ADRA hilft nach katastrophalen Überschwemmungen

Es waren die schlimmsten Überschwemmungen seit acht Jahren. Im August 2012 mussten über 80'000 Menschen in Myanmar, auch Burma/Birma genannt, vor den Wassermassen des Irrawaddy Stroms um ihr Leben fliehen. Bis zu den Knien standen die Menschen im Wasser - Hunderttausende Hektar Reis- und Maisfelder wurden überschwemmt; Häuser, Brücken und Eisenbahnlinien beschädigt. Die Existenzgrundlage vieler Einwohner brach von heute auf morgen zusammen. ADRA hat den Menschen geholfen – im Bereich der Nothilfe, aber auch nachhaltig, damit sie einer neuerlichen Katastrophe begegnen können.

Das Irrawaddy-Delta ist als Reiskammer Myanmars bekannt. Umso tief greifender sind die Auswirkungen einer Überschwemmungskatastrophe. Um den Menschen schnell und vor allem nachhaltig zu helfen, hat ADRA Deutschland von Oktober 2012 bis März 2013 ein Hilfsprojekt in der Irrawaddy Region durchgeführt. Im Fokus der Hilfeleistung standen vor allem die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft: Familien, die alles verloren haben, kein Zuhause und kein Land mehr besitzen und in Camps untergekommen sind sowie Menschen mit Behinderungen, Senioren, Schwangere, alleinerziehende Mütter und Kinder unter fünf Jahren.

Was diese Menschen besonders dringend benötigten waren Unterkünfte und Nahrungsmittel. Gemeinsam mit der Bevölkerung bauten die Mitarbeiter von ADRA daher 350 Unterkünfte auf. Dabei schulten sie die lokalen Handwerker, wie man mit regional verfügbaren Materialien sichere Häuser aufbauen kann, die einer neuerlichen Überschwemmung standhalten. So können sich die Bewohner auf zukünftige Hochwasser vorbereiten und Schäden eindämmen. 350 Männer, Frauen und Kinder haben nun ein neues Zuhause. Zusätzlich verteilte ADRA Wintersaat (Erdnüsse und schwarze Linsen) an die Bevölkerung. So können über 180 Hektar Land neu bestellt werden.

Was bedeutet Hochwasser für die Menschen in Myanmar?

Wenn in unseren Breiten das Wasser über die Ufer geht, ist das zwar tragisch und verursacht häufig hohe Kosten, aber in der Regel kommen dabei keine Menschen zu Schaden. Zum einen verfügen wir über ein großflächiges Informationsnetzwerk, das die Menschen über Zeitungen, Fernsehen oder Radio darüber in Kenntnis setzt, wenn mit einem Unwetter zu rechnen ist – somit können sie sich vorbereiten. Zum anderen schaden Unwetter unseren Häusern und Straßen nur bedingt, da sie sehr massiv gebaut werden. In Myanmar ist das anders. Dort sind gerade Flussregionen wie das Irrawaddy-Delta dicht besiedelt, da die Menschen dort am ehesten an Wasser gelangen können. In direkter Nähe bauen sie ihre Bambushäuser auf und bebauen das Land, um sich so Nahrung und ein Einkommen zu sichern.

Der große Nachteil: Tritt der Fluss in der Regenzeit über die Ufer, zerstört er das Zuhause, die Nahrungs- und Einkommensquelle der Menschen und macht das Wasser ungenießbar. Oft sterben viel mehr Menschen an einer anschließenden Hungersnot oder verunreinigtem Wasser, als an der Überschwemmung selbst. Leider sehen sich die Familien in Myanmar immer wieder solchen Schicksalsschlägen ausgeliefert. Kaum haben sie sich von einer Überschwemmung erholt, werden sie durch eine neuerliche Katastrophe "heimgesucht". Daher setzt ADRA einen Fokus der Hilfeleistung auf nachhaltige Unterstützung. Durch Schulungen lernen die Menschen, in Zukunft besser mit den immer wiederkehrenden Katastrophen umgehen zu können.