Tigray: Humanitäre Hilfe zulassen, Hunger bekämpfen

Essensverteilung in der Region Tigray (Äthiopien))Die Lage in der äthiopischen Konfliktregion Tigray, in der ADRA Projekte unterhält, wird immer unübersichtlicher. Vergangenen November ist in der Region ein militärischer Konflikt zwischen äthiopischen Regierungstruppen und der Tigray People’s Liberation Front ausgebrochen.

Auf die bewaffneten Auseinandersetzungen folgte eine dreiwöchige ganztägige Ausgangssperre. Die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten und Benzin wurde zusehends schwieriger. Hunderttausende Menschen sind von Hunger bedroht. Schätzungsweise sechs Millionen Einwohner*innen sind größtenteils von der Außenwelt, und damit von humanitärer Hilfe, abgeschnitten.

Vereinte Nationen warnen vor Hungersnot

Mark Lowcook ist Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen. Er warnt: „Konkrete Maßnahmen sind dringend erforderlich, um den Teufelskreis zwischen bewaffnetem Konflikt, Gewalt und Ernährungsunsicherheit zu durchbrechen.“ Laut Nothilfekoordinator Lowcook sind Ernten und Nutztiere vernichtet oder geplündert worden, Helfer*innen wird der Zugang erschwert.

Um die größte Not zu lindern, organisierte ADRA eine Lebensmittellieferungen für die Regionalhauptstadt Mekele (siehe Foto). Doch es braucht eine Ausweitung der humanitären Hilfe und einen ungehinderten Zugang zur Region.

Vor der Gewalt in der Region flohen nach Angaben des UN-Nothilfebüros OCHA mehr als 500.000 Menschen. Davon sind rund 60.000 Menschen in den benachbarten Sudan geflohen.

Äthiopien, ein Land im Osten Afrikas, gehört zu den langjährigen Projektländern von ADRA. Das Land grenzt im Süden an Kenia und im Osten an Somalia, ebenfalls zwei Projektländer von ADRA. Auf einer Fläche von 1.104.300 km² wohnen ca. 112 Mio. Menschen. Gemeinsam mit ADRA Äthiopien führt ADRA Deutschland in dem Land Projekte im Bereich Bildung, Ernährung und Gesundheit durch.

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Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

So lautet das sechszehnte der 17 Ziele für eine nachhaltige Ent­wicklung, welche 2015 von allen Mitgliedsstaaten der Vereinten Na­tionen bestimmt wurden. Bei diesem Ziel geht es unter anderem darum, Korruption zu bekämpfen. Denn Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen kann es nur in einer korruptionsfreien Gesell­schaft geben. Dies ist jedoch nicht so einfach, denn der Begriff Kor­ruption „ist so undurchsichtig wie die Strukturen, in denen Korruption gedeiht.” (Transparency International). Bildung spielt in diesem zu­sammehang eine zentrale Rolle, denn eine chancengerechte und hochwertige Bildung gibt Menschen die Chance auf ein besseres Le­ben und ermöglicht die Weiterentwicklung eines Landes und der dar­in lebenden Gesellschaft. Auch die Korruption wird verringert, wenn Menschen eine Perspektive und die Möglichkeit auf eine sichere Zu­kunft bekommen. ADRA setzt sich weltweit dafür ein, die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen und gegen Korruption vor­zugehen. Bildungsprojekte setzt ADRA derzeit in Myanmar, Thailand, Fidschi, Somalia, Äthiopien und Serbien um.

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„Wir sollten für die Bewohner in Mekelle beten“ – Eskalation der Gewalt in Äthiopien

Der ausgebrochene Konflikt in der Region Tigray, im Norden Äthiopiens, macht uns große Sorgen. Wir hoffen und beten, dass die Menschen dort zum Frieden zurückkehren.

Die Kampftruppen der äthiopische Zentralregierung rücken auf die Regionalhauptstadt Mekelle vor. Dort leben ca. 500.000 Menschen. In Mekelle unterstützt ADRA die Mekelle Adventist School und eine Kinderklinik. Außerdem bildet ADRA junge Äthiopier*innen in der Region zu Solartechniker*innen aus.

Sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten wurden gekappt, es gibt keinen Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen oder zu den Menschen in den Projekten.

ADRA Mitarbeiter beten für baldige Beendigung der militärischen Auseinandersetzung und für Frieden.

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Ostafrika – Ernten in Gefahr

Als wenn Dürre und Wassermangel nicht genug wären, müssen sich die Bauern in Ostafrika nun auch gegen die Heuschrecken­plage wehren. Wiedereinmal sind ihre Ernten und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet. Alexandra Michel-Döbler, Programmkoordinatorin für Somalia und Kenia bei ADRA Deutschland, spricht im Interview über eine drohende Hungerkatastrophe in Ostafrika.

    Äthiopien, Somalia und Kenia leiden aktuell unter dem zerstörerischen Befall der Wüstenheuschrecke. Ganze Ernten werden dadurch vernichtet. Können die Menschen die Verluste aus eigener Kraft auffangen?

Es wird diesmal sehr schwer. Durch die Dürre und die Überflutungen in den letzten Jahren sind die Menschen in den ohnehin sehr trockenen Gebieten am Rande dessen, was sie ertragen können. Im April stand eigentlich die nächste Ernte an, doch die Heuschrecken vernichteten die Erträge. Es droht eine große Hungerkatastrophe in den Gebieten.

    Der Heuschreckenschwarm, der über Ostafrika herfällt, hat die Größe des Saarlands. Gibt es dagegen überhaupt ein Mittel?

Wir versuchen, ohne chemische Insektizide auszukommen, denn Insektizide dringen in die Erde ein und beschädigen den Boden. Auf diesem Boden wachsen dann wiederum Pflanzen, in deren Früchten Giftstoffe enthalten sind und die Menschen nehmen diese zu sich. Dazu kommt, bei der Ausbringung der Insektizide atmen die Menschen dieses Gift ja auch ein. Das hat gesundheitliche Auswirkungen auf lange Zeit. Wir arbeiten in unseren Projekten intensiv daran, dass ökologische Landwirtschaft betrieben wird. Für die Gesundheit der Bauern und Konsumenten, aber auch für den Boden. Wie der Boden bewirtschaftet wird, hat natürlich Auswirkungen darauf, was auf dem Boden wächst. Die Gegend ist von einer fortschreitenden Wüstenbildung bedroht. Wir wollen den Bo­den rehabilitieren und die Verwendung von chemischen Insektiziden widerspricht dem.

     Es schlüpfen jetzt schon die Nachkommen der Wüstenheuschrecken. Ist die nächste Ernte nun auch schon bedroht?

Ja. Und das können wir schon heute deutlich sehen. Die Heuschrecken warten nicht, bis der Mais reif für die Ernte ist. Die Erfahrung mit Heuschreckenpopulationen zeigt, es wird noch schlimmer. Unter günstigen Bedingungen produziert eine weibliche Wüstenheuschrecke 16 bis 20 Nachkommen. Das Problem wird also noch potenziert. Es ist eine Jahrhundertplage, unter der Kenia, Somalia, Äthiopien und weitere Länder leiden. Das heißt, es gibt keine Erfahrungswerte und wir können keinen Masterplan aus der Schublade ziehen und alles wird gut – leider. Dennoch bleiben wir mit unserer Hilfe bei den Menschen.

Das Interview wurde vor der Ernte im April geführt.

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Spendenaktion Kinderklinik Mekele

Glückwunsch: Die Aktion “Kinderklinik Mekele – 2.Phase” hat sein Ziel erreicht!

Diese Meldung kam von der Spendenaktion für das Kinderkrankenhaus in Mekele, Äthiopien.

Vielen von Euch ist die Geschichte des Krankenhauses bekannt. Auch von Dr. Tesfalem habt Ihr schon in den Berichten gelesen. Dawit Mehari ist bei ADRA zuständig für dieses Projekt und möchte Euch in einem Videointerview darüber berichten, auch die Dankesworte von Dr. Tesfalem findet Ihr hier:

Corona-Update: Äthiopien

Nach Angaben des äthiopischen Gesundheitsministeriums waren Ende März 21 Personen mit dem Corona-Virus infiziert, davon befinden sich 20 in gutem und nur eine Person in kritischem Zustand. Bislang wurden keine Todesfälle gemeldet. Die Regierung hat bereits seit 16. März die Schulen geschlossen und öffentliche Veranstaltungen beschränkt und schließlich verboten.

„Um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Äthiopien zu schützen, haben wir an sie Hygieneprodukte verteilt. Zusätzlich muss jeder Gast, der uns besucht, sich zuerst mit Desinfektionsmittel die Hände waschen, bevor er das Büro betritt. Alle Mitarbeiter des ADRA Äthiopien-Büros in Addis Abeba, die öffentliche Verkehrsmittel benutzt haben, müssen seit dem 26. März 2020 zu Hause bleiben. Einige werden sowohl von zu Hause als auch vom Büro aus arbeiten, je nachdem, ob eine Internetverbindung zur Verfügung steht,“ sagt Zerihun Awano, Programm Direktor bei ADRA Ethiopia.

„Natürlich haben die Beschränkungen der Regierung Auswirkungen auf unsere Projekte. Einige Aktivitäten im Zusammenhang mit der Ausbildung, die mehr als 30 Personen umfassten, haben wir vorerst gecancelt. Wir planen sie neu und stellen sicher, dass genügend physischer Abstand eingehalten wird. Einige Projektaktivitäten im Zusammenhang mit der Ausbildung, an denen mehr als 30 Personen teilnehmen, werden verschoben,“ so Programm Direktor Zerihun.

In Äthiopien können wir Dank der großzügigen Unterstützung unserer Partner und Unterstützer in den Regionen Oromia und Tigray 2.200 junge Erwachsene zu Solartechnikerinnen und -Techniker ausbilden. Außerdem unterstützen wir die Mekele Kinderklinik und die Landwirte in der regenarmen Regionen Afar.
Von den genannten Projekte profitieren über 30.000 Menschen.

Äthiopien-Referent Dawit Mehari war im Februar und März auf Projektreise in Äthiopien. Schon damals waren die Einschränkungen spürbar.
(c) D.M.

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Äthiopien – Existenzsicherung für nomadische Viehzüchter

Die Region Afar im Nordwesten Äthiopiens zählt zu einem der heißesten und trockensten Orten der Erde. Die Meschen in der schwach entwickelten Region leben von der Landwirtschaft und Viehzucht, größententeils als nomadische Viehzüchter. Sie ziehen von Ort zu Ort, um Grasweiden für ihre Tiere zu finden. Doch immer häufiger bleibt der Niederschlag aus.

Weideland sichert die Existenz der umherziehenden Viehzüchter, wird aber durch die Klimaveränderungen immer knapper. Durch den Mangel an Gras und Wasserstellen kommt es zu Spannungen in einer von Konflikten geprägten Region. Um den Konflikten zuvorzukommen und auch den Menschen mehr Sicherheit zu bieten, führt ADRA Deutschland in dieser Region ein Vier-Komponenten-Projekt durch.

Die erste Komponente umfasst die Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden. Moderne Werkzeuge und Saatgut werden an die Bewohner verteilt und sie werden in modernen landwirtschaftlichen Arbeitsweisen geschult. Unser langfristiges Ziel besteht darin, weitläufige trockene Flächen wieder zu begrünen, indem der Boden aufgelockert wird, die Flächen umzäunt und trockenresistente Pflanzen angebaut werden.

Die zweite Komponente ist die Tiergesundheit. Das Vieh bildet den Lebensmittelpunkt der meisten Familien in Afar. Während und nach den Dürreperioden sterben viele Tiere beispielsweise an Wurmerkrankungen. Jedes gestorbene Tier bedeutet einen großen Verlust für die Familien. ADRA hat Tierpfleger ausgebildet, die Impfungen und einfache Behandlungen durchführen können. Durch eine Startfinanzierung von ADRA konnten eine Tierbehandlungseinrichtung und eine Tierapotheke aufgebaut und eingerichtet werden. Die Gesundheitseinrichtungen werden nun von staatlichen Behörden weiterfinanziert. Der Apotheker hat sich selbstständig gemacht und versorgt die Bewohner mit Medikamenten.

In einigen Dörfern wurden drittens Spar- und Kreditgruppen aufgebaut. Diese Projektkomponente richtet sich gezielt an Frauen, die ihr Geld sparen und auch kleine Kredite aufnehmen können. Das geliehene Geld kann in Vieh oder in den Aufbau eines eigenen Geschäfts investiert werden. ADRA fördert in diesem Rahmen Trainings, bei denen vermittelt wird, wie man ein eigenes Business aufbaut. So wurden zum Beispiel zwei Getreidemühlen errichtet, die von Frauen betrieben werden.

Zu guter Letzt konnten in drei Dörfern Wasserversorgungssysteme gebaut werden; eine große Entlastung für die Menschen, da sie nun ausreichend Wasser für ihr Vieh, ihre Landwirtschaft und ihre Familien zur Verfügung haben. Für das Vieh wurden Tränkebecken gebaut. Zurzeit werden die Wasserpumpen in den Anlagen noch mit Diesel-Motoren betrieben, in Zukunft soll dies mit Hilfe von Sonnenenergie passieren.

Die Menschen in Afar leben in schwierigen Wetterverhältnissen und sind daher immer wieder in Konflikte um Weideland und Wasser involviert. ADRA unterstützt die Menschen, weniger abhängig von diesen knappen Ressourcen zu werden.

Afar:
– Fläche: 96.707 km²
– Einwohner: 1.411.092 (2007)
– liegt im Norden Äthiopiens, angrenzend an Eritrea und Dschibuti

                                            

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

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