Ostafrika – Ernten in Gefahr

Als wenn Dürre und Wassermangel nicht genug wären, müssen sich die Bauern in Ostafrika nun auch gegen die Heuschrecken­plage wehren. Wiedereinmal sind ihre Ernten und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet. Alexandra Michel-Döbler, Programmkoordinatorin für Somalia und Kenia bei ADRA Deutschland, spricht im Interview über eine drohende Hungerkatastrophe in Ostafrika.

    Äthiopien, Somalia und Kenia leiden aktuell unter dem zerstörerischen Befall der Wüstenheuschrecke. Ganze Ernten werden dadurch vernichtet. Können die Menschen die Verluste aus eigener Kraft auffangen?

Es wird diesmal sehr schwer. Durch die Dürre und die Überflutungen in den letzten Jahren sind die Menschen in den ohnehin sehr trockenen Gebieten am Rande dessen, was sie ertragen können. Im April stand eigentlich die nächste Ernte an, doch die Heuschrecken vernichteten die Erträge. Es droht eine große Hungerkatastrophe in den Gebieten.

    Der Heuschreckenschwarm, der über Ostafrika herfällt, hat die Größe des Saarlands. Gibt es dagegen überhaupt ein Mittel?

Wir versuchen, ohne chemische Insektizide auszukommen, denn Insektizide dringen in die Erde ein und beschädigen den Boden. Auf diesem Boden wachsen dann wiederum Pflanzen, in deren Früchten Giftstoffe enthalten sind und die Menschen nehmen diese zu sich. Dazu kommt, bei der Ausbringung der Insektizide atmen die Menschen dieses Gift ja auch ein. Das hat gesundheitliche Auswirkungen auf lange Zeit. Wir arbeiten in unseren Projekten intensiv daran, dass ökologische Landwirtschaft betrieben wird. Für die Gesundheit der Bauern und Konsumenten, aber auch für den Boden. Wie der Boden bewirtschaftet wird, hat natürlich Auswirkungen darauf, was auf dem Boden wächst. Die Gegend ist von einer fortschreitenden Wüstenbildung bedroht. Wir wollen den Bo­den rehabilitieren und die Verwendung von chemischen Insektiziden widerspricht dem.

     Es schlüpfen jetzt schon die Nachkommen der Wüstenheuschrecken. Ist die nächste Ernte nun auch schon bedroht?

Ja. Und das können wir schon heute deutlich sehen. Die Heuschrecken warten nicht, bis der Mais reif für die Ernte ist. Die Erfahrung mit Heuschreckenpopulationen zeigt, es wird noch schlimmer. Unter günstigen Bedingungen produziert eine weibliche Wüstenheuschrecke 16 bis 20 Nachkommen. Das Problem wird also noch potenziert. Es ist eine Jahrhundertplage, unter der Kenia, Somalia, Äthiopien und weitere Länder leiden. Das heißt, es gibt keine Erfahrungswerte und wir können keinen Masterplan aus der Schublade ziehen und alles wird gut – leider. Dennoch bleiben wir mit unserer Hilfe bei den Menschen.

Das Interview wurde vor der Ernte im April geführt.

Unterstützen auch Sie die Menschen in Ostafrika mit Ihrer Spende – Spendenstichwort: Klima >> zum Spendenformular

Spendenaktion Kinderklinik Mekele

Glückwunsch: Die Aktion „Kinderklinik Mekele – 2.Phase“ hat sein Ziel erreicht!

Diese Meldung kam von der Spendenaktion für das Kinderkrankenhaus in Mekele, Äthiopien.

Vielen von Euch ist die Geschichte des Krankenhauses bekannt. Auch von Dr. Tesfalem habt Ihr schon in den Berichten gelesen. Dawit Mehari ist bei ADRA zuständig für dieses Projekt und möchte Euch in einem Videointerview darüber berichten, auch die Dankesworte von Dr. Tesfalem findet Ihr hier:

Corona-Update: Äthiopien

Nach Angaben des äthiopischen Gesundheitsministeriums waren Ende März 21 Personen mit dem Corona-Virus infiziert, davon befinden sich 20 in gutem und nur eine Person in kritischem Zustand. Bislang wurden keine Todesfälle gemeldet. Die Regierung hat bereits seit 16. März die Schulen geschlossen und öffentliche Veranstaltungen beschränkt und schließlich verboten.

„Um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Äthiopien zu schützen, haben wir an sie Hygieneprodukte verteilt. Zusätzlich muss jeder Gast, der uns besucht, sich zuerst mit Desinfektionsmittel die Hände waschen, bevor er das Büro betritt. Alle Mitarbeiter des ADRA Äthiopien-Büros in Addis Abeba, die öffentliche Verkehrsmittel benutzt haben, müssen seit dem 26. März 2020 zu Hause bleiben. Einige werden sowohl von zu Hause als auch vom Büro aus arbeiten, je nachdem, ob eine Internetverbindung zur Verfügung steht,“ sagt Zerihun Awano, Programm Direktor bei ADRA Ethiopia.

„Natürlich haben die Beschränkungen der Regierung Auswirkungen auf unsere Projekte. Einige Aktivitäten im Zusammenhang mit der Ausbildung, die mehr als 30 Personen umfassten, haben wir vorerst gecancelt. Wir planen sie neu und stellen sicher, dass genügend physischer Abstand eingehalten wird. Einige Projektaktivitäten im Zusammenhang mit der Ausbildung, an denen mehr als 30 Personen teilnehmen, werden verschoben,“ so Programm Direktor Zerihun.

In Äthiopien können wir Dank der großzügigen Unterstützung unserer Partner und Unterstützer in den Regionen Oromia und Tigray 2.200 junge Erwachsene zu Solartechnikerinnen und -Techniker ausbilden. Außerdem unterstützen wir die Mekele Kinderklinik und die Landwirte in der regenarmen Regionen Afar.
Von den genannten Projekte profitieren über 30.000 Menschen.

Äthiopien-Referent Dawit Mehari war im Februar und März auf Projektreise in Äthiopien. Schon damals waren die Einschränkungen spürbar.
(c) D.M.

Die Arbeit geht weiter, wir sind dazu auf eure Unterstützung angewiesen. Mit eurer Spende könnt ihr hier helfen

Äthiopien – Existenzsicherung für nomadische Viehzüchter

Die Region Afar im Nordwesten Äthiopiens zählt zu einem der heißesten und trockensten Orten der Erde. Die Meschen in der schwach entwickelten Region leben von der Landwirtschaft und Viehzucht, größententeils als nomadische Viehzüchter. Sie ziehen von Ort zu Ort, um Grasweiden für ihre Tiere zu finden. Doch immer häufiger bleibt der Niederschlag aus.

Weideland sichert die Existenz der umherziehenden Viehzüchter, wird aber durch die Klimaveränderungen immer knapper. Durch den Mangel an Gras und Wasserstellen kommt es zu Spannungen in einer von Konflikten geprägten Region. Um den Konflikten zuvorzukommen und auch den Menschen mehr Sicherheit zu bieten, führt ADRA Deutschland in dieser Region ein Vier-Komponenten-Projekt durch.

Die erste Komponente umfasst die Einführung neuer landwirtschaftlicher Methoden. Moderne Werkzeuge und Saatgut werden an die Bewohner verteilt und sie werden in modernen landwirtschaftlichen Arbeitsweisen geschult. Unser langfristiges Ziel besteht darin, weitläufige trockene Flächen wieder zu begrünen, indem der Boden aufgelockert wird, die Flächen umzäunt und trockenresistente Pflanzen angebaut werden.

Die zweite Komponente ist die Tiergesundheit. Das Vieh bildet den Lebensmittelpunkt der meisten Familien in Afar. Während und nach den Dürreperioden sterben viele Tiere beispielsweise an Wurmerkrankungen. Jedes gestorbene Tier bedeutet einen großen Verlust für die Familien. ADRA hat Tierpfleger ausgebildet, die Impfungen und einfache Behandlungen durchführen können. Durch eine Startfinanzierung von ADRA konnten eine Tierbehandlungseinrichtung und eine Tierapotheke aufgebaut und eingerichtet werden. Die Gesundheitseinrichtungen werden nun von staatlichen Behörden weiterfinanziert. Der Apotheker hat sich selbstständig gemacht und versorgt die Bewohner mit Medikamenten.

In einigen Dörfern wurden drittens Spar- und Kreditgruppen aufgebaut. Diese Projektkomponente richtet sich gezielt an Frauen, die ihr Geld sparen und auch kleine Kredite aufnehmen können. Das geliehene Geld kann in Vieh oder in den Aufbau eines eigenen Geschäfts investiert werden. ADRA fördert in diesem Rahmen Trainings, bei denen vermittelt wird, wie man ein eigenes Business aufbaut. So wurden zum Beispiel zwei Getreidemühlen errichtet, die von Frauen betrieben werden.

Zu guter Letzt konnten in drei Dörfern Wasserversorgungssysteme gebaut werden; eine große Entlastung für die Menschen, da sie nun ausreichend Wasser für ihr Vieh, ihre Landwirtschaft und ihre Familien zur Verfügung haben. Für das Vieh wurden Tränkebecken gebaut. Zurzeit werden die Wasserpumpen in den Anlagen noch mit Diesel-Motoren betrieben, in Zukunft soll dies mit Hilfe von Sonnenenergie passieren.

Die Menschen in Afar leben in schwierigen Wetterverhältnissen und sind daher immer wieder in Konflikte um Weideland und Wasser involviert. ADRA unterstützt die Menschen, weniger abhängig von diesen knappen Ressourcen zu werden.

Afar:
– Fläche: 96.707 km²
– Einwohner: 1.411.092 (2007)
– liegt im Norden Äthiopiens, angrenzend an Eritrea und Dschibuti

                                            

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt.

Unterstützen Sie die Arbeit von ADRA, um den Menschen in Äthiopien das Leben zu erleichtern. >> zum Spendenformular

Zenebu bringt Licht ins Dunkel

In
Äthiopien ist noch lange nicht jeder Haushalt an die Stromversorgung
angeschlossen. Doch Zenebu bringt mit Solaranlagen Licht ins Dunkel. Sie ist
eine von über 600 jungen Frauen, die sich im Green Energy – Projekt von ADRA zu
Solartechnikerinnen ausbilden lassen. Nach ihrer Ausbildung will sich Zenebu um
die nächste Generation Technikerinnen kümmern.

„Dank des Unterrichts habe ich ein besseres technischen Verständnis der Solartechnologie. Ich fand die Kurse sehr wichtig, um meine Fähigkeiten in der Solartechnologie zu entwickeln. Ich finde es großartig, dass ich Studenten zu Solartechnikern auszubilden kann.
Zenebu am 05.03.2020

Mitte Mai 2019 hat ADRA gemeinsam mit dem äthiopischen Energieministerium und dem Bildungsministerium staatlich anerkannte Berufsstandards für Erneuerbare Energien entwickelt, die in das nationale Berufsausbildungsprogramm aufgenommen wurden. Neben einer soliden Ausbildung werden die Teilnehmer bei der Arbeitssuche oder Start-Up-Gründung unterstützt.

Dieses Projekt wird durch das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit gefördert.

Eine drohende Katastrophe: Heuschreckenplage in Ostafrika

Die Heuschreckenplage betrifft Teile Asiens und Ostafrika. Besonders Somalia, Kenia und Äthiopien leiden unter dem zerstörerischen Befall durch Wüstenheuschrecken. Ganze Ernten werden ‚weggefressen‘, im wahrsten Sinne des Wortes.

Diese Naturkatastrophe trifft eine ohnehin schon von Dürren geschwächte Region und Bevölkerung. In diesen Ländern sind ungefähr 10 Millionen Menschen von der Heuschreckenplage betroffen. ADRA ist in allen drei Ländern aktiv und koordiniert mit dem Bündnis ‚Aktion Deutschland Hilft‘ Gegenmaßnahmen vor Ort.

Eine Heuschrecke wiegt zirka 2 Gramm und kann an einem Tag das eigene Gewicht an Nahrung zu sich nehmen. In einem Heuschreckenschwarm versammeln sich bis zu 80 Millionen Tiere, die dann an einem Tag unvorstellbare 160 Tonnen vernichten. In Ostafrika sind Heuschreckenschwärme von der Fläche des Saarlands unterwegs. Ohne sofortige Hilfe droht dort die nächste Hungerkatastrophe.

Die Zeit drängt also doppelt.

Im April wird am Horn von Afrika die Ernte eingebracht. Die Heuschrecken, die jetzt schon unterwegs sind, haben es auf die Pflanzen abgesehen und fressen die Ernte auf. Doch das Problem kann noch größer werden. Denn eine weibliche Heuschrecke kann, unter guten Bedingungen, bis zu 20 Nachkommen in die Welt setzen. Das bedeutet, dass sich die Heuschreckenplage noch verstärkt, wenn jetzt nicht entschlossen gehandelt wird.

Wenn der Schwarm weiterzieht, ist es noch nicht vorbei!

Die Wüstenheuschrecke nimmt tätlich etwa 2 Gramm grüne Vegetation, wie Blätter, Blüten, Rinde, Stängel, Früchte und Samen zu sich. Fast jede Pflanze steht auf dem Speiseplan der 7 bis 9 Zentimeter großen Insekten, darunter Hirse, Reis, Mais, Zuckerrohr, Gerste, Baumwolle, Obstbäume, Dattelpalmen, Gemüse. Die verdaute Nahrung scheidet die Wüstenheuschrecke als giftigen Kot[1] aus.

Heuschrecken mit Chemie bekämpfen?

In den ADRA-Projekten wollen die Bauern ohne chemische Pestizide und Insektizide auskommen. Dazu tauschen sie sich untereinander intensiv aus und setzen auf natürliche Schädlingsbekämpfung. Die natürliche Bekämpfung stößt bei Plagen in diesem Ausmaß an ihre Grenzen. Dennoch ist der Einsatz von Chemikalien kritisch. Chemische Insektizide werden über die Atemwege aufgenommen, verändern den Boden und landen schlussendlich über die Pflanzen wieder in unserem Essen.

Faktor Klimawandel

Der Niederschlag in der Region war in den letzten Monaten ungewöhnlich stark. Nach Prognosen der internationalen Klimaforscher[2] ist dieser Niederschlag, der in Kenia sogar Fluten auslöste, eine Folge des Klimawandels. Diese Phänomene können mit Fortschreiten der Erderwärmung zunehmen und solche Schwärme werden häufiger auftreten.

Die Hilfe läuft an.

Im Bündnis ‚Aktion Deutschland Hilft‘ planen derzeit die Mitgliedsorganisationen, wie sie den Menschen in Ostafrika Hilfe bringen können. Dafür sind wir auf ihre Unterstützung angewiesen und bitten um ihre Spende. >> zum Spendenformular

[1] http://tierdoku.com/index.php?title=W%C3%BCstenheuschrecke

[2] https://www.deutschlandfunk.de/heuschreckenplage-in-ostafrika-in-kurzer-zeit-die-gesamte.676.de.html?dram:article_id=468660

Bildung bringt Licht ins Dunkle

Neue Ausbildungschancen durch erneuerbare Energien in Äthiopien dank ADRAWie kann in einem Dorf in Äthiopien Strom erzeugt, gleichzeitig Arbeitsplätze geschaffen und auf den Klimawandel reagiert werden? Durch erneuerbare Energien! ADRA hat zusammen mit den Ministerien vor Ort und mit äthiopischen und deutschen Universitäten ein Pilotprojekt gestartet, das junge Menschen in Äthiopien im Umgang mit erneuerbaren Energien schult. 2.200 junge Menschen werden in Oromia im Süden und im nördlichen Tigray zu Technikern für Photovoltaik-Systeme ausgebildet. Als Installateure helfen sie dabei, Haushalte mit Solarenergie zu versorgen und bieten damit eine umweltfreundliche Stromalternative an. So erhalten Menschen auch in abgelegenen Gegenden ohne Stromanschluss die Möglichkeit, elektrische Geräte aufzuladen und Licht ins Dunkle zu bekommen.

Wenn Sie dieses Projekt in Äthiopien unterstützen möchten, können Sie dies mit eienr Spende unter dem Stichwort  „BILDUNG“ tun. >> ZUM SPENDENFORMULAR

Dieses Projekt wird vom BMZ gefördert. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)