Kampf gegen Genitalverstümmelung in Westkenia

Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist leider immer noch ein Problem in Kenia, auch wenn die Praxis längst verboten ist. Die traditionelle Zeremonie symbolisiert den Übergang eines Mädchens zur Frau, Teil dieser Zeremonie ist die Beschneidung der Genitalien. Unter den Folgen von FGM leiden junge Mädchen ein Leben lang .  Inkontinenz, Schmerzen beim Urinlassen und beim Geschlechtsverkehr gehören dann zum Alltag. Die Frauen sind einem hohen Risiko für Entzündungen der Harnwege oder Nieren ausgesetzt und demensprechend auch im Alltag eingeschränkt. Besonders gravierende Schmerzen erleiden Frauen während der Entbindung, die oft mit schweren Blutungen einhergehen, wiederkehrenden Infektionen und drohenden Geburtsfisteln.

Um die Situation der Frauen und Mädchen zu verbessern, arbeitet ADRA mit einem ganzheitlichen gesellschaftlichen Ansatz gemeinsam mit gefährdeten Mädchen im beschneidungsreifen Alter, ihre Eltern und Verwandten – vor allem auch männliche Familienmitglieder – und andere relevante Interessengruppen aus den politischen und religiösen Bereichen in Westkenia.

Durch gezielte Sensibilisierung und den Einbezug von Familien in den Kommunen, lokalen Repräsentanten und Amtsträger*innen und der Einführung von alternativen Ritualen, die den Übergang vom Mädchensein zum Frausein schmerzfrei und ohne Verstümmelungen erlauben, wird eine gesundheitsschädigende Tradition langsam verändert. Durch die Arbeit mit allen Personengruppen einer Gemeinschaft wird ein gemeinsamer Konsens geschaffen, auf die Verstümmelung von Mädchen und jungen Frauen zu verzichten. Zudem werden vor Verstümmelung geflüchtete Mädchen durch eine Schulgeldpatenschaft unterstützt, um sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

„Aktion Kinder helfen Kindern!“ findet auch dieses Jahr statt!

Auch bei ADRA sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie spürbar. Nun sind wir froh, sagen zu können, dass die beliebte „Aktion Kinder helfen Kindern“ auch im Herbst 2020 wieder starten wird.
Einige Veränderungen sind dabei aber notwendig. Neu ist vor allem, dass in diesem Jahr Pakete für Kinder in Deutschland sowie im Ausland gepackt werden. Ins Ausland können ausnahmsweise keine Bananenkartons (große Sachspenden) geschickt werden. Genauere Informationen zum Ablauf der diesjährigen Aktion werden hier in Kürze veröffentlicht und über die bestehenden Aktionsgruppen verbreitet.

Schon jetzt möchten wir uns für Ihre/ eure Geduld bedanken und sind optimistisch, gemeinsam ein weiteres erfolgreiches Kinder-helfen-Kindern-Jahr hinter uns zu bringen. Wie jedes Jahr sind wir dabei auf Ihre/ eure Hilfe angewiesen und wissen sehr zu schätzen, dass wir auf so viele helfende Hände zählen können!

Ganz liebe Grüße,

das Kinder-helfen-Kindern-Team

Kinder helfen Kinder

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Menschen retten und Schulen wiederaufbauen

„Hurrikan Dorian ist der schlimmste und größte Sturm, den die Bahamas je erlebt haben. Dorian verursachte vor allem auf den Inseln Abaco und Grand Bahama Verwüstungen, was dazu führte, dass Kommunikation und Strom auf beiden Inseln unterbrochen wurden“ – Leonardo Rahming, Generalsekretär der Südbahamas-Konferenz und ehrenamtlicher Helfer bei ADRA.

Anfang September 2019 wurden die Bahamas durch den Hurrikan „Dorian“ verwüstet. Der Wirbelsturm blies heftig mit über 250 Stundenkilometer, hing jedoch lange über den Inseln fest. Dadurch konnten die zerstörerischen Kräfte des Hurrikans besonders heftig wüten. Hurrikan Dorian, war mit der Kategorie 5 der zweitstärkste jemals registrierte Atlantiksturm und der stärkste jemals auf den Bahamas aufgetretene Sturm. Er traf am 1. September auf die nordbahamaischen Insel Abaco und tags darauf auf die Grand Bahama Island. Die langsame Bewegung des Sturms führte zu weitreichenden Verwüstungen auf diesen beiden Inseln. Die Zahl der Todesopfer beträgt 70, die Zahl der Vermissten beträgt noch immer über 200 Menschen. In der Folge des Hurrikans waren rund 70.000 Menschen unmittelbar auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es fehlte auf den Inseln an Nahrung, sauberem Wasser und Unterkünften.

ADRA schickte Notfallteam

Eine große Stärke des ADRA Netzwerks ist es, dass es Expertinnen und Experten auf der ganzen Welt gibt, die im Ernstfall unverzüglich handeln können. So auch auf den Bahamas. Das internationale ADRA-Notfallteam wurde umgehend mobilisiert, um in die betroffenen Gebiete vorzudringen.

Ein Vorabteam sondierte die Lage und sprach mit den Betroffenen, um zu erfahren, was genau benötigt wurde. Die Menschen brauchten am dringendsten Nahrungsmittel und Schutzmaterial. Also organisierte und verteilte ADRA Wasser und Nahrung (Soja, Reis u.a.) an die Menschen. Zu den Schutzmaterialien gehörten Decken, Plastikplanen und Behälter für Wasser.

Ein besonderes Augenmerk legt ADRA auf die Kinder und Heranwachsende. Knapp 7.000 Schülerinnen und Schüler konnten nicht in die Schule gehen, weil die Gebäude zerstört oder Lernmaterial unbrauchbar war. Die Kinder wurden umgehend mit Schulmaterial versorgt. Darüber hinaus kümmerte sich ADRA um die Schulen, damit schnell wieder unterrichtet werden konnte.

Nach der Erstversorgung

Familien, in den an den stärksten betroffenen Gemeinden, wurden mit Lebensmittelpaketen und falls nötig auch mit Matratzen versorgt.

Damit Kinder wieder zur Schule gehen konnten hat ADRA
– 5.142 Rucksäcke und Schulmaterial
– 3.000 Tische und Stühle und
– die Wasserversorgung für 8 Schulen
organisiert und verteilt.

Mit unseren Maßnahmen haben wir zunächst das Überleben der Menschen sichergestellt. Mit Blick auf die Kinder haben wir alles unternommen, damit sie schnellstmöglich wieder zur Schule gehen können. Das hätten wir nicht ohne die Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender erreicht. Ein ganz besonderer Dank geht an die STERN-Stiftung, die unsere Arbeit mit
10.000 Euro unterstütze.

Nachhaltigkeitskonferenz

Die Nachhaltigkeitskonferenz von ADRA Deutschland findet am letzten Wochenende im August statt. Wir halten Euch über Neuigkeiten gerne auf dem Laufenden.

Unterstützen auch Sie die Arbeit von ADRA durch Ihre Spende unter dem Spendenstichwort „Klima“ >> zum Spendenformular

Naw Eh Khu Paw träumt von einem eigenen Restaurant

ADRA unterstützt Geflüchtete aus Myanmar in einem thailändischen Flüchtlingslager. Sie erhalten eine Berufsausbildung, mit der sie sich selbstständig machen oder eine Arbeit finden können. Eine von ihnen ist die alleinerziehende Mutter Naw Eh Khu Paw.

Naw Eh in der Küche ihre Restaurants

Die zweifache Mutter Naw Eh stammt aus der Region Bago (Myanmar) und lebt im Flüchtlingslager Umphien (Thailand). Dorthin ist sie geflohen, nachdem ihr Vater im Bürgerkrieg in Myanmar getötet wurde und ihre Mutter an einem Herzleiden verstarb. Auch ihre Ehe ging in die Brüche, so dass sich Naw Eh nun allein um die beiden Kinder kümmert. 

Naw Eh ist eine ungelernte Arbeiterin und hielt sich und ihre Familie über Wasser, indem sie Lebensmittel und Snacks auf der Straße verkaufte. Diese Arbeit machte sie krank und sie konnte damit nicht weitermachen, wusste nicht, wie sie ihre Kinder künftig ernähren und in die Schule schicken soll. 

In dem Flüchtlingslager, in dem Nah Eh mit ihren beiden Kindern lebt, wird ein Ausbildungsprogramm angeboten, finanziert aus Spenden und mit der Unterstützung der Europäischen Union. Naw Eh hat sich dafür beworben und wurde angenommen. Sie möchte Köchin werden. 

Während der Ausbildung lernt Naw Eh die wirtschaftlichen Grundlagen, für KleinunternehmerInnen, aber auch Kochen, Backen und Lebensmittelkunde. Noch während der Ausbildung eröffnet die fleißige Mutter ein erfolgreiches kleines Restaurant. Im Lager übernimmt sie das Catering für Schulungen, Meetings und Feierlichkeiten.

Alles lief gut, doch dann kam die Corona-Krise auch im Lager Umphien an. 

Das Lager wurde abgeriegelt, es kamen keine Aufträge mehr rein, genauso wie niemand mehr in das Lager hinein oder heraus kam. Naw Eh musste ihr Geschäft schließen und konnte erst vor Kurzem wieder öffnen. Sie verdient immer noch weniger als zuvor. Doch ist sie in der glücklichen Situation wenigstens etwas Geld zu verdienen. Vielen Bewohner des Lagers geht es nicht so gut.

Dank der Ausbildung, die Naw Eh absolvierte, verdient sie jeden Monat genug Geld, um etwas für Anschaffungen zu sparen und ihre Kinder in die Schule zu schicken. Sie träumt davon irgendwann ihr eigenes Restaurant mit Angestellten zu eröffnen. Irgendwann, außerhalb des Flüchtlingslagers.

Werde Teil der Unterstützung.
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Am 20. Juni ist Weltflüchtlingstag

Die Zahl der Menschen, die vor Gewalt, Krieg, Verfolgung oder Klimawandel fliehen, wächst Jahr für Jahr. Die Entscheidung das eigene Zuhause zu verlassen, ist oft keine freiwillige und keine leichte. Vor diesem Hintergrund erklärte die UN-Vollversammlung im Dezember 2000 den 20. Juni zum weltweiten Gedenktag für Geflüchtete.

Die Geschichte der Menschheit ist von Ein- und Auswanderungen geprägt. Jedes Jahr verlassen Millionen von Menschen ihre Heimat, weil ihre Existenz bedroht ist. Sie möchten Verfolgung, Krieg, Gewalt oder Naturkatastrophen entkommen. Im Jahr 2018 begaben sich 70,8 Millionen Menschen auf die Flucht.[1] So viele wie noch nie. Jeder zweite Geflüchtete ist minderjährig. Den Daten des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR)[2] zufolge verlassen mehr als 35.000 Personen jeden Tag ihr Heim. Im Schnitt werden jede Minute 25 Menschen auf der Welt zur Flucht gezwungen. Viele von ihnen erleben auf dem Weg zu einem sicheren Ort tragische Schicksale. Auf Initiative des UNHCR wurde deshalb der 20 Juni ausgewählt, um auf die Not und Bedürfnisse der Flüchtlinge aufmerksam zu machen. Als Akt der Solidarität finden an diesem Tag in vielen Ländern weltweit Veranstaltungen zu diesem Thema statt.

Die wenigsten Geflüchteten kommen nach Europa

Das Thema „Flüchtlinge“ ist in westlichen Gesellschaften sehr umstritten. Die Bilder von überfüllten Ruderbooten im Mittelmeer auf dem Weg nach Europa sind sehr präsent in unseren Köpfen. In Wirklichkeit sucht nur eine Minderheit der Geflüchteten Schutz in Europa. 91 Prozent aller Flüchtlinge fliehen nicht in die Europäische Union, sondern suchen einen Zufluchtsort im eigenen Land oder in einem direkten Nachbarland. Etwa 80 Prozent von ihnen finden Schutz in Entwicklungsländern. Der Libanon, Jordanien, die Türkei, Uganda und der Tschad sind die Länder, die am meisten Geflüchtete, im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße, aufgenommen haben.[3]

Das Ankommen an einem sicheren Ort ist nicht mit einer goldenen Zukunft gleichzusetzen. Die geflüchteten Menschen müssen zwar nicht mehr unmittelbar um ihr Leben fürchten, ein Haus und eine Arbeitsstelle haben sie trotzdem nicht. Ihren Alltag verbringen sie meistens in einem Flüchtlingslager, wo sie dem Hunger, Krankheiten oder gar Diskriminierung ausgesetzt sind. Insbesondere in Zeiten von Pandemien, wie die des COVID 19, sind Menschen in den Lagern besonders stark gefährdet. Ohne Hilfe ist deshalb der Beginn eines neuen Lebens schwer.

Fluchtursachen vor Ort bekämpfen

ADRA Deutschland leistet weltweit Unterstützung für Menschen in Not.  Flüchtlingshilfe liegt uns dabei sehr am Herzen. Wir möchten den Menschen helfen, neue Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen. Wenn Menschen wieder für sich und ihre Familie sorgen können, sinkt das Leid in der Welt. Mit unserer Entwicklungszusammenarbeit bekämpfen wir die Fluchtursachen in den Herkunftsländern. Mit unserer Not- und humanitären Hilfe stehen wir den Menschen auf der Flucht und am Zufluchtsort zur Seite.

Schutz bieten und Perspektiven schaffen

In Thailand unterstützen wir Flüchtlinge aus Myanmar mit beruflichen Schulungen. Die Geflüchteten sind vor vielen Jahren den Kämpfen in ihrem Herkunftsland entflohen und haben Zuflucht im Nachbarland gefunden. Nun dürfen sie das Flüchtlingslager nicht verlassen. Mit den Bildungsangeboten möchte ADRA den Menschen helfen, sich wieder ein selbständiges Leben aufzubauen. In Deutschland engagierte sich ADRA seit 2015 im Rahmen des Bündnisses Gemeinsam für Flüchtlinge an der Seite von Geflüchteten, um ihnen den Einstieg in die neue Gesellschaft zu erleichtern. Im Mittelmeer arbeiten wir mit der NGO SOS Méditerranée zusammen. Die Rettung Schiffbrüchiger ist ein humanitäres Gebot, das sich aus unserem Selbstbild ergibt. Deshalb unterstützen wir SOS Méditerranée bei ihrem Einsatz zur Rettung von Menschen aus Seenot. Schließlich hat – nach dem Wortlaut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte vom 10.12.1948 – jeder das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der eigenen Person verdient.

ADRA Deutschland e.V. leistet weltweit Unterstützung für Menschen in Not – darunter auch in Deutschland. Unsere Erfolge, über die wir regelmäßig berichten, sind auch die Erfolge von Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender. Bei ADRA wird das Stichwort GEMEINSAM großgeschrieben. Warum? Nur zusammen können wir großartige Ergebnisse erzielen. Dank Ihnen können wir gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten.

Zuflucht in Thailand für Geflüchtete aus Myanmar

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[1] Die genaue Zahl für das Jahr 2019 liegen noch nicht vor (Quelle: UNCHR).

[2] Der UNHCR ist mit dem Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen beauftragt und auch im Bereich der
humanitären Hilfe tätig.

[3] Quelle UNHCR

„Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt“

Interview mit Liane Gruber über das Projekt „Gemeinsam für Flüchtlinge“

Im November 2015 gründete sich ein Bündnis aus Advent-Wohlfahrtswerk e. V., Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, Theologische Hochschule Friedensau und ADRA Deutschland e. V. Gemeinsam wurden Aktivitäten wie Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung sowie verschiedene Begegnungs und Gemeinschaftsaktivitäten für nach Deutschland Geflüchtete ermöglicht.

Liebe Liane, schön, dass du die Zeit für dieses Interview gefunden hast. Du hast für ADRA die Projekte von „Gemeinsam für Flüchtlinge“ betreut. Erzähl mal, was sind das für Projekte?
Bei der gemeinsamen Initiative ging es um Unterstützung, Begleitung und Integration von Geflüchteten in Deutschland. Wir wollten ihnen das Ankommen erleichtern und ihre Situation verbessern.

Welche Erfahrungen hast du persönlich mit dem Projekt gemacht?
Ich habe fast drei Jahre mit den Ehrenamtlichen zusammengearbeitet, die die Geflüchteten betreuen. Mit manchen mehr, mit anderen weniger. Die Berichte, die ich lesen durfte, zeigen immer das gleiche Bild. Die Freiwilligen geben ihr Engagement mit ganzer Kraft und darüber hinaus. Zu sehen, was die Menschen durchmachen müssen, hier in unserem Land, von dem sie sich so viel erhofft hatten, ließ die Ehrenamtlichen nicht aufhören aktiv zu bleiben. Jeder kleine Erfolg trug sie weiter und wir haben
gemeinsam gelacht, aber auch geweint. Die Arbeit der Ehrenamtlichen war unbeschreiblich und für viele Geflüchtete wurden die Gruppen zur zweiten Familie, manchmal sogar zu Rettern in Lebensgefahr.

Die Initiativen sind allesamt durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gestemmt worden. Was war die Motivation der Ehrenamtlichen? Wie haben sie geholfen?
Immer wieder habe ich gehört, dass sie einfach helfen „mussten“. Christliche Nächstenliebe, wie sie in Matthäus 25, 40 durch Jesu Worte beschrieben wird, hat die Herzen bewegt. ,,Was immer ihr für einen meiner Brüder (Schwester) getan habt … das habt ihr für mich getan.“ Die Helfer haben für sich erkannt, dass gehandelt werden muss. Oft nach dem Motto: Wenn nicht wir, wer denn dann. Die Projektideen waren jeweils unterschiedlich. Es wurden Deutschkurse organisiert und Kennenlerntreffen.
Kinder wurden betreut und Freizeitangebote gemacht. Geflüchtete wurden auf ihren Behördengängen durch unsere Ehrenamtlichen begleitet. Individuelle Probleme der jeweiligen Flüchtlingsfamilien konnten besser gelöst werden. 2019 ging es verstärkt um Wohnungssuche und Arbeitsplätze. Dabei wurden besondere Angebote für Frauen entwickelt.

Welche besonderen Bedürfnisse hatten die Geflüchteten? In welchen Bereichen brauchten sie Unterstützung?
Nach langer Zeit der Durchreise, endlosen Befragungen, behördlichen Formalitäten und Ablehnung in ganz unterschiedlichen Situationen, suchten die Menschen Wärme und Geborgenheit. Einen Ort, an dem Menschen sich freuten, wenn sie kamen. Wo sie willkommen waren und herzlich begrüßt wurden. Für viele Geflüchtete waren diese Treffen immer wieder ein Höhepunkt ihres Alltags. Ich selbst durfte diese Erfahrung machen. Ein junger Familienvater sagte zu mir: ,,Das erste Mal wurde ich aus dem Meer gerettet, aber dann war ich verloren. Ihr habt mich das zweite Mal gerettet. Und dafür danke ich euch für den Rest
meines Lebens!“

Im Idealfall lernen beide Seiten voneinander. Was glaubst du haben die „Einheimischen“ und „Heimatvertriebenen“ voneinander gelernt?
Die „Einheimischen“ haben gelernt, dass es nicht auf Kommando möglich ist, von einer Kultur in die andere zu wechseln. Nur weil die Menschen jetzt auf deutschem Boden wohnen, kennen sie nicht automatisch auch alle kulturellen Eigenheiten unseres Landes. Aber umgekehrt ist es genauso zutreffend. Nur weil wir einen Kuchen backen und mit den „Heimatvertriebenen“ ein paar schöne Stunden verbringen, kennen wir nicht die Gebräuche der verschiedenen Herkunftsländer. Es ist ein großer Unterschied, ob man einen Menschen als Tourist auf einer Reise kennenlernt, oder ob die Person in einem Gemeinderaum
völlig verloren vor einem steht und auf Hilfe angewiesen ist.

Deine Arbeit mit den Gruppen ist nun beendet. Wer ist denn für die noch bestehenden Gruppen der Ansprechpartner? An wen können sich Interessierte wenden, die aktiv werden oder bleiben wollen? Bedarf besteht ja nach wie vor.
Die bestehenden „Gemeinsam für Flüchtlinge“-Gruppen werden von den Beauftragten für politisch Verfolgte und Kriegsflüchtlinge ihrer Freikirche in den jeweiligen Vereinigungen weiter betreut. Sie sind auch die richtigen Ansprechpersonen für Interessierte, die noch nicht aktiv in der Flüchtlingsarbeit tätig wurden. Bundesweit ist Michael Götz vom Advent-Wohlfahrtswerk (AWW) eine gute Anlaufstelle. Er war der Leiter der Steuerungsgruppe „Gemeinsam für Flüchtlinge“ und bleibt der Beauftragte der Freikirche und des AWW für Flüchtlings- und Integrationshilfe.

Es war mir eine Freude und eine Ehre, den Helfern zur Seite zu stehen und ich wünsche ihnen weiterhin viel Kraft und Gottes Segen in ihrer Arbeit mit den wunderbaren Menschen, die zu uns nach Deutschland gekommen sind.