Ein Weg aus der Gewalt für Massai-Mädchen in Kenia

Unfreiwillige Frühverheiratung und Genitalverstümmelung von Mädchen sind bei einem Großteil der Massai in Kenia Teil der Tradition. Die jungen Mädchen und Frauen sind den gesundheitlichen und seelischen Folgen des sozialen Drucks oft hilflos ausgesetzt. ADRA unterstützt ein Schul- und Rettungszentrum in Kajiado, welches vor achtzehn Jahren ins Leben gerufen wurde, um junge geflüchtete Massai-Mädchen vor Gewalt und Zwangsverheiratung zu schützen.

Das Rollenbild der Frau bei den Massai hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig verändert. Ihre Hauptaufgabe besteht darin zu heiraten, Kinder zu gebären und die Familien zu versorgen. Bei einer Hochzeit steht nicht das Wohlergehen der Braut im Vordergrund, sondern entscheidend ist der Brautpreis. Das Ritual der Genitalverstümmelung symbolisiert bei den Massai den Übergang vom Mädchen zur Frau und markiert eine neue soziale Stellung. Als Folgen der Genitalverstümmelung erleiden viele der Mädchen große Schmerzen und werden oft von Infektionen oder gar dem Tod bedroht.

SCHUTZ UND SICHERHEIT

Das adventistische Schul- und Rettungszentrum wurde eingerichtet, um Mädchen vor Gewalt, Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung zu schützen. Im Jahre 2000 suchten vierzehn Mädchen im Zentrum von Kajiado Zuflucht – heute ist die Einrichtung ein Zuhause von etwa 170 Kindern. Das Zentrum ermöglicht ihnen Zugang zu Bildung, bietet Schutz und Sicherheit, medizinische Versorgung sowie ein familiäres, liebevolles Umfeld. ADRA unterstützt die bedürftigen Kinder mit Schulgeldern und Bedarfsartikeln, ermöglicht Renovierungen der Gebäude und sanitären Anlagen und stellte die eigene Wasserversorgung durch den Bau eines Brunnens sicher. In Dürrezeiten hilft ADRA bei der Nahrungsmittelversorgung.

Kajiado County liegt in einer Region, welche unter chronischem Wassermangel leidet und von häufig wiederkehrenden Dürren gekennzeichnet ist. Aus diesem Grund war es lebensnotwendig für das Schul- und Zufluchtszentrum, die eigene Wasserversorgung durch den Bau eines Brunnens sicherzustellen. So konnte der Eigenbedarf der Schule sichergestellt, die allgemeine Hygienesituation verbessert und das Wasser auch zur Bewässerung landwirtschaftlicher Felder genutzt werden. Dies ermöglicht den Anbau von Gemüse- und Getreidesorten, welche die Selbstversorgungskapazität erhöht und durch den Verkauf von Überschüssen auf dem Markt das Einkommen der Schule aufbessert.

DAS SCHICKSAL VON NASHIPAE

Nashipae ist eines der Mädchen im Rettungszentrum. Sie kommt aus einer großen polygamen Familie, die in extremer Armut lebt. Ihre Eltern sind Analphabeten. Ihr Vater hat vier Frauen und 23 Kinder, davon sind elf Jungen und zwölf Mädchen. Den Schulbesuch hat er seinen Töchtern verboten. Seiner Ansicht nach ist es die Aufgabe seiner Töchter, durch den Brautpreis Wohlstand in die Familie zu bringen. Zwei von Nashipaes Schwestern wurden bereits im frühen Kindesalter verheiratet. Eine weitere Schwester, Reson, ist ebenfalls früh verheiratet worden, konnte jedoch rechtzeitig durch eine Aktivistin gerettet und im Schul- und Rettungszentrum von Kajiado untergebracht werden. Nun befinden sich die beiden Schwestern, Nashipae und Reson, in Sicherheit und besuchen dasselbe Schulzentrum, das sie gleichzeitig vor Zwangsverheiratung schützt.

 

Projektlaufzeit: 01.01.2015 – 31.12.2018

ADRA ist Mitglied im Netzwerk Integra, das sich für die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung einsetzt.
>> Zur Webseite von Integra [externer Link]

Neue Hoffnung für ausgestossene Frauen in Kenia

Rund zwei Millionen Frauen weltweit leiden unter Geburtsfisteln, weil sie keine angemessene medizinische Hilfe bei der Geburt ihrer Kinder erhalten. Geburtsfisteln führen zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen und machen betroffene Frauen häufig zu sozial Ausgestoßenen. Die Frauen verarmen und vereinsamen. ADRA verhilft erkrankten Frauen in Kenia zu einem neuen Leben.

Genitalverstümmelung der Frau und frühe Verheiratung von Mädchen sind in Kenia nach wie vor weit verbreitet. Eine Genitalverstümmelung wird meist unter unhygienischen Bedingungen durchgeführt und hinterlässt zudem starke Vernarbung und eine verengte Vagina. Aufgrund dieser Genitalverstümmelungen und fehlender ärztlicher Versorgung kann es bei der Geburt zu Komplikationen bis hin zum Geburtsstillstand kommen. Wird das Kind dann nicht durch einen Kaiserschnitt geboren, reißt in vielen Fällen das Beckenbodengewebe der Mutter ein und es entsteht eine unnatürliche Öffnung zu den angrenzenden Organen. Durch diese Fisteln kommt es zu Inkontinenz, denn die Frauen verlieren unkontrolliert Urin und/oder Stuhl. Dies führt zu einer starken Geruchsbildung. Oft werden diese Frauen deshalb von ihren Männern verlassen und aus der Gesellschaft ausgestoßen. Allein in Kenia sind jährlich über 3000 Frauen von diesem Problem betroffen und führen ein Leben in Armut und Isolation.

ADRA FÖRDERT PRÄVENTIONSMASSNAHMEN UND DIE BEHANDLUNG DER ERKRANKUNG

Das Projekt von ADRA umfasst sowohl Präventionsmaßnahmen zur Verhinderung von Geburtsfisteln als auch die Behandlung der Fistelerkrankungen. Denn der Zugang zu guter Geburtshilfe und ärztlicher Versorgung ist in den ländlichen Regionen Kenias sehr beschränkt.
ADRA konzentriert sich bei diesem Projekt auf die Distrikte Kisii, Nyamira und Homa und verhilft 510 Frauen, die an Geburtsfisteln leiden durch rekonstruktive Chirurgie und medizinische Versorgung, zu einem neuen Leben. Denn nach der Operation werden sie durch bildungsfördernde Maßnahmen oder Mikrokredite befähigt, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und der Armut zu entkommen. Aufklärung in der Gesellschaft und Schulungen von regionalem medizinischem Personal tragen zur Veränderung der Rahmenbedingungen bei und wirken der Stigmatisierung der Betroffenen entgegen.

 

Projektlaufzeit: 01.09.15 – 31.08.18