Dürre, Wassermangel und nun auch noch Heuschrecken

Wenn Dürre und Wassermangel nicht genug wären, müssen sich die Bauern von Äthiopien nun auch gegen die Heuschreckenplage wehren. Wiedermal sind ihre Ernten und damit ihre Lebensgrundlage gefährdet. Alexandra Michel-Döbler, Programmkoordinatorin für Somalia und Kenia bei ADRA Deutschland, spricht im Interview über eine drohende Hungerkatastrophe in Ostafrika.

Das Interview haben wir Ende Februar geführt und im „Notruf-Magazin“ von Aktion Deutschland Hilft veröffentlicht. Das Interview führte Matthias Münz.

Frage: Äthiopien, Somalia und Kenia leiden aktuell unter dem zerstörerischen Befall der Wüstenheuschrecke. Ganze Ernten werden dadurch vernichtet. Können die Menschen die Verluste aus eigener Kraft auffangen?

Antwort: Es wird diesmal sehr schwer. Durch die Dürre und die Überflutungen in den letzten Jahren sind die Menschen in den ohnehin sehr trockenen Gebieten am Rande dessen, was sie ertragen können. Im April steht eigentlich die nächste Ernte an, doch die Heuschrecken vernichten jetzt schon die nächsten Erträge. Spätestens dann droht eine große Hungerkatastrophe in den Gebieten.

Frage: Der Heuschreckenschwarm, der über Ostafrika herfällt, hat die Größe des Saarlands. Gibt es dagegen überhaupt ein Mittel?

Antwort: Wir versuchen, ohne chemische Insektizide auszukommen, denn Insektizide dringen in die Erde ein und beschädigen den Boden. Auf diesem Boden wachsen dann wiederum Pflanzen, in deren Früchte Giftstoffe enthalten sind und die Menschen nehmen diese zu sich. Dazu kommt, bei der Ausbringung der Insektizide atmen die Menschen dieses Gift ja auch ein. Das hat gesundheitliche Auswirkungen auf lange Zeit.

Wir arbeiten in unseren Projekten intensiv daran, dass ökologische Landwirtschaft betrieben wird. Für die Gesundheit der Bauern und Konsumenten, aber auch für den Boden. Wie der Boden bewirtschaftet wird, hat natürlich Auswirkungen darauf, was auf dem Boden wächst. Die Gegend ist von einer fortschreitenden Desertifikation bedroht. Wir wollen den Boden rehabilitieren und die Verwendung von chemischen Insektiziden widerspricht dem.

Frage: Die nächste Ernste steht in Ostafrika schon fast vor der Tür, im April soll es soweit sein. Andererseits schlüpfen jetzt schon die Nachkommen der Wüstenheuschrecken. Glaubst du, die nächste Ernte ist nun auch schon bedroht?

Antwort: Ja. Und das sehen wir schon jetzt. Die Heuschrecken warten nicht, bis der Mais reif für die Ernte ist.

Und es wird noch schlimmer. Unter günstigen Bedingungen produziert eine weibliche Wüstenheuschrecke 16 bis 20 Nachkommen. Das Problem wird also noch potenziert.

Es ist eine Jahrhundertplage, unter der Kenia, Somalia, Äthiopien und weitere Länder leiden. Das heißt, es gibt keine Erfahrungswerte und wir können keinen Masterplan aus der Schublade ziehen und alles wird gut.

Liebe Alexandra, vielen Dank für das Interview