Gemeinschaftliche Unterstützung für mongolische Kleinbauern und Hirten

Die Bewohner der mongolischen Provinz Selenge leben vor allem von der Landwirtschaft. Doch die Saison ist nur kurz und die Produktivität niedrig. Partnerschaften mit unterschiedlichen Organisationen und Akteuren verbessern die Beschäftigungssituation und das Wohlergehen der Kleinbauern.

„Kornkammer der Mongolei“ wird die Provinz Selenge genannt – Landwirtschaft ist die wesentliche Lebensgrundlage der Bevölkerung. 29,8 Prozent der Beschäftigung entfallen allein auf diesen Sektor. Allerdings ist die die Produktion stark saisonabhängig und auf die kurze Sommerzeit von 90 Tagen begrenzt. Das Beschäftigungspotenzial im Agrarsektor wird nicht ausgeschöpft, da die Produktivität im Gemüsebau noch gering ist und nur die Hälfte der gesamten Anbaufläche bewirtschaftet wird. Die steigende Nachfrage nach Produkten aus biologischer Landwirtschaft stellt ein großes Potenzial für die mongolischen Landwirte dar, das jedoch nicht ausgeschöpft werden kann, da durch mangelnde Zertifizierungen und Kontrollen ein Misstrauen gegenüber Bio-Produkten herrscht.

Die in Genossenschaften organisierten Bauern und Hirten stehen somit vor strukturellen Herausforderungen, die aus eigener Kraft nicht zu bewältigen sind. Dies sind beispielsweise der Zugang zu Marktinformationen und Finanzierungen, die Kapazitätsbeschränkung der Genossenschaften und der Mangel an fachlicher Beratung. Aus diesem Grund haben sie Unterstützung erbeten durch ein Netzwerk an Partnern, wie Regierung, Nichtregierungsorganisationen, Privatsektor und Forschungseinrichtungen. ADRA wird alle identifizierten Partner in einer Multi-Akteurs-Plattform zusammenbringen und begleitet als Vermittler den Prozess zu einer Bio-Zertifizierung.

Verbesserte Beschäftigungssituation und Einkommen für 3.608 Kleinbauern

Ziel des Projektes ist es, die Beschäftigungssituation von 3.608 Kleinbauern in der Provinz Selenge zu verbessern und ihr wirtschaftliches Wohlergehen sicherzustellen. Indirekt profitieren etwa 106.000 Menschen von dem Projekt, indem in der Gegend verbesserte Produkte von Genossenschaften und Kleinunternehmen angeboten werden, und indem zertifizierte Bio-Lebensmittel verfügbarer werden. Dies wird durch Multi-Akteurs-Partnerschaften erreicht, also einem Netzwerk aus verschiedensten Partnern wie Regierung, Nichtregierungsorganisationen und Forschungseinrichtungen.

Zum einen wird mehr Dialog zwischen den Partnern erreicht, um zu einer ökologischen Landwirtschaft hinzuführen. Wissenschaftliche Studien werden durchgeführt und der Austausch zwischen den Genossenschaftsverbänden verstärkt, um den Bauern zu mehr Informationen über Markt und Produkte zu verhelfen. Wichtige Entscheidungsträger unterstützen die Umsetzung des ökologischen Landbaus vor Ort.

Die Produktionskapazitäten von 30 Genossenschaften werden zum anderen nachhaltig diversifiziert und erhöht. Durch neue biologische Anbaumethoden können die Bauern Bio-zertifiziert werden und sie erhalten Aus- und Weiterbildungen in diesem Bereich. Um ihre Saisonabhängigkeit zu reduzieren, werden weitere Einkommensmöglichkeiten ermittelt.

Ein dritter Aspekt des dreijährigen Projektes ist der verbesserte Marktzugang von 30 Genossenschaften durch den Aufbau von Partnerschaften, zum Beispiel zu Supermärkten, Restaurants etc. – auch außerhalb der Saison. Die gemeinsame Vermarktung der Produkte in Primärgenossenschaften wird gefördert und somit gestärkt.

Projektlaufzeit: 01.09.2018 – 31.07.2021

Dieses Projekt wird gefördert durch 

Kooperativen bringen Ernährungssicherheit und Einkommen

Bereits seit über 15 Jahren ist ADRA Deutschland in der Mongolei aktiv, denn das raue Klima sowie die hohen Arbeitslosenzahlen führen zu großer Armut im Land. ADRA ergriff als eine der ersten Hilfsorganisationen die Initiative, um den Menschen in der Mongolei zu helfen. Derzeit unterstützt ADRA einen Genossenschaftsverband, bestehend aus 15 Kooperativen, die sich in der Provinz Zavkhan, einer der ärmsten Provinzen des Landes, befinden.

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Die Mongolei wir immer wieder von sogenannten Dsuds mit Temperaturen von bis -50 Grad heimgesucht. Dsud ist die mongolische Bezeichnung für einen sehr schneereichen Winter, der es den Viehherden erschwert, Futter zu finden. Viele Tiere sterben aufgrund von Hunger und Kälte. Nomaden, die mit ihren Viehherden in der mongolischen Steppe leben, sind am stärksten von den Dürren und Winterstürmen betroffen. Die Tiere sind ihr wichtigste Nahrungsquelle und ihr Verlust stürzt sie in Not und Armut.

 

Lebensgewohnheiten mussten umgestellt werden

Um eine langfristige Veränderung für die Menschen zu erreichen, startete ADRA ein umfassendes Hilfsprogramm. Ziel ist es, die Lebensgewohnheiten der Menschen langfristig an das sich verändernde Klima anzupassen und ihnen neue Zukunftsperspektiven zu bieten. Das geschieht mit Hilfe so genannter Kooperativen, die Ernährungssicherheit und Einkommen in Zukunft gewährleistet sollen. Dazu mussten die Menschen aber erst lernen, Landwirtschaft zu betreiben. Sie lernten Gemüse anzubauen, zu verarbeiten, zu lagern und haltbar zu machen. Sie pflanzten Viehfutter an, bauten Brunnen und Gewächshäuser. Gerade Gewächshäuser sind in den kalten Regionen der Mongolei wichtig, denn der Permafrostboden taut nur für kurze Zeit oberflächlich auf.

Neue Zukunftsperspektiven für Nomaden

Mittlerweile haben sich die Kooperativen zu erfolgreichen Betrieben entwickelt, die Land-, Viehwirtschaft und andere Geschäfte betreiben. Erzeugnisse wie Gemüse, Milch, Getreide, Tee, Kräuter und Wolle werden verarbeitet und regional verkauft. Allerdings müssen die Betriebe sich noch weiterentwickeln, um verschiedene Absatzmärkte optimal bedienen zu können. Deswegen unterstützt ADRA den Genossenschaftsverband sowie die Kooperativen auf ihren Weg zur weiteren Professionalisierung und Nachhaltigkeit. Die Maßnahmen umfassen Aspekte wie Produktentwicklung, Verpackung, Markenbildung und Vertrieb, um den Absatzmarkt auf regionaler und nationaler Ebene zu erweitern. Neu gebildete Gewerkschaften werden zukünftig die Aufgaben von ADRA übernehmen, die Kooperativen mit Trainings unterstützen und sie gegenüber Großhändlern vertreten.

Durch dieses Projekt werden die Kooperativen in die Lage versetzt, ihre Geschäfte selbstständig und erfolgreich alleine weiterzuführen. So erlangen die in der Vergangenheit vor allem von der Viehwirtschaft abhängigen Menschen eine gute Zukunftsperspektive und zunehmende Unabhängigkeit. Insgesamt profitieren in diesem Projekt 31.226 Menschen durch die Arbeit von ADRA.

InformationMONGOLEI
Einwohnerzahl: 3.2 Mio, (Stand 2019)
Fläche: 1.564.116 km²

Das Projekt „Kooperativen bringen Ernährungssicherheit und Einkommen“ wird gefördert von: 

Aktion Deutschland Hilft mit ADRA

PROJEKTLAUFZEIT: 01. September 2016 bis 31. August 2017

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