ADRA verstärkt professionelle Hilfe in den Camps nahe der griechisch-mazedonischen Grenze

 
„Mein Mann ist in England. Er hat mir gesagt, dass ich hier bleiben soll.“ Schon seit drei Wochen harrt Saida, eine junge Mutter aus Kirkuk im Irak, unter menschenunwürdigen Bedingungen in Idomeni aus. Sie könnte in eines der offiziellen Camps umziehen, dort bekäme sie einen sicheren und warmen Schlafplatz. Stattdessen hofft sie mit zwölf- bis vierzehntausend anderen Menschen darauf, dass sich die wenige Meter entfernte Grenze zu Mazedonien öffnet und damit den Weg nach Westeuropa frei macht.

Die Zustände in dem Lager, das es offiziell nicht gibt, sind kaum zu beschreiben. Unter Planen leben Großfamilien, der Boden ist ein einziger Schlammacker, immer wieder regnet es und das bei niedrigen Temperaturen. In Decken eingehüllte Paare, die zusammenstehen und sich wärmen, täuschen fast eine Festivalstimmung vor, wäre da nicht der Kampf ums nackte Überleben. In nicht endenden Schlangen stellen sich Menschen für ein Sandwich an, jeden Tag immer die gleichen in Frischhaltefolie servierten Sandwiches. Ein paar junge Leute aus Norddeutschland sind mit einem alten VW-Bus angereist und verteilen Orangen. Andere haben ein paar hundert Schuhe gekauft, die sie an Kinder und Frauen verteilen. Obwohl immer noch nicht genug für jeden da ist, bleiben die Menschen friedlich. Sie gehen mit ihrer elenden Situation scheinbar disziplinierter um, als manch ein konsumgesteuerter Schnäppchenjäger in unseren Landen.

ADRA zeigt als eine der wenigen Hilfsorganisationen dauerhafte Präsenz und bietet professionelle Hilfe an. In dem international besetzten ADRA-Team befinden sich ausgebildete Psychologen, Übersetzer und Nothilfespezialisten. Sie durchkämmen das Camp und notieren die dringlichsten Herausforderungen. Täglich verfeinern sie in gemeinsamen Besprechungen ihr Konzept. Bei ADRA geht niemand davon aus, dass sich die Situation kurzfristig entspannt. Auch in den offiziellen Camps, die von der Polizei und dem Militär verwaltet werden, stellen sich die Verantwortlichen auf sehr lange Zeiträume ein.

Neben der Lebensmittel- und Wasserversorgung, warmen und regensicheren Unterkünften sowie medizinischer Betreuung müssen Maßnahmen gegen aufkommende Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit vorbereitet werden. Nabil, ein junger Syrer bringt es auf den Punkt: „Bevor ich wieder zurückgehe, bringe ich mich lieber um.“ Ein Lagerkoller mit einer sich ausbreitenden Depression birgt unabsehbare Gefahren. Darunter mischt sich die Angst vor Epidemien, Seuchen und anderen Krankheiten.

ADRA macht in Idomeni keine Stippvisite. ADRA plant langfristig für die Flüchtigen in und um Idomeni, damit die Menschen dort wieder hoffen können und in eine würdige Lebensqualität finden.“