Alle 356 aus Seenot Geretteten dürfen an Land

ADRA unterstützt die Ocean VikingNach 14 Tagen ist die Blockade auf See endlich aufgehoben. Im Rahmen einer Pressekonferenz von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen forderten beide Hilfsorganisationen am Freitagvormittag die Öffnung eines sicheren Hafens für das Rettungsschiff Ocean Viking.

Anfang August startete die Ocean Viking ihren Einsatz in internationalen Gewässern im Mittelmeer. Nach vier Rettungsaktionen vom 9. Bis 12. August nahm das Schiff insgesamt 356 Schiffbrüchige an Bord und versorgte sie 14 Tage auf See. „Das Schiff kann 200 Personen für einige Tage gut versorgen,“ so Jana Ciernoch, Politische Referentin von SOS MEDITERRANEE. Mit den Geretteten harrte die Ocean Viking insgesamt 14 Tage in internationalen Gewässern zwischen Italien und Malta aus und wartete auf eine Einfahrgenehmigung. Beide Staaten verweigerten die Einfahrt in einen sicheren Hafen. Die Situation an Bord der Ocean Viking war inzwischen kritisch. Die Vorräte gingen zur Neige, Brauchwasser wurde bereits rationalisiert, viele Geretteten schliefen wegen Platzmangel an Deck.

Der Pressekonferenz zugeschaltete Crewmitglieder berichten über die angespannten Zustände an Bord und von Schicksalen der Geretteten. Über 90 unbegleitete Minderjährige waren unter den Geflüchteten. Die Geretteten sind traumatisiert, erzählten von dramatischen Erlebnissen in libyschen Flüchtlingslagern sowie von körperlichen und sexuellen Gewalttaten. Auch gegenüber Minderjährigen. „Einige Gerettete trieben über 40 Stunden auf dem Wasser, bis wir sie gefunden haben. Sie sind dehydriert, hungrig und geschwächt, benötigen dringend medizinische und psychologische Hilfe,“ berichtete Max Avis, Rettungskoordinator von SOS MEDITERRANEE aus Marseille.

Beide Hilfsorganisationen appellieren an die Staaten der Europäischen Union, endlich sichere Häfen für die Geretteten zu öffnen. „Und es braucht ein verlässliches Ausschiffungssystem für Gerettete, statt jedes Mal wieder neu diskutieren zu müssen. Das ist wie bei anderen Rettungseinsätzen, es bleibt keine Zeit lange zu klären, in welches Krankenhaus Gerettete gebracht werden dürfen,“ appelliert Florian Westphal, Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen. „Solange es keine menschenwürdige Lösung gibt, werden wir weiter Menschenleben retten. Niemand darf auf See sterben,“ fügte Jana Ciernoch abschließend hinzu. Die Organisationen verweisen auf das geltende Seerecht, wonach Staaten schnellstmöglich einen sicheren Hafen für aus Seenot Gerettete zur Verfügung stellen müssen.

Freitagnachmittag kam dann die befreiende Bestätigung aus Malta. Die Geretteten der Ocean Viking werden durch ein maltesisches Marineschiff endlich an Land gebracht. Die sechs EU-Mitgliedstaaten Portugal, Irland, Frankreich, Luxemburg, Rumänien und Deutschland hatten sich darauf geeinigt, die Geretteten aufzunehmen.

Der Einsatz von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen wird durch ein Bündnis von Hilfsorganisationen, darunter ADRA Deutschland e.V., unterstützt.

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