Ukraine: Natalia hat ihre Angst überwunden

Natalia* gehört zu Hochrisikogruppe qua Alter. Sie ist 72 Jahre und lebt in der Nähe der Frontlinie auf ukrainischer Seite. Wie viele Menschen auch ist Natalia höchst verunsichert über die Corona-Pandemie. Sie hat Angst und schließt sich in der Wohnung ein. Sie nimmt keine Medikamente mehr und will noch nicht einmal die Lebensmittel annehmen, die ihre Tochter ihr bringt. Die Tochter Alina macht sich große Sorgen und bittet ADRA um Hilfe. Oksana, eine Psychologin von ADRA, nimmt mit Natalia telefonisch Kontakt auf. In einem einstündigen Telefonat klärt Oksana über das Virus auf und schafft es, dass Natalia wieder Lebensmittel und die lebenswichtigen Medikamente annimmt.

Die psychosoziale Betreuung findet während Corona digital statt.

Die Hintergründe der Angst von Natalia sind vielfältig. Sie selbst hat den Zweiten Weltkrieg nicht miterlebt, die entbehrungsreiche Zeit danach hat sie jedoch geprägt. Die Menschen waren häufig krank, der Mangel an Lebensmittel und Medizin war furchtbar. In dieser Zeit wurde Natalia zur Waisen, die Eltern starben an einer Infektionskrankheit. Die Angst davor hat sie seitdem nicht mehr losgelassen. Die Berichterstattung in den Medien über das Corona-Virus und die große Ungewissheit aufgrund der Kriegssituation, der sie ausgesetzt ist, hat die Angst nur verstärkt.

In den weiteren Sitzungen zeigt Oksana Techniken auf, mit denen sich das Stressniveau reduzieren und die Betroffenen beruhigen lassen. Natalia arbeitet mit Oksana weiter an ihren Ängsten und ihren schmerzhaften Erinnerungen. „Bald teilte Natalia uns die großartige Nachricht über ihren Erfolg mit – sie begann, Fenster und Balkon in ihrer Wohnung zu öffnen, und sie hat auch keine Angst, die Tür zu öffnen. Mit der großzügigen Unterstützung der deutschen Regierung, Aktion Deutschland Hilft und ADRA wird in der Ukraine weiterhin psychosoziale Unterstützung für die am stärksten gefährdeten Gruppen von Menschen in den von Konflikten und COVID-19 betroffenen Gebieten geleistet“ sagt Oksana mit Blick auf ihre Patientinnen und Patienten.

Das Projekt in der Ukraine wird unterstützt von Aktion Deutschland Hilft und dem Auswärtigen Amt
Das Team von ADRA in der Ukraine

*Name geändert, zum Schutz der Betroffenen.