Ein Ausweg aus der Krise

Im Sommer 2019 wurde Indien von heftigen Monsunregen heimgesucht. Weite Teile des Landes standen unter Wasser. Der heftige Dauerregen hat insbesondere die indischen Bundesstaaten Assam und Bihar im Juli 2019 hart betroffen. In beiden Regionen führte das Unwetter zu schweren Überschwemmungen und richtete große Schäden an.

Überschwemmungen sind zur Zeit des Monsuns in Indien nicht ungewöhnlich. Doch das Ausmaß der Katastrophe in den nordöstlichen Bundestaaten Assam und Bihar ist außergewöhnlich. Der Bundestaat Assam hatte in diesem Jahr mit schlimmen Überschwemmungen zu kämpfen. Durch die schweren Regenfälle und Wasserfluten kamen 69 Menschen ums Leben. Während mehr als 3.705 Dörfer und zirka 178.938 Hektar Ackerland[1] (entspricht in etwa die Größe von London) unter Wasser standen, versuchten 4,9 Millionen Menschen den Fluten zu entkommen. Hunderttausende Menschen verloren dabei ihre Häuser und mussten in die nahegelegenen Flüchtlingslager fliehen, wo sie unter schweren Lebensbedingungen auf ein Ende der Katastrophe hofften.

Der Monsun hat auch im indischen Bundesstat Bihar und im naheliegenden Himalaya-Staat Nepal immense Schäden angerichtet. Allein in der letzten Juli-Woche sind 92 Menschen ums Leben gekommen. In der Region sind 6,7 Millionen Menschen mittelbar oder unmittelbar von den Folgen des heftigen Dauerregens betroffen. Es konnten 125.000 Menschen evakuiert und in Flüchtlingslagern untergebracht werden. Insgesamt waren die Folgen der Überschwemmungen verheerend. Ernten, Häuser, und Wasserquellen sind zerstört oder schwer beschädigt worden.

Assam und Bihar sind zwei arme, noch unterentwickelte Regionen. Staatliche Infrastrukturen sind quasi nicht existent. Die Überschwemmungen haben umso mehr die Armen, die religiösen Minderheiten und die im Alltag marginalisierten gesellschaftlichen Gruppierungen getroffen. Ohne Hilfe von außen sehen sich diese Menschen immensen Härten ausgesetzt. Deshalb haben ADRA, CAID[2] und Caritas ein humanitäres Hilfsprojekt auf die Beine gestellt, das darauf abzielt, den von der Gesellschaft am stärksten ausgegrenzten und ausgeschlossenen Gemeinschaften zu helfen.

Diese Zusammenarbeit findet unter der Leitung von ADRA statt und konnte dank der Finanzierung durch das Amt der Generaldirektion Humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz der Europäischen Union (ECHO) stattfinden. Durch das humanitäre Hilfsprojekt können die unmittelbaren Bedürfnisse von 75.000 Menschen in den drei Distrikten Barpeta, Lakhimpur  und Chirang im Bundesstaat Assam sowie im Distrikt Madhubani im Bundesstaat Bihar gedeckt werden.

Die humanitäre Hilfe vor Ort umfasst unter anderem zahlreiche WASH-Maßnahmen und die bedingungslose Verteilung von Geld an notbedürftige Familien. WASH-Maßnahmen zielen darauf ab, den Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene zu ermöglichen. Dafür wurden Hygienematerialen und tragbare Wasserversorgungspumpen verteilt bzw. bereitgestellt. Hygienekampagnen wurden in Dörfern durchgeführt, um den Ausbruch von Krankheiten zu mindern. Die Wasserversorgungspumpen sollen dafür sorgen, dass die Zielgruppen mit Trinkwasser versorgt werden.

Im Rahmen des Nothilfeprojekts haben die Haushalte finanzielle Mittel in Höhe von INR 10.500 (EUR 138) erhalten. Das Geld wurde auf die Bankkonten der Begünstigten überwiesen. Wenn die Begünstigten kein Bankkonto haben, haben sie Bargeld erhalten. Die Verteilung von Bargeld an die untersten sozialen Bevölkerungsgruppen hatte positive Auswirkungen. Die Empfänger konnten sich von ihren Verlusten leichter erholen und vor weiterer Diskriminierung bewahrt bleiben.

Um die positive Wirkung der humanitären Hilfe vor Ort zu steigern, wird das Nothilfeprojekt gemeinsam in enger Abstimmung mit den lokalen Behörden, mit lokalen NGOs, mit der Inter Agency Group of Bihar and Assam und den Gemeindeleitern und Interessenvertretern der marginalisierten und gefährdeten Gruppen durchgeführt. Insgesamt war das Projekt auf sechs Monate angelegt.

Tätigkeitsfelder:

                                 
Katastrophenhilfe                    Einkommen

Indien: 3.287.000 km² (ca. neun Mal die Fläche Deutschlands)
Einwohner: 1,3 Mrd. (Stand 2018)
In den letzten Jahren hat u. a. mit dem Klimawandel die Anzahl und Stärke der Überschwemmungen zugenommen.

[1] Quelle: Assam Disaster Management Authority

[2] Children and Community Initiative for Development (NGO)