Digitale Kompetenz für Frauen in Äthiopien

Was umfasst das Bildungsprojekt von ADRA für die Frauen in Agena?

ADRA schult 110 Frauen und Mädchen in sogenannten ICT (Information and Communication Technology)-Centern im Umgang mit Computern und der digitalen Welt. Mit diesen Kenntnissen werden ihre Chancen auf eine Anstellung oder selbstständige Tätigkeit verbessert. Auch junge Frauen, die durch schwierige Lebensumstände die Schule abbrechen mussten, erhalten durch das Projekt alternative Weiterbildungsmöglichkeiten. Anschließend hilft ADRA den Teilnehmerinnen bei der Suche nach einer Anstellung oder der Gründung eines eigenen Kleinunternehmens.

Wie war die IT-Schulung aufgebaut und welche Kenntnisse haben die Frauen erworben?

Während der dreimonatigen IT-Schulung erhielten die Frauen dreimal wöchentlich für jeweils vier Stunden theoretischen sowie praktischen Unterricht rund um Computer und digitales Wissen. Sie verfügen nun über Grundkenntnisse in Word, Excel und anderen Officeprogrammen, außerdem können sie selbstständig im Internet recherchieren und wichtige Informationen beschaffen.

Wie geht es nach der IT-Schulung weiter?

Innerhalb eines einmonatigen Praktikums, das durch ADRA vermittelt wird, können die Frauen Berufserfahrung sammeln und dabei ihr Können unter Beweis stellen. Oft gelangen sie über diesen Weg in eine Festanstellung. Da ihnen zugleich die Chance gegeben werden soll, ein eigenes Kleinunternehmen zu gründen, bietet ADRA zudem ein Training zur Unternehmensgründung an.  Hierbei geht es um Themen wie die Entwicklung eines Businessplans, Buchhaltung und administrative Tätigkeiten. Zusätzlich unterstützt ADRA die Frauen bei der Suche nach einer Anstellung.

Inwieweit helfen die erworbenen IT-Kenntnisse bei der Gründung eines Kleinunternehmens?

Grundsätzlich sollen die erworbenen Fähigkeiten in dem Beruf angewendet werden, den die Frauen und Mädchen anstreben. Wenn beispielsweise eine Frau ihre eigene Hühnerfarm eröffnet, können die IT-Kenntnisse bei der Buchführung helfen. Über das Internet können zusätzlich wichtige Infos und Tipps rund um ihr Gewerbe gewonnen werden.

Welche Eindrücke haben Sie während Ihrer Reise ins Projektgebiet gewonnen?

Ich konnte bei der Verleihung der Abschluss-Zertifikate für die Frauen und Mädchen dabei sein. Alle Absolventinnen waren sehr stolz. Inzwischen verfügen schon vier von ihnen über eine feste Anstellung. Durch das Projekt fühlen sich die Teilnehmerinnen aufgewertet und freuen sich, dass an sie gedacht wird. Sie sind für diese Chance dankbar und wollen sie unbedingt nutzen. Im Rahmen des Projekts wurden auch Schulkampagnen für Mädchen veranstaltet. Dabei wurde das Interesse der Schülerinnen in vier verschiedenen Sekundarschulen an digitalen Zusammenhängen geweckt und sie erhielten einen Eindruck von der technischen Entwicklung. Es ist wichtig, diese jungen Frauen am Fortschritt teilhaben zu lassen und sie für die neuen Technologien zu begeistern. ADRA sieht im Bereich IT viel Potential.

Das Projekt befähigt die Frauen zu mehr Selbstständigkeit. Wird dies in der Region von den Mitmenschen und Familienmitgliedern akzeptiert?

Generell sind die Frauen im ländlichen Äthiopien für den Haushalt und die Versorgung der Kinder zuständig. Die gleichzeitige Teilnahme am Projekt erfordert von ihnen große Anstrengungen und viel Disziplin. Mithilfe des neu gewonnenen Wissens werden bessere Lebensgrundlagen geschaffen. Die Männer und Familien haben verstanden, dass alle davon profitieren. 

Dawit Mehari, Länderkoordinator für Kenia, Äthiopien und Südsudan