Japan sechs Monate nach dem Beben: Hilfe geht weiter

Japan am 11. März 2011: Um ca. 14.45 Uhr Ortszeit ereignet sich in Sendai - knapp 400 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Tokio - ein Erdbeben der Stärke 9. Kurz darauf folgt eine gewaltige Flutwelle, ein Tsunami. Das Wasser türmt sich bis zu 40 Meter hoch und spült alles weg, was sich ihm in den Weg stellt: Häuser, Autos, Menschen. Immer wieder folgen Nachbeben, die die Lage in der Region verschlimmern und die Hilfsarbeiten erschweren.

Über 22'000 Menschen sterben durch die Naturkatastrophe. Doch schon nach kurzer Zeit geraten die Opfer des Bebens in den Medien in den Hintergrund, denn eine weitere Katastrophe bahnt sich an: ein Super-Gau. Reaktoren des Atomkraftwerks in Fukushima wurden durch die Beben beschädigt – eine Kernschmelze droht. Zahlreiche Menschen müssen ihr Zuhause verlassen und aus dem Gefahrengebiet flüchten.

ADRA stellt Unterkünfte und Nahrungsmittel zur Verfügung

Noch am Tag des Erdbebens ist ADRA Japan im Krisengebiet aktiv und leistet Nothilfe. Ein Notlager für 150 Menschen wird eingerichtet. Einen Tag später fährt ein Erkundungsteam von ADRA in die Region, um weitere Maßnahmen zu planen und erste Hilfsgüter wie Plastikplanen und Nahrungsmittel an die Menschen zu verteilen. Dabei wird klar, dass ein besonderer Bedarf bei der Bereitstellung von Nahrungsmitteln und Mitteln des täglichen Bedarfs besteht. Da viele NGOs vor allem die nördlichen Bereiche der betroffenen Region abdecken, konzentriert sich ADRA in der Hilfe vor allem auf die südliche Zone – im Süden der japanischen Präfektur Miyagi. Vor allem die Nahrungsmittelversorgung steht im Fokus der Hilfeleistungen. 320 Familien im Bezirk Miyagino und 1780 Menschen im Bezirk Wakabayashi, erhalten vom 12. März bis 3. April eine warme Mahlzeit am Tag. Auch im Altenzentrum in Higashima City und in Tome City werden Nahrungsmittel an die vom Erdbeben/Tsunami besonders stark betroffenen Menschen verteilt. Zusätzlich erhalten sie Hygiene- und Sanitär-Produkte, wichtige Küchengegenstände, Benzin und Trinkwasser.

Die Regierung hat in den vom Tsunami betroffenen Regionen Japans Übergangshäuser aufgebaut, die den Menschen Schutz bieten sollen, die durch das Beben, den Tsunami oder die Evakuierungsmaßnahmen ihr Zuhause verlassen mussten. Da die Übergangshäuser nicht all das Notwenige beinhalteten, was die Menschen zum Leben brauchen, beschließt ADRA in Absprache mit der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC), 4500 Familien in Notunterkünften mit den notwendigsten Einrichtungsgegenständen, sowie auszustatten.

Ein halbes Jahr nach dem Beben: ADRA ist weiterhin aktiv

Viele der Erdbeben-Opfer mussten ihr Hab und Gut aufgeben, um vor der Flut und der radioaktiven Strahlung zu flüchten – sie sind quasi mittellos und immer noch in Notunterkünften untergebracht. Um ihnen zu helfen, ist ADRA auch noch sechs Monate nach dem Beben vor Ort aktiv und schließt entstandene Versorgungslücken. Bis Anfang August verteilten unsere Kollegen von ADRA Japan Mahlzeiten an die vom Erdbeben/Tsunami besonders stark betroffenen Menschen in Yamamoto City und im Altenheim in Higashi-Matsushima. Weitere 1.600 Haushalte in Higashi-Matsushima, 1.200 Haushalte in der Stadt Watari und 1.700 Haushalte in Yamamoto werden außerdem mit Einrichtung versorgt und erhalten Mittel des täglichen Bedarfs wie Bettwäsche, Hygiene-Produkte und Küchenutensilien. Für eine drei- bis vierköpfige Familie belaufen sich die Kosten für eine Notunterkunft auf einmalig 280 bis 500 Euro.