Mosambik nach dem Zyklon: Nur langsame Rückkehr zur Normalität

Zyklon mosambik - ADRA hilftIn Mosambik traf am 14. März der Zyklon Idai ein Gebiet von der Größe des Saarlandes und nur einen Monat später, am 25. April traf der Zyklon Kenneth ebenfalls Mosambik. Zu diesem Zeitpunkt war unser Mitarbeiter René Fechner in Mosambik, um nach dem ersten Zyklon Katastrophenhilfe zu leisten. Nach seiner Rückkehr haben wir ein Interview mit ihm geführt.

Hallo René, du kommst gerade zurück aus Mosambik. Was hast du da gemacht?

Ich war als Teil des Emergency Response Teams (Notfallteam, Anm. der Redaktion) des ADRA Netzwerks als technischer Berater vor Ort. Meine Aufgabe war es, das Team in der Projektumsetzung technisch zu unterstützten.

Was hast du für einen Eindruck gewonnen, wie geht es den Menschen nach der Katastrophe?

Ich kam in Mosambik vier Wochen nach der Katastrophe an. In einigen Teilen des Landes hat sich die Lage bereits normalisiert. Das heißt, die Märkte sind wieder geöffnet, die Menschen haben wieder Zugang zu Lebensmitteln und eine gewisse Grundversorgung. Schulen öffnen nach und nach wieder. Aber es ist noch nicht so wie vor dem Zyklon. Über 70 Prozent der Ernten wurden durch den Zyklon vernichtet und vielen Menschen ist die Lebensgrundlage zerstört worden. Auch wenn sich die Situation teilweise normalisiert hat, sind viele Familien in den nächsten Wochen und Monaten von Lebensmittelunsicherheit bedroht. Bis sich das Leben wieder hundertprozentig normalisiert wird es dauern, ich schätze bis zur nächsten Ernte im Oktober oder sogar bis März des kommenden Jahres.

Du bist also als Teil des ADRA Netzwerks nach Mosambik gereist. Was können wir uns unter dem Netzwerk vorstellen?

ADRA besteht aus über 130 Büros weltweit. In den jeweiligen Büros sitzen Fachleute für verschiedene Themen. Als Netzwerk ist es wichtig, gebündelt aufzutreten und die Stärken der einzelnen Mitarbeiter einzubinden. ADRA Mosambik hat die Erfahrung vor Ort, kennt sich mit den Märkten aus und hat viele Projekte in der Landwirtschaftsentwicklung durchgeführt. Deshalb leitet ADRA Mosambik den Einsatz und aus dem Netzwerk kommt Unterstützung. Ich war einer der Experten, die aus dem Netzwerk nach Mosambik geschickt wurden, um die Leitung vor Ort zu unterstützen. Ich war hauptsächlich für die weitere Projektentwicklung zuständig. Gemeinsam mit ADRA Mosambik konnten wir ein Projekt mit dem Netzwerk entwickelt, das sich mit der Landwirtschaft beschäftigt. Wir haben Lebensmittelverteillungen in unterschiedlichen Regionen durchgeführt. Und langfristig natürlich auch Saatgutverteilung.

Und wo bekommt ihr die Lebensmittel her, die verteilt werden?

Diese Lebensmittel kommen zum Großteil aus den Nachbarregionen. Nach und nach wird die Hilfe von Lebensmittel auf Gutscheine umgestellt. Wir wollen damit die lokalen Märkte stärken.

Ich habe gelesen, ganze Regionen waren von der Außenwelt abgeschnitten?

Schauen wir uns beispielsweise die Bursi-Region an. Dieser Distrikt war von der Außenwelt quasi abgeschnitten und nur über Hubschrauber zu erreichen. Jetzt sind wenigstens die Straßen für LKWs wieder befahrbar.

Nicht nur die Ernten und Vorräte wurden vernichtet, auch die Häuser der Menschen hat es schwer getroffen. Über 40.000 Häuser wurden zerstört?

Ja, das stimmt leider. Viele Menschen haben ihre Unterkunft verloren. Die Häuser standen unter Wasser oder wurden durch den Sturm zerstört. In einer Erstversorgung verteilen wir Zeltplanen, um zum Beispiel das Dach abzudecken und die Menschen vor dem Regen zu schützen

Verteilung von Saatgut durch ADRAWarum verteilt ADRA nicht direkt Saatgut, dann könnten die Menschen sich doch selbst versorgen?

Es stimmt schon, in der Region, die vom Zyklon verwüstet wurde, ist die Landwirtschaft stark. Es gibt dort – im Gegensatz zu Deutschland – zwei Ernten im Jahr. Die nächste Aussaat ist bis Mitte Juni möglich. Die Menschen brauchen Saatgut und Dünger. Bevor wir dazu kommen muss aber die Lebensmittelunsicherheit, die größte Not, behoben werden. Stell dir vor, du bist hungrig und bekommst Maiskörner. Du wirst den direkten Hunger stillen, weil du bis zur nächsten Ernte verhungert bist. Das heißt, wir müssen zuerst Lebensmittel verteilen bevor wir Saatgut verteilen, da die Menschen sonst das Saatgut nutzen, um ihren Hunger zu stillen.

Kaum hat Zyklon Idai Mosambik verwüstet, traf auch schon Zyklon Kenneth auf Mosambik.

Ja, stimmt. Aber Mosambik ist ein großes Land, um es von Nord nach Süd zu durchqueren, sind es 2400 Kilometer. Dadurch sind die Menschen, die vom Zyklon Idai betroffen sind, nicht die gleichen, die der Zyklon Kenneth getroffen hat. Zyklon Kenneth hat eine eher dünn besiedelte Region getroffen. Schwierig ist dort der Zugang zur humanitären Hilfe, denn dort gibt es regionale Konflikte mit Terrorismus und Anschlägen. Der Zyklon hat die bestehende Unsicherheit noch verstärkt.

Wir haben hier besonders mit der Adventistischen Universität in Beira mitgefiebert.

Die Universität in Beira wurde durch den Zyklon Idai stark zerstört. Der Sturm hat Dächer abgerissen und es gab Überschwemmungen. Der Aufbau wird dauern, Unterstützung ist weiterhin notwendig.

Nach dem Zyklon drohen Krankheiten. Wer ist besonders gefährdet?

Krankheiten sind natürlich ein Thema. Wasserbezogene Krankheiten entstehen dadurch, dass zum Beispiel Tierkadaver oder Fäkalien das Grundwasser verseuchen. Dann ist es wichtig, die besonders vulnerablen Menschen zu schützen. Das sind Kinder unter fünf Jahren, schwangere Frauen und ältere Menschen. In diesem Bereich ist neben der Cholera-Impfung wichtig, mit Hygieneschulungen die Menschen darauf hinzuweisen, wie wichtig Hygiene ist. Jeder Mensch auf der Welt weiß, wie wichtig Händewaschen ist. Nur, wenn wir uns in einer Krise befinden, sind andere Dinge wichtiger als die persönliche Hygiene. Aber auch in solchen Fällen darf man die persönliche Hygiene nicht vergessen. ADRA unterstützt vor Ort nicht nur die lokalen Wasserkomitees, sondern führt Hygieneschulungen mit jungen Familien und in den Schulen durch, um gemeinsam mit der lokalen Zivilgesellschaft für Sensibilität zu sorgen.

Wir in Deutschland können uns kaum vorstellen, was eine Katastrophe mit den Menschen macht. Du hast angesprochen, wie ADRA hilft. Mit Hygieneartikeln und -Schulungen. Mit Lebensmitteln und Saatgut. Mit Zelten und Planen. Habe ich etwas vergessen?

Wir als ADRA haben eine starke Verpflichtung die Begünstigten zu schützen. Begünstigte sind in einer Extremsituation hohem Stress ausgesetzt. Es gibt immer Menschen, die so etwas auch ausnutzen. Zu meinem Aufgabenbereich gehört es auch, die Mitarbeiter zu sensibilisieren, wie man die Begünstigten davor schützt, ausgenutzt zu werden.

Bitte unterstützen Sie mit einer Spende die Hilfsbedürftigen in Mosambik unter dem Stichwort „Zyklon Mosambik“ auf https://adra.de/spendenformular/.