Mangelnder Schutz von Helfern erschwert Arbeit von Hilfsorganisationen

©Timur Oczko/Auswärtiges Amt
Die Teilnehmer der Kuratoriumssitzung, darunter Außenminister Heiko Maas (Details siehe unten*).

— Pressemitteilung des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“, dem ADRA Deutschland e.V. angehört —

Auf der Kuratoriumssitzung von „Aktion Deutschland Hilft“ in Berlin mit dem Kuratoriumsvorsitzenden Außenminister Heiko Maas berieten sich die Teilnehmenden über aktuelle Herausforderungen der humanitären Hilfe im Zusammenspiel der Akteure. Besonderer Fokus der Gespräche: Sicherheit humanitärer Helfer, die Einschränkung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume, Lokalisierung von Hilfe und künftige Formen von Hilfe.

Außenminister Maas sagte: „Deutsche Nichtregierungsorganisationen leisten jeden Tag Hilfe, die Leben rettet. Dass humanitäre Helferinnen und Helfer dabei immer häufiger selbst zur Zielscheibe von Angriffen werden, können wir nicht hinnehmen. Deshalb wird der Schutz humanitärer Helfer und humanitärer Zugänge ein zentrales Anliegen unserer Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat sein.“ Er würdigte das humanitäre Engagement vieler Helfer und sagte, ihre Aufgabe könne nicht die Konfliktlösung in Krisengebieten sein. Hier müsse die Politik greifen und in den Dialog mit internationalen Autoritäten treten. Nur durch den Schutz humanitärer Helfer könne Hilfe auch ankommen.

179 Angriffe wurden allein von  Januar bis August 2018 verzeichnet. Handlungsspielräume von Hilfsorganisationen werden zunehmend eingeschränkt. Neben Gewalt behindern Drohungen und Diffamierungen die Arbeit der Helfer.

Künftiges Augenmerk liegt auf Stärkung lokaler Partner

Akute Krisen wie kürzlich der Taifun auf den Philippinen, aber auch  langwierige Krisenherde wie Jemen oder der Hunger in Afrika zeigen, wie wichtig es ist, Räume für Hilfe zu schaffen. „Unser Augenmerk liegt künftig insbesondere darauf, Partner vor Ort zu stärken“, erklärt Bernd Pastors, Vorstandsvorsitzender von „Aktion Deutschland Hilft“. „Wir möchten im Vorfeld von Katastrophen unterstützen, die Strukturen im Einsatz zu stabilisieren, damit Staaten und Bevölkerung gut vorbereitet sind.“ Gerade die aktuelle Katastrophe in Indonesien habe gezeigt, dass Länder zunehmend autark agieren, was der Aufgabe eines souveränen Staates entspräche.

Abschied langjähriger Kuratoren

Im Rahmen der Sitzung verabschiedete „Aktion Deutschland Hilft“ zwei Kuratoren: Volker Beck und Christoph Strässer. Beide ehemaligen Bundestagsabgeordneten bildeten seit den Anfängen des Kuratoriums mit vielfältigem Engagement einen festen Bestandteil des Bündnisses. Im Namen von „Aktion Deutschland Hilft“ sprach Ingo Radtke, Vorsitzender des Aufsichtsrats,  den langjährigen Kuratoren einen Dank aus.

 

*Die Teilnehmer der Kuratoriumssitzung (v.l.n.r): Christian Molke (Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Aktion Deutschland Hilft/Geschäftsführender Vorstand ADRA Deutschland), Michael Brand (MdB, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums von Aktion Deutschland Hilft), Bernd Pastors (Vorstandsvorsitzender Aktion Deutschland Hilft/Vorstandssprecher action medeor), Heiko Maas (Bundesminister des Auswärtigen, Vorsitzender des Kuratoriums von Aktion Deutschland Hilft), Rudi Frick (Vorstand Aktion Deutschland Hilft/Vorsitzender AWO International), Manuela Roßbach (Geschäftsführender Vorstand Aktion Deutschland Hilft) und Ingo Radtke (Aufsichtsratsvorsitzender Aktion Deutschland Hilft/Generalsekretär Malteser International). Foto: Timur Oczko/Auswärtiges Amt

>> Link zur Original-Pressemitteilung von Aktion Deutschland Hilft.

Einschränkung zivilgesellschaftlichen Handelns

Weltweit sind Hilfsorganisationen in ihrem Handeln immer weiter eingeschränkt. Der Verband für Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) weist anlässlich des Internationalen Tages der Demokratie auf diesen Missstand hin. Auch ADRA unterstützt als Mitgliedsorganisation von VENRO das Positionspapier, das in nachfolgender Pressemitteilung vorgestellt wird.

Berlin, 13. September 2017 – Zivilgesellschaftliche Organisationen sehen sich weltweit zunehmendem Druck und zunehmender Repression ausgesetzt. Darauf weist der Verband für Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO) hin. Im Vorfeld des Internationalen Tages der Demokratie (15. September) hat VENRO das Positionspapier „Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft“ veröffentlicht, das den Blick auf den zunehmend engeren Handlungsspielraum zivilgesellschaftlicher Akteure lenkt – auf den Trend von sogenanntem „Shrinking Space“.

„Gerade Partnerorganisationen, die sich für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Umweltschutz und die bessere Beteiligung von Minderheiten einsetzen, geraten weltweit in immer mehr Ländern unter Druck und werden in ihrer Arbeit stark behindert. Dabei sind es gerade diese Teile der Zivilgesellschaft, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stärken“, kommentiert Heike Spielmans, Geschäftsführerin von VENRO.

„Die Bundesregierung muss sich wirkungsvoll bei Regierungsverhandlungen für zivilgesellschaftliche Rechte weltweit einsetzen. Das heißt vor allem auch, dass die außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung nicht dazu beitragen dürfen, dass in anderen Ländern Menschenrechte missachtet und gesellschaftliche Freiheiten beschränkt werden“, fordert Christine Meissler, VENRO-Expertin für Shrinking Space. „Darum müssen auch die längst überfälligen gesetzlichen Vorgaben geschaffen werden, damit deutsche Unternehmen ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflichten weltweit wahrnehmen müssen.“

In dem Positionspapier problematisiert VENRO Diffamierungen und Gewaltaufrufe durch staatliche Stellen und populistische Parteien ebenso wie den Missbrauch von Antiterror-, Sicherheits- und Mediengesetzen, um kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. VENRO-Mitgliedsorganisationen erleben täglich, wie ihre Partnerorganisationen gegängelt und unterdrückt werden. Die Repressionen reichen von Verboten finanzieller Unterstützung aus dem Ausland und behördlichen Schikanen bis hin zu Entführung und Mord. VENRO fordert von der Bundesregierung, sich für die Rechte und den Handlungsspielraum der Zivilgesellschaften weltweit einzusetzen.

VENRO fordert von der Bundesregierung unter anderem

  • Politikfelder wie Handel, Außenwirtschaftsförderung, Entwicklung, Migration oder Sicherheit so zu gestalten, dass Menschenrechte und gesellschaftliche Freiheit davon nicht beeinträchtigt werden,
  • Regierungsverhandlungen und Regierungskonsultationen zu nutzen, um wirkungsvoll gegen die Einschränkung der Handlungsräume von Menschenrechtsverteidiger_innen und zivilgesellschaftlichen Organisationen einzutreten,
  • sich dafür einzusetzen, dass Maßnahmen der Terrorismusbekämpfung weltweit und in Deutschland unter strikter Einhaltung der Menschrechte und der Prinzipien der Humanitären Hilfe erfolgen.

>> Das VENRO-Positionspapier „Demokratie braucht eine starke Zivilgesellschaft“ kann hier eingesehen werden.

Die Pressemitteilung von VENRO findet sich unter http://venro.org/presse.

Die Aktion wird aktiv unterstützt von  action medeor, ADRA Deutschland, agl Eine Welt-Landesnetzwerke in Deutschland, Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt (ASW), arche noVa, AWO International, Brot für die Welt, CARE Deutschland-Luxemburg, DGB Bildungswerk, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Eine Welt Netz NRW, HelpAge Deutschland, INKOTA, Johanniter-Auslandshilfe, Kindernothilfe, Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), , medica mondiale, Netz Bangladesh, MISEREOR, Oxfam Deutschland , Plan International Deutschland, Save the Children, Stiftung Nord-Süd-Brücken,  Weltgebetstag der Frauen, Deutsche Welthungerhilfe, World Vision Deutschland

 

ADRA erhält Town & Country Stiftungspreis

Mit einem Sommercamp unterstützt ADRA Kinder aus Roma-Familien in Albanien. Es beinhaltet ein abwechslungsreiches Programm, bei dem Schulstoff wiederholt und an den Schwachstellen der Schüler gearbeitet wird. Zudem finden zahlreiche soziale und sportliche Aktivitäten statt. Für dieses Engagement wurde der Verein nun mit 1.000 Euro durch die Town & Country Stiftung gefördert.

Der ADRA Deutschland e.V. wurde 1986 gegründet und steht für Adventist Development and Relief Agency. Der Verein leistet Entwicklungs- und Katastrophenhilfe auf der ganzen Welt. Mit der Spende soll ein Sommer-camp für Roma-Kinder in Albanien unterstützt werden. Die Kinder erhalten ein abwechslungsreiches Programm, bei dem sie Schulstoff wiederholen und an ihren Schwachstellen arbeiten können. Zudem finden zahlreiche soziale und sportliche Aktivitäten statt. Ziel ist es, die Kinder weiterhin zu ermutigen, in die Schule zu gehen. Die Zahl der Schulabbrüche bei albanischen Roma-Kindern ist sehr hoch.

Michaela Sierra Lois, Botschafterin der Town & Country Stiftung, übergab den symbolischen Spendenscheck und sagte über das Projekt: „Durch das Sommercamp werden das Selbstbewusstsein und verschiedene Kompetenzen der Kinder gestärkt. Das ist ein wichtiger Grundstein, um sich in eine Gesellschaft integrieren zu können.“

Die Town & Country Stiftung vergibt 2018 zum sechsten Mal in Folge den Town & Country Stiftungspreis. Ein wesentliches Anliegen der Stiftung und der Botschafter ist die Unterstützung und Förderung von benachteiligten Kindern und Jugendlichen. Das soziale Engagement aller Mitarbeiter und Ehrenamtlichen von ADRA Deutschland e.V. verhelfen den Betroffenen zu mehr Chancengleichheit.

Der 6. Stiftungspreis beinhaltet Spenden in einer Gesamthöhe von fast 600.000 Euro. Es werden 500 Einrichtungen, die die Auswahlkriterien erfüllen, mit jeweils 1.000 Euro gefördert. Aus allen nominierten Projekten wählt eine unabhängige Jury das herausragendste Projekt pro Bundesland, welches mit einem zusätzlichen Förderbetrag von 5.000 Euro prämiert wird. Die Auszeichnung findet im Herbst 2018 anlässlich der Town & Country Stiftungsgala statt.

Afrika im Fokus – Nachhaltigkeit für alle

Mädchen im Schul- und Rettungszentrum Kajiado, Kenia.

Afrika gibt es nur im Plural, denn der zweitgrößte Kontinent ist voller Gegensätze und Vielfalt. ADRA setzt hier einen Schwerpunkt der Arbeit und wirkt im Sinne des sechsten der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Welt im Bereich Wasser und Sanitär. Wie das gelingt, zeigen zwei Beispiele aus dem kenianischen Kajiado sowie aus der Ostprovinz Sambias.

„Niemand soll zurückgelassen werden!“ Dieses Versprechen prägt die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (SDGs), die sich die UN-Mitgliedstaaten bis zum Jahr 2030 gesetzt haben. Das sechste der 17 Ziele ist zugleich Tätigkeitsfeld von ADRA und strebt an, sicheres Trinkwasser für jeden Menschen gleichermaßen zugänglich zu machen sowie angemessene Sanitärversorgung und Hygieneverhältnisse zur Verfügung zu stellen.

Eine eigene Wasserversorgung für das Schul- und Rettungszentrum in Kenia

Das von ADRA unterstützte Schul- und Rettungszentrum im kenianischen Kajiado bietet Mädchen der Massai Schutz vor Zwangsheirat und Genitalverstümmelung. Schon mehrere Jahre in Folge ist diese Region stark von Dürreperioden betroffen. Nun wurde durch ADRA ein eigener Brunnen für das Schulzentrum gebaut. Denn der alte Brunnen war überlastet und die Mädchen waren von der Versorgung mittels mobiler Wassertankwagen abhängig. „Eine kostspielige Angelegenheit, welche nicht nachhaltig ist und zur Bewässerung von Nutzpflanzen nicht ausreichte“, berichtet Gabriele Hansch, Abteilungsleiterin Programme Afrika. Der Verbrauch musste zuvor notgedrungen sehr eingeschränkt werden – nun stehe ausreichend Wasser für die persönliche Hygiene, zum Wäschewaschen, für die Schulküche und zum Bewässern der Nutzpflanzen zur Verfügung. „Das soll auch in Kajiado eine Selbstverständlichkeit werden, denn jeder Mensch hat ein Recht auf sauberes Wasser“, so Gabriele Hansch weiter.

Sauberes Trinkwasser gegen die Ausbreitung der Cholera in Sambia

Zwei Mädchen in Sambia.

Sauberes Trinkwasser ist auch in Sambia lebenswichtig, und das in mehr als nur einer Hinsicht – denn es legt die Basis für eine Vermeidung von weiteren Cholera-Ansteckungen. Die bakterielle Infektionskrankheit breitet sich schnell über verunreinigtes Wasser aus. Seit deren Beginn im Oktober 2017 sind laut WHO bis Ende Januar 3.635 Menschen in Sambia an Cholera erkrankt und 78 Personen gestorben.  Das ADRA-Büro in Sambia arbeitet eng mit lokalen Koordinierungsstellen zusammen und unterstützt das sambische Ministerium für Gesundheit und Sanitärversorgung. Diese Zusammenarbeit ermöglicht wirkungsvollere Maßnahmen gegen die derzeitige Epidemie. Viele öffentliche Gebäude und Schulen in der Ostprovinz Sambias bleiben wegen unhygienischer Bedingungen der Sanitäranlagen geschlossen. Besonders Mädchen bleiben deshalb der Schule fern, da sie sich während ihrer Menstruation nicht ausreichend versorgen können.

Die lokalen Mitarbeiter von ADRA verschaffen den Menschen mit Brunnenbohrungen Zugang zu sauberem Trinkwasser und installieren zusätzlich Handwaschanlagen. 2.244 Kinder und Jugendliche erhalten Sanitäreinrichtungen an ihren Schulen.

>> ADRA setzt sich in Afrika für das Recht auf Wasser und eine angemessene sanitäre Versorgung ein. Mit Ihrer Spende können Sie ADRA dabei unterstützen! > Zum Online-Spendenformular.

(Über)Leben im Krieg

Zerstörung und Bedrohung beschreiben nur einen Bruchteil der Umstände, in denen Frauen, Männer und Kinder ihren Alltag in Konflikt- oder Kriegsregionen bewältigen müssen. Sie führen ein Leben in Gefahr für Seele und Körper, ohne selbstbestimmte Normalität und mit ungewissem Ausgang. Mitarbeiter von ADRA im Jemen sowie Nothilfekoordinator Nikolaus Kirchler berichten aus zwei Konfliktregionen.

Das Leben in Konflikt- oder Kriegsregionen ist für die Menschen vor Ort eine Herausforderung. Die Versorgung mit Lebensnotwendigem ist eingeschränkt oder eingestellt. Ebenso die medizinische Versorgung.

So auch im Jemen: In dem vorderasiatischen Land auf der arabischen Halbinsel herrscht seit Jahren Bürgerkrieg. ADRA setzt sich dort mit einem Krankenhaus und medizinischen Einsatzteams vor allem für eine medizinische Grundversorgung ein, die der breiten Bevölkerung sonst kaum zur Verfügung steht.

Die ADRA-Mitarbeiter Maysa Mansour Al-Aqil und Mohammed Hussein Ba Hashman arbeiten nicht nur vor Ort, sondern sind auch selbst Betroffene des Bürgerkriegs: „Die größten Hindernisse bei unserer täglichen Arbeit sind vor allem, nicht zu wissen, ob die Familie vielleicht von einem Luftangriff getroffen wurde. Nicht zu wissen, ob man nach Hause kommt und ob es noch Wasser und Strom gibt. Die lebensnotwendige Infrastruktur ist jeden Tag gefährdet“, beschreibt Maysa Mansour Al-Aqil die Situation. „Benzin beispielsweise: Wir wissen nie, ob Tankstellen geschlossen wurden. Wenn wir kein Benzin mehr bekommen, können wir unsere Arbeit nicht machen. Es ist nicht leicht, seinen Job zu machen, wenn man immer diese Bedrohung im Hinterkopf hat.“

Nothilfekoordinator Nikolaus Kirchler war für drei Monate im Nordirak, um dort in einem Flüchtlingscamp ein Krankenhaus aufzubauen. In dem Camp wurden Flüchtlinge aufgenommen, die damals vor den Kampfhandlungen in Mossil geflohen waren. „In solchen Camps haben die Menschen erstmal ein Versorgungssystem für Grundbedürfnisse, das heißt, man kann sich sicher sein, dass jemand Wasser und Nahrung zur Verfügung stellt.“, erläutert Nikolaus Kirchler. In Camps aber, in denen die Geflüchteten für absehbar längere Zeit untergebracht waren, bildeten sich sogar eigene Strukturen heraus: „Das waren zum Teil kleine Dörfer und Städte mit Einkaufsstraßen, Bäckereien und Gemüseläden. Teilweise wird das auch von Hilfsorganisationen unterstützt, so dass sich semi-permanente Strukturen bilden können – damit die Menschen zum Beispiel nicht mehr in Zelten leben müssen, sondern Unterstützung beim Bau von kleinen Steinhäuschen bekommen.“ Nach so einer Ausnahmesituation zu einem neuen Alltag nach Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen zu kommen, sei dennoch nicht so einfach: „Üblicherweise verlässt ja die ganze Familie die Sicherheit des Camps und muss zurück in der Heimat erst einmal wieder fast alles aufbauen. Es gibt die Möglichkeit, dass die Familienväter und die Söhne in die Städte gehen, um die Rückkehr vorzubereiten – damit die ganze Familie, wenn sie wieder auf eigenen Beinen steht, als Ganzes wieder zurückkehren kann“, berichtet er.

>> Um die Lebenssituation von durch Krieg und Konflikte Betroffenen weltweit verbessern zu können, benötigt ADRA Ihre Unterstützung: > Zum Online-Spendenformular

ADRA mit Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrates e.V. ausgezeichnet

ADRA Deutschland e.V. erhält neben 15 weiteren gemeinnützigen Organisationen das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrates e.V. und bezeugt damit die Einhaltung hoher Qualitätsstandards. Ein sparsamer und transparenter Umgang mit Spendenmitteln wird von unabhängigen Wirtschaftsprüfern bestätigt.

In einem Festakt zum 25-jährigen Bestehen des Deutschen Spendenrates e.V. wurde Christian Molke, geschäftsführender Vorstand von ADRA Deutschland e.V., das Spendenzertifikat überreicht. Die für drei Jahre gültige Auszeichnung belegt, dass die Hilfsorganisation ADRA Deutschland e.V. mit den ihr anvertrauten Geldern und Spenden zweckgerichtet und wirtschaftlich umgeht. „Unsere Spender und Unterstützer schenken uns großes Vertrauen! Dies verpflichtet uns zu einem verantwortungsvollen und effizienten Umgang mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln. Es bedeutet mir sehr viel, für diese Transparenz heute ausgezeichnet zu werden!“, so Christian Molke.

Der Deutscher Spendenrat e.V. ist ein Dachverband von 66 Spenden sammelnden Mitgliedsorganisationen, der sich für die Stärkung von Transparenz im deutschen Spendenwesen einsetzt. ADRA Deutschland e.V. führt Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und in der Katastrophenhilfe durch und ist seit 2013 Mitglied im Deutschen Spendenrat e.V.

Das Spendenzertifikat wird erst seit 2017 vergeben und ist Teil einer zweistufigen Qualitätssicherung. In einer ersten Stufe verpflichten sich die Mitgliedsorganisationen gegenüber der Öffentlichkeit, ihre Strukturen, Tätigkeiten, Projekte und Finanzen jährlich transparent zu veröffentlichen. In einer zweiten Stufe wird die zweckgerichtete, wirtschaftliche und sparsame Mittelverwendung nach strengen Kriterien des Spendenrates geprüft. „Unser Spendenzertifikat ist das einzige Prüfverfahren in Deutschland, bei dem unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaften die Qualitätskontrolle übernehmen“, sagte Wolfgang Stückemann, Vorsitzender des Deutschen Spendenrates e.V., bei der Verleihung des Zertifikates.

Überreicht wurde die Auszeichnungen von MdB Stefan Zierke, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin.

action medeor und ADRA helfen im Jemen: 28,5 Tonnen Medikamente sind bereits angekommen

Seit mehr als drei Jahren herrscht im Jemen ein erbarmungsloser Krieg. Die Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen. Mehr als 22 Millionen Menschen hungern und können medizinisch nicht versorgt werden. action medeor hat alleine in diesem Jahr bereits sieben Container medizinischer Hilfsgüter mit einem Gesamtgewicht von 34,5 Tonnen auf den Weg gebracht.

Den Großteil dieser Hilfe – 28,5 Tonnen – lieferte action medeor an die Partnerorganisation ADRA im Jemen. „Enthalten sind Schmerzmittel, Antibiotika, Mittel gegen Durchfallerkrankungen, aber auch Wasserfiltersysteme, zum Schutz vor Krankheiten durch verunreinigtes Wasser“, sagt Dirk Angemeer, Leiter der Medikamentenhilfe von action medeor. „Zwischenzeitlich waren die Transportwege gesperrt, doch momentan ist ein Zugang über den Seeweg möglich, sodass wir unsere Lieferungen jetzt ins Land bringen können.“

Vor Ort sorgt ADRA für die sichere Verteilung der Medikamente an Krankenhäuser. ADRA ist die zweitgrößte Hilfsorganisation im Jemen, betreibt selbst ein Krankenhaus und unterstützt mit medizinischen Einsatzteams weitere medizinische Einrichtungen.

„Jemen ist von Importen abhängig. Durch die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen laufen wir in den von uns unterstützten Krankenhäusern und Gesundheitsstationen kontinuierlich Gefahr, selbst für die notwendigste Versorgung der Zivilbevölkerung keine Medikamente mehr zur Verfügung zu haben. Die Zusammenarbeit mit action medeor ist daher essentiell für den Erfolg unserer Arbeit vor Ort.“, so Nikolaus Kirchler, ADRA Deutschland Nothilfekoordinator für den Jemen.

Bereits im vergangenen Jahr leisteten action medeor und ADRA gemeinsam medizinische Hilfe im Jemen. Als Bündnispartner bei Aktion Deutschland Hilft koordinieren die Organisationen ihre Arbeit, um gemeinsam schnell und effizient helfen zu können.

„Lebensgefährliche Infektionskrankheiten breiten sich rasend schnell aus, wenn die Menschen nicht direkt behandelt werden können“, so Angemeer. Er koordiniert die Hilfslieferungen von Tönisvorst aus. „Dafür müssen wir zuverlässige Logistikdienstleister finden, Zollbestimmungen berücksichtigen und den Weitertransport vor Ort sicherstellen“, so Angemeer. „Die Krankenhausapotheken sind leer, die Ärzte haben fast nichts, um zu helfen.“

Um für einen sicheren Ablauf zu sorgen, versendet Dirk Angemeer die Fracht jedoch in zeitlichen Abständen. In den nächsten Wochen wird action medeor weitere große Hilfslieferungen vorbereiten. „Die Sicherheitslage erschwert die Arbeit für die Hilfsorganisationen vor Ort“, so Angemeer, „wir sind froh, dass wir einen Weg gefunden haben, die Krankenhäuser kontinuierlich und zuverlässig zu versorgen.“

Um im Jemen medizinische Hilfe leisten zu können, benötigt ADRA Ihre Unterstützung: IBAN: DE87660205000007704000, BIC: BFSWDE33KRL oder per Online-Spende unter www.adra.de/spendenformular .