Ein halbes Jahr nach Zyklon „Winston“ auf Fidschi

Vor einem halben Jahr traf der gewaltige Zyklon Winston auf die Inselgruppe Fidschi und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. ADRA reagierte sofort und leitete Hilfsmaßnahmen für die Betroffenen ein. Anna Krikun, Koordinatorin für die Region Südostasien & Pazifik, war vor kurzem auf Fidschi und erzählt im Interview, wie es den Betroffenen jetzt geht und welche weiteren Hilfsmaßnahmen ADRA plant.

Was konnten Sie mit den Soforthilfemaßnahmen erreichen und wie ist die Lage für die Betroffenen aktuell?

Die Hilfsmaßnahmen waren sehr erfolgreich. Wir haben mit 6.675 Haushalten doppelt so viele
Menschen erreicht als ursprünglich geplant. Sie haben Materialien für die Ausbesserung ihrer Häuser, Saatgut sowie Lebensmittel, Lebensmittelgutscheine oder Bargeld für den Kauf von Lebensmitteln erhalten. Letzteres hing davon ab, ob es auf den entsprechenden Inseln Einkaufsmöglichkeiten gab. Mit den Materialien konnten die meisten Menschen ihre Häuser wiederaufbauen und aus den Notunterkünften ausziehen. Zwar haben die betroffenen Haushalte finanzielle Unterstützung von der Regierung zugesichert bekommen, aber diese lässt noch auf sich warten. Dagegen hat ADRA mit den Hilfsmaßnahmen Betroffene auf Inseln erreicht, die nach dem Sturm komplett auf sich allein gestellt waren. Außerdem haben die Menschen Hygieneartikel und Hygieneschulungen erhalten, weil in der Notsituation die Wasserversorgung stark eingeschränkt war.

Auch die Felder und Ernten wurden durch den Zyklon zerstört. Wie können sich die Menschen jetzt langfristig selbst ernähren?

ADRA hat Saatgut für Gemüse und Knollenfrüchte verteilt, mit dem die Menschen ihre Felder und Gärten bestellt haben. Aus der Ernte können sie wieder neues Saatgut gewinnen und weitere Pflanzen ziehen. Einige Gemüsesorten, wie etwa Chinakohl, werden sehr schnell reif, so dass bereits zum zweiten Mal geerntet werden konnte. Andere Gemüsesorten wie Auberginen, Kürbisse, Karotten und Zucchini, wachsen ebenfalls sehr gut. Mit diesen Ernten können die Betroffenen die Zeit bis zur nächsten Maniok-Ernte, dem Hauptnahrungsmittel des Inselstaates, überbrücken. Die Erträge sind sogar so gut, dass manche Haushalte ihre Überschüsse verkaufen und sich dadurch ein kleines Einkommen erwirtschaften können. Weitere Einkünfte erzielen die Inselbewohner aus den zahlreichen Kokosnusspalmen sowie dem Fischfang. Zwei Monate nach dem Zyklon haben sich die Fischbestände wieder normalisiert.

Bevor der Wirbelsturm kam, hatte ADRA ein Hilfsprojekt zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit der Menschen geplant. Wie geht es mit diesem Projekt weiter? 

Der Wirbelsturm hat uns zwar zeitlich zurückgeworfen, das Projekt läuft aber schon. Es werden 250 Solaranlagen aufgebaut, mit denen die Energieversorgung von 250 Haushalten auf ökologische und effiziente Weise verbessert wird. Daneben werden energieeffiziente Öfen eingeführt. Diese Öfen haben eine geringere Rauchentwicklung und sind sparsamer beim Brennstoffverbrauch. Dadurch wird einerseits die Gesundheit der Frauen beim Kochen weniger belastet und andererseits werden die Waldbestände geschont. Aus jedem Dorf erhalten fünf Personen (insgesamt 75) eine Schulung zum Bau der Öfen und können ihr Wissen anschließend an die Bewohner ihrer Heimatdörfer weitergeben. Mit diesem Know-how können sich die Menschen darüber hinaus ein kleines Geschäft aufbauen. Schulungen darüber, wie man ein Kleinunternehmen erfolgreich führt und Rücklagen bildet, erhalten sie zusätzlich. Um die Fischbestände sowie die Küstenregionen zu schützen werden umweltschonende Fischfangmethoden bekannt gemacht. Langfristig werden alle diese verschiedenen Maßnahmen dazu beitragen, die Gesundheit der Menschen sowie ihre Einkommenssituation zu verbessern und die Umwelt zu schützen.

Anna Krikun, Regionalkoordinatorin Südostasien & Pazifik

 

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