Niemand verlässt freiwillig seine Heimat! Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag

Täglich begeben sich 28.300 Menschen auf die Flucht. Laut UNO-Flüchtlingshilfe kommen 55 Prozent der Geflüchteten aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan. Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Verfolgung und Naturkatastrophen sind die häufigsten Ursachen, aber auch Perspektivlosigkeit und die Sehnsucht nach einem besseren Leben.

Der 20. Juni wurde im Dezember 2000 von der UN-Vollversammlung zum internationalen Gedenktag erklärt. Er würdigt den Mut und die Strapazen der weltweiten Binnenvertriebenen, Flüchtlinge, Asylsuchenden und Staatenlosen. 2014 führte die deutsche Bundesregierung auf Initiative des Bundes der Vertriebenen an diesem Datum den „Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung“ ein. Dieser nationale Gedenktag erinnert an die deutschen Geflüchteten, die als Folge des zweiten Weltkrieges dieses Schicksal erleiden mussten. Aktionen am 20. Juni setzen sich für bessere Lebensbedingungen der Flüchtlinge und für ein bestmögliches Zusammenleben zwischen Geflüchteten und der Gastbevölkerung ein. „Wir müssen zusammen sicherstellen, dass die Flüchtlinge, Binnenvertriebenen und Asylsuchenden weltweit angemessen geschützt und versorgt werden“, appelliert UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi.

Rückkehrperspektiven und bessere Lebensbedingungen für Geflüchtete

In der Entwicklungszusammenarbeit liegen die Arbeitsbereiche darin, die Fluchtursachen zu mindern und zu bekämpfen, die Aufnahmeregionen zu stabilisieren und zu stärken und die Geflüchteten und Rückkehrer zu unterstützen und zu schützen. 90 Prozent der geflüchteten Menschen suchen Schutz im eigenen oder in den direkten Nachbarländern und begeben sich nicht auf den Weg nach Europa. ADRA ist für geflüchtete Menschen in Griechenland aktiv, setzt sich in Thailand für die Rückkehr von Flüchtlingen aus Myanmar ein und unterstützt Binnenvertriebene und Gastkommunen in Nigeria und im Südsudan bei der Ernährungssicherung. Mit der deutschlandweiten Initiative Gemeinsam für Flüchtlingewerden von ADRA in Kooperation mit dem Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW), der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und der Theologischen Hochschule Friedensau ehrenamtliche Hilfsprojekte zur Integration von Geflüchteten in Deutschland durchgeführt. Die zur Zeit 35 Integrationsprojekte von „Gemeinsam für Flüchtlinge“ werden von dem Katastrophenbündnis „Aktion Deutschland Hilft“ unterstützt.

Bessere Perspektiven für Flüchtlinge aus Myanmar

In den Camps entlang der thailändischen Grenze zu Myanmar leben seit Jahren Flüchtlinge aus Myanmar. Weil die Flüchtlinge als illegale Einwanderer angesehen werden, dürfen sie die Camps nicht verlassen. Durch berufliche Schulungen stärkt ADRA speziell Jugendliche und junge Erwachsene, um sich eine selbstständiges Leben aufbauen zu können.

Entlang der thailändischen-myanmarischen Grenze befinden sich mehrere Camps, die von Flüchtlingen aus Myanmar bewohnt werden. Viele von ihnen sind bereits dort aufgewachsen und weil es ihnen an Bildung fehlt, ist ein selbstbestimmtes Leben außerhalb der Camps kaum möglich. Dabei könnten sie wieder in ihre Heimat zurückkehren, denn dort hat sich die politische Situation mittlerweile gebessert. Daher bietet ADRA Jugendlichen und jungen Erwachsenen technische Berufsausbildungen an und vermittelt zukunftsbringende Fertigkeiten, die sie benötigen, um ein selbstständiges Leben außerhalb der Camps führen zu können. Dabei wird außerdem ein Netzwerk zwischen Flüchtlingen und Rückkehrern, Gastkommunen, dem privaten Sektor sowie Regierungsinstitutionen entwickelt und gestärkt.

Seit Projektbeginn gehören Praktika in Thailand und Myanmar zu den Ausbildungsmaßnahmen. Ab Januar 2019 kommen betriebswirtschaftliche Trainings für 360 Frauen und vorbereitende Kurse für einen Neuanfang in Myanmar dazu. ADRA vergibt 40 Förderungen für Unternehmerinnen und Unternehmer zur Gründung eigener Geschäfte oder Kleinunternehmen. Außerdem werden Zentren in den Camps organisiert, in denen Räume für eigene Läden und Geschäfte zur Verfügung stehen.

Zielgruppe des Projekts sind die 97.496 Einwohner der neun Flüchtlingscamps entlang der thailändisch-myanmarischen Grenze.

Projektlaufzeit: 01.01.2017-31.12.2020

Dieses Projekt wird gefördert durch 

Internationaler Tag gegen Menschenhandel

Schulveranstaltung gegen Menschenhandel in Thailand
Schulveranstaltung gegen Menschenhandel
Am 30.07. findet der „Internationale Tag gegen Menschenhandel“ statt. Es ist ein wichtiger Tag, denn Menschenhandel ist kein Relikt vergangener Tage. Tatsächlich boomt das Geschäft mit der Handelsware Mensch mehr denn je. Es wird geschätzt, dass 20 Millionen Menschen weltweit Opfer von Menschenhändlern geworden sind und systematisch ausgebeutet werden. Somit ist Menschenhandel kein isoliertes Problem, sondern betrifft jeden Kontinent und die meisten Länder dieser Erde.

Die erste international anerkannte Definition für Menschenhandel wurde im Jahr 2000 im sogenannten „Palermo-Protokoll“ der Vereinten Nationen festgehalten. Es handelt sich demnach um die Ausbeutung einer Person gegen ihren Willen durch eine andere Person mithilfe verschiedener Mittel, wie zum Beispiel Androhung von Gewalt, Täuschung, Betrug oder Missbrauch.

Florierendes Geschäft mit menschlichem Leid

Menschenhandel ist ein florierendes Geschäft, welches das Leid vieler Menschen billigend in Kauf nimmt. So hat sich seit Mitte der neunziger Jahre der weltweite Menschenhandel mehr als vervierfacht und gilt nach einer Untersuchung von Europol als das Verbrechen mit der höchsten Zuwachsrate.

Die Ausbeutung hat verschiedene Dimensionen und reicht von Zwangsarbeit über Sklaverei bis hin zur sexuellen Ausbeutung. Dabei ist die sexuelle Ausbeutung laut des aktuellen Global Reports des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) die meist identifizierte Form des Menschenhandels weltweit.

Mehr als die Hälfte aller Opfer des Menschenhandels stammen laut einer Untersuchung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) aus dem südostasiatischen Raum, weswegen Südostasien als internationale Drehscheibe des Menschenhandels gilt. Betroffen sind vor allem Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam.

Vermeidliche Perspektive auf eine bessere Zukunft

Menschenhändlerringe wenden sich in den Ländern des globalen Südens gezielt an Dorfbewohner, die meist in großer Armut zurückgezogen in ländlichen Regionen leben. Ihr Alltag wird beherrscht von Perspektivlosigkeit, die Eltern können nicht ausreichend für ihre Kinder sorgen. Mangelnde Bildungsmöglichkeiten erschweren die Aussicht auf eine Arbeitsstelle.

Hoffnungsvoll legen sie ihr Leben oder das ihrer Kinder in die Hände von Mittelsmännern, die ihnen Jobs in der nächstgelegenen größeren Stadt versprechen, mit denen sie sich und ihre Familien versorgen könnten. Kinder, überwiegend Mädchen, landen so in Zwangsarbeit und werden häufig sexuell ausgebeutet.

Keine Chance für Menschenhändler

Um den Menschenhandel zu beenden, müssen die zugrunde liegen Probleme bekämpft werden, wie Armut, tief verwurzelte Ungleichheit und der Mangel an Bildung sowie Arbeitsmöglichkeiten. So setzt sich ADRA in der ländlichen Provinz Chiang Rai in Thailand dafür ein, Menschenhandel zu verhindern und vorzubeugen. ADRA informiert die Familien und Kinder über die Bedeutung des Schulbesuchs sowie die Risiken des Menschenhandels. In Form von Schulkampagnen werden das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen und deren Bewusstsein für gefährliche Situationen geschärft.

Mädchen, die bereits Opfer von Menschenhandel wurden oder stark gefährdet sind, ermöglicht ADRA die Unterbringung in einem Mädchenheim. An diesem sicheren Zufluchtsort können die Heranwachsenden eine Schule besuchen, erhalten psychologische Betreuung und haben mit einem Schulabschluss Chancen auf eine Arbeitsstelle und eine Zukunft jenseits des Menschenhandels.

Keine Chance für Menschenhändler

Menschenhandel und Zwangsarbeit sind in Thailand trauriger Alltag. Kriminelle nutzen die Not und Verzweiflung armer Familien aus, um daraus Kapital zu schlagen. Mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft werden jährlich tausende Opfer von Menschenhändlern – die meisten von ihnen sind minderjährig und weiblich. Innerhalb eines dreijährigen Projekts setzt sich ADRA dafür ein, Menschenhandel zu verhindern und gefährdeten Jugendlichen einen sicheren Zufluchtsort zu bieten.

Menschenhändlerringe wenden sich in Thailand gezielt an Dorfbewohner, die meist in großer Armut zurückgezogen in den Bergen oder auf dem Land leben. Ihr Alltag wird beherrscht von Perspektivlosigkeit, die Eltern können nicht ausreichend für ihre Kinder sorgen. Viele von ihnen besitzen nicht die thailändische Staatsangehörigkeit, was neben mangelnder Bildung die Aussicht auf eine Arbeitsstelle erschwert.Da viele der Familien ausschließlich von der Landwirtschaft leben, herrscht die Meinung, dass Mädchen weniger wert seien als Jungen, denn sie können weniger schwere körperliche Arbeiten verrichten und sich dadurch weniger für die Familie nützlich machen. All diese Umstände machen es Menschenhändlern leicht, neue Opfer zu gewinnen. Mit der angeblichen Aussicht auf eine Erwerbstätigkeit wenden sich sogenannte Mittelsmänner gezielt an Menschen aus ärmlichen Verhältnissen. Ihnen werden Jobs in der nächstgelegenen größeren Stadt versprochen, mit denen sie sich und ihre Familien versorgen können. In ihrer Verzweiflung unterzeichnen Eltern gefälschte Verträge und begeben sich und ihre Kinder in ein Abhängigkeitsverhältnis. Auch der Verkauf der eigenen Kinder gehört zu den gängigen Szenarien des Menschenhandels. Kinder, überwiegend Mädchen, landen so in Zwangsarbeit und sklavenähnlichen Verhältnissen – meist in der Sexindustrie.

MENSCHENHANDEL VORBEUGEN

In der ländlichen Provinz Chiang Rai setzt sich ADRA dafür ein, Menschenhandel zu verhindern und vorzubeugen. Ein wichtiger Faktor hierbei ist die Aufklärung und Prävention, sodass die Bewohner des Projektgebiets weniger anfällig für die Versprechungen und Absichten der Menschenhändler sind. ADRA informiert die Familien und Kinder über die Bedeutung des Besuchs einer Schule und die Risiken von Menschenhandel. Jugendarbeiter arbeiten hierfür mit gefährdeten Personen zusammen, um deren Bewusstsein zu schärfen und sich deren Problemen anzunehmen. In Form von Schulkampagnen soll erreicht werden, das Selbstvertrauen der Kinder und Jugendlichen und deren Bewusstsein für gefährliche Situationen zu schärfen. In einem Mädchenheim bietet ADRA denjenigen Mädchen einen sicheren Zufluchtsort, die bereits Opfer von Menschenhandel wurden oder gefährdet sind. An diesem Ort können die Heranwachsenden eine Schule besuchen, erhalten psychologische Betreuung und haben mit einem Schulabschluss Chancen auf eine Arbeitsstelle.

Um Kinderrechte zu stärken und Menschenhandel zu bekämpfen, erforscht das Projekt in seiner aktuellen Phase außerdem die Komplexität und politischen Ursachen des Menschenhandels in der Chiang Rai Provinz, insbesondere in Bezug auf Minderheiten.

Projektlaufzeit: 01.07.15 – 01.07.2021

 

BERUFLICHE AUSBILDUNG FÜR FLÜCHTLINGE IN THAILAND

Seit 1984 fliehen Menschen von Myanmar nach Thailand, um den ethnischen Konflikten und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen in ihrem Land zu entkommen. Die Flüchtlinge sind in Camps entlang der thailändischen Grenze zu Myanmar untergebracht, die von der dortigen Regierung geführt werden. Weil die Flüchtlinge als illegale Einwanderer angesehen werden, dürfen sie die Camps nicht verlassen. Perspektivlosigkeit und Frustration bestimmen ihren Alltag. ADRA gibt den Flüchtlingen durch berufliche Schulungen die Chance, wieder zur Selbstständigkeit zu finden.

Myanmar ist ein Land, das von Aufständen, Gewalt und ethnischen Auseinandersetzungen geprägt ist. Viele fliehen nach Thailand, wo sie in Camps entlang der thailändischen Grenze eingepfercht und völlig auf Äußere Hilfe angewiesen sind. Die Flüchtlinge finden dort zwar Schutz, doch ihre körperliche, kognitive und soziale Kompetenz geht immer mehr verloren, weil sie keine Beschäftigungsmöglichkeiten haben.

NEUE PERSPEKTIVEN FÜR FLÜCHTLINGE

Durch die Neuwahlen im November 2010 änderten sich die politischen Umstände in Myanmar und ein Waffenstillstand wurde vereinbart. Seither haben die Flüchtlinge wieder die Möglichkeit, nach Myanmar zurückzukehren. Jedoch sind viele durch den langen Aufenthalt in den Camps unvorbereitet oder gar unfähig, ihr Leben selbstständig aufzubauen. Besonders schwer betroffen sind Jugendliche im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Sie sind schon so lange Bewohner der Camps, dass sie noch über keinerlei berufliche Erfahrung verfügen. Ohne Ausbildung und Schulabschluss bieten sich ihnen kaum Jobmöglichkeiten.

FÖRDERUNG VON ALLTAGSKOMPETENZEN

ADRA hat sich zum Ziel gesetzt, diese Menschen durch berufliche Schulungen auf eine sichere und freiwillige Rückkehr nach Myanmar vorzubereiten. Um Alltagskompetenzen zu fördern werden berufliche Trainings angeboten und die Betroffenen ermutigt, kleine Unternehmen zu gründen. Dadurch werden sie rechtzeitig auf die beruflichen Herausforderungen im Heimatland vorbereitet. Die Trainingskurse sind zertifiziert und wirtschaftlich an Myanmar angepasst. Somit erhöht sich die Chance auf eine Festeinstellung sowie ein geregeltes Einkommen außerhalb der Camps. Die Flüchtlinge können sich zum Näher, Kleinmechaniker, Masseur, Friseur oder Computer- und Kabelinstallateur ausbilden lassen. Dadurch werden sie unabhängig, sind nicht mehr auf Hilfe von außen angewiesen und übernehmen wieder Eigenverantwortung.

Das Projekt kommt 6.050 Flüchtlingen zugute.

Projektlaufzeit: 01.01.15 – 31.07.17

Dieses Projekt wird gefördert durch