Eigenes Einkommen sichert Zukunft

In der Mongolei lebt etwa 1/3 der Bevölkerung von weniger als 1,25 US$ am Tag. Besonders in den Provinzen Zavkhan und Selenge – weit entfernt von der Hauptstadt – ist die Armut groß. Die Arbeitslosenzahlen sind in den vergangenen Jahren immer weiter angestiegen. ADRA führt ein vierjähriges Projekt in 30 Dorfgemeinschaften der mongolischen Provinzen Zavkhan und Selenge durch und unterstützt die Menschen dabei, wieder Hoffnung zu schöpfen und vor allem ein geregeltes Einkommen zu erwirtschaften.

Zentrale Einkommensquelle bislang: die Viehwirtschaft

Ein Großteil der Dorfbewohner in Zavkhan und Selenge lebt von der Viehwirtschaft. Mit winterlichen Tagestemperaturen von bis zu – 45 Grad starb in der Vergangenheit jedoch immer wieder ein Großteil des Viehbestands und somit brach eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle der Dorfbewohner ein. Nicht nur die Armut nagt an der Bevölkerung, auch das Gefühl der Nutzlosigkeit hielt bei den Menschen Einzug. Viele junge Dorfbewohner entschieden sich, in die Hauptstadt abzuwandern und dort ihr Glück zu versuchen. Doch ohne abgeschlossene Ausbildung haben sie auch da einen schweren Stand.

2008 startete ADRA in der Mongolei ein Dorfentwicklungsprojekt

Mit finanzieller Unterstützung der EU hat ADRA Deutschland bereits 2008 acht Kooperativen in der Mongolei gegründet, die den Dorfbewohnern die Möglichkeit geben, mit Unterstützung der Kommunalverwaltung, im landwirtschaftlichen Bereich aktiv zu werden. Der Erfolg spricht für sich. Die Menschen nehmen ihre neue Aufgabe sehr ernst und lernen mit wachsender Begeisterung den Anbau und Umgang mit verschiedenen Gemüsesorten. Um den Anbau wetterunabhängiger zu machen, wurden Gewächshäuser gebaut, in denen auch Gurken, Tomaten, Rettich, Rote Beete, Weiße Rüben, Zwiebeln und Paprika gedeihen. Der zunehmende Konsum von Gemüse hat auch positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Dorfbewohner. Auch die zunehmende Abwanderung in die Hauptstadt Ulaanbaatar hat nachgelassen. So entscheiden sich immer mehr junge Menschen, aufgrund der besser werdenden Perspektiven das Heimatdorf nicht zu verlassen. Dadurch steigen auch die Kapazitäten, neue Berufsgruppen in den Dörfern zu integrieren.

Auch psychisch haben die Bewohner eine Verbesserung erfahren. Sie fühlen sich durch die Arbeit wieder gebraucht und haben ihr Selbstwertgefühl zurückgewonnen. 

Neues Projekt verhilft zu neuen, alternativen Einkommensquellen

Da langfristig gesehen die Landwirtschaft nur einen kleinen Teil möglicher Einkommensquellen darstellt, der zudem zu einem Großteil von den Wetterbedingungen abhängt und dadurch einen wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktor in sich birgt, arbeitet ADRA in Zusammenarbeit mit den Kommunen an alternativen Einkommensquellen, um die wirtschaftliche Situation vor Ort zu verbessern und die Armut weiter zu bekämpfen. Mit Unterstützung der EU hat ADRA Deutschland daher im September ein weiteres, vierjähriges Projekt gestartet. 30 Dorfgemeinschaften in den Provinzen Zavkhan und Selenge sollen so eine bessere Zukunft haben. Das Projekt von ADRA dient als Modell für die umliegenden Kommunen. Die Einkommenssituation von über 2.100 Dorfbewohnern, die wirtschaftlich besonders geschwächt sind, wird durch das Projekt gestärkt. 70 Prozent der Begünstigten sind Frauen zwischen 35 und 45 Jahren. Insgesamt können 33.375 Familien – auch indirekt – durch die Arbeit von ADRA profitieren.

Brot backen für eine bessere Zukunft

Einige Dorfbewohner erlernen wie man Brot backt, Jurten, Kleider und Schuhe herstellt oder Felle verarbeitet. Durch das zur Verfügung stellen verschiedener Dienstleistungen, erweitert sich nicht nur das Wissensspektrum der Bevölkerung, auch das wirtschaftliche Wachstum steigt. So erlangen die, in der Vergangenheit vor allem von der Viehwirtschaft abhängigen Menschen, eine neue Zukunftsperspektive und eine zunehmende Unabhängigkeit.