Burkina Faso: „Den Ärmsten helfen, sich selbst zu ernähren“

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. 64 Prozent der Bevölkerung hungern. Der ohnehin karge Boden wirft aufgrund des Klimawandels immer weniger ab. Aus dem Nachbarland Mali sind die Menschen vor Krieg und Terror über die Grenze geflohen – das hat die Situation verschärft. Insbesondere die Sahel Region im Norden leidet. ADRA setzt in der Provinz Soum ein Projekt um, das die Nahrungsmittelproduktion vervielfachen soll. Heike Stumpf, Länderkoordinatorin und Referentin für Ernährungssicherheit, hat gerade den Einführungs-Workshop in der Hauptstadt Ouagadougou gehalten.

Wie ist die Wahl auf die - nicht ungefährliche - Region Soum gefallen?
„Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen hat ADRA Burkina bereits Erfahrungen in der Region, weil sie dort schon früher gearbeitet haben. Zum anderen gibt es hier sehr großen Bedarf. Soum ist eine klimatisch schwierige Region, aufgrund der Nähe zum Sahel. Hinzu kommt, dass sie betroffen ist vom Terrorismus und davon, dass viele Menschen aus Mali dorthin flüchten. Die Menschen sind besonders arm, die Heiratsquote von Mädchen sehr hoch und die Einschulungsrate extrem niedrig. Ein Ziel des Projektes ist es, den Ärmsten zu helfen, sich selbst zu ernähren.“

Wer sind die Menschen, die von dem Projekt profitieren?
„In drei Kommunen in Soum wollen wir insgesamt 26.000 Einwohner in den Dörfern erreichen. 200 Bauern werden besonders geschult und sollen ihr Wissen weitergeben, so dass am Ende noch mehr Menschen profitieren. Diese Modell-Bauern werden sorgfältig ausgewählt. Es gibt in den Dörfern bereits eine lokale Entwicklungskommission, die mitentscheidet. Die Ältesten der Dorfgemeinschaft haben ebenfalls ein gewichtiges Wort mitzusprechen. Es ist ein partizipatorisches Projekt. Also holen die Projektverantwortlichen schon in der Planungsphase alle Ansprechpartner mit an Bord. Für uns ist wichtig, auch die Randgruppen mit einzubeziehen. Da stoßen wir mittlerweile kaum noch auf Widerstand, denn es hat sich bei den Dorfobersten schon herumgesprochen, dass die Projektträger Frauen besonders fördern wollen. So war es dann auch keine Diskussion mehr, dass unter den 200 Modell-Bauern 40 Frauen sein sollen.“

Das Projekt läuft bis 2020 - welche Maßnahmen werden durchgeführt?
„Unser Projekt ist landwirtschaftlich ausgerichtet. Ein Aspekt ist, nicht genutzte, aber potentiell nutzbare Flächen zu erschließen. Dort können dann beispielsweise Frauen, die vorher keinen Zugang zu Land hatten, auf einer eigenen Parzelle Gartenbau betreiben. Die nötigen Kenntnisse dafür erhalten sie in Schulungen und Praxisdemonstrationen. Zusätzlich wird dafür gesorgt, dass 100 Hektar degradierter Boden sich erholen kann. Insbesondere soll verhindert werden, dass fruchtbare Erde weiter weggespült wird. Dabei ist es wichtig, die verhärtete Erdkruste aufzubrechen. Wenn der Boden wieder Wasser aufnehmen kann, verbessert sich die Fruchtbarkeit und somit die Ernährungssituation. Ein weiteres Ziel ist, dass die Palette der Produkte vielfältiger wird. Daher schult ADRA die Menschen darin, Reis und Gemüse anzubauen.
Fällt die Ernte höher aus, können die Menschen einen Teil auf Märkten anbieten und sich damit ein kleines Zusatzeinkommen schaffen.  Die Menschen werden auch in Mähtechniken ausgebildet und wie man Futterweiden schützt - so lässt sich die Viehhaltung verbessern.
4000 Menschen sind direkt begünstigt. Sie erhalten eine Ausbildung im Gartenbau. Für jedes Dorf bilden wir zudem einen Gesundheitsberater aus. Damit sollen Gesundheit und Ernährung, aber auch die Hygiene verbessert werden. Außerdem unterstützt ADRA 1000 Mütter mit Koch-Kits und Schulungen für bessere Ernährung und zur Vorbeugung von Krankheiten.“
25 besonders arme Haushalte bekommen Hilfe beim Bau einer Kompostierungsanlage. Mit dem Kompost einer Anlage können 25 Hektar Boden fruchtbar gemacht werden. Die Grube muss mit Zement abgedichtet werden und der Kompost regelmäßig mit Wasser befeuchtet. Dafür werden Schaufeln, Pickel, Zement und Gießkannen beschafft.“

Die Pilotproduzenten sollen ihr Wissen weitergeben. Aber viele Menschen sind Analphabeten – wie funktioniert das in der Praxis?
„Die Schulungsunterlagen umfassen auch staatlich anerkannte Bildersets. Darin sind die Themen bildlich dargestellt. Die Pilotteilnehmer werden damit vertraut gemacht und können die Sets auch für ihre eigenen Schulungen verwenden. Außerdem erhalten sie ein Fahrrad. Das erleichtert Feldbesuche, bei denen sie Demonstrationen durchführen.“

Was passiert im Moment, also in der Anlaufphase des Projekts?
„Derzeit ermitteln wir den Bedarf und bauen den Projektstandort auf. Danach laufen dann die ersten konkreten Maßnahmen. Bestimmte Aktivitäten kann man nur zu bestimmten Zeiten durchführen. In Burkina Faso ist die Gartenbauzeit im Dezember und Januar."