2 Jahre nach dem Beben: ADRA arbeitet in den Bereichen Wasser, Sanitär, Hygiene und Bildung

Es ist knapp zwei Jahre her, dass Haiti von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. 230.000 Menschen starben, Hunderttausende verloren ihr Zuhause. Überall fehlt es an sauberem Trinkwasser, Krankheiten brechen aus. Durch die Armut des Landes nimmt der Wiederaufbau viel Zeit in Anspruch. Vor allem in den Bereichen Wasser, Sanitär, Hygiene und Bildung unterstützt ADRA die Betroffenen des Erdbebens auch noch im kommenden Jahr.

ADRA baut Brunnen für die Erdbebenopfer

Der Konsum verunreinigten Wassers hat häufig schwere gesundheitliche Folgen wie den Ausbruch von Cholera. Dieser führt nicht selten zum Tod. Um diese Gefahren einzudämmen, führt ADRA bis Mitte 2012 ein Projekt in Petit Goave durch, dass den Zugang zu sauberem Trinkwasser dauerhaft verstärken soll.

Täglich werden dabei 32.000 Liter Trinkwasser produziert und an die Bevölkerung verteilt. Zusätzlich baut ADRA drei neue, erhöhte Brunnen, um einen langfristigen Zugang zu mehr Trinkwasser zu generieren. Das ist auch ein wichtiger Faktor für die Gesundheit der Menschen vor Ort.

ADRA stärkt die Anzahl sanitärer Einrichtungen in Haiti

Mit Hilfe der Bevölkerung baut ADRA 72 Toiletten, die direkt an Klärgruben angeschlossenen sind, vier Biogas-WCs sowie 41 traditionelle Toiletten. Zusätzlich werden der Bevölkerung 72 Waschräume zur Verfügung gestellt. 40 Hygiene-Schulungen sollen der Bevölkerung ein besseres Verständnis für die Gefahren mangelnder Hygiene geben.

Die Grundbausteine der haitianischen Wirtschaft haben den Anschluss verloren

Auch Handwerk und Gewerbe haben durch die Naturkatastrophe in Haiti einen schweren Schlag erlitten. Diese Grundbausteine der Wirtschaft wurden in Haiti Jahre lang vernachlässigt – es fehlte an der nötigen Unterstützung. Mittlerweile haben die Betriebe größtenteils den Anschluss an die technologische Entwicklung verloren und sind mehr und mehr verelendet. Dennoch sind es genau sie, die den Jugendlichen eine berufliche Ausbildung ermöglichen. Doch da der technische Fortschritt außen vor bleibt, sind die Kunden mit den Leistungen der Handwerker nicht zufrieden und so sinkt die Bezahlung, was wiederum eine noch stärkere Verelendung der Betriebe mit sich bringt: ein Teufelskreis. Viele Handwerker haben während des Bebens ihr gesamtes Hab und Gut verloren und schaffen es kaum noch, ihren Betrieb wiederaufzubauen. Dadurch verarmt auch die Ausbildung und Betreuung der jugendlichen Auszubildenden.

ADRA plant die Einführung eines dualen Bildungssystems

Um diese Situation zu ändern, plant ADRA, die landesweite Einführung eines dualen Berufsbildungssystems zu unterstützen. Das Projekt soll gemeinsam mit der adventistischen Universität in Haiti (UNAH) und dem nationalen Institut für berufliche Bildung (INFP) des Erziehungsministeriums durchgeführt werden. Elmar Frank, Bildungsexperte im Auftrag von ADRA,

brachte die Projektidee ins Rollen und ist seit November in Haiti, um mit den Vertretern der Universität und des Bildungsinstituts zu sprechen. Unterstützt wird das Projekt von der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IADB). Als erste Maßnahme soll in der 800.000 Einwohner Stadt Carrefour eine duale Berufsbildungsstätte gegründet werden. Dabei legt ADRA Wert darauf, dass sich alle Beteiligten aktiv in die Maßnahme integrieren können – in der Planung der Berufsschule, der Erstellung von Curricula und Prüfungen und nicht zuletzt der Durchführung von Aus- und Fortbildungskursen.

Beim ersten Gedankenaustausch von ADRA, UNAH und Handwerkerinnen und Handwerkern des INFP aus Carrefour, am 24. November 2011, kamen über 1.300 Unternehmerinnen und Unternehmer

unterschiedlichster Berufsrichtungen. Der Präsident der adventistischen Universität, Jean Josue Pierre, betonte, er freue sich auf eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen seiner Universität und den Unternehmerinnen und Unternehmern im Handwerk und über die Schaffung einer dualen Berufsschule auf dem Campus der Universität. Der Landesdirektor von ADRA, Fritz Bissereth, fügte in seinen Ausführungen hinzu, dass diese Einrichtung allen offen stehe, ohne Rücksicht auf Religionszugehörigkeit und Weltanschauung. Beide unterstrichen außerdem den hohen Wert des Handwerks für die haitianische Gesellschaft.

Dieser neue Ansatz in der beruflichen Bildung Haitis sei für das Ministerium besonders wichtig, so Jean-Jaques Frero Dumele vom Nationalen Institut für Berufliche Bildung (INFP). Er betonte außerdem alle denkbare Unterstützung seitens des Ministeriums für das Modellvorhaben. Ziel der Regierung sei es, die duale Berufsausbildung auf Grundlage der Erfahrungen in Carrefour in ganz Haiti zu etablieren. Dadurch wird das Projekt von ADRA zu einem Pilotprojekt mit Zukunftsperspektive.

Pierre Baptiste, ein 60 jähriger Zimmermann aus Haiti brachte es auf den Punkt: "Nie hört man im Leben auf zu lernen. Gerade wir Handwerker sind darauf angewiesen, immer zu lernen, aber hatten nie die Möglichkeit dazu. Nun wird sich das ändern und damit unsere gesamte

Lebenssituation". Das vorgestellte System schaffe wieder Hoffnung, eine Hoffnung, die durch das Erdbeben ausgelöscht zu sein schien.