Hunger und Cholera bedrohen Menschen im Jemen

Der Jemen steht vor einer menschlichen Tragödie. 20,7 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das sind 75 Prozent der Bevölkerung. Der seit März 2015 andauernde Bürgerkrieg hat die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser fast völlig zusammenbrechen lassen, ebenso das Gesundheitssystem. 14,9 Millionen Jemeniten haben keinen Zugang zu medizinischen Einrichtungen. Einfache Erkrankungen und Infektionen werden schnell lebensbedrohlich.

Die Cholera breitet sich derzeit weiter aus. Cholera verursacht starken Durchfall und Erbrechen und ist besonders für Kinder, Alte und Geschwächte eine Gefahr. Im Oktober 2016 berichtete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) von ersten Cholerafällen, innerhalb von drei Monaten breitete sich die Krankheit landesweit aus. Inzwischen haben sich 400.000 infiziert und 2000 Menschen sind schon daran gestorben. Diese Epidemie ist die schlimmste, die jemals dokumentiert wurde. Jetzt steht die Regenzeit vor der Tür und die Lage wird sich verschlimmern. Das dringend erwartete Regenwasser wird durch massenhaft herumliegende Müllberge verschmutzt und verseucht das wenige saubere Trinkwasser. „Die hygienischen Zustände sind katastrophal“, sagt Lukas Driedger, Länderkoordinator von ADRA Deutschland. Immer weniger Menschen haben Zugang zu sanitären Anlagen. Die Infrastruktur ist weitgehend zerstört, dazu droht eine Hungerkatastrophe. Nahrungsmittel- und Wasserknappheit zwingen die Jemeniten, verschmutztes Wasser zu trinken. Insgesamt sind etwa zwei Millionen Menschen vor der Not im eigenen Land auf der Flucht.

ADRA ist mit medizinischen Teams im Einsatz

Um eine weitere Ausbreitung der Cholera zu verhindern und die verbliebenen 20 Prozent der funktionierenden medizinischen Einrichtungen zu unterstützen, ist ADRA als eine der wenigen Hilfsorganisationen vor Ort. Die Einsätze mit mobilen medizinischen Teams finden unter schwierigen Bedingungen statt, dabei setzen sich die Helfer großen Gefahren aus. Doch „ohne Hilfe wird sich die Situation weiter verschärfen“, warnt Driedger, „den Menschen fehlt es vor allem an Medikamenten und Hoffnung!“ In vielen Landesteilen hungern die Menschen, rund 500.000 Kinder sind mangelernährt. Das ist ein Anstieg von 200 Prozent seit Beginn des Bürgerkrieges. Mehr als sieben Millionen Jemeniten drohen in kurzer Zeit zu verhungern. ADRA versorgt schwere Fälle von Cholera und Unterernährung stationär in zwei Kliniken.

Um den Menschen im Jemen helfen zu können, bittet ADRA Deutschland dringend um Spenden unter dem Stichwort „JEMEN“.