Genitalverstümmelung – mehr als nur ein Schnitt

Alle elf Sekunden wird ein Mädchen beschnitten, das sind 8.000 Mädchen jeden Tag! Jedes Mädchen ist zu viel, denn laut der WHO sterben 10 Prozent an akuten Folgen und weitere 25 Prozent an langfristigen Nebenwirkungen nach diesem Eingriff. Am 6. Februar ist Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung. Er erinnert daran, dass dieser Menschrechtsverletzung ein Ende gesetzt werden muss.

Weibliche Genitalverstümmelung (engl. Female Genital Mutilation, kurz FGM) wird in 30 Ländern Asiens, Afrikas und des Nahen Ostens praktiziert. Die weiblichen Genitalien werden teilweise bis vollständig entfernt, mit lebenslangen Schmerzen und Folgen: Blutungen, Infektionen, Probleme beim Wasserlassen und Komplikationen bei der Geburt sind nur einige davon. Die seelischen Folgen mag man sich gar nicht ausmalen. Weltweit sind 200 Millionen Mädchen und Frauen von Genitalverstümmelung betroffen. Davon leben schätzungsweise 50.000 auch bei uns in Deutschland. Hilfe für betroffenen Mädchen und Frauen gibt es am Desert Flower Center (DFC) im Krankenhaus Waldfriede in Berlin.

Dr. Cornelia Strunz, die ärztliche Koordinatorin und Oberärztin des Desert Flower Center Waldfriede, konnte mit Hilfe ihrer Kollegen seit der Eröffnung im September 2013 mehr als 600 Frauen helfen. „Bei der Hälfte von ihnen wurde ein operativer Eingriff notwendig“, erzählt Dr. Conny, wie sie ihre Patientinnen nennen. Beratungsgespräche, psychologische und chirurgische Unterstützung und eine Selbsthilfegruppe werden im Krankenhaus Waldfriede angeboten. „In einem geschützten Rahmen können sich die Frauen austauschen, und sie erfahren, dass sie mit ihren Ängsten und Sorgen nicht alleine sind“, berichtet Dr. Cornelia Strunz.

Was muss passieren, damit Mädchen und Frauen keine Angst mehr vor Genitalverstümmelung haben müssen?

Die wichtigste Maßnahme gegen FGM ist eine weitreichende Sensibilisierung und Aufklärung über die Praxis der Genitalverstümmelung und ihre Folgen. Das fängt schon mit der Schulausbildung an. Können Mädchen und Jungen in die Schule gehen, erhalten sie die Chance, mit ihrem Wissen ihre Gesellschaft zu verändern. Hier ist ein ganzheitlicher kultursensibler Ansatz wichtig. Jungen und Männer müssen bei dem Wandel mit einbezogen werden, ebenso die Beschneiderinnen, die mit der Ausübung dieser Praxis ihren Lebensunterhalt verdienen.

Das Desert Flower Center Waldfriede arbeitet mit dem Gynocare Womens & Fistula Hospital in Eldoret, Kenia, zusammen. In dieser Klinik von Dr. Mabeya werden Frauen mit Komplikationen wie Harn- und Stuhlinkontinenz nach Genitalverstümmelung operiert.

ADRA hat jahrelange Erfahrung in der Arbeit gegen FGM und war viele Jahre in Kenia aktiv. Ein neues Projekt gegen FGM ist derzeit in Planung.

Wir wünschen Dr. Strunz und Dr. Mabeya alles Gute in ihrer wichtigen Arbeit gegen FGM!

Anlässlich des Tages gegen weibliche Genitalverstümmelung erscheint ein TV-Beitrag mit Dr. Strunz am
Freitag, 05.02.21 im ZDF-Mittagsmagazin 13-14 Uhr und
Samstag, 06.02.21 im ZDF-Heute um 19 Uhr

Mädchen und Frauen in Europa finden im Krankenhaus Waldfriede Hilfe und psychosoziale Unterstützung: https://www.dfc-waldfriede.de/

Quelle: https://www.who.int/en/news-room/fact-sheets/detail/female-genital-mutilation

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