Corona-Update Somalia

Wie soll sich ein Land, das seit 30 Jahren im Bürgerkrieg befindet, auf die Corona-Pandemie vorbereiten? Die islamistische al-Shabaab-Miliz kontrolliert viele Regionen im Land, das Gesundheitssystem ist privatisiert und die Quote an Analphabeten liegt bei über 40 Prozent. Riesige Herausforderungen für alle Beteiligten. 

Als Folge des jahrzehntelangen Bürgerkriegs gibt es kein öffentliches Gesundheitswesen. Die Regierung verlässt sich auf die Bemühungen von NGOs bzw. Privatkliniken. In einem der ärmsten Länder der Welt kann sich ein Großteil der Bevölkerung keine ärztliche Untersuchung leisten.  

Fast die Hälfte der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten mit sehr geringer Gesundheitsversorgung. In Somalia liegt die Arztquote bei 0,03 (Ärzte je 1.000 Einwohner), in Deutschland liegt die Quote bei 4,33.

Bestätigte Corona-Fälle gibt es Somalia 237 (Stand 21.4.), aber weil kaum getestet wird, sagt die Zahl wenig aus. Vielmehr berichten Augenzeugen, dass die Zahl der Beerdigungen seit Ausbruch der Corona-Pandemie steigt, was auf eine weit höhere Zahl an potentiellen Infizierten hinweist.  

Auf der ganzen Welt finden nun Aufklärungskampagnen über das Virus und Hygienemaßnahmen statt. So auch in Somalia, wenn auch unter anderen Bedingungen. Eine hohe Zahl an Analphabeten, eine fragile Sicherheitslage und vorhandener Wassermangel machen es den Menschen nahezu unmöglich vernünftig vorzubeugen. 

Als Schutzmaßnahme hat die Regierung die Grenzen geschlossen. Zwar können sich unsere somalischen Kolleginnen und Kollegen noch unter Auflagen bewegen, MitarbeiterInnen aus Kenia mussten jedoch Somalia verlassen und arbeiten nun aus dem Nachbarstaat.  

ADRA ist stark im Bildungssektor und Schul(auf)bau in Somalia vertreten. Doch seit 19. März sind die Schulen geschlossen. Homeschooling, so wie wir es aus Deutschland kennen, kann in Somalia kaum stattfinden, denn ein Großteil der erwachsenen Bevölkerung sind Analphabeten. Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten mit Hochdruck daran, die Regierung zu unterstützen E-Learning-Kurse und Radiounterricht für alle Altersgruppen anzubieten. 

Immerhin konnten die Berufsschulen nach zweiwöchigem Shutdown wieder öffnen. Auch hier ist physische Distanz das Gebot der Stunde (siehe Foto).  

Auch der Schulbau findet weiterhin statt, wenn auch unter Einschränkungen. Eine neue Schule im langjährigen ADRA Bildungsprogramm ist unterdessen gerade fertiggestellt, zwei weitere Schulen sind zu 95% fertiggestellt. Dazu kommen noch zwei Berufsschulzentren, die bereits in Nutzung sind.  
Wir freuen uns sehr auf den Moment, an dem in den Gebäuden endlich Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden.  

Spendenstichwort “Corona”