Bihar: Erfolgreiche Hilfe nach Flutkatastophe

Es war die schlimmste Flut seit über 50 Jahren! Über vier Millionen Menschen waren betroffen, als im September 2008 in Indien der Kosi Fluss über die Ufer trat. Obwohl seither fast zwei Jahre vergangen sind, sind die Betroffenen in der Region Bihar immer noch auf Hilfe angewiesen - vor allem Kastenlose, die Untersten der Gesellschaft. Mit Unterstützung des Amtes für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (ECHO) konnte ADRA Deutschland die Lebensumstände vieler Menschen in Bihar langfristig verbessern.

Wiederkehrendes Schicksal Naturkatastrophe

Es ist kein Einzelfall, längst sind den Bewohnern Bihars Flutkatastrophen bekannt. Doch als im September 2008 der Kosi Fluss über die Ufer tritt, ist trotzdem keiner auf die Situation vorbereitet. Es gibt weder ein Frühwarnsystem, noch haben die Anwohner überschwemmungssichere Unterkünfte. Betroffen ist hauptsächlich die ohnehin verwundbarste Menschengruppe – die ländlichen Familien. Ihre Lehmhütten halten den Wassermassen einfach nicht stand. Innerhalb kürzester Zeit spülen die Fluten ihr Heim, ihre Ernte und - wenn überhaupt vorhanden - ihr kostbares Vieh davon. Viele Menschen kommen in den Fluten ums Leben. Langfristige Hilfe wird benötigt, um dem Problem der wiederkehrenden Naturkatastrophen besser begegnen zu können.

ADRA leistete Hilfe beim Wiederaufbau

Mitte Mai 2009 startete ADRA mit Unterstützung des Amtes für humanitäre Hilfe der Europäischen Kommission (ECHO) ein Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensumstände der Flutopfer, um den Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben. Viele hatten durch die Flut alles verloren und mussten daher ganz von vorne anfangen. Die Hilfeleistungen ADRAs konzentrierten sich daher auf drei wesentliche Aspekte: den Aufbau von Viehwirtschaft und Frischwasseranlagen sowie die Initialisierung von Maßnahmen zur  Katastrophenvorsorge. Denn nur durch diese Maßnahmen war es möglich, den Menschen sowohl gesundheitlich, als auch in Bezug auf das Einkommen langfristig und nachhaltig zu helfen. Zusätzlich konnte ihr Bewusstsein für Maßnahmen der Katastrophenvorsorge sensibilisiert werden.

Landwirtschaft – Hauptquelle des Lebensunterhalts

ADRA unterstützte Menschen aus acht Dörfern Bihars im Chatapur-Block und im Supaul Bezirk. Sie erhielten insgesamt 178 Milchkühe zur Nahrungssicherung. Durch den Verkauf der Milch am lokalen Markt können nun mehr als 50 Prozent der betroffenen Haushalte ein regelmäßiges Einkommen erzielen und so ihre gesamte Familie ernähren. Zusätzlich erhielten die Menschen Futtermittel für insgesamt sechs Monate, ein Erste-Hilfe-Veterinär-Kit, um kranke Tiere versorgen zu können und eine Training in Viehzucht.

Trinkwasserversorgung

Durch die Flutkatastrophe wurden in Bihar die meisten Wasserquellen stark verunreinigt. Tausende Menschen hatten daher keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Folge: eine zunehmende Verschlechterung des Gesundheitszustandes innerhalb der Bevölkerung Bihars.

ADRA hat daher 88 Handpumpen in Dörfern und vier Handpumpen in Schulen installiert, um den Menschen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen, denn eine hinreichende Hygiene und Trinkwasserversorgung ist die Grundvoraussetzung für eine Verbesserung der allgemeinen Lebenssituation. Nur wer gesund ist kann arbeiten, sich weiterbilden und so für seine Familie langfristig eine positive Veränderung erwirken. Diese speziellen Wasserzugänge werden auf erhöhten Plattformen errichten. Dadurch wird sichergestellt, dass die Wasserzugänge auch vor der nächsten Flutkatastrophe sicher sind. Insgesamt 15 576 Menschen haben durch die Handpumpen einen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Zusätzlich zur Installation der Handpumpen wurden in den acht Dörfern Hygiene-Schulungen für den richtigen Umgang mit Trinkwasser durchgeführt. Insgesamt konnten durch diese Maßnahmen 27'221 Menschen erreicht werden.

Katastrophenvorsorge

Naturkatastrophen können zwar nicht verhindert werden, allerdings glaubt ein Großteil der Bevölkerung in Bihar, man könne sich auch nicht darauf vorbereiten. Daher war es ADRA zunächst ein besonders wichtiges Anliegen, das Bewusstsein der Menschen für Maßnahmen der Katastrophenvorsorge und deren Nutzen zu sensibilisieren. Kinder und Lehrer in Schulen sowie die Bevölkerung von 18 Dörfern wurden daher in der Katastrophenvorsorge geschult. Zusätzlich bildete ADRA in acht Dörfern Sondereingreifgruppen aus. Im Fall einer Katastrophe können diese schnell und gezielt Maßnahmen zur Sicherung der Bevölkerung einleiten. Zu diesem Zweck wurden zusätzlich Notfall- und Evakuierungspläne aus den Gefahrenkartierungen der Bevölkerung entwickelt.

Insgesamt konnte 50'000 Menschen in Bihar durch dieses Projekt geholfen werden.