Lage im Jemen dramatisch - Schließung der Luft-, See- und Landhäfen

Fünfzehn humanitäre Hilfsorganisationen, darunter auch ADRA, äußerten kürzlich ihre ernste Besorgnis über die Entscheidung Saudi-Arabiens und seiner Koalitionspartner, alle Einreisewege in den Jemen vorübergehend zu blockieren. Die Organisationen fordern, dass humanitäre Maßnahmen unverzüglich fortgeführt werden müssen und auch Transparenz über die geplante Dauer der Blockade.

Die Koalition ordnete unter anderem die vorübergehende Schließung aller jemenitischen Boden-, Luft- und Seehäfen an. In ihrer Erklärung hieß es, dies diene der Behebung von Fehlern im Inspektionsprozess. Gleichzeitig solle die Einfuhr von humanitären Hilfsgütern und Personal aufrechterhalten bleiben. Die Erklärung enthielt jedoch keine Klarstellung zur Dauer der Blockade oder zur Frage, wie humanitäre Hilfe geleistet werden könne.
Angesichts der gegenwärtigen akuten Hungerkrise und Choleraepidemie werden Blockaden weitere Frauen, Männern und Kindern das Leben kosten.

Johan Mooij, Länderdirektor von CARE, beobachtete:

„Wir begrüßen die Zusage der Koalition, dass die Fortsetzung des Zugangs für humanitäre Hilfe und Personal unterstützt wird, aber Hilfsschiffe in Hudeida durften ihre Fracht nicht abladen und mindestens drei Flüge der UN wurden seit dem 6. November abgelehnt. Wir sind zutiefst besorgt, da dies direkte Auswirkungen auf die lebensrettende Hilfe hat. Im Jemen herrscht eine Hungersnot, die Cholera breitet sich aus und staatliche Leistungen seitens des Jemen sind erschöpft.“

In weniger als einem Tag hat die Blockade in einigen Regionen die Treibstoffpreise um 60 Prozent erhöht. Die Schließung aller See-, Luft- und Landhäfen hat zur Folge, dass die lebensnotwendige medizinische Versorgung eingestellt wurde. Darunter leiden Hunderttausende von Menschen. Ebenso wird die Blockade die Menge von dringend benötigten Nahrungsmitteln reduzieren. Jeder Rückgang der Importe und der daraus folgende Anstieg der Nahrungsmittelpreise werden die bestehende massive Hungerkrise und die weit verbreitete Unterernährung der Kinder verschärfen.

Tamer Kirolos, Länderdirektor von Save the Children, warnt:

„Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe über die jemenitischen Häfen hält Millionen von Kindern am Leben. Es war ohnehin schwierig, Hilfe von außen zu bekommen, wir waren seit Jahren gezwungen, lange und langsame Wege nutzen zu müssen. Aber wenn der Zugang für eine Woche komplett blockiert wird, ist das eine Katastrophe. Dies ist ein Albtraumszenario und wahrscheinlich werden weitere Kinder sterben. Es ist notwendig, dass Helfer und lebenswichtige Hilfsgüter wie Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff ohne Verzögerung in den Jemen gebracht werden können und alle Blockaden aufgehoben werden!“

Es besteht Unklarheit über das Ausmaß und die Dauer dieser Maßnahmen und ihre erwarteten Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Werden die Einreisewege nicht in Kürze geöffnet, wird sich die ohnehin katastrophale humanitäre und wirtschaftliche Krise erheblich verschlechtern. Darüber hinaus kann der humanitäre Sektor allein die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung im Jemen nicht erfüllen. Der Handelssektor kann von den Hilfsorganisationen nicht ersetzt werden.

Shane Stevenson, Länderdirektor von Oxfam fordert:

„Die Koalition muss unverzüglich die von ihr ergriffenen Maßnahmen klären und Informationen bereitstellen, um sicherzustellen, dass die Hilfslieferungen an den Jemen und der humanitäre Zugang in keiner Weise beeinträchtigt werden. Es ist wichtig, dass inmitten der größten humanitären Krise der Welt mit 21 Millionen notleidenden Menschen Hilfe nicht verzögert oder behindert wird!“