Ein sicheres Zuhause

Starke Regenfälle haben in Peru zu Beginn des Jahres ganze Landstriche überflutet und zu Erdrutschen geführt. Die Katastrophe traf über 730.000 Menschen. 28.000 Häuser wurden unbewohnbar. Mit dem Projekt „Ein sicheres Zuhause“ unterstützt ADRA 57 Familien bei der Errichtung von befestigten Unterkünften mit sanitären Anlagen. Unmittelbar nach der Katastrophe lief die Hilfe in Form von Lebensmittelpaketen an. Im Juni startete dann der Bau der Häuschen. ADRA-Soforthilfekoordinatorin Viridiana Corral Martínez ist gerade zurück aus der besonders betroffenen Region Lambayeque.

Wie sieht die Lage in der Katastrophenregion derzeit aus?

Die Lage in den Bergen ist zu gefährlich als dass die Menschen dorthin zurückkehren könnten. Also musste ein ganzes Dorf umgesiedelt werden. Das neue Dorf „Nueva Shita Alta“ liegt auf der anderen Seite des Berges und bietet den Menschen eine sichere Lage ohne Risiko von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Schlammlawinen.

Was wurde konkret für die Familien getan?

Ursprünglich war lediglich geplant, die neuen Häuschen zu bauen. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass das Gelände zuerst begradigt werden musste, bevor man mit dem Bau starten konnte. Außerdem kamen zum Glück noch weitere Geldgeber hinzu, so dass wir das Projekt verbessern konnten. So bauen wir 57 statt nur 45 Häuser und können sie wesentlich besser ausstatten. Und es sind zwei Schulen und ein Marktplatz hinzugekommen. Aufgrund dieser Änderungen hat sich die Laufzeit des Projekts um einen Monat verlängert.

ADRA hat den Menschen dabei geholfen, neue Einnahmequellen aufzutun. Früher haben sie nur für den eigenen Verbrauch produziert - jetzt erzielen sie Einnahmen aus dem Verkauf. Einmal die Woche bieten sie ihre Produkte auf dem neugebauten Marktplatz an. Dafür haben sie eigene Labels entworfen. Ein anderer Bereich, in dem ADRA geholfen hat, ist die psychische Bewältigung. Die Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und das müssen sie erst einmal verarbeiten und akzeptieren.

Wie sah die Mithilfe durch die Betroffenen aus?

Die Menschen haben vorher auf dem Feld gearbeitet, sie waren Bauern. ADRA-Projektmitarbeiter haben sie darin geschult, Häuser zu bauen und das Gelände zu bearbeiten. Das wurde alles von Hand gemacht. Die Menschen sind großartig. Sie haben gleich mit der Arbeit weitergemacht und noch Möbel für die Häuser gezimmert. Bis Ende September soll alles fertig sein.

Wie kann man sich so ein Haus vorstellen?

Jedes Haus ist etwa 36 qm groß. Ursprünglich waren nur 24 qm geplant. Überall gibt es Solarmodule auf dem Dach, die für Licht sorgen. Die Toiletten sind Komposttoiletten, also biologisch abbaubar. Eine große Verbesserung gibt es auch in den Küchen: der Herd hat jetzt eine geschützte Feuerstelle. Vorher flog die Asche durch den Raum, das war nicht gut für die Gesundheit. In den Häuschen wohnen meist fünf Personen.

Bei der Planung haben wir ganz auf die Zusammenarbeit mit den Familien gesetzt. Sie haben beispielsweise gleich gesagt, dass sie zwei Eingänge brauchen, denn hinter dem Haus halten sie Schafe und Rinder. Durch den zweiten Eingang können sie schnell ihre Tiere versorgen. In der Gemeinschaft leben auch einige Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Das war natürlich eine besondere Herausforderung bei der Konstruktion der Häuser.

Welche Pläne haben die Familien für die Zukunft?

Wenn die Häuser fertig sind, können sich die Menschen wieder dem Anbau von Lebensmitteln widmen. Gleichzeitig wissen sie, wie und wo sie ihre Waren am besten verkaufen können. Auch ihre Kenntnisse im Bau bieten eine Lebensgrundlage. Mit all diesen Fertigkeiten können sie sich eine neue Existenz aufbauen.