Gerechtigkeit – Es geht uns alle an!

Das biblische Konzept der Gerechtigkeit (Hebräisch: Zedaka) ist wahrscheinlich eine der ältesten Definitionen von Gerechtigkeit und beschreibt eine „heilvolle Ordnung“ der ganzen Weltbevölkerung. Diese Ordnung ist ein Gebot Gottes, des Schöpfers. Sie stellt alle Menschen und die Schöpfung in ein respektvolles und ausgleichendes Beziehungsverhältnis zueinander. Wer in dieser Ordnung lebt und danach handelt ehrt zugleich den Schöpfer aller Dinge.

Christian Molke, geschäftsführender Vorstand ADRA Deutschland e.V.

In der westlichen Welt haben wir nur teilweise das Konzept der biblischen Zedaka übernommen. Justitia, wir kennen sie als Statue an unseren Gerichten, trägt in der einen Hand eine Waage, in der anderen Hand ein Schwert. Die Waage erinnert uns an Abwägung und Ausgleich. Das Schwert erinnert daran, dass Gerechtigkeit durchgesetzt werden muss. Die Augenbinde sagt uns etwas über die Gleichheit der Menschen.

Das ganzheitliche Gerechtigkeitsverständnis, wie es die Bibel darstellt, geht über unsere Vorstellungen hinaus. Es kann heute am ehesten mit „sozialer Gerechtigkeit“ beschrieben werden, die sich heilsam auf Menschen und Natur auswirken. Die Gleichwertigkeit aller Menschen ist von größter Bedeutung. In unserer materialistisch- und leistungsorientieren Welt, die mehr das „Haben“ als das „Sein“ betont, wird diese Ordnung als ungerecht empfunden. Im Gleichnis Jesu von den Arbeitern im Weinberg erhalten am Ende des Tages alle den gleichen Lohn, trotz unterschiedlicher Arbeitszeit (vgl. Matthäus 20). Keine Spur von Ausbeutung.

Die Welt in Ungleichheit

Es schreit zum Himmel! Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Afrika und Europa steht in einem denkbar großen Ungleichgewicht. Ganz Afrika hat ein BIP von 2.427 Milliarden US-Dollar und damit nur 1/10 von Europa. Allein Deutschland besitzt einen größeren Reichtum (3.287 Milliarden Dollar BIP) als ganz Afrika. Da ist etwas mächtig in Schieflage geraten. Kann das auf Dauer gut gehen?

Faktor Klimawandel

Eng verknüpft mit den wirtschaftlichen Kennzahlen ist die Emission von klimaschädlichen Treibhausgasen. „Wirtschaftlicher Erfolg“, wie wir ihn immer noch definieren, geht zulasten der Umwelt. Der daraus entstehende Klimawandel kennt keine Landesgrenzen. Am härtesten getroffen aber werden diejenigen, die mit der Entstehung nichts zu tun hatten. Zum Vergleich: Der CO2-Ausstoß pro Kopf in Deutschland beträgt 8,89 Tonnen[1]. Auf den Fidschi-Inseln beträgt der CO2-Ausstoß nur 1,35 Tonnen[2] je Einwohner. Als Folge des Klimawandels werden die Fidschi-Inseln häufiger und heftiger von Naturkatastrophen heimgesucht und drohen durch den Anstieg des Meeresspiegels ganz zu verschwinden. Das Verursacherprinzip steht Kopf. Ist das „Klimagerechtigkeit“? Weil wir und unsere Unterstützer*innen uns damit nicht abfinden wollen, engagieren wir uns in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe und bringen etwas ausgleichende Gerechtigkeit zu unseren Mitmenschen.

Bei vorliegendem Text handelt es ich um einen Gastbeitrag, der leicht gekürzt im Programmheft HopeTV September 2020 veröffentlicht wurde.