Sauberes Trinkwasser durch Windenergie

Der Zugang zu sauberem Wasser ist ein Menschenrecht, doch für viele Bewohner der pakistanischen Provinz Sindh sind extreme Trockenheit und der Mangel an Wasserquellen trauriger Alltag. Nikolaus Kirchler, Regionalkoordinator Asien Süd, berichtet im Interview, wie die Betroffenen von ADRA unterstützt werden.

Wie würden Sie die Lebensumstände der Menschen in der Provinz Sindh beschreiben?

In der Provinz Sindh herrscht große Trockenheit und es fehlt an ausreichendem Zugang zu Wasserquellen. Die Menschen – meist Frauen und Kinder – müssen zu Fuß große Strecken zu den Wasserstellen zurücklegen, die jedoch während der Dürrezeit teilweise versiegen. Wasser für Viehzucht und Landwirtschaft steht kaum zur Verfügung. Durch den Wassermangel ist es den örtlichen Bewohnern nicht möglich, Obst oder Gemüse anzubauen, sodass sich ihre Ernährung überwiegend auf den Fleischkonsum beschränkt. Aus dem Wassermangel resultiert eine unzureichende persönliche Hygiene, überall fehlt es an Latrinen und sanitären Einrichtungen, sodass sich Krankheiten schnell ausbreiten.

Wie hilft ADRA den Betroffenen?

Um die Menschen der Region zukünftig mit sauberem Wasser zu versorgen, werden im Talgebiet Windräder gebaut, die durch ein Rohr Wasser an die Oberfläche saugen, das dann in Vorratsbecken gepumpt wird. Die Windräder sind einfach konstruiert und können im Schadensfall vor Ort repariert werden. Zudem kommen Handpumpen zum Einsatz, mit denen bei Bedarf Wasser aus den Brunnen gepumpt werden kann. Außerdem enthält das Projekt von ADRA Aufklärungsmaßnahmen zu Themen wie persönlicher Hygiene oder wie Felder ressourcenschonend bewässert werden können.

Welche geologischen Herausforderungen bestehen beim Bau der Windräder und Brunnen?

Das vermehrte Pumpen von Wasser an die Oberfläche birgt die Gefahr, dass der Grundwasserspiegel schwankt und im schlimmsten Fall Brunnen versiegen. Diese Gefahr ist allerdings gering, da sich im Tal das Wasser aus den Bergen sammelt. ADRA geht davon aus, dass durch die verstärkte Bewässerung mehr Obst, Gemüse und Bäume gepflanzt werden, die das Grundwasser besser im Boden halten. Grundsätzlich tut die großflächige Begrünung der Natur gut.

Wie wirkt sich der Zugang zu sauberem Wasser auf das Leben der Menschen aus?

Ausreichend sauberes Trinkwasser beeinflusst jeden Lebensbereich. Gesundheitsrisiken, die durch verunreinigtes Wasser entstehen, werden reduziert. Wenn die Menschen sauberes Wasser trinken, damit kochen, sich gründlich waschen können und der Bau von Latrinen möglich wird, dämmt das die Ausdehnung von Krankheiten ein. Gleichzeitig wird so die Ernährungssicherung verbessert. Steht den Menschen genügend sauberes Wasser zur Verfügung, kann der Gemüse- und Obstanbau erweitert werden. Hierdurch wird das Nahrungsmittelangebot vielfältiger und ausgewogener. Außerdem können Ernteüberschüsse auf den lokalen Märkten verkauft werden, wodurch die Einkommenssituation verbessert wird.

Wie werden die Bewohner in das Projekt eingebunden?

Noch vor der Umsetzung des Projekts ist die ansässige Bevölkerung wegen des permanenten Wassermangels auf ADRA zugekommen und hat Ideen vorgebracht, wie das bestehende Problem gelöst werden könnte. Das bedeutet, die Menschen selbst haben sich bereits mit für sie am besten geeigneten Lösungsstrategien auseinandergesetzt. Das ist ein positiver Ansatz, der für den Erfolg des Projekts vielversprechend ist. Zudem helfen die örtlichen Bewohner beim Bau der Infrastruktur und errichten beispielsweise Vorratstanks selbst. So ist von vornherein die positive Identifikation mit dem Projekt gewährleistet. Darüber hinaus lernen die Leute, ihre Windräder, Handpumpen und Brunnen instand zu halten.  

Nikolaus Kirchler, Regionalkoordinator Asien Süd