SOS MEDITERRANEE und ADRA Deutschland: Seenotrettung als humanitäres Gebot

Das Mittelmeer ist die gefährlichste Fluchtroute der Welt. Im Jahr 2019 sind mindestens 743 Menschen auf der Flucht über das zentrale Mittelmeer gestorben. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer viel höher ist, da nicht jedes Unglück auf dem Mittelmeer entdeckt wird.

Wir wollen uns damit nicht abfinden! Deshalb unterstützt ADRA Deutschland den Rettungseinsatz von SOS MEDITERRANEE auf dem Mittelmeer und bittet um Spenden, damit Menschenleben gerettet werden. Im vergangenen Jahr konnten 1.373 Menschen aus Seenot gerettet werden.

ADRAdirekt zur Seenotrettung
David Starke ist Geschäftsführer von SOS MEDITERRANEE. Er berichtet uns über den Einsatz, die Situation in Libyen und wie schwierig sich die Suche nach einem sicheren Hafen gestaltet. Das und noch viel mehr berichtet David im Gespräch mit Julia Schmitz in der Sendung ADRAdirekt am Montag, 20. Januar um 20.15 Uhr im Hope TV.

Diskutiert die Sendung Live auf Facebook unter www.facebook.com/ADRADeutschland

Erfahrt mehr über den Einsatz auf dem Mittelmeer unter www.adra.de/seenotrettung

Alle Sendungen ADRAdirekt sind auf YouTube abrufbar: Playlist

Gemeinsam für Flüchtlinge

Im November 2015 gründete ADRA zusammen mit dem Advent-Wohlfahrtswerk e.V. (AWW), der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und der Theologischen Hochschule Friedensau (ThHF) das Bündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“.

Durch den Zusammenschluss wurden Projekte von Adventgemeinden und AWW Helferkreisen, wie beispielsweise Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung, verschiedene Begegnungs- und Gemeinschaftsaktivitäten etc., unterstützt. Ziel ist die Integration und das Selbsthilfepotential von Geflüchteten in Deutschland zu fördern. Die ersten Gruppen starteten umgehend nachdem die Grenzen für kurze Zeit offen waren. Am Ende sollten über 70 Projekte werden.

Für viele Adventgemeinden und AWW-Helferkreise war es die erste Gelegenheit sich auf Augenhöhe in die kommunalen “Runden Tische der Flüchtlingshilfe” einzubringen. Sie wurden als gleichwertige Partner und engagierte Bürger wahrgenommen.

Drei Jahre später, im September 2019, liefen alle Projekte ihrem Ende entgegen. Nach über 70 Projektdurchführungen und 325.000.- Euro umgesetzter Fördergelder geht dieser Abschnitt nun zu Ende. Für einige Gruppen jedoch ist noch lange nicht Schluss. Sie machen weiter wie bisher, denn Bedarf an Begleitung und Unterstützung ist nach wie vor von Nöten.

Die enge Zusammenarbeit der vier adventistischen Institutionen in dem Aktionsbündnis „Gemeinsam für Flüchtlinge“ war in dieser Form erstmalig und beispielhaft. Wir danken den tatkräftigen ehrenamtlichen Helfern und allen anderen Unterstützern von ganzem Herzen für diesen Dienst am Nächsten!

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Seenotrettung: Libyen ist kein sicherer Herkunftsstaat

ADRA unterstützt die Seenotrettung von SOS MEDITERRANEE im
Mittelmeer. Seit Beginn des Einsatzes im August hat die Ocean Viking fast 500
Menschen gerettet, darunter Minderjährige und schwangere Frauen. Immer wieder
wird gefordert, die aus Seenot geretteten Menschen nach Libyen zu bringen. Die
Zustände in dem Bürgerkriegsland sind für Geflüchtete jedoch unzumutbar.

Libyen ist ein Bürgerkriegsland. Die international
anerkannte Regierung hat kaum über die Hauptstadt hinaus Einfluss,
rivalisierende Gruppen kämpfen um die Macht, die Hauptstadt Tripolis steht
unter Belagerung. Die WDR-Korrespondentin Anna Allemling hat die Situation im
Interview mit dem Deutschlandfunk gut beschrieben: Recherchen
in einem gescheiterten Staat [Audio]
.

Über die Lage in den Flüchtlingslagern für zehntausende
Menschen berichtet Christoph Hey für Ärzte ohne Grenzen. Sein Fazit: „Die
Zustände sind absolut erbärmlich“. Damit sind auch die hygienischen Zustände
gemeint. Es kommt zu Fällen von Tuberkulose, Magen-Darm-Erkrankungen,
Atemwegsinfektionen und Krätze. Den ganzen Bericht finden Sie hier weiterlesen.

Der Bürgerkrieg im Land macht auch vor Flüchtlingslagern nicht halt. Vor wenigen Wochen ist ein Internierungslager bombardiert worden, bei dem 60 Menschen ums Leben gekommen sind. Unter diesen Umständen kann niemand Libyen als einen sicheren Hafen bezeichnen.

Seenotrettung: Häufig gestellte Fragen

Warum unterstützt ADRA die Seenotrettung im Mittelmeer?

ADRA hat mit seinem weltweiten Netzwerk einen humanitären Auftrag. D.h., wenn Menschen in Not sind, hilft ADRA – ohne Ansehen der Person, der Religion oder Weltanschauung, der ethnischen Herkunft, Alter oder Geschlecht. Leben ist ein Menschenrecht. Hilfsorganisationen wie ADRA arbeiten nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen sowie nach den Verhaltensgrundsätzen für Nichtregierungsorganisationen bei Katastrophen (ICRC-Verhaltenskodex). Die zivilen Rettungsschiffe handeln entsprechend der UN-Seerechtskonventionen. Demnach soll jeder Schiffbrüchige gerettet und in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden.

Wie sieht die Unterstützung der Seenotrettung von ADRA aus?

ADRA Deutschland e.V. unterstützt aktuell in einem Konsortium von Hilfsorganisationen aus dem Katastrophenbündnis Aktion Deutschland hilft die Seenotrettungsorganisation SOS MEDITERRANNEE finanziell. Die unterstützenden NGOs sind Aktion Deutschland Hilft, die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Islamic Relief, die Kinderhilfswerk-Stiftung Global Care und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Die Crew von SOS MEDITERRANEE arbeitet an Bord mit einem Team von Ärzte ohne Grenzen, die die Geretteten medizinisch versorgen.

Humanitäre Hilfe ist religionsübergreifend. ADRA als christlich geprägte NGO arbeitet hier in der Seenotrettung mit einer jüdischen und islamischen Organisation Hand in Hand für Menschen in Not.

Warum flüchten denn immer wieder Menschen über das Mittelmeer nach Europa und werden sie durch die Seenotrettung nicht zur Flucht bestärkt?

Das Mittelmeer gilt als die tödlichste Fluchtroute der Welt, im Jahr 2016 ertranken über 5.000 Menschen, im Jahr 2018 waren es rund 2.300 Personen. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Menschen, die sich dazu entschließen, tun dies, weil sie Verfolgung, Gewalt, Krieg, Hunger oder Armut erfahren oder andere humanitäre Krisen erleben. Auf gefährliche Wege begibt sich kein Mensch ohne Grund und ohne Hoffnung auf eine bessere Perspektive. Dazu kommt, es gibt für die Behauptung keinerlei Nachweis. In der Zeit, in der weder private noch staatliche Rettungsboote unterwegs waren, wagten trotzdem Menschen die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer.

Fördert die Seenotrettung nicht Geschäfte der Schleppernetzwerke?

Rettungsschiffe retten Menschenleben vor dem Ertrinken. Das ist ihr humanitärer Auftrag. Sie verhindern, dass Menschen, die in Seenot geraten, sterben. Wenn keine Hilfe vor Ort wäre, würde es noch mehr Tote geben. Das bedeutet, dass die Gegenwart von Rettungsschiffen nicht die Flüchtlingszahlen steigert, jedoch die Zahl der Menschen, die auf der Flucht sterben, verringern.

Warum bringen die Seenotretter die Geretteten nicht nach Tunesien?

Tunesien ist kein sicherer Hafen, und auch kein sicheres Herkunftsland. Amnesty International sagt dazu: In den Maghreb-Staaten werden Menschen nach wie vor aufgrund ihrer Religion, sexuellen Orientierung oder politischen Einstellungen diskriminiert und verfolgt. Amnesty dokumentierte in Algerien, Marokko und Tunesien auch im vergangenen Jahr Fälle von Verfolgung, Folter und Misshandlung.

Handelt es sich bei den Flüchtlingen nicht um Wirtschaftsflüchtlinge ohne Bleibeperspektive statt politisch Verfolgten?

Unser Humanitärer Auftrag gilt den Menschen in Not.  ADRA Deutschland e. V. leistet weltweit Unterstützung für alle Menschen – unabhängig von der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters und der sexuellen Identität. Die Entscheidung über einen Status von Geflüchteten treffen Rechtsstaaten, nicht Hilfsorganisationen.

ADRA unterstützt Seenotrettung

Seit Jahren fliehen Menschen unter Einsatz ihres Lebens aus den Krisenregionen. Ihr Weg führt sie über das Mittelmeer zu uns nach Europa. Im Jahr 2016 ertranken über 5.000 Menschen im Mittelmeer, im folgenden Jahr starben oder verschwanden laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) mehr als 3.100 Geflüchtete, im vergangenen Jahr (2018) waren mehr als 2.300 Tote und Vermisste zu beklagen. In diesem Jahr sind bereits über 500 Menschen verstorben oder werden vermisst. Das UNHCR befürchtet, dass die Zahl der Ertrunkenen weit höher ist als angenommen. Als Gründe dafür gelten unter anderem die Einschränkungen und Verbote der zivilen Seenotrettung.

ADRA unterstützt die Ocean Viking
(c) SOS MEDITERRANEE

Die Rettung Schiffbrüchiger ist ein humanitäres Gebot, das sich aus dem Selbstbild von ADRA Deutschland ergibt. Deshalb unterstützen wir SOS Mediterranee bei ihrem Einsatz im Mittelmeer zur Rettung von Menschen aus Seenot. Dies tun wir zum einen mit Spenden, um die wir bitten, und durch Aufklärungsarbeit.

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Spendenstichwort „SEENOTRETTUNG“

Alle 356 aus Seenot Geretteten dürfen an Land

ADRA unterstützt die Ocean VikingNach 14 Tagen ist die Blockade auf See endlich aufgehoben. Im Rahmen einer Pressekonferenz von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen forderten beide Hilfsorganisationen am Freitagvormittag die Öffnung eines sicheren Hafens für das Rettungsschiff Ocean Viking.

Anfang August startete die Ocean Viking ihren Einsatz in internationalen Gewässern im Mittelmeer. Nach vier Rettungsaktionen vom 9. Bis 12. August nahm das Schiff insgesamt 356 Schiffbrüchige an Bord und versorgte sie 14 Tage auf See. „Das Schiff kann 200 Personen für einige Tage gut versorgen,“ so Jana Ciernoch, Politische Referentin von SOS MEDITERRANEE. Mit den Geretteten harrte die Ocean Viking insgesamt 14 Tage in internationalen Gewässern zwischen Italien und Malta aus und wartete auf eine Einfahrgenehmigung. Beide Staaten verweigerten die Einfahrt in einen sicheren Hafen. Die Situation an Bord der Ocean Viking war inzwischen kritisch. Die Vorräte gingen zur Neige, Brauchwasser wurde bereits rationalisiert, viele Geretteten schliefen wegen Platzmangel an Deck.

Der Pressekonferenz zugeschaltete Crewmitglieder berichten über die angespannten Zustände an Bord und von Schicksalen der Geretteten. Über 90 unbegleitete Minderjährige waren unter den Geflüchteten. Die Geretteten sind traumatisiert, erzählten von dramatischen Erlebnissen in libyschen Flüchtlingslagern sowie von körperlichen und sexuellen Gewalttaten. Auch gegenüber Minderjährigen. „Einige Gerettete trieben über 40 Stunden auf dem Wasser, bis wir sie gefunden haben. Sie sind dehydriert, hungrig und geschwächt, benötigen dringend medizinische und psychologische Hilfe,“ berichtete Max Avis, Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE aus Marseille.

Beide Hilfsorganisationen appellieren an die Staaten der Europäischen Union, endlich sichere Häfen für die Geretteten zu öffnen. „Und es braucht ein verlässliches Ausschiffungssystem für Gerettete, statt jedes Mal wieder neu diskutieren zu müssen. Das ist wie bei anderen Rettungseinsätzen, es bleibt keine Zeit lange zu klären, in welches Krankenhaus Gerettete gebracht werden dürfen,“ appelliert Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen. „Solange es keine menschenwürdige Lösung gibt, werden wir weiter Menschenleben retten. Niemand darf auf See sterben,“ fügte Jana Ciernoch abschließend hinzu. Die Organisationen verweisen auf das geltende Seerecht, wonach Staaten schnellstmöglich einen sicheren Hafen für aus Seenot Gerettete zur Verfügung stellen müssen.

Freitagnachmittag kam dann die befreiende Bestätigung aus Malta. Die Geretteten der Ocean Viking werden durch ein maltesisches Marineschiff endlich an Land gebracht. Die sechs EU-Mitgliedstaaten Portugal, Irland, Frankreich, Luxemburg, Rumänien und Deutschland hatten sich darauf geeinigt, die Geretteten aufzunehmen.

Der Einsatz von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen wird durch ein Bündnis von Hilfsorganisationen, darunter ADRA Deutschland e.V., unterstützt.

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Wenn die Heimat verschwindet… durch Vertreibung

Wenn Heimat verschwindet durch Vertreibung„Ich bin wie ein Baum, der ohne Wurzeln leben muss!“ Keynan ist 28 Jahre alt und in einem kleinen Dorf im Süden Somalias zuhause. Seine Heimat hat er seit fünf Jahren nicht mehr gesehen. Bürgerkrieg, religiöser Extremismus mit wiederkehrenden Anschlägen und Gewalt versetzten Keynan in Angst und Schrecken.

Die unsichere Lage für die Bevölkerung wird durch Dürre und Hunger verstärkt und macht wie Keynan über 2 Million Menschen in Somalia zu Vertriebenen im eigenen Land. Damit steht Somalia auf Platz 5 der Länder mit den meisten Binnenvertriebenen. Weltweit waren 2018 laut UN 68,8 Millionen Frauen, Männer und Kinder auf der Flucht.
Vor zehn Jahren waren es nur 37,5 Millionen.

Keynan nahm große Risiken in Kauf und ließ alles zurück, was ihm lieb und teuer ist. „Flucht war der einzige Ausweg, doch ich habe alles verloren. Ich habe meine Heimat, meinen ganzen Besitz, Freunde und Familie verlassen, um in Sicherheit zu sein. Jetzt habe ich Schutz, lebe aber an einem fremden Ort mit Fremden auf engstem Raum zusammen“, beschreibt er die Situation im Flüchtlingscamp. „Wir Geflüchtete befinden uns in einem Schwebezustand. Wir wissen nicht, wie lange er andauert und können nicht selbst bestimmen, was wir essen, kaufen oder arbeiten dürfen!“ ADRA setzt mit seiner Projektarbeit genau an dieser Stelle an. Die Hilfsmaßnahmen werden an die Verhältnisse der Notleidenden angepasst. Die vertriebenen Menschen werden in die Planung und Umsetzung mit einbezogen. Wenn sich Somalia eines Tages stabilisiert hat, möchte Keynan in seine Heimat zurückkehren. Sie können ihn dabei unterstützen!

Unterstützen Sie die Arbeit von ADRA für Vertriebene unter dem Spendenstichwort „Heimat“ oder online direkt über das Spendenformular.