Hunger – eine menschliche Tragödie

Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot „biblischen Ausmaßes“. Bewaffnete Konflikte, ungleiche Lebensbedingungen und die Auswirkungen des Klimawandels tragen maßgeblich dazu bei, dass Menschen unter Hunger und Ernährungsunsicherheit leiden. Diese Situation wird durch die Corona-Pandemie noch verschärft.

Das Coronavirus schränkt weltweit das Leben der Menschen ein. Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren sind notwendige Maßnahmen, um die Verbreitung der Covid-19-Pandemie einzudämmen. Doch die wirtschaftlichen Folgen gefährden viele Existenzen. Und sie treffen die Ärmsten zuerst. Der Zugang zu den Märkten und zu lebenswichtigen Nahrungsmittelhilfen ist aufgrund der Schutzmaßnahmen stark eingeschränkt. Der Welthunger-Index (WHI) 2019 verdeutlicht, dass sich in mehreren Ländern die aktuelle Hungersituation gegenüber 2010 noch verschärft hat. Etwa 45 Länder sind gefährdet, und das mit längerfristigen Folgen. Noch über das Jahr 2030 hinaus werden sie ein hohes Hungerniveau aufweisen.

Viele Länder, die unter verbreitetem Hunger leiden, sind gleichzeitig stark vom Klimawandel betroffen. Sie sind aber nur bedingt in der Lage, mit den Folgen umzugehen oder ihnen entgegenzuwirken. Gleichzeitig haben sie oft am wenigsten zu seiner Entstehung beigetragen. Seit den 1990er Jahren hat sich die Häufigkeit der Extremwetterereignisse verdoppelt. Naturkatastrophen wie Wirbelstürme, Überflutungen, Dürren oder Waldbrände sind eine Gefahr für den Lebensraum und das Auskommen von Millionen von Menschen. Naturkatastrophen führen zu geringeren Ernteerträgen der wichtigsten Nutzpflanzen. Die Folgen sind höhere Lebensmittelpreise und Einkommensverluste.

Der Klimawandel und seine Nebenwirkungen

Seit Anfang des Jahres leiden die Menschen in Ostafrika und in Teilen Asiens zusätzlich unter einer der schlimmsten Heuschreckenplagen seit vielen Jahrzehnten. Schwärme in der Größe des Saarlandes fallen über die Felder her und vernichten mit ihrem Kahlfraß die Ernten. Die UN-Behörde für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) schätzt, dass ein Heuschreckenschwarm von einem Quadratkilometer die Nahrung von 35.000 Menschen vernichtet. Zahlreiche Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind auf Hilfe angewiesen, doch diese werden durch die Ausgangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie blockiert. Dringend benötigt werden neues Saatgut für die Felder und zusätzliches Futter für die Tiere. Viele Familien brauchen Lebensmittel, um bis zur nächsten Ernte überleben zu können. Im April hat die Regenzeit eingesetzt. Sie führt zur Vermehrung der Heuschrecken und belastet die Ernährungssituation von neuem.

Millionen Menschen stehen vor einer Hungerkatastrophe

Andauernde Mangel- und Unterernährung sind vor allem für Kinder und Geschwächte eine Gefahr, denn sie werden anfälliger für Erkrankungen. Dabei ist ein gutes Immunsystem bei Pandemien wie Covid-19 überlebenswichtig. „Um die Ausbreitung des Coronavirus und das Kollabieren des Gesundheitssystems zu verhindern, sind Maßnahmen wie Ausgangssperren und Grenzschließungen unabdingbar. Für den Kampf gegen die Heuschreckenplage sind sie jedoch ein massives Hindernis“, erklärt Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin des Katastrophenbündnisses „Aktion Deutschland Hilft“. ADRA ist Mitglied im Katastrophenbündnis und in einigen Ländern Ostafrikas und Asiens aktiv. Die MitarbeiterInnen von ADRA passen vor Ort Hygienemaßnahmen an und helfen damit, das Covid-19-Virus einzudämmen. So wurden beispielsweise Bewässerungssysteme für die Felder umgerüstet und dienen nun als Handwaschstationen. Zusätzlich werden Hygieneschulungen durchgeführt. Verhandlungen mit den öffentlichen Geldgebern sollen zusätzliche Mittel bewirken, um weitere Maßnahmen gegen Covid-19 umsetzen zu können.

Dafür appellierte der UN-Generalsekretär António Guterres anlässlich der Veröffentlichung des „Global Humanitarian Response Plans Covid-19“ der Vereinten Nationen am 25. März 2020 in New York: „Wir müssen den Verwundbarsten zu Hilfe kommen – Millionen und Abermillionen von Menschen, die am wenigsten in der Lage sind, sich selbst zu schützen. Dies ist eine Frage der grundlegenden menschlichen Solidarität.

ADRA ist gegen den Hunger in Ostafrika aktiv. Mit der Verteilung von Nahrungsmitteln, klimaangepasstem Saatgut oder durch die Einführung von wasserspeichernden Techniken und Bewässerungsanlagen werden kleinbäuerlichen Familien unterstützt.

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