menschenrechtlichen Kriterien
Darüber hinaus unterliegen die Produkte einer Prüfung, nach der 26 soziale und ökologische Kriterien eingehalten werden müssen.
Kriterien sind u.a.:
 Verbot von Kinderarbeit und Zwangsarbeit, Zahlung von Mindestlöhnen
 faire Arbeitsbedingungen
 Verwendung von Naturfasern aus Ökolandbau oder Verbot gefährlicher Pestizide
 Feste Abwassergrenzwerte und eine ökologisch orientierte Produktion

Das am weitesten verbreitete Oeko-Tex Standard 100 Siegel ist vor allem ein Verbraucherschutz-Siegel: Es prüft nur die Schadstoffrückstände am Endprodukt – mit jedoch deutlich gestiegenen Anforderungen. Die textile Produktionskette wird dagegen nicht untersucht. Der Standard hat je nach Hautkontakt vier Produktklassen: 1) Baby- und Kinderkleidung, 2) u.a. Unterwäsche, T-Shirts oder Bettwäsche, 3) u.a. Jacken, Mäntel 4) u.a. Polsterbezüge, Tischdecken. Auf der Produktebene ist Standard 100 inzwischen etwa so streng wie GOTS.
Kriterien sind u.a.:
Produkte/Textilien müssen
 frei von gesetzlich verbotenen Schadstoffen sein
 frei von gesundheitsschädlichen Chemikalien, bspw. Pestizide, sein
 hautfreundlichen pH-Wert enthalten
 auf Farbechtheit getestet sein


Lebensmittel:

Das Bio-Siegel von Demeter gilt als eines der strengsten und wird sowohl in Deutschland als auch international vergeben. Bei Demeter wird biodynamische Landwirtschaft betrieben, die Klima, Böden, Tiere und Ressourcen schont. Hierbei muss sich der gesamte Betrieb nach den Kriterien richten.
Kriterien sind u.a.:
 Die meisten Pestizide sowie chemische Düngemittel sind verboten, die Düngemenge ist beschränkt
 Antibiotika wird den Tieren nur im Notfall verabreicht, ansonsten sind nur natürliche Heilverfahren und biologisch-dynamische Präparate aus Kräutern, Mineralien und Kuhmist
 Das Enthornen der Kühe ist verboten
 Monokulturen sind zu vermeiden
 Gentechnik ist verboten
 Nur wenige, notwendige Zusatzstoffe und Prozess-Hilfsstoffe sind in der Verarbeitung erlaubt (Jodierung, Nitritpökelsalz und natürliche Aromen sind verboten, nur Aromaextrakte sind zugelassen)
 Für eine artgerechte Tierhaltung sind Auslauf und ausreichend Platz im Stall vorgegeben

Bioland ist der größte ökologische Anbauverband in Deutschland und somit führend. Die Richtlinien des Bioland- Siegels gehen über die Kriterien für das EU-Siegel hinaus und zielen darauf ab den organisch-biologischen Landbau umzusetzen, zu fördern und zu verbreiten. Die Bioland-Betriebe basieren auf einer sogenannten Kreislaufwirtschaft. So wird z.B. der Dung der eigenen Tiere zur Nährstoffzufuhr für die eigenen Böden genutzt.
Kriterien sind u.a.:
 Gesamtbetriebsumstellung auf Bio vorgeschrieben
 Weniger Geflügel und Schweine pro Hektar Fläche
 Weidegang für Rinder
 ständiger Auslauf für Legehennen
 Tiertransporte maximal vier Stunden und 200 Kilometer
 100 % Biofutter, mindestens 50 % des Futters vom eigenen Betrieb oder regionaler Kooperation
 Verarbeitung: nur 22 Zusatzstoffe zugelassen (EU-Bio: 53)
 starke Beschränkung der Düngemenge
 Verzicht auf chemische Düngemittel uns synthetischer Pflanzenschutz

Naturland gehört neben Demeter und Bioland zu den wichtigsten Zertifizierern für Bio-Produkte. Die Richtlinien für die Erzeuger sind strenger als die EU-Bio-Richtlinien. Außerdem berücksichtigt das Siegel noch soziale Aspekte, stellt sich gegen Kinderarbeit und legt viel Wert auf Menschenrechte. Das Siegel von Naturland wird weltweit vergeben.
Kriterien sind u.a.:
➤ Gesamtbetriebsumstellung auf Bio vorgeschrieben
➤ Beschränkung der Düngemenge
➤ Weniger Geflügel und Schweine pro Hektar Fläche
➤ Weidegang für Milchvieh
 ständiger Auslauf für Legehennen
 Tiertransporte maximal 8 Stunden
➤ Mindestens 50 Prozent des Futters vom eigenen Betrieb
 Verarbeitung: nur 22 Zusatzstoffe zugelassen (EU-Bio: 53)

Deutsches Bio-Siegel EU-Bio-Siegel
Das Deutsche Bio-Siegel wurde eigentlich 2010 vom EU-Bio-Siegel abgelöst, jedoch wird es aufgrund seiner Bekanntheit weiterverwendet. Die Kriterien für das Deutsche und das EU-Bio-Siegel sind identisch. Ziel der beiden Labels ist es, die biologische Landwirtschaft über klar definierte Regeln zu fördern. Demnach müssen 95 Prozent der landwirtschaftlichen Zutaten eines Produktes aus dem ökologischen Landbau stammen.
Kriterien sind u.a.:
➤ Verbot von Gentechnik und synthetischen Pflanzenschutzmitteln
➤ Verbot von leicht löslichen mineralischen Düngern
 Lebensmittel dürfen keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farbstoffe und Emulgatoren enthalten
➤ bei der Verarbeitung sind nur max. 53 Zusatzstoffe erlaubt

GEPA – The Fair Trade Company
Die GEPA ist kein zwar kein Siegel, jedoch mittlerweile die größte Fair Handels-Importorganisation in Europa. Sie arbeitet partnerschaftlich meistens mit Kooperativen und Genossenschaften zusammen und das auf der Basis von fairen Löhnen, demokratischen, partnerschaftlichen und langfristigen Strukturen. 75 Prozent der GEPA-Produkte stammen aus geprüft biologischem Anbau.
Mit dem eigenen Zeichen „GEPA fair+“ möchte das Unternehmen zeigen, dass es höhere Ansprüche als die aktuellen internationalen Standards hat. Das Zeichen “GEPA fair+” soll künftig das Fair Trade Label auf den Verpackungen ablösen. Mit diesem Zeichen sind aber keine neuen Zertifizierungen der Produkte verbunden.

Beim Rainforest Alliance Siegel handelt es sich um ein weltweites Nachhaltigkeitssiegel, welches vorrangig Produkte, die im tropischen Landbau angebaut werden, auszeichnet. Es setzt sich zwar für soziale und ökologische Standards ein, ist aber weder ein Siegel für fairen Handel noch für ökologischen Anbau. Daher reichen die Kriterien der Rainforest Alliance nicht an das Fairtrade-Siegels oder an die EU-Bio-Standards heran.
Kriterien sind u.a.:
➤ Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit und von Diskriminierung
➤ Angemessene Bezahlung
 Verbot von gentechnisch veränderten Pflanzen und bestimmten Chemikalien
➤ Regelmäßige Bodenbegutachtung und Bodenentwicklungsplänen
➤ Dünger muss so verwendet werden, dass der Umwelteinfluss so gering wie möglich ist
➤ Biologische Methoden zur Schädlingsbekämpfung müssen bevorzugt angewandt werden
➤ Bewahrung von natürlichem Wald und naturbelassenen Ökosystemen

Tourismus:

Die Vergabe des EU-Ecolabel erfolgt durch nationale Stellen an Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen haben als vergleichbare Produkte. Seit 1992 zeichnet das Europäische Umweltzeichen Herbergen und Campingplätze mit einem besonders hohen Umweltengagement aus. Label-Inhaber ist die Europäischen Kommission.
Kriterien sind u.a.:
 Unterkunft muss über ein Umweltkonzept verfügen mit einem dazugehörigen Aktionsplan
 100% erneuerbare Elektrizität
➤ Heizungsgeräte und Heizstrahler im Außenbereich sind nicht erlaubt
 Lebensmittelabfälle und Wasserverluste (Schwimmbad) sind zu dokumentieren

Das TourCert-Siegel ist die Auszeichnung für Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung im Tourismus. Es wird Reiseveranstaltern, Reisebüros, Beherbergungsbetrieben verliehen. Das Siegel bewertet sowohl einzelne Kriterien der Nachhaltigkeit, als auch die Wertschöpfungskette von Touristikangeboten.
Hiernach soll Tourismus insbesondere:
➤ umwelt- und ressourcenschonend sein
➤ Natur- und Artenschutz berücksichtigen
 faire Arbeitsbedingungen und Löhne befördern
 die Lebens- und Arbeitsrechte der Menschen respektieren
 Unterkünfte nach Sozial- und Umweltkriterien wählen

Der Green Globe Zertifizierung Standard ist ein weltweites, anspruchsvolles Label mit 41 Kriterien für Hotels, Veranstaltungszentren und Zulieferer, mit dem Ziel der ökologischen und sozialen Verbesserung des Tourismus. Das Label bewertet nicht nur einzelne Kriterien, wie etwa den Umweltschutz oder die Einsparung von Ressourcen, sondern alle Prozesse rund um Tourismusangebote.
Kriterien sind u.a.:
 Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit in Unternehmen
➤ Verminderung des Ressourcenverbrauchs
 Minimierung von Treibhausgasemissionen
 Schutz der Biodiversität
 Chancengleichheit und Vermeidung von Diskriminierung,
 Wahrung der Menschenrechte, der Sicherheit und Gesundheit, des kulturellen Erbes und lokaler Wertschöpfung

Kosmetik:

Die Begriffe “Naturkosmetik” oder “Bio-Kosmetik” sind in Deutschland nicht rechtlich geschützt. Anders als zum Beispiel beim Begriff „Bio“ (für Lebensmittel!) ist nicht gesetzlich festgelegt, was Natur- oder Bio-Kosmetik ist. Deshalb ist es sinnvoll, sich an Zertifizierungen zu orientieren.

Die gängigen Siegel (s.o.) für zertifizierte Naturkosmetik und Bio-Kosmetik haben folgende wesentliche Kriterien gemeinsam:
➤ frei von synthetischen Farb-, und Duftstoffen sowie Konservierungsstoffen (z.B. Parabene)
 keine erdölbasierten Inhaltsstoffen (z.B. Paraffine)
 ohne Silikone
 frei von gentechnisch veränderten Organismen
 alle Inhaltsstoffe müssen natürlichen Ursprungs oder naturidentisch sein
➤ je nach Zertifizierungsstufe: ein festgelegter Mindestanteil an Inhaltsstoffen muss aus Bio-Anbau stammen
 möglichst umwelt- und ressourcenschonende Herstellung der Produkte
 möglichst umweltschonende/recycelbare Verpackungen

Cosmos ist ein europäischer Standard für Naturkosmetik, auf den sich 2010 fünf nationale Standardgeber geeinigt haben, u.a. der deutsche Branchenverband BDIH (s.o.).

Zertifizierte Naturkosmetik ist nicht automatisch vegan oder ohne Tierversuche produziert. BDIH, Natrue und Cosmos schließen jedoch Tierversuche explizit aus. Zusätzlich gibt es Tierschutzsiegel, die eine tierversuchsfreie Herstellung der Produkte garantieren:

4. Nachhaltiger Konsum — eine Kritik

Die Welt retten durch nachhaltigen Konsum? 

Nachhaltigkeit erreichen durch Konsum – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Oder: Wo fängt nachhaltiger Konsum an und wo hört er auf, „nachhaltig“ zu sein? 
Viele Anbieter werben mit nachhaltigen Produkten und zunächst scheint es eine Win-Win-Situation zu sein: Die Verbraucher*innen kaufen mit gutem Gewissen und umweltfreundlich, die Unternehmen und die Gesellschaft verzeichnen ein (grünes) Wachstum.
 
Bei genauerem Hinsehen merken wir jedoch schnell: Das allein kann noch nicht die Lösung sein. Jede Hose, jedes Auto und jedes Lebensmittel muss erst einmal produziert, ggf. verpackt, transportiert und gelagertevtl. gekühlt werdenAuch während des Gebrauchs, z.B. eines Handys oder eines E-Bikes, wird Energie benötigt. Darüber hinaus muss ein Produkt und/oder seine Verpackung schließlich entsorgt werden- ein Großteil des Mülls aus Deutschland wird übrigens im Ausland entsorgt! 

Diese Aspekte gelten für alle Produkteegal ob sie aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen oder nicht. Erstere sind umweltfreundlicher- aber auch nachwachsende Ressourcen sind nicht einfach immer weiter unbegrenzt verfügbar. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir neben dem Erwerb „nachhaltig“ hergestellter Produkte auch auf einen bewussten Umgang, auf die Wertschätzung und eine gesunde Genügsamkeit achten. 

Last, but not least: Als Konsument*innen, Individuen und Gesellschaftsmitglieder haben wir zwar eine (Mit-)Verantwortung, um flächendeckende, wirkungsvolle Strategien und Maßnahmen für ein zukunftsfähiges Leben durchzusetzen, jedoch übernimmt die Politik hierbei ebenso eine Kernfunktion. Es ist also für uns alle empfehlenswert, nicht nur auf unser eigenes Handeln zu schauen, sondern auch politisch mitzuwirken, zum Beispiel indem wir unsere Meinung(en) äußern oder Forderungen an Politiker*innen stellen. 

5. Bundesweite Initiativen und Anlaufstellen

Wohin kann ich mich wenden, um aktiv zu werden oder einfach mehr Infos zu bekommen?
In manchen Städten gibt es Flyer mit einer Übersicht an Orten, die für Nachhaltigkeit stehen, wie z.B. in Darmstadt die „Wandelkarte. Der nachhaltige Stadtplan für Darmstadt“. (https://transition-darmstadt.de/projekte/wandelkarte/). Für Übersichten und Initiativen am Heimatort am besten im Rathaus oder beim Bürgerservice nachfragen, ob es eine Übersicht gibt (und/oder im Internet recherchieren).

Europaweite Übersicht
von morgen – Alles Gute auf einer Karte – von morgen

Bundesweite Übersicht zum Unverpackt-Einkaufen:
Überall unverpackt einkaufen – Reuse Revolution Map (greenpeace.de)

CodeCheck
Shop better, live better (codecheck-app.com)

ADRA Deutschland e.V.
https://www.adra.de/
E-Mail: info@adra.de
Tel: 06151 8115-0

Amnesty International
https://www.amnesty.de/
E-Mail: info@amnesty.de
Tel: 030-420248-0

Attac
https://www.attac.de/
E-Mail: info@attac.de
Tel: 069-900 281-10

BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland)
https://www.bund.net/
E-Mail: info@bund.net
Tel: 030-2 75 86-469

BUND Jugend
https://www.bundjugend.de/
E-Mail: info@bundjugend.de
Tel: 030-275 86 50

Deutsche Umwelthilfe e.V.
https://www.duh.de/
E-Mail: info@duh.de
Tel: 0 77 32- 99 95 – 0

Foodsharing
https://foodsharing.de/

Greenpeace e.V.
https://www.greenpeace.de/
E-Mail: mail@greenpeace.de
Tel: 040-30618-0

Kampagne Fairtrade-Towns
https://www.fairtrade-towns.de/kampagne/
Tel: 0221-94 20 40 0

 

NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.
https://www.nabu.de/
E-Mail: NABU@NABU.de
Tel: 030-28 49 84-0

NaturFreunde Deutschlands e.V.
https://www.naturfreunde.de/
E-Mail: info@naturfreunde.de
Tel: 030- 29 77 32 -60

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V.
https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/
E-Mail: sschulze-schleithoff@solidarische-landwirtschaft.org
Tel: 030-2000 50 21 – 1

Oxfam Deutschland e.V.
https://www.oxfam.de/
E-Mail: info@oxfam.de
Tel: 030-453 069-0

PETA Deutschland e.V.
https://www.peta.de/
E-Mail: info@peta.de
Tel: 0711-860-591-0

ROBIN WOOD e.V.
https://www.robinwood.de/
E-Mail: info@robinwood.de
Tel: 040-380 89 2-0

Transition Netzwerk e.V.
https://www.transition-initiativen.org/
E-Mail: verein@transition-initiativen.de

Weltladen Dachverband
Ludwigsstr. 11, 55116 Mainz
https://www.weltladen.de/
E-Mail: info@weltladen.de
Tel: 06131-68907-80

WWF Deutschland
https://www.wwf.de/
E-Mail: info@wwf.de
Tel: 030 311777-700

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln desbundesministerium„Für den Inhalt dieser Publikation ist allein ADRA Deutschland e.V. verantwortlich; die hier dargestellten Positionen geben nicht den Standpunkt von Engagement Global oder des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wieder.“