Widerstand gegen die Dürre – ADRA unterstützt Menschen in Äthiopien

Die Mehrheit der Bevölkerung in der Region Afar in Äthiopien lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die Gegend gehört klimatisch zu einem der weltweit heißesten Gebiete und ist durch geringen Niederschlag, karges Ackerland und beschränkten Zugang zu Wasser gekennzeichnet. Dawit Mehari, Länderkoordinator für Kenia, Äthiopien und Südsudan, hat vor Kurzem die Projektregion bereist und spricht im Interview darüber, in welcher Form ADRA für die Betroffenen Hilfe leistet.

©Sherryn Kieltyka/ADRA Ethiopia

©Sherryn Kieltyka/ADRA Ethiopia

Typische Hütte in der Afar-Region

Frau bei der Feldarbeit

Hirte mit Ziegenherde

ADRA hat ein neues Projekt zur Ernährungssicherheit in Äthiopien gestartet. Was sind die Hintergründe zu diesem Projekt?

Die Afar-Region ist durch starke Trockenheit gekennzeichnet. Dadurch hat sich die Situation für die dort lebenden Menschen in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Es regnet immer weniger und die Dürreperioden häufen sich. Aber gerade die dort lebenden Nomaden sind auf Regen angewiesen. Sie wechseln ihren Standort regelmäßig und leben von der Viehwirtschaft. Der Mangel an Wasser und Nahrung für die Tiere führt nicht selten zu Viehsterben und Hungersnot bei den Menschen.

Sie waren vor Kurzem vor Ort. In welchem Stadium befindet sich das Projekt derzeit?

Ich hatte die Möglichkeit, die Projektregion zu besuchen und wir haben das Projekt in einer offiziellen Veranstaltung gestartet. Dazu waren Vertreter verschiedener Behörden, die beispielweise zuständig sind für Landwirtschaft, Wasser, Katastrophenvorsorge und Mikrofinanzen, sowie Dorfälteste der teilnehmenden Dörfer eingeladen. In diesen Rahmen haben wir ADRA sowie das Projekt ausführlich vorgestellt. Anschließend haben wir uns einen Eindruck vom Projektgebiet und den Lebensbedingungen der Menschen gemacht. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen und sie haben ihre Bereitschaft erklärt, das Projekt zu unterstützen und daran mitzuwirken.

Welche konkreten Hilfsmaßnahmen sind geplant?

Das größte Problem, das die Menschen in der Afar-Region haben, ist die Wasserknappheit. Daher ist der Bau von Wasserauffangbecken und Wasserentnahmestellen geplant. Bereits vorhandene Brunnen und Wasserstellen werden ebenfalls wieder nutzbar gemacht.

Des Weiteren stellt die Ernährungsunsicherheit ein weiteres großes Problem für die Bevölkerung dar. Deswegen ist geplant, den Nomaden Landwirtschaft in Form von Gemüse- und Obstgärten sowie Getreidefeldern näherzubringen. Hierzu erhalten die Menschen verbessertes Saatgut und Setzlinge und es werden Kleinbewässerungsanlagen eingeführt. Diese Anlagen ermöglichen eine gezielte und sparsame Bewässerung der Gärten und Felder. Außerdem besteht die Möglichkeit, sogenannte „Sackgärten“ anzulegen. Dabei handelt es sich um Beete in transportierbaren Pflanz-Säcken, die mit Erde und Steinen gefüllt sind. So kann Gemüse auch auf engstem Raum mit wenig Wasser angebaut werden. Das Wissen wird durch Schulungen an Vertreter der lokalen Behörden vermittelt, die wiederum die Dorfgemeinschaften einweisen.

Um die Probleme im Bereich der Tierhaltung zu beheben, spielt auch die tiermedizinische Versorgung eine wichtige Rolle in diesem Projekt. Wichtiger Kompetenzpartner ist „Vétérinaires Sans Frontières“. Die tierärztliche Versorgung wird dazu beitragen, plötzliche Viehverluste aufgrund akuter Erkrankungen mit hoher Sterblichkeitsrate zu vermeiden. Zusätzlich wird der vorbeugende tiermedizinische Dienst der Regierung gestärkt.

Grundsätzlich wird bei allen Maßnahmen darauf geachtet, dass die Widerstandfähigkeit der Hirtennomaden gestärkt wird und die Nachhaltigkeit sichergestellt ist.

Das Stärken der Resilienz der Bevölkerung sowie die Nachhaltigkeit sind demnach die übergeordneten Ziele des Projekts. Mit welchen Maßnahmen werden diese noch erreicht?

Die Stärkung der Resilienz, also der Widerstandskraft gegenüber Katastrophen, spielt im Projekt eine besonders wichtige Rolle. Dazu werden wir zusammen mit den zuständigen Behörden sowie der Zivilbevölkerung Notfallpläne erstellen. Das heißt, wir analysieren gemeinsam die Herausforderungen, die es in der Region gibt beziehungsweise die Art und Häufigkeit von Katastrophen. Für jeden Fall wie beispielsweise Wassermangel, Schädlingsbefall der Ernte oder Tierkrankheiten, werden Notfallpläne erstellt und Maßnahmen abgeleitet. 

Wie wird die Wirksamkeit des Projektes gemessen bzw. sichergestellt?

Die Wirksamkeit wird daran gemessen, inwieweit die Bevölkerung nachhaltige Ernährungssicherheit und Wasserversorgung erlangt und Katastrophen ohne Hilfe gut überstehen kann. So werden die Menschen auch darin geschult, wie man Business Pläne erstellt, mit deren Hilfe sie eigene Kleinunternehmen gründen können. Denn wir gehen davon aus, dass die Familien landwirtschaftliche Überschüsse erwirtschaften werden, die sie in eigenen Geschäften oder auf lokalen Märkten verkaufen können. Aus den Verkaufserlösen können sie Rücklagen bilden, mit denen sie Ernteausfälle überbrücken oder ihre Tiere medizinisch behandeln lassen können. Darüber hinaus wird analysiert, für welche weiteren Kleinunternehmen in der Region Bedarf besteht. Diese einkommensgenerierenden Maßnahmen machen die Menschen langfristig widerstandsfähiger gegenüber Katastrophen.

Dawit Mehari, Länderkoordinator für Kenia, Äthiopien und Südsudan

 

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