Am 19. August ist Welttag der humanitären Hilfe

In Kriegs- und Bürgerkriegsregionen Vertriebene versorgen, nach Stürmen, Dürren, Überschwemmungen, Erdbeben oder Tsunamis helfen, Hunger, Mangel und Krankheit bekämpfen. Für Hunderttausende Frauen und Männer auf der ganzen Welt sind Krisen und ihre Folgen für die betroffenen Menschen auch ein Arbeitsplatz. Die Vereinten Nationen ehren die humanitären Helfer und die Idee der Krisenhilfe an sich daher jedes Jahr mit einem Aktionstag.

Am Anfang waren europäische Kriege, ein Schweizer Geschäftsmann, ein viel beachtetes Buch und eine heute sehr bekannte britische Krankenpflegerin. Vor fast 170 Jahren war die Britin Florence Nightingale über die Zustände in den Lazaretten des Krimkrieges 1854 so entsetzt, dass sie mit vielen Freiwilligen und unter Beachtung (für die damalige Zeit) professioneller medizinischer Standards ein Krankenhaus für Tausende schwer Verletzte auf die Beine stellte. Fünf Jahre später beobachtete der Schweizer Henri Dunant fassungslos die vielen auf dem Schlachtfeld von Solferino in Italien einfach zurückgelassenen lebensbedrohlich Verwundeten. Er veröffentlichte seine Eindrücke und wird heute als Initiator der Rotkreuzbewegung und einer der Begründer moderner humanitärer Hilfe gesehen.

Die wichtigste Erkenntnis aus der Frühzeit der international koordinierten Krisenhilfe gilt noch heute: dass professioneller materieller und logistischer Beistand für Menschen in Not ohne Ansehen der Person, unparteiisch und neutral gewährt werden muss, dass die Betroffenen ein Anrecht auf diese Hilfe haben, und dass vor allen anderen tunlichst den Schwächsten und Verletzlichsten geholfen wird. Heute spricht man sogar vom „humanitären Imperativ“, der die internationale Gemeinschaft verpflichtet, zu helfen, wo immer Hilfe auf der Welt gebraucht wird. Außerdem gibt es schon lange obligatorische und immer wieder aktualisierte Mindeststandards zum Beispiel für die Unterbringung von Flüchtlingen, für die Versorgung Hungernder oder die medizinische Behandlung, auf die sich unter anderem die meisten humanitären Nichtregierungsorganisationen (NGOs wie ADRA) und die Vereinten Nationen (UN) geeinigt haben.

Die UN und internationale wie nationale NGOs sind neben den Staaten selbst (oder auch der EU) die maßgeblichen Akteure der humanitären Hilfe: Sie sammeln Spenden, beantragen Budgets bei Regierungen und Institutionen, planen die notwendigen Projekte, führen sie durch und beschäftigen die Helfer. Heute werden pro Jahr weltweit etwa 25 Milliarden Euro aus privaten Spenden, Stiftungsgeldern und aus Steuermitteln v.a. der wohlhabenden Länder für Sofort- und Nothilfe ausgegeben. Das klingt nach viel, ist aber wenig, wenn man sich die Vielzahl der weltweit gärenden Konflikte, die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels, Naturkatastrophen und aktuell etwa 70 Millionen Geflüchtete vor Augen führt.

ADRA Deutschland e. V. ist seit seiner Gründung 1986 in der humanitären Hilfe aktiv. Das internationale ADRA-Netzwerk, heute in über 130 Ländern vertreten, gewährleistet bei Konflikten und Katastrophen schnelle und direkte Hilfe an Millionen von Menschen in Not. Ein Schwerpunkt der humanitären Arbeit von ADRA Deutschland liegt derzeit zum Beispiel im Jemen, wo durch die Kriegssituation, durch Restriktionen und Zerstörung der Zugang zu besonders bedürftigen Bevölkerungsgruppen allerdings schwierig ist. Nichtsdestotrotz unterstützt ADRA dort mittlerweile fast eine halbe Million Menschen unter anderem mit einer medizinischen Grundversorgung und mit Nahrungsmittelhilfen und ist eine der aktivsten Hilfsorganisationen im Land.

ADRA kümmert sich aber etwa auch um die Leidtragenden eines fast vergessenen Konflikts, der zudem vor der Haustür der EU stattfindet. In der Ostukraine sind vor allem Alte und Schwache vom Zusammenbruch der technischen und sozialen Infrastruktur durch den Krieg zwischen der Ukraine und den Separatisten betroffen. ADRA hilft den Bedürftigen hier zum Beispiel in Sachen Zugang zu Strom und Wasser, die Häuser winterfest zu machen, beim Transport zu Ärzten und bei der psychosozialen Versorgung.

Der Jemen und die Ukraine sind nur zwei Beispiele für die Arbeit von ADRA in der Sofort- und Nothilfe. Derzeit betreut ADRA Deutschland fast 20 humanitär orientierte Hilfsprojekte auf vier Kontinenten. Über die Jahrzehnte hat sich die Arbeit in der humanitären Hilfe auch bei ADRA sehr verändert, geradezu modernisiert. Stand früher in Krisen die Lieferung von Hilfsgütern im Mittelpunkt – etwa: Nahrung, Zelte und Decken – geht es heute mehr um die Stärkung der Kapazitäten in den Gemeinschaften vor Ort, um Hilfe zur Selbsthilfe, oft sogar auch schon um Katastrophenvorsorge. ADRA hat zum Beispiel bei humanitären Interventionen (etwa in Somalia, im Jemen oder in Zimbabwe) schon oft das inzwischen als sehr fortschrittlich geltende Instrument der Bargeldauszahlung erfolgreich angewandt. Diese so genannten Cash-Transfers sind zielgerichtete Auszahlungen an unmittelbar Betroffene in Not, die in Krisenzeiten nicht nur den Bedürftigen ein Stück Würde erhalten, sondern auch die lokalen Märkte stärken, eine faire Bezahlung für dringend notwendige Wiederaufbau-Arbeiten an Personal vor Ort ermöglichen und vor allem sehr schnell und flexibel einsetzbar sind.

Am Ende geht es eben auch in der humanitären Hilfe – und damit auch bei ADRA – ums Geld. Es geht darum, wieviel wir alle als Spender und Steuerzahler in den wohlhabenden Ländern bereit sind, für andere in Not auszugeben. Es geht darum, mit dem gezielten professionellen Einsatz von Mitteln Leid nach oder während Krieg, Dürre, Flucht oder Flut zu mildern und den betroffenen Menschen ein würdiges Leben in den Zeiten des Wiederaufbaus zu ermöglichen.

ADRA Deutschland e.V. leistet weltweit Unterstützung für Menschen in Not – darunter auch in Deutschland. Unsere Erfolge, über die wir regelmäßig berichten, sind auch die Erfolge von Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender. Bei ADRA wird das Stichwort GEMEINSAM großgeschrieben. Warum? Nur zusammen können wir großartige Ergebnisse erzielen. Dank Ihnen können wir gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten.

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