Weltalphabetisierungstag - Bildung bleibt ein Privileg

Lesen und schreiben zu können ist Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Die Möglichkeit, dies erlernen zu können, ist ein Menschenrecht, besteht aber nicht für jeden. Bildung bleibt ein Privileg. Laut UNESCO können weltweit etwa 781 Millionen Menschen nicht gut oder gar nicht lesen und schreiben, fast zwei Drittel von ihnen sind Mädchen und Frauen. Der Weltalphabetisierungstag am 8. September mahnt die weltweiten Zustände an.

Der größte Anteil der weltweiten Analphabeten verteilt sich auf nur zehn Länder, alleine in Indien leben 287 Millionen Analphabeten. Der Weltalphabetisierungstag stellt die Bedeutung von Bildung und Alphabetisierung in den Fokus. Dieser jährliche Gedenktag wurde von der UNESCO im Anschluss an die Weltkonferenz zur Bekämpfung des Analphabetismus 1965 in Teheran ins Leben gerufen. Jedes Jahr an diesem Tag vergibt die UNESCO Alphabetisierungspreise, um Beispiele aus der Praxis der Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Mit Bildung gegen die Armut

Bildung befähigt zu einer individuellen Lebensplanung, eigener Berufswahl und eigenem Einkommen. Bildung ist außerdem ein bedeutender Faktor für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung eines Landes. Eine der Hauptursachen dafür, dass nicht alle Kinder die Schule besuchen können, ist Armut. Vor allem Mädchen müssen zum Gelderwerb der Familien beitragen oder Hausarbeit verrichten. Um jedoch Herausforderungen wie Armut oder Folgen des Klimawandels anzugehen, braucht die Weltgemeinschaft Lernende mit Kenntnissen und Qualifikationen, die eine nachhaltige Entwicklung aktiv mitgestalten können. Die Vereinten Nationen haben am 25. September 2015 in New York die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung verabschiedet. Die dort vereinbarten Ziele sollen dazu beitragen, weltweit allen Menschen ein Leben in Würde, in Frieden und ohne Armut zu ermöglichen. Um diese 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) zu erreichen, wird die Rolle von Bildung als essentiell angesehen. Das Entwicklungsziel 4 lautet, „für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherzustellen.“

Alphabetisierungs- und Bildungsprogramme von ADRA

Bildungsprogramme für Kinder, Jugendliche und Erwachsene führt ADRA derzeit mitunter in Äthiopien, Serbien und Myanmar durch. Die Mekelle Adventist School in Äthiopien besteht aus einem Kindergarten und einer Grundschule. Das baufällig gewordene High School-Gebäude wird von ADRA modernisiert und durch einen Neubau ergänzt. Die Unterrichtsmaterialien werden verbessert. Ziel ist, die Einschulungsrate zu erhöhen, denn in den letzten Jahren war ein Rückgang der Einschulungsrate von über 70 Prozent zu verzeichnen. In Serbien ermöglicht ADRA in Zusammenarbeit mit den öffentlichen Behörden Kindern der Roma die Teilnahme an öffentlichen Schulen. Roma gehören zu den ethnischen Minderheiten Serbiens, nur ein Viertel der eingeschulten Kinder beenden die Grundschule, eine Sekundarabschluss erlangen weniger als 10 Prozent. Für erwachsene Roma werden mehrmonatige Bildungsprogramme durchgeführt. Ethnische Minderheiten im Osten Myanmars unterstützt ADRA mit Bildungsmaterialien und Traininsangeboten für Lehrer. Sie werden geschult, die sie Unterricht in die abgelegnen Regionen ohne Schulen bringen können.