ADRA Gesundheitsprojekt: Ein "neues" Leben für 21.000 Frauen in Nepal

Im ländlichen Nepal fehlt es überall an medizinischer Ausrüstung, Arzneimitteln und geschultem, medizinischen Personal. Vor allem die Gesundheit der weiblichen Bevölkerung ist gefährdet. Zu den häufigsten Beschwerden gehören Gebärmuttervorfälle. 2009 startete ADRA ein Gesundheitsprojekt in Nepal, um die notwendige chirurgische und medikamentöse Behandlung betroffener Frauen sicherzustellen und medizinische Aufklärungsarbeit im Land zu leisten, denn viele Frauen sind sich nicht über die Gefahren dieser Erkrankung im Klaren.

Harte körperliche Arbeit: Alltag für viele Frauen in Nepal

Ein Großteil der nepalesischen Bevölkerung wohnt in schwer zugänglichen, gebirgigen Regionen - über 80 Prozent arbeiten in der Landwirtschaft. Vor allem für Frauen ist dies ein schwieriges Unterfangen. Schon kurz nach einer Entbindung – diese dauert bei den Frauen manchmal bis zu drei Tage - müssen sie wieder schwere, körperliche Arbeit verrichten, um sich den Lebensunterhalt zu sichern. Die fehlende Ruhephase führt häufig zu sogenannten Gebärmuttervorfällen. Doch viele der Frauen wissen gar nicht, dass dieses Heraushängen der Gebärmutter nicht normal ist und halten es für eine übliche Folgeerscheinung der Entbindung. Aufklärungsarbeit ist demnach einer wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung in Nepal.

Gebärmuttervorfälle sindoperabel, allerdings können sich die betroffenen Frauen in Nepal eine Operation oft nicht leisten bzw. den weiten Fußmarsch zur nächstgelegenen Klinik nicht bewältigen. Um wenigsten eine einigermaßen ausreichende Hygienesituation herzustellen, binden sich viele Frauen die vorgefallene Gebärmutter mit Plastiktüten ab – was natürlich auf lange Sicht keine adäquate Lösung darstellt.

2009 startete ADRA ein Gesundheistprojekt für Frauen in Nepal

Um den Frauen in Nepal zu helfen, hat ADRA Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Amt für Humanitäre Hilfe (ECHO) im Juli 2009 ein einjähriges Gesundheitsprojekt gestartet. Ziel des Projekts war es, betroffenen Frauen in den abgelegenen Provinzen Westnepals, Kalikot und Accham, chirurgisch notwendige Eingriffe zu ermöglichen und die  reproduktive Gesundheitsvorsorge zu verbessern. Neben Krankentransporten wurden dafür „mobile Camps“ eingesetzt, die eine medizinische Grundversorgung für die Bevölkerung ermöglichte, sowie Aufklärungsgespräche durchführte, über Methoden zur Familienplanung, die Verhinderung sexuell übertragbarer Krankheiten und die Behandlungsmöglichkeiten von Gebärmuttervorfallen.

Auch die 28-Jährige Sushila aus Kalikot hatte einen Gebärmuttervorfall.

"Keiner hat mich über den Ernst der Lage aufgeklärt", berichtet Suhila. "Ich hatte ja auch kein Geld, um mich untersuchen zu lassen. Außerdem war es mir peinlich. Eines Tages kam dann ein mobiles Gesundheitsteam von ADRA ins Lager. Dort ging ich zu einer Ärztin, die mich untersuchte und an die Chirurgie in Nepalgunj verwies. Dort wurde ein medizinischer Eingriff vorgenommen und 14 Tage später war ich wieder zuhause. Jetzt, nach dem Eingriff, fühle ich mich wieder wie ein junges Mädchen und bin endlich frei von Schmerzen. Durch ADRA habe ich quasi ein zweites Leben geschenkt bekommen".

82.000 Menschen können von dem ADRA Gesundheitsprojekt profitieren

Insgesamt erhielten durch das ADRA-Projekt über 700 Frauen direkte medizinische Hilfe, in Form eines chirurgischen Eingriffs. Weitere 18 000 Menschen konnten eine medizinische Grundversorgung und reproduktive Gesundheitsbehandlungen wie Beckenbodengymnastik in Anspruch nehmen, die leichte Gebärmuttervorfälle konservativ korrigieren können. Rechnet man die Weitergabe des neu gewonnenen Wissens an Familienangehörige und Bekannte mit ein, so konnten mehr als 82 000 Menschen von dem ADRA-Projekt profitieren.

 

 

 

Das Projekt wurde unterstützt von:

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