Katastrophenvorsorge in Indien

Die Region Bihar gilt als ärmster Bundesstaat Indiens. Sie ist besonders instabil und bevölkerungsreich. Etwa 1024 Einwohner leben zusammen auf einem Quadratkilometer. Nicht nur die Raumsituation ist verheerend, regelmäßig sind die Bewohner außerdem unterschiedlichsten Naturkatastrophen wie Flut, Erdbeben, Dürre und Feuer ausgesetzt. Diese Katastrophen können nicht verhindert werden, aber es ist wichtig, die Bevölkerung entsprechend darauf vorzubereiten. Notfall- und Evakuierungspläne werden benötigt, damit sie im Notfall schnell handeln können.

Unterricht in Bihar, Indien | Bildquelle: ADRA

Musahar - die "Unberührbaren"

ADRA arbeitet in einem Gebiet in Bihar, in dem vor allem die Musahar leben, eine Unterkaste der Dalit - der "Unberührbaren". Sie werden von den meisten anderen Kastenmitgliedern als unwürdig und unrein angesehen und dementsprechend schlecht behandelt. Das geht so weit, dass sogar die Berührung mit dem Schatten eines Unberührbaren vermieden wird. Musahar sind landlos und dürfen nur die niedrigsten Arbeiten verrichten - ihre Bildung ist katastrophal. Viele Kinder haben niemals eine Schule besucht. Keine guten Voraussetzungen für Menschen, die immer wieder großen Naturkatastrophen ausgesetzt sind.

DIPECHO-Projekt in Bihar

Um die Menschen auf mögliche Katastrophen vorzubereiten, hat ADRA in Bihar ein sogenanntes DIPECHO-Projekt gestartet. Das Projekt läuft auf Grundlage des DIPECHO-Programms, das 1996 vom Amt für humanitäre Hilfe der EU Kommission (ECHO) initiiert wurde. Ziel ist es, einfache, preiswerte Maßnahmen zur Vorsorge einzuleiten, die sogar größtenteils durch die Dorfbevölkerung selbst durchgeführt werden können. Insgesamt können bei diesem Projekt ca. 50.000 Menschen in Bihar auf eine Katastrophensituation vorbereitet werden.

Entwicklung von Notfall- und Evakuierungsplänen

Seit ca. einem Jahr schulen Mitarbeiter von ADRA und anderen Hilfsorganisationen die Bevölkerung in Bahir für den Katastrophenfall. Dabei werden unter anderem Gefahrenkartierungen vorgenommen, damit sich die Dorfbevölkerung selbst Pläne und Karten über die Gefahrenlage im Land machen und daraus Notfall- und Evakuierungspläne entwickeln kann. Zusätzlich werden die bestehenden Notfall-Kommunikationssysteme überprüft und ein funktionierendes "Early Warning System" etaliert, denn bisher gelangte das Gefahrensignal nur über Umwege - und dadurch viel zu spät - zu den Menschen.

Bildung – ein wichtiges Gut

Ein besonderes Augenmerk des DIPECHO-Projekts liegt auf der Bildung. Die Lehrer der 18 Bildungszentren (NFE) werden geschult, um den Kindern Allgemeinbildung und Wissen über Katastrophenvorsorge spielerisch zu vermitteln. Diese Weitergabe von Wissen und Werten an die Jüngsten ist besonders wichtig, um langfristig eine Bewusstseinsveränderung zu erwirken. Außerdem wird der Bevölkerung spielerisch durch Straßentheater, Puppenspiele und Aufklärungskampagnen die Bedeutung der Katastrophenvorsorge deutlich gemacht.

Weitere Maßnahmen

Der Bau von Toiletten und Unterkünften soll die hygienische Situation der Menschen in den Dörfern verbessern und einen besseren Schutz im Fall von Katastrophen bieten. Zusätzlich werden spezielle Fernsehshows vorgeführt, die die Menschen schulen und für die Katastrophenvorsorge sensibilisieren. Ein spezielles Training erhalten die 1229 Task Force Mitglieder. Sie sind für den besonderen Schutz der Bevölkerung zuständig und leisten im Falle einer Katastrophe schnelle und koordinierte Hilfe.

Ein besonderer Dank geht an die Spender des Projekts und an die Nichtregierungsorganisationen vor Ort, die für uns bei den Musahar speziell zugeschnittene Trainings durchführen.