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Albanien – Ein Land im Wandel

Ein Bericht über mein Freiwilliges Soziales Jahr mit ADRA Albanien.

„Wieso denn Albanien?!“, „Was willst du denn da?“, „Albanien? Sind da nicht diese ganzen Kriminellen?! Und das traust du dich?“….so oder so ähnlich waren die meisten Reaktion auf meine Entscheidung, ein Jahr mit weltwärts nach Albanien zu gehen. Die meisten Menschen haben bisher kaum was über dieses wunderbare, kleine Land an der Adriaküste nördlich von Griechenland gehört. Und wenn, dann meistens Negatives, wie z.B. flüchtiges Halbwissen über die Albanische Mafia. Ich habe mich von den Vorurteilen nicht beeinflussen lassen und bin völlig unvoreingenommen nach Tirana (Hauptstadt Albaniens) gegangen – und es war die beste Entscheidung meines (bisherigen) Lebens.

Albanien ist ein Land, das stark durch seine Geschichte mitgenommen wurde. Jahrhunderte lang konnte es sich vom Osmanischen Reich nicht loslösen, war dann seit seiner späten Unabhängigkeit stets Zankapfel europäischer Großmächte und seit dem Zweiten Weltkrieg bis zuletzt ein kommunistisches Terrorregime. Danach befand es sich in einer schwierigen Transformationsphase, die das Land in den wirtschaftlichen Ruin trieb. Heute ist Albanien eine parlamentarische Demokratie mit enormen Zukunftspotential, die aber nach wie vor mit vielen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, aber auch politischen Problemen zu kämpfen hat.

Und obwohl man den Wandel sehr deutlich spürt, den Albanien im Moment durchläuft, verbunden mit wirtschaftlichem Aufschwung, sich ändernden Mentalitäten, Infrastruktur, Tourismus, und vielen weiteren Faktoren, die signalisieren, dass es bergauf geht, sind benachteiligte Minderheitengruppen im Land, die eine schlechte sozioökonomische Lage haben, oft noch auf externe Hilfe von beispielsweise NGOs angewiesen. Albanien ist zwar nicht mehr die „versteckte Perle“ am Mittelmeer, der Urlaubsgeheimtipp Europas, und das Land hat sich schon stark verändert, aber dennoch gibt es Korruption und fehlende Sozialsysteme. Deshalb ist die Arbeit von ADRA Albania, bei der ihr als Freiwillige tätig sein werdet, auch nach wie vor unerlässlich. Eure Tätigkeiten dort könnten diverser kaum sein, hängen aber auch z.T. von eurer eigenen Kreativität und Initiative ab. Ihr könnt eigene Projekte schaffen, oder bei den vorhanden dabei sein und unterstützen. So könnt ihr beispielsweise den Social Media von ADRA auf Vordermann bringen, bei Veranstaltungen Fotos machen, bei den Paketaktionen (z.B. zu Weihnachten „Kinder helfen Kindern“, Schulbeginn Schulmaterial) mit anpacken und die Versorgungslieferungen zu den Kindern bringen, beim Bäume pflanzen mithelfen oder Nachhilfeunterricht und Sozialstunden in den Roma Communities leisten und z.B. Spiele mit den Kindern spielen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Mein persönliches Highlight war jedoch ganz klar die Weihnachtspäckchenaktion. Das Leuchten in den Augen der Kinder zu sehen, und wie sie sich über die Ankunft der Geschenke freuen, war einfach herzberührend. Aber wie gesagt, wie und in welcher Form ihr euch einbringt, hängt ganz an euch.

Ebenso sieht es mit der Freizeit aus. Auch wenn ihr super nette und freundliche Kollegen auf der Arbeit haben werdet, so liegt ein großer Teil eures sozialen Umfelds außerhalb dieser. Tirana ist eine große, moderne, internationale und weltoffene Stadt. Ob ihr nun mehr mit Erasmusstudenten aus ganz Europa, Einheimischen oder der Gemeinde vor Ort macht, liegt wirklich an euch. Aber Tirana ist dafür eine super Stadt, in die ich mich verliebt habe. Ihr findet dort alles, was ihr braucht. Es wird euch an nichts mangeln. Mein Lieblingsort war der Park, der an manchen Stellen schon fast Waldcharakter hat. Tirana ist schon fast eher eine westlich-europäische Großstadt, mit Kulturveranstaltungen, Bars, Cafés, Clubs, sauberen Straßen und viel Trubel, Klamotten- und Schmuckgeschäften, Kinos, Centers, teuren Autos usw., sodass man leicht vergisst, wie es im Umland aussieht, und dass das Land eben noch immer ein Land des Globalen Südens ist.

Aber auch das restliche Land ist einfach genial. An den Wochenenden werdet ihr die Möglichkeit haben, viel zu Reisen. Auch wenn der öffentliche Personenverkehr etwas gewöhnungsbedürftig ist, kommt man mit Bus überall hin. Das Land ist nicht sehr groß, dafür landschaftlich sehr ansprechend und unglaublich divers. Ob ihr Alm-Feeling beim Wandern in den Albanischen Alpen, eine Kulturreise in historisch interessante Altstädte oder einen entspannten Badeurlaub an den mitunter schönsten Stränden Europas wollt, alles findet ihr in Albanien. Ebenso werdet ihr etwas von der Albanischen  Gastfreundschaft mitbekommen. Auf den Dörfern herrscht noch das typisch albanische, traditionelle Leben. Die Menschen sind unglaublich herzig in diesem Land. Ihr werdet viel über die spannende Geschichte Albaniens lernen können, und von Kuriositäten erfahren, wie z.B. dass es ca. 200.00 Bunker hier gibt, die keine wirkliche militärstrategische Funktion hatten.

So oder so, was auch immer ihr macht, es wird für euch ein unbeschreiblich geniales Jahr, voller persönlichem Wachstum, außergewöhnlichen Erfahrungen und einem bunten Alltagsleben werden, wenn ihr euch darauf einlasst. Ich kann es euch nur wärmstens ans Herz legen.

 

(Das mit der Kriminalität hat sich übrigens nicht bestätigt. Es stellte sich heraus, dass Albanien statistisch gesehen das Land Europas mit der geringsten Raubüberfallrate ist. Lasst euch also von Vorurteilen nicht abschrecken, dieses unvergleichliche Land zu erkunden.)

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