2 Jahre nach der Dreifachkatastrophe: Japan erholt sich langsam

Vor zwei Jahren riss ein Beben mit anschließendem Tsunami in Japan knapp 20.000 Menschen in den Tod. Die Präfektur Fukushima erlebte zudem den schwersten Atom-Unfall seit Tschernobyl 1986. Was anhand dieser Zahlen nicht deutlich wird, sind die vielen Menschen, die durch die Katastrophe ihr Zuhause verloren haben und noch immer jenseits ihres ehemaligen Alltags leben. Wie geht es den Menschen heute?

In einer Schweigeminute wurde in Japan heute den Opfern der dreifachen Katastrophe im März 2011 gedacht. Wir wollen aber auch diejenigen nicht vergessen, die durch den Tsunami ihr Zuhause verloren haben und nun den schweren Weg zurück in den Alltag meistern müssen.

Flucht vor der Strahlung

Die radioaktive Belastung in der weiteren Umgebung des Kernkraftwerkes ist zwar zurückgegangen, aber noch immer leben rund 150'000 Menschen aus Angst vor der Strahlung in Übergangshäusern - weit entfernt von ihrer alten Heimat. Die unmittelbare Umgebung des Kraftwerks wird wohl für Jahrzehnte unbewohnbar bleiben. Informationen wie diese bekräftigen ADRA Deutschland in dem Versuch, verstärkt auf alternative Energiegewinnung zu setzen. Schon seit Jahren setzt ADRA auch in Entwicklungsländern auf Solarenergie. Diesen Bereich wollen wir in Zukunft noch stärker ausbauen.

ADRAs Hilfe direkt nach der Katastrophe

Zahlreiche Menschen haben durch das Erdbeben und den Tsunami auf einen Schlag ihre Bleibe verloren. Schon kurz nach der Katastrophe stellten unsere Kollegen von ADRA Japan in der Krisenregion um Sendai Not-Unterkünfte für die Menschen bereit und verteilten warme Mahlzeiten.

ADRAs Hilfe - zwei Jahre danach

Auch zwei Jahre nach der Katastrophe ist bei Tausenden in der Region um Fukushima kein Alltag eingekehrt. Ihre Wohnungen wurden entweder durch den Tsunami zerstört oder sie flohen vor der Strahlung. Untergekommen sind sie bei Verwandten oder in einem der über 4.300 Wohncontainer, die vom Staat bereitgestellt wurden. Da sie seit über einem Jahr dort leben, müssen die Übergangswohnungen auch mit allem nötigen ausgestattet sein, was die Menschen zum Leben brauchen. Deshalb hat ADRA für die Notunterkünfte die wichtigsten Haushaltsgegenstände wie Waschmaschinen, Reiskocher, Geschirr und Reinigungsmittel zur Verfügung gestellt.

Psychosoziale Unterstützung - ein wichtiger Schritt

Mit den noch vorhandenen Restmitteln führt ADRA Projekte zur sozialen Stabilisierung der Menschen durch. Die traumatischen Erlebnisse, Bilder und Emotionen müssen verarbeitet werden. Ein besonderer Fokus wird auf Hilfeleistungen für Schulkinder gelegt, die durch die Umsiedelung in Übergangsheime nun besonders weite Schulwege auf sich nehmen müssen.

In vier unterschiedlichen Projekten ermöglicht ADRA Deutschland psychosoziale Beratungen, baut traditionelle soziale Aktivitäten wieder auf und bietet Kurse zur Katastrophenvorsorge an. ADRA Japan begleitet damit die Menschen auf ihrem Weg, zurück in die Normalität. ADRA ermöglicht auch wichtige soziale Zusammenkünfte wie Ashiyu oder Ochakko-Events. Ashiyu, ein besonderes Fußbad, ist Teil der japanischen Kultur. Sie sind genauso wichtig für die Wiedereingliederung der Menschen, wie  Ochakko-Events: hier treffen sich die Menschen, um z.B. bei einer Tasse Tee miteinander zu sprechen und das erlebte zu verarbeiten.

ADRA erreicht mit einer mobilen Suppenküche auch die Menschen in entfernteren Gegenden, die durch den Tsunami fast alles verloren haben. Etwa 450 Personen können durch dieses Projekt nach der Katastrophe wieder ein Stück Alltag erleben. Damit ADRA-Mitarbeiter und Freiwillige auf mögliche zukünftige Katastrophen gut vorbereitet sind, besuchen sie Workshops zur Katastrophenvorsorge inkl. Erste-Hilfe-Trainings. ADRA Deutschland stellt entsprechende Unterlagen sowie Leitlinien zur Verfügung.

Mit diesen Projekten unterstützt ADRA Deutschland 1.490 Menschen in der Region Yamamoto in Japan.