Irak - Kinder zwischen Furcht und Hoffnung

In einem syrischen Kinderlied bitten die Kinder um Hilfe. Es heißt sinngemäß: […] Lasst uns die Erwachsenen aufrufen, unsere Zukunft liegt in euren Händen. Kümmert euch um uns, nehmt uns unter eure Fittiche! [...]

Lieber Spender,

während einer kleinen Feier wurde dieses Lied von syrischen Kindern im Flüchtlingscamp Kawergosk nahe der kurdischen Stadt Erbil gesungen. Die anwesenden Erwachsenen waren sehr berührt von diesen klaren Worten. ADRA unterhält in diesem Camp einen kindgerechten Schutzbereich mit Spielplätzen, Schul- und Aufenthaltsräumen.

Eines dieser Kinder ist der fünfjährige Mohammed. Er wohnt mit seinen Eltern und seiner 14-jährigen Schwester seit 2013 im Camp. Aus Angst, ihm könne etwas zustoßen, ließ seine Mutter ihn nicht außerhalb des Zeltes spielen. Er wurde einsam und aggressiv, auch seiner Familie gegenüber. Schließlich hörte er sogar zu sprechen auf. Als im Camp das Kinderbetreuungsprogramm von ADRA startete, meldete ihn seine Mutter dort an. Zu Beginn hatte Mohammed Schwierigkeiten mit den Lehrern und anderen Kindern. Erst nach einiger Zeit und viel Geduld machte er gute Fortschritte und veränderte sein Verhalten. Er fand Freunde, hatte Spaß beim Spielen und respektierte die Lehrer. Mohammed begann wieder zu sprechen und je mehr Kontakt er zu den Kindern und den Erwachsenen hatte, desto besser wurde seine Aussprache.

Manche Familien leben schon mehrere Jahre im Camp. Eine unerträgliche Zeit des Wartens, Hoffens und Bangens, besonders für Kinder. Sie haben Fürchterliches erlebt. Ihr Leben ist geprägt von Angst und Flucht. Damit diese Jungen und Mädchen einen geschützten Raum haben, wo sie einfach nur Kind sein dürfen, wurde in dem Camp der kindgerechte Bereich (CFS Child Friendly Spaces) geschaffen. Hier wird gemalt, gesungen, getanzt und auf dem Spielplatz herumgetobt. Dort wird auch über Umgangsformen und Hygiene gesprochen. Die Kinder können ein Musikinstrument erlernen oder am Englischunterricht teilnehmen.

Quelle: UNHCR Technical Unit-Erbil

Die Kapazität ist begrenzt und entsprechend lang ist die Warteliste. Da die Arbeit mit den Kindern ein großer Erfolg ist, wird derzeit darüber nachgedacht, die kinderfreundliche Zone zu vergrößern. ADRA würde diese Aufgabe gern übernehmen. Der Ausbau und die laufenden Kosten müssen durch Spenden finanziert werden. Das Personal muss aufgestockt werden, es wird mehr Material benötigt, die Raummiete wird sich erhöhen und es sollen mehr Mahlzeiten an die Jungen und Mädchen ausgegeben werden. Lieber Spender, auch wenn dieses Lied der Kinder in einer Entfernung von über 4.100 km gesungen wurde, ist es bis hierher gut zu hören. Vielleicht nicht mit den Ohren, aber bestimmt mit dem Herzen. Helfen Sie, diesen Kindern mehr Freude und Hoffnung zu schenken.

Mit lieben Grüßen

 

 

Geschäftsführer
ADRA Deutschland e. V.