Schulbildung für Kinder im ländlichen Myanmar

In Myanmar lebt ein Großteil der ethnischen Minderheiten in abgelegenen Bergregionen ohne Infrastruktur. Somit fehlt den Kindern dieser Bevölkerungsgruppen meist auch der Zugang zu Bildung. Anna Krikun, Koordinatorin für die Region Südostasien & Pazifik, erzählt, wie ADRA es ihnen ermöglicht, zum ersten Mal im Leben eine Schule zu besuchen.

Mit welchen Problemen sind die Menschen in der Projektregion konfrontiert?

Die Projektregion liegt in den ländlichen und sehr abgelegenen Provinzen Shan und Karen. Dort leben verschiedene ethnische Minderheiten, deren Leben von Konflikten der Zentralregierung und oppositionellen Gruppen geprägt ist. Außerdem gibt es in den Dörfern meist keinerlei Bildungsmöglichkeiten. So wachsen die Kinder auf, ohne Lesen und Schreiben oder die offizielle Sprache Burmesisch zu lernen. Erschwerend kommt hinzu, dass jede Region eine oder mehrere Sprachen spricht, so dass Lehrer, die von der Zentralregierung geschickt werden und Burmesisch sprechen, von den Kindern nicht verstanden werden. Zudem finden sich kaum passende Lehrer, die in diese entlegenen Regionen gehen möchten, um dort zu unterrichten. So bleiben die Menschen auf ihr ärmliches Leben im Dorf beschränkt und haben keine Möglichkeit es zu verbessern.

Mit welchen Maßnahmen hilft ADRA den Menschen in Myanmar ganz konkret?

ADRA arbeitet mit den Verwaltungen der Provinzen sowie mit lokalen NGOs zusammen und unterstützt das ethnische Bildungssystem und die Menschen auf verschiedenen Ebenen. ADRA schickt so genannte TEES (Teachers Extending Education Services) in die Projektregionen. Das sind Personen, die aus den jeweiligen Regionen kommen, die Sprache(n) der Minderheiten beherrschen sowie über eine Grundbildung verfügen. Sie werden in pädagogischen Themen geschult und ihr Wissen in den zu unterrichtenden Fächern wird vertieft. Anschließend unterrichten sie die Kinder in den jeweiligen ethnischen Sprachen, in Burmesisch, Englisch und Mathematik bis zur fünften Klasse. In besser entwickelten Regionen der Karen-Provinz werden auch Geografie und Naturwissenschaften unterrichtet. Diese Lehrer werden von so genannten EAA (Education Assistant Assistants) unterstützt, von denen sie Stipendien und fachlichen Rat erhalten. Das sind Lehrer, die schon mehr Erfahrung haben oder bereits in ähnlichen Projekten mitgewirkt haben. Intensiv geschult werden sie durch so genannte MTT (Mobile Teacher Trainers). Sie besuchen die Dörfer regelmäßig und gehen von Schule zu Schule. Sie bleiben für mehrere Tage in jedem Dorf – wenn notwendig bis zu zehn Tage. Diese Lehrer verfügen über ein höheres Bildungsniveau und können den Bildungsprozess in den Dörfern gezielt voranbringen.

Für die Kinder in den Dörfern bedeutet es, dass sie eine Grundbildung erhalten, mit der sie sich in Zukunft besser im Leben zurechtfinden können. So werden sie es beispielsweise leichter haben, landwirtschaftliche Erzeugnisse auf den Märkten der Provinzhauptstadt zu vermarkten, weil sie sich mit den Menschen dort auf Augenhöhe unterhalten können.

Sie waren vor Kurzem vor Ort. In welchem Stadium befindet sich das Projekt derzeit?

Das Projekt ist vor über einem halben Jahr angelaufen und mittlerweile findet in 120 Dörfern regelmäßig Unterricht statt. Die Eltern waren sehr erfreut darüber, dass ihre Kinder endlich die Möglichkeit bekommen, etwas zu lernen und schicken nicht nur die Jungen zur Schule, sondern auch die Mädchen. Die Dorfgemeinschaft unterstützt die Lehrer mit einer Unterkunft und Verpflegung. Es werden Klassen von bis zu 80 Schülern unterrichtet und die Kindern sind zwischen fünf und dreizehn Jahren alt. Von ADRA haben die Schüler auch Schulmaterialien erhalten, mit denen sie jetzt arbeiten können. Für viele Kinder ist es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie eine Schule besuchen können.

Das Projekt wird in einem halben Jahr beendet. Wie geht es dann weiter?

Derzeit sucht ADRA nach Möglichkeiten, das Projekt fortzusetzen, um weiterhin in der Region aktiv sein zu können. Da die Projektregion so abgelegen ist, erhalten die Menschen dort kaum Unterstützung und auch für die Zentralregierung Myanmars spielt die Bildung in den ethnischen Provinzen nur eine untergeordnete Rolle. So sind rund sechzig Prozent der Menschen in der Shan-Provinz Analphabeten. Daher ist die Bildungsarbeit von ADRA in Myanmar umso wichtiger und kann nur dann nachhaltig sein, wenn sie langfristig weitergeführt wird.


Anna Krikun, Regionalkoordinatorin Südostasien & Pazifik

 

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